mini|hochkant=1.3|Die Terrassen am Halensee, 1904 mini|hochkant=1.3|Lunapark auf einer Karte von 1931, Quelle: Landesarchiv Berlin, Histomap Berlin
Der Lunapark (zeitgenössische Schreibweise: Luna-Park) war ein Vergnügungspark am Berliner Halensee. Er bestand von 1909 bis 1934.
Geschichte
Entstehung Im Jahr 1882 entstand am Ostufer des Halensees, der zu dieser Zeit ein beliebtes Freibad war, das von dem Ökonomen Saeger betriebene Wirtshaus am Halensee. Damals war der Kurfürstendamm ein Waldweg, auf dem am Sonntag die Familien mit Kremsern vom nahegelegenen Bahnhof Grunewald (heute: Bahnhof Halensee) in den Grunewald fuhren. Hier wurde Zwischenrast gemacht und es galt das Motto: „Hier können Familien Kaffee kochen“. Zu den Wirtshausräumlichkeiten gehörten bereits in den 1890er Jahren ein Rummel mit Karussell, Schieß- und Würfelbuden und eine Wasserrutschbahn, bei der ein pontonähnlicher Kahn den Berg zum See hinunterrollte.
Eröffnung mini|links|Lunapark, „Shimmy-Treppe“, 1904
Am 14. Mai 1904 eröffnete der Gastronom August Aschinger zusammen mit dem ehemaligen Küchenchef des Kempinski, Bernd Hoffmann, die Terrassen am Halensee. Entworfen wurde das Gebäude von Kurt Berndt und A. F. M. Lange. Die Bauplastiken schufen die Bildhauer Carl Caspary und Robert Schirmer. Es war ein moderner Märchenpalast mit beeindruckenden Türmen und einer großen Freitreppe zum Halensee hinunter. 1909 wurde die Anlage in Lunapark umbenannt, in Anlehnung an den 1903 eröffneten Lunapark auf Coney Island.Harald Jähner: Höhenrausch. Das kurze Leben zwischen den Kriegen. Rowohlt, 2022, ISBN 978-3-7371-0081-6, S. 269.
mini|Lunapark, Wasserrutschbahn, 1904 mini|links|Der samische Künstler Nils Nilsson Skum und seine Frau Helena Kuhmunen, Ausstellung „Nordland“, 1911 mini|Drehbares Haus, 1923 mini|Rassehunde-Ausstellung im Lunapark, 1928
Die Hoch-Zeit Der Park enthielt alle Rummelattraktionen der damaligen Zeit, wie eine Wasserrutschbahn, die im See endete, sowie als besondere Attraktion ein WellenbadAnsicht des Wellenbades im Lunapark, www.gettyimages.de, abgerufen am 18. Juli 2024., das von den Berlinern „Nuttenaquarium“ genannt wurde, weil sich hier die Damen den genießerisch am Beckenrand sitzenden Herren in der neuesten Bademode präsentierten.
Weitere Attraktionen waren eine Wackeltreppe („Shimmy-Treppe“) mit einem Gebläse am Ende, das die Röcke der Damen hob, sowie eine Gebirgsbahn, dazu ein Hippodrom. Nach dem Vorbild von Coney Island in New York war ein Vergnügungspark entstanden, der Sensationen, Abenteuer, Gefahr, die Illusion der großen weiten Welt und das Erlebnis der scheinbar grenzenlosen Möglichkeiten der Technik anbot. Völkerschauen, die erste Rolltreppe, jede Nacht ein großes Feuerwerk, Theater, Revuen, Jazzmusik, Kabarett, aber auch Tanzturniere und Boxkämpfe wurden hier geboten. 1926 gewann der junge Max Schmeling hier seinen ersten Titelkampf. Die Restaurants hatten eine Kapazität von 16.000 Sitzplätzen. Es gab das Bayern-Dorf, in dem das Bier „in Strömen floss“, oder das Luna-Palais für gehobenere Ansprüche. Der Park zählte in den Anfangsjahren täglich 50.000 Besucher, an Wochenenden mehr.
Neueröffnung Während des Ersten Weltkriegs und in der Inflationszeit gingen die Besucherzahlen stark zurück und die Anlage geriet in einen desolaten Zustand. Am 9. Mai 1929 wurde der Lunapark nach einer großen Erneuerung ein zweites Mal eröffnet.Eröffnung der Jubiläums-Saison 1929, Werbeanzeige in B.Z. am Mittag, 2. Mai 1929. Es gelang den Betreibern jedoch nicht mehr, an die alten Glanzzeiten anzuknüpfen.
Der Lunapark auf der Leinwand Der Lunapark war 1930 Kulisse für den Tonfilm Wer nimmt die Liebe ernst? (Deutschland 1931, Regie: Erich Engel, Hauptdarsteller: Jenny Jugo, Max Hansen). Ein wesentlicher Teil der Filmhandlung spielt bei einer Schönheitskonkurrenz (Misswahl) im Lunapark, die Filmszenen zeigen fast alle damaligen Attraktionen des Vergnügungsparks.Kurze Zusammenfassung der Filmhandlung auf einer Internetseite des Deutschen Historischen Museums, abgerufen am 10. September 2002
Das Ende mini|Lunapark, Aufnahme vermutlich aus den 1930er Jahren mini|Eröffnung des Halenseeparks, Mai 1939 mini|hochkant=0.8|Verbotsschild für Juden, 1944
Im Oktober 1934 musste der Lunapark endgültig schließenLunapark beim BA Charlottenburg-Wilmersdorf, abgerufen am 18. Juni 2015. und 1935 wurde die ganze Anlage abgerissen. Zuvor fand der von den neuen Machthabern verfolgte Puppenspieler Alfredo Bannenberg für kurze Zeit in der geschlossenen Anlage Unterschlupf. Von den Nationalsozialisten wurde der Park als Schandfleck betrachtet, sodass es ganz gelegen kam, dass man das Gelände für den Bau der Halenseestraße benötigte, die zu den Olympischen Sommerspielen 1936 eröffnet wurde und eine schnelle Verbindung zwischen dem Olympiastadion, der Deutschlandhalle, dem Messegelände am Funkturm und den südlich gelegenen Wettkampfstätten herstellte.
Die restliche Grünfläche wurde 1938 vom Berliner Gartendirektor Josef Pertl als Landschaftspark umgestaltet. Der nun neue Halenseepark wurde 1997 nach dem preußischen Politiker und Unternehmer Karl Rudolf Friedenthal in Friedenthalpark umbenannt.
Eine Gemeinschaft von Schaustellern mietete ein neues Areal in der Schönholzer Heide und belebte den Lunapark als Traumland dort wieder neu.Museumsverband Pankow (Hrsg.): Schönholzer Heide. Von einer Vergnügungsstätte zum Gedenkort. Berlin, 2007. S. 16–18. ISBN 978-3-938414-47-7.
Literatur Claudia Puttkammer, Sacha Szabo: Gruß aus dem Luna-Park. Eine Archäologie des Vergnügens. Freizeit- und Vergnügungsparks Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts. WVB, Berlin 2007, ISBN 978-3-86573-248-4. Erich Richard Majewski: Geschichten aus dem alten Halensee, vom Lunapark und vom Kurfürstendamm. Verlag Bernd Ehrig, Berlin 1983, ISBN 3-548-74556-3.
Raimund Wolfert: Die Goldbergs. Zwischen Friedenstempel, Lunapark und Haus der Modeindustrie (Jüdische Miniaturen, 164): Hentrich & Hentrich, Berlin 2015, ISBN 978-3-95565-088-9. Jutta Fischer: Familie Hepner und der Lunapark. Osteuropäisch-jüdische Einwanderer in Berlin 1921–1935. in: Berlin in Geschichte und Gegenwart. Jahrbuch des Landesarchivs Berlin 2024, ISBN 978-3-7861-2932-5, S. 101–124.
Weblinks
Lunapark. Private Website auf khd-Research mit weiteren Informationen und Bildern, abgerufen am 28. April 2020. Ehemaliger Lunapark. Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf, abgerufen am 28. April 2020. Komm', mein Schatz, in den Lunapark (August 1910) Lied aus der Operette Polnische Wirtschaft, Aufnahme von 1910 (cylinder.de), abgerufen am 28. April 2020.
Einzelnachweise
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