mini|Ein wesentlicher Forschungsschwerpunkt ist auch die Übertragbarkeit des Ernährungsmusters auf Länder, in denen z. B. Olivenöl nicht zu etablierten Lebensmitteln gehört.
Die mediterrane Ernährung (auch Mittelmeer-Diät) ist eine Ernährungsweise basierend auf viel Obst und Gemüse, Hülsenfrüchten, Vollkorn-Getreideprodukten, Olivenöl, moderatem Fisch-Konsum und einer gemäßigten oder geringen Menge an Milchprodukten, Wein und Fleisch. Sie ist inspiriert von der Ernährung im Mittelmeerraum vor den 1960er Jahren.
Seit Mitte der 1950er Jahre ist sie Gegenstand vieler wissenschaftlicher Studien zu gesundheitsförderlichen Effekten der Ernährung. Während Anfangs der Fokus auf einzelnen Bestandteilen der Ernährungsweise wie z. B. Olivenöl lag, wurde später der Fokus mehr auf die Kombination von Nahrungsmitteln und deren synergistischen Effekten gelegt. In der Literatur besteht große Einigkeit hinsichtlich der Ernährungspyramide, aber durchaus Unterschiede in den Mengenempfehlungen. Ein wesentlicher Forschungsschwerpunkt wurde auch die Übertragbarkeit auf andere Länder, in denen z. B. Olivenöl nicht zu etablierten Lebensmitteln gehört. Dies führte zu Variationen der mediterranen Ernährung, die sich statt Olivenöl mehr auf andere Pflanzenöle mit überwiegend ungesättigtem Fettsäurespektrum bezogen. Geschichte Die niederländischen Ärzte Cornelis de Langen und Isidore Snapper entdeckten in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, dass traditionell lebende Menschen in Indonesien bzw. Peking (China) viel seltener unter angina pectoris und Herzkrankheiten litten. Sie führten dies auf eine überwiegend Pflanzenbasierte Ernährung und niedriges Gesamt Serum-Cholesterin zurück.
mini|Übliche Bestandteile der mediterranen Ernährung Der amerikanischen Wissenschaftler Ancel Keys entdeckte in den 1950er Jahren, dass die relativ arme Bevölkerung in kleinen süditalienischen Dörfern überraschenderweise viel gesünder war als die deutlich wohlhabenderen Menschen in New York und auch viel gesünder als italienische Auswanderer, die sich schon länger in den USA angesiedelt hatten. Er notierte auf einer seiner Reisen:
Um diese Entdeckung weiter zu erforschen, startete er die Sieben-Länder-Studie. Diese kam zu dem Ergebnis, dass die damalige Ernährungsweise in Nordeuropa und den USA mit einem zehnmal so hohen Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen assoziiert war wie die damalige Ernährungsweise in mediterranen Ländern. Diese Studie konzentrierte sich auf die Menge an gesättigten Fettsäuren in der Nahrung, die u. a. bereits durch die Framingham-Herz-Studie als Risikofaktor bekannt waren. Der Serum-Cholesterinspiegel kann gesenkt werden, indem weniger gesättigte Fettsäuren konsumiert werden. Ebenfalls Serum-Cholesterinspiegelsenkend wirkt der Konsum von mehrfach ungesättigte Fettsäuren wie Omega 5 und Omega 3, die zu einer erhöhten Aktivität der LDL-Rezeptoren führen. Infolge der Beobachtung gingen die offiziellen Ernährungsempfehlungen dahin weniger gesättigte Fettsäuren und mehr mehrfach ungesättigte Fettsäuren zu konsumieren. Obwohl der Effekt einer solchen Ernährungsumstellung auf den Serum-Cholesterinspiegel nur moderat ist, stellte sich heraus, dass 50 % weniger Herzerkrankungen auftraten. Bereits Ancel Keys vermutete deshalb, dass hier noch andere Faktoren mit eine Rolle spielen müssten.
In den 1980er Jahren gingen die Ernährungsempfehlungen in den westlichen Ländern jedoch dahin, alle Arten von Fett in der Ernährung zu reduzieren. Dies führte einerseits zu einem nachlassenden Interesse an der mediterranen Ernährung und andererseits zu einer starken Zunahme von Fettleibigkeit in westlichen Ländern, mit den damit verbundenen negativen gesundheitlichen Konsequenzen. Die Health Professionals Follow-up Study und die Nurses’ Health Study ergaben, dass die Reduktion von gesättigtem Fett dann nicht gesundheitsförderlich ist, wenn deshalb im selben Umfang mehr (zugesetzter) Zucker, Auszugsmehl oder trans-Fettsäuren konsumiert werden.
Wissenschaftler entdeckten weiterhin, dass neben dem Gesamt Serum-Cholesterin auch High Density Lipoprotein (HDL) und Triglyceride eine Rolle spielen. Mensink und Katan konnten in einer Ernährungsstudie nachweisen, dass der Ersatz von gesättigtem Fett durch einerseits Olivenöl (wie in der mediterranen Diät) und andererseits komplexe Kohlenhydrate (wie in den damaligen Ernährungsempfehlungen) das Gesamt Serum-Cholesterin in beiden Fällen annähernd gleichermaßen verringert wurde, dass die Olivenöldiät aber einen positiveren Effekt auf HDL und Triglyceride hat. Dieses Ergebnis konnte in zahlreichen Studien reproduziert werden. Weiterhin konnten Mensink and Katan nachweisen, dass die industriell hergestellten trans-Fettsäuren wie sie damals in Margarine reichlich enthalten waren zwar das Gesamt Serum-Cholesterin etwas verringern, aber einen katastrophalen Effekt auf das HDL haben. Weiterhin konnte später z. B. durch die Nurses’ Health Study erforscht werden, dass die Ernährung nicht nur Einfluss auf das Serum-Cholesterin hat, sondern auch auf andere Faktoren wie Blutdruck, Blutgerinnung, Insulinresistenz, antioxidative Effekte, Homocystein, Entzündungen, Endothelfuktion und Herzrhythmusstörungen haben kann. Durch diese Erkenntnisse wuchs wieder das wissenschaftliche Interesse an der Mediterranen Ernährung. Es wurde beobachtet, dass in der mediterranen Ernährung Omega-3-Fettsäuren eine größere Rolle spielen, Küstenbewohner nehmen diese regelmäßig durch Fischmahlzeiten zu sich, im Inland stammen diese hauptsächlich aus pflanzlicher Nahrung. In der Lyon Heart Study wurde einer Gruppe von Teilnehmern eine Variation der traditionellen kretischen Diät serviert mit Rapsöl als Hauptquelle für Omega-3-Fettsäuren und mit verringertem Konsum von rotem Fleisch und Milchprodukten. Die andere Gruppe bekam eine Low-Fat Diät gemäß den damaligen Ernährungsempfehlungen. Über den fünfjährigen Beobachtungszeitraum hatte die Gruppe mit der Mittelmeerdiät 70 % weniger Fälle von Koronare Herzkrankheit und Todesfälle als die Kontrollgruppe. In zahlreichen Studien, u. a. der Health Professionals’ Follow-up Study wurde dann festgestellt, dass die Gruppe mit dem höchsten Anteil an Ballaststoffen in der Nahrung, z. B. aus Vollkorn, ein um 30 % niedrigeres kardiovaskuläres Risiko und Typ 2 Diabetes Risiko hatten. Auf der anderen Seite zeigte sich, dass gezuckerte Erfrischungsgetränke das Typ 2 Diabetes Risiko erhöhen. Diese sind in westlichen Ländern sehr verbreitet, waren in der traditionellen mediterranen Diät aber unbekannt.
mini|Mediterrane Ernährung im Vergleich zur „Westlichen Ernährungsweise“, in der u. a. hochverarbeitete Lebensmittel mit geringem Ballaststoffgehalt eine große Rolle spielen. Dies hat auch Auswirkungen auf das Mikrobiom. Walter C. Willett stellte 2007 fest, dass Aspekte der mediterranen Ernährung in westlichen Ländern zunehmend berücksichtigt werden. So hatten die nordeuropäischen Länder in der Sieben-Länder-Studie noch mit am schlechtesten abgeschnitten, haben aber heutzutage mit die höchste Lebenserwartung. Gleichzeitig fand ironischerweise in den Mittelmeerländern eine „Verwestlichung“ der Ernährung statt, die zu einer relativen Verschlechterung der Lebenserwartung führte.
In neuerer Zeit wurde als weiterer Wirkmechanismus die Erhöhung der Paraoxonase-Aktivität postuliert. Paraoxonase ist ein Enzym, das unter anderem die Oxidation von Low Density Lipoprotein (LDL-Cholesterin) verhindert. Es wurde ein direkter Zusammenhang zwischen dem Ausmaß der Paraoxonase-Aktivität und dem Carotinoide-Spiegel im Blut entdeckt. In verschiedenen Studien wurde ein positiver Einfluss verschiedener Obst und Gemüse, Olivenöl und Nüsse postuliert. Es wird auch zum Einfluss der mediterranen Diät auf das Mikrobiom geforscht. In der „NU-AGE“-Studie an älteren Menschen in fünf verschiedenen Ländern zeigte sich, dass es nach einem Jahr Ernährungsumstellung zu einer größeren Bakterienvielfalt im Darm, einer vermehrten Produktion kurzkettiger Fettsäuren und einer Vermehrung von Bakterienarten kam, die mit einer verringerten Gebrechlichkeit und einer verbesserten Hirnfunktion in Verbindung gebracht werden. Zugleich verringerten sich Bakterienarten, die an der Produktion bestimmter Gallensäuren beteiligt sind, deren Überproduktion das Risiko von Darmkrebs, Insulinresistenz, einer Fettleber sowie Zellschäden erhöhen.
Die Ernährungsinterventionsstudie DIRECT PLUS zeigte, dass eine polyphenolreiche grüne mediterrane Diät mit beispielsweise viel Beeren, Nüssen, Oliven und grünem Tee einen signifikanten Einfluss auf DNA-Methylierung und Transkriptom von Genen hat, die für Enzyme des Folsäurestoffwechsels kodieren. Dies trägt zu einer Rückbildung einer Fettleber und einer viszeralen Adipositas sowie zu einer reduzierten Steifigkeit der Aorta bei.
Heute listet das United States Department of Agriculture in ihren Ernährungsempfehlungen die mediterrane Ernährung (neben der vegetarischen und der DASH Diet) als eine von drei gesundheitsförderlichen Ernährungsweisen auf.
Ernährungsweise Mediterrane Ernährung Definition und Abgrenzung mini|Ernährungspyramide Mediterrane Ernährung der Harvard University Die Forschung zur mediterranen Ernährung bezieht sich auf die Ernährungsweise bis Mitte der 1960er Jahre in Mittelmeerregionen, in denen Oliven angebaut werden. Die tatsächlichen Essgewohnheiten der Menschen in den Mittelmeerländern weichen heutzutage teilweise deutlich von der früheren Ernährung ab („Verwestlichung“) und auch von dem, was Studien zur mediterranen Ernährung als gesundheitsförderliche Ernährungsmuster identifiziert haben. So folgen in den Mittelmeerländern trotz Förderung der mediterranen Ernährung heute nur noch relativ wenige Menschen dieser konsequent.
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die mediterrane Ernährung zu definieren:
A posteriori (Klassische mediterrane Ernährung): Die faktisch praktizierte Ernährung in den Mittelmeerländern bis Mitte der 1960er Jahre, wie sie durch Beobachtungsstudien dokumentiert wurde. Hierzu gehört insbesondere die Sieben-Länder-Studie von Ancel Keys sowie spätere Analysen der traditionellen griechischen und kretischen Ernährung (siehe Abschnitt Makronährstoffverteilung). Diese Definitionen beschreiben, was Menschen tatsächlich aßen – einschließlich regionaler Variationen und kultureller Praktiken wie dem religiös begründeten Verzicht auf tierische Lebensmittel an bestimmten Wochentagen.
A priori (Wissenschaftliches Idealmodell): Ein wissenschaftlich festgelegtes Idealmodell einer gesunden Ernährungsweise, das auf Basis der Forschungsergebnisse konstruiert wurde. In den letzten zwei Jahrzehnten wird in der Forschung vermehrt mit diesem Idealmodell gearbeitet. Es erlaubt die Kost in verschiedene Lebensmittelgruppen einzuteilen und dann mittels Punktesystem zu bewerten, wie viele dieser Lebensmittel konsumiert wurden. Abschließend kann dann berechnet werden, wie streng Studienteilnehmer der Idealdefinition folgten. Prominentes Beispiel ist die PREDIMED-Studie, bei der Teilnehmern konkrete Vorgaben gemacht wurden (z. B. 1 Liter Olivenöl pro Woche oder 30 g Nüsse pro Tag). (Korrigierte Fassung: )
Eine Studie, die untersuchte, wie eine mediterrane Ernährung im wissenschaftlichen Kontext definiert ist, sah zwischen den verschiedenen Definitionen folgende Gemeinsamkeiten: 3–9 Portionen Gemüse täglich, eine halbe bis eine Portion Obst, 1–13 Portionen Getreide, bis zu 8 Portionen Olivenöl. 37 % der täglich zugeführten Nahrungsenergie kommen dabei aus Fett, 18 % aus einfach ungesättigten Fetten, 9 % aus gesättigten. Es werden etwa 33 g Ballaststoffe aufgenommen. Fleisch und Milchprodukte werden moderat, Eier und Süßigkeiten selten konsumiert.
Zu den folgenden Nahrungsgruppen gibt es Studien: