Fürstenau () ist eine Stadt in der gleichnamigen Samtgemeinde Fürstenau im niedersächsischen Landkreis Osnabrück.
Geographie Lage Fürstenau liegt direkt südwestlich der Ankumer Höhe, die zum Naturpark Nördlicher Teutoburger Wald-Wiehengebirge gehört, und etwas östlich der Lingener Höhe. Die Stadt wird in Richtung Südwesten durchflossen vom Fürstenauer Mühlenbach, der zum Einzugsgebiet der Großen Aa gehört.
Nächstgelegene Großstädte Osnabrück (43 km), Emmen / Niederlande (69 km), Enschede / Niederlande (72 km), Münster (74 km), Oldenburg (93 km), Bremen (113 km)
Stadtgliederung mini|Ortsteile Fürstenau Die heutige Stadt Fürstenau wurde am 1. Juli 1972 im Zuge der niedersächsischen Gebiets- und Verwaltungsreform aus der (alten) Stadt Fürstenau und den Ortschaften Hollenstede, Schwagstorf und Settrup gebildet. Alle Stadtteile gehörten bis zum 30. Juni 1972 dem Landkreis Bersenbrück an und wurden nach dessen Auflösung in den Landkreis Osnabrück eingegliedert und zusammengeschlossen.
Nachbargemeinden
Klima Gemäßigtes Seeklima beeinflusst durch feuchte Nordwestwinde von der Nordsee. Im langjährigen Mittel erreicht die Lufttemperatur in Fürstenau 8,5–9,0 °C und es fallen ca. 700 mm Niederschlag. Zwischen Mai und August kann mit durchschnittlich 20–25 Sommertagen gerechnet werden.
Geschichte Die historische Hansestadt Fürstenau wurde erstmals im Jahre 1344 als „Vorstenowe“ erwähnt. Der Osnabrücker Fürstbischof Gottfried von Arnsberg ließ in diesem Jahr den ersten Festungsteil des heutigen Schlosses errichten, um seinen Anspruch auf dieses Gebiet gegen die Grafschaft Tecklenburg durchzusetzen. Um die Burg herum siedelten sich Ackerbürger an, und die Burg wurde durch den weiteren Ausbau über Jahrhunderte die Residenz der Osnabrücker Landesfürsten. 1642 erhielt Fürstenau die Stadtrechte. 1647 wurde Fürstenau für zehn Tage im Dreißigjährigen Krieg vom Feldmarschall Hans Christoph von Königsmarck belagert.NOZ.de: Erinnerung an eine Belagerung Michael Wilhelm Kobolt von Tambach musste an Pfingsten den Ort an die Schweden übergeben.Mittheilungen des Historischen Vereins zu Osnabrück, 1848 S. 165 In Fürstenau starb 1532 der Paderborner, Osnabrücker und Münsteraner Fürstbischof Erich von Braunschweig-Grubenhagen.
Am 10. November 1938 kam es infolge der Reichskristallnacht auch in Fürstenau zu Pogromen gegen Juden. So wurde durch die örtliche SA und SS das Haus des jüdischen Schlachters Frank gestürmt. Im Obergeschoss des Gebäudes (heute Schwarzer Weg 3) befand sich ein Gebetsraum, der verwüstet wurde. Die Thorarolle sowie Möbel, Gebetbücher sowie andere Gegenstände wurden zerstört und aus dem Fenster auf die Straße geworfen. Auf der Straße posierten die Männer mit der abgewickelten Thorarolle für ein Foto, ehe diese und die zerstörten Gegenstände und Möbel angezündet wurden. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde zwischen 1949 und 1951 ein Verfahren gegen am Pogrom beteiligte Personen begonnen. So wurde auch der 1938 amtierende Bürgermeister Fritz Werkenthien im August 1949 vernommen, dieser antwortete auf die gegen ihn erhobenen Vorwürfe mit: „Ich kann mich nicht mehr erinnern.“ Am 18. Juni 1951 wurden die Verfahren im Rahmen des Straffreiheitsgesetz vom 31. Dezember 1949 eingestellt.Fürstenauer Thorarolle heute in Kalifornien. In: Neue Osnabrücker Zeitung, 8. November 2013; abgerufen am 7. November 2018.
Am 30. März 1959 wurde die Kaserne in Fürstenau durch das Panzergrenadierbataillon 332 bezogen. 1967 erhielt die Kaserne aufgrund der Verbundenheit des Landkreises Bersenbrück mit dem Landkreis Greifenhagen den Namen „Pommernkaserne“. 1981 wurde aus dem Panzergrenadierbataillon 332 das Jägerbataillon 522. Außerdem wurde das Feldartilleriebataillon 525 aufgestellt. 1990 kam die Kraftfahrausbildungskompanie Fahrsimulator Kette Fürstenau (SKB) hinzu. 1992 wurde das Feldartilleriebataillon 525 und 1996 das Jägerbataillon 522 aufgelöst. Bis zur Auflösung der Kaserne in 2007 waren noch die Sanitätsregiment 12 und die Sanitätsstaffel Fürstenau in der Kaserne stationiert.
Eine Blackburn Buccaneer des No. 16 Squadron der RAF stürzte am 12. Juli 1979 über Hollenstede ab. Der Jagdbomber, welcher auf dem Flughafen Laarbruch stationiert war, stürzte auf eine Wiese. Der Pilot und sein Waffensystemoffizier kamen ums Leben.
Am 15. Juli 2014 wurden durch Gunter Demnig die ersten 24 Stolpersteine in Fürstenau verlegt. Am 3. März und 7. Dezember 2015 wurden je 13 weitere Stolpersteine verlegt.13 weitere Stolpersteine in Fürstenau gesetzt In: Neue Osnabrücker Zeitung, 7. Dezember 2015, abgerufen am 7. November 2018.
Erklärung des Ortsnamens Alte Bezeichnungen des Ortes sind Vorstenowe, Vorstennouue, Vorstenouwe, Verstenouwe, Forstenaw(e), Forstenoe, Vastenowe, Forstenowe, Forstenauwe, Forstenouwe, Furstenauw(e), Furstenow(e), Furstenaw(e), Vastenouwe, Furstenouw, Fürstenow(e), Fürstenowensis, Fürstenaw. Der Ortsname Fürstenau ist zusammengesetzt aus „Fürst und Au(e)“. Es handelt sich wahrscheinlich um eine Gründung des Osnabrücker Fürstbischofs Gottfried von Arnsberg.
Religionen mini|Kirche St. Georg In Fürstenau gibt es folgende Kirchengemeinden:
Evangelisch-Lutherische Kirche: St. Georg Fürstenau Evangelische Freikirchen: Elim-Gemeinde Fürstenau Jehovas Zeugen: Königreichssaal Fürstenau Römisch-katholische Kirche: Schlosskirche St. Katharina (Fürstenau) St. Maria Rosenkranz (Hollenstede) St. Bartholomäus Schwagstorf
Einwohnerentwicklung
Jahr Einwohner 1547 600 1635 525 1650 780 1772 850 1801 876 1811 945 1841 1134 Jahr Einwohner 1871 1220 1905 1754 1925 2348 1933 2654 1945 3010 1946 3929 1961 4836 Jahr Einwohner 1970 5431 1971 5501 1981 7721 1993 9218 2000 9896 2005 10054 2008 9823 Jahr Einwohner 2010 9751 2011 9648 2015 9410 2017 9445 2018 9439
Bürgeraufnahmen 1549 bis 1852 +ZeitraumBürgeraufnahmen1549–1560431561–1570621571–1580621581–1590611591–1600531601–1610451611–1620721626–1630341631–1640651641–1650701651–1660571661–1670641671–1680471681–1690691691–1700801701–1710781711–1720721721–1730721731–1740751741–1750701751–1760541761–1770821771–1780911781–1790511791–1800781801–1810751811–1820631821–1830711831–1840901841–1852831549–18521989
Politik Stadtrat Der Stadtrat hat gegenwärtig 21 Mitglieder. Dies ist die festgelegte Anzahl für eine Mitgliedsgemeinde einer Samtgemeinde mit einer Einwohnerzahl zwischen 7.001 und 8.000 Einwohnern. Die Ratsmitglieder werden durch eine Kommunalwahl für jeweils fünf Jahre gewählt. Die aktuelle Amtszeit begann am 1. November 2021 und endet am 31. Oktober 2026.
Die folgende Tabelle zeigt die Kommunalwahlergebnisse seit 1996. Rat der Stadt Fürstenau: Wahlergebnisse und StadträteSPDCDUGrüneFDPAfDLinkeEinzel-bewerber Gesamt Wahl-beteiligung Wahlperiode % rahmenlos|20px|Mandate % rahmenlos|20px|Mandate % rahmenlos|20px|Mandate % rahmenlos|20px|Mandate % rahmenlos|20px|Mandate % rahmenlos|20px|Mandate % rahmenlos|20px|Mandate % rahmenlos|20px|Gesamtanzahl der Sitze im Rat %2021–202643,91140,7116,525,014,11––––1002161,62016–2021 Endgültiges Wahlergebnis der Wahl des Rates der Stadt Fürstenau am 11. September 201637,8 854,3 114,5 13,3 1– –1,8 0– –1002151,52011–201638,9 854,5 123,7 11,1 0– –1,8 0– –1002151,02006–201145,1 1052,9 112,0 0– –– –– –– –1002156,02001–200637,9 1059,5 152,6 0– –– –– –– –1002559,61996–200136,7 10 57,9 153,3 02,2 0– – – – – –1002566,0Prozentanteile gerundet.Quellen: Landesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen,Landesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen, Tabelle 5000311 Landkreis Osnabrück (PDF; 528 kB) Bei unterschiedlichen Angaben in den genannten Quellen wurden die Daten des Landesbetriebs für Statistik und Kommunikationstechnologie verwendet,da diese eine insgesamt höhere Plausibilität aufweisen.
Bürgermeister 2021-dato Ernst Ehmke (SPD) 2019–2021 Manuela Nestroy (CDU) 2006–2019 Herbert Gans (CDU) 1976–2006 Reinhold Schröder (CDU)In Bersenbrücker Kreisblatt am 26. Juli 2012: Nachruf der Samtgemeinde und Stadt Fürstenau zum Tod von Reinhold Schröder 1945–1949 Franz Paul Landwehr 1929–1933 Bernhard Haverkamp, abgesetzt durch die Nationalsozialisten Am heimatlichen Herd vom 23. Juli 2013:„Beliebter Rathauschef musste Sessel räumen“; abgerufen am 28. September 2018 1884–1897 Johann Hermann Bernhard Varenhorst
Wappen und Flagge mini|150px|Hissflagge der Stadt Fürstenau mini|100px|Wappen der Stadt Fürstenau von 1949-1979
Städtepartnerschaften Fürstenau hat Partnerschaftsverträge geschlossen mit Ruurlo (Niederlande) seit 1979 und Hohen Neuendorf (Brandenburg) seit 1991. Mit Garwolin in Polen wurde 2004 ein Freundschaftsvertrag geschlossen. Aufgerufen am 7. Mai 2019, 15:24
Internationale Mitgliedschaft Fürstenau ist Mitglied im Städtebund Die Hanse.
Nationale Mitgliedschaften Fürstenau ist Mitglied im Westfälischen Hansebundwestfaelischer-hansebund.de Abgerufen am 8. November 2022. und im Tourismusverband Osnabrücker Land.
Kultur und Sehenswürdigkeiten Bauwerke Siehe auch: Liste der Baudenkmale in Fürstenau mini|Schloss Fürstenau mini|Hohes Tor Jahrhunderte haben das historische Stadtbild geformt. Besonders geprägt wird dieses Bild von dem aus der Gründungszeit stammenden fürstbischöflich osnabrückischen Schloss Fürstenau – heute Sitz der Samtgemeindeverwaltung Fürstenau und seit 1817 auch der römisch-katholischen Pfarrkirche des Ortes. Die restaurierte Nord-Ost-Bastion unterstreicht die frühere Bedeutung Fürstenaus als militärisches Bollwerk im Mittelalter.
Neben dem Schloss sind das alte Stadttor „Hohes Tor“ sowie der Marktplatz mit dem Alten Rathaus und der evangelischen St.-Georgs-Kirche sehenswert. Dort ist der Überrest des mittelalterlichen Prangers der Stadt zu finden.
Am nördlichen Stadtrand ist der große Ferien- und Freizeitpark Fürsten Forest in Planung, wovon ein Teil (Offroad-Geländestrecke) schon in Betrieb ist.Abenteuer im „Fürsten Forest“: Planungen für den Ferien- und Freizeitpark laufen In: Lingener Tagespost online vom 28. Januar 2011.
Ausflugsziele in der Umgebung Maiburg: Ein waldreiches Erholungsgebiet zwischen Fürstenau, Bippen und Eggermühlen Straße der Megalithkultur von Osnabrück über Fürstenau nach Oldenburg Artland-Route (142 km langer Rundkurs über Quakenbrück und Bersenbrück) Freie Kunstakademie Maiburg (Klein Bokern) Museum und Park Kalkriese als vermutliches Schlachtfeld der Varusschlacht Hünengräber mit Steinreihe in Hekese Stift Börstel (Berge) Wacholderhain (Haselünne) Naturschutzgebiet „Swatte Poele“ (Lonnerbecke) Sültemühle in Lonnerbecke Alte Kornbrennerei in Settrup
Die Draisinenstrecke Fürstenau–Bippen–Nortrup existiert seit Ende 2022 nicht mehr.Abschied von der Draisine zwischen Quakenbrück und Fürstenau, 4.11.2022 in der NOZ
Sport Spvg. Fürstenau e. V. (Fußball, Volleyball, Tischtennis, Dartsport, Leichtathletik, Radsport, Turnen, Ju-Jutsu, Badminton, Gesundheitssport) SV Hollenstede e. V. (Fußball, Tennis, Leichtathletik) SV Grün-Weiß Schwagstorf e. V. (Fußball) FC Fürstenau (Fußball) TG Fürstenau (Tennis) TV Schwagstorf (Tennis) LD Equestrian Village (Reitsport-Leistungszentrum) RuF Fürstenau e. V. RuF Hollenstede e. V. Karnevalsfreunde Rot Weiß Fürstenau e. V. mit Tanzabteilung RuF Schwagstorf e. V. RG Fürstenau e. V. (Auto-Motorsport) Motorsportclub Fürstenau e. V. SSC Fürstenau e. V. (Sportschützenverein) Hadashi Fürstenau e. V. (Judo, Ju-Jutsu)
Infrastruktur Verkehr Durch Fürstenau verlaufen die Bundesstraßen B 214 (Lingen–Fürstenau–Diepholz–Nienburg–Celle–Braunschweig), B 218 (Fürstenau–Bramsche–Ostercappeln) und B 402 (Emmen/Niederlande–Meppen–Haselünne–Fürstenau). Die Bundesautobahnen A 1 (Hamburg–Osnabrück–Ruhrgebiet), A 30 (Amsterdam–Osnabrück–Hannover), die Teil der Europastraße E 30 ist, und A 31 (Emden–Oberhausen) sind jeweils in etwa 30 Minuten erreichbar.