Saint-Marcel ist eine römisch-katholische Kirche in der französischen Gemeinde Zetting im Département Moselle. Sie steht als Baudenkmal unter Denkmalschutz. Die Kirche ist dem heiligen Papst Marcellus I. geweiht. mini|Kirche St. Marcel mit ehemaligem mittelalterlichen Wehrturm (Südwestansicht)
Geographie Die Kirche steht am nordwestlichen Dorfrand von Zetting, etwa 200 Meter westlich des linken Ufers der Saar und des Saarkanals auf dem Hügel hinter Rémelfing (Remelfingen) und etwa sechs Kilometer südöstlich von Saargemünd. Sie ist hoch gelegen und weithin sichtbar.
Geschichte Die Kirche war ursprünglich vom Dekanat der Abtei Sankt Arnulf in Metz abhängig und stand unter dem Patronat der Herzöge von Nassau.Franz Xaver Kraus: Kunst und Alterthum in Elsass-Lothringen. Beschreibende Statistik. Band III, Friedrich Bull, Straßburg 1886, S. 926–934 (books.google.de) Zetting gehörte einst zum Besitz der Abtei Tholey, kam dann im 15. Jahrhundert an die Grafschaft Saarbrücken, bei der es bis zum Anschluss an Frankreich im Jahr 1795 blieb. An der Stelle der heutigen Kirche befand sich vermutlich bereits in gallo-römischer Zeit eine Villa. Damit dürfte der Standort älter sein als die Gründung des Dorfes, die auf das 6. Jahrhundert zurückgeführt wird.
Die Dorfkirche St. Marcel, eine Rundturmkirche, ist bekannt für ihren romanischen Rundturm aus dem 11. Jahrhundert, ihren Altar aus der Zeit des Barock aus vergoldetem Holz sowie die bemalten Fenster aus dem 15. Jahrhundert. Der Chor wurde 1434 vergrößert, und der Turm ist 1709 restauriert worden.Eugen H. Th. Huhn: Deutsch-Lothringen. Landes-, Volks- und Ortskunde, Stuttgart 1875, S. 412.
Ältester Teil der Kirche ist ihr Rundturm, der im Mittelalter auch als Wehrturm diente. Durch das kreuzgewölbte Erdgeschoss des Rundturms gelangt man in das Kirchenschiff, das in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts errichtet wurde.Walter Hotz: Elsaß-Lothringen. Handbuch der Kunstdenkmäler. Deutscher Kunstverlag, München/Berlin 1976, ISBN 3-422-00345-2, S. 247.
Architektur mini|hochkant|Grundriss der Kirche St. Marcel Die Kirche ist nahezu geostet. Ganz im Westen sitzt der romanische Rundturm aus dem 11. Jahrhundert, an den sich das Kirchenschiff anschließt. Der 20 Meter hohe Turm war im Mittelalter zugleich Teil der Ortsbefestigung und durch drei einfache Gesimse, die aus Platte und Schmiege gebildet sind, in vier Geschosse aufgeteilt. Das vierte Stockwerk hat vier Paare gekuppelter romanischer Fenster, deren Trennungssäulchen Würfelkapitelle aufweisen.
Das Langhaus ist eine dreischiffige Halle mit vier Jochen auf gemauerten Säulen. Die westlichen Säulen sind ohne Kapitelle ausgeführt, die übrigen tragen Laubenkapitelle und besitzen vier angearbeitete Maskenkonsolen mit Baldachinen für Statuen.
An das Langhaus schließt sich ein höherer Chor mit zwei Vorjochen und einem ⅝-Schluss an. Außen wird der Chor von Strebepfeilern gegliedert, die mit Konsol-Engeln über röhrenförmigen Trägern geschmückt sind und an die Baldachine für Heiligenfiguren angebracht wurden. Das ursprüngliche Südportal ist heute vermauert. Dessen Türsturz wird von figürlichen Kragsteinen getragen. Im Nordosten des Chores liegt ein kleiner Treppenturm.
Ausstattung Heiliges Grab mini|Heiliges Grab aus dem 15. Jahrhundert und Kirchenfenster mit für die Kirche typischer Glasmalerei mini|hochkant|Chor mit Glasfenstern und barockem Altar Zu den Kunstschätzen der Kirche gehört ein Heiliges Grab in gotischer Ausführung aus dem 14. Jahrhundert, das in einer Nische mit zwei Turmfialen sitzt. Die Szene zeigt drei weibliche Figuren und zwei Engel hinter dem Leichnam Christi. Alle Figuren sind farblich gefasst. Am Sockel erkennbar Landsknechte aus dem zweiten Drittel des 15. Jahrhunderts.
Kirchenfenster Die Glasmalereien im Chor der Kirche entstanden nach der Erbauung des Chores, der nach der Bauinschrift an einem Strebepfeiler 1453 begonnen wurde. In den 1890er Jahren waren von den ursprünglich sieben Fenstern nur so viele Scheiben erhalten, dass die Straßburger Glasmalerwerkstatt Ott alle in den drei mittleren Chorfenstern unterbrachte.Marie-Luise Hauck: Die spätmittelalterlichen Glasgemälde der Kirche in Settingen. In: Saarbrücker Hefte, Band 15, Saarbrücken 1962, S. 20–30, hier S. 20 Während des Zweiten Weltkriegs wurden sie ausgebaut und in der Charente eingelagert und nach einer Restauration 1948 wieder eingebaut.Hauck (1962), S. 22
Wer die Fenster entworfen hat, ist ungeklärt. Der Ortspfarrer und Regionalhistoriker Jaques Touba sowie der Saargemünder Archivar Henri Hiegel und weitere Autoren verwiesen auf handwerkliche Übereinstimmungen mit den Fenstern des Straßburger Glasmalers Peter Hemmel von Andlau. Marie-Luise Hauck widersprach in den 1960er und 1970er Jahren dieser These und machte auf deutliche Unterschiede zum Werk Hemmels aufmerksam. Sie wies auf Ähnlichkeiten zu den Chorfenstern in den Münstern Ulm und Bern hin und vermutete als Urheber einen unbekannten Meister aus der Werkstatt des Niklaus „Magerfritz“ Glaser; es könnte ein Meister Bernhart gewesen sein, der auch einige Fenster in Bern schuf.Hauck (1962), S. 29. Auch der Urheber der Farbverglasung ist umstritten, manche Autoren schreiben die Herstellung einer Straßburger Werkstatt zu.
In der Mitte ist eine Darstellung einer Kreuzigung zu sehen, die von einer Muttergottes bekrönt wird, darunter Papst Marcellus. Das nördliche Fenster zeigt Szenen aus der Genesis von der Schöpfung bis zu Mose, die als Medaillons in Ranken eingefügt wurden. Das Fenster stammt aus dem 15. Jahrhundert, einige Scheiben wurden später ergänzt. Das südöstliche Fenster zeigt Geburts- und Leidensgeschichte Christi und entstand um 1460. In den übrigen Fenstern sind nur Reste der ursprünglichen Darstellung erhalten, die Heilige mit wellenförmigen Spruchbändern zeigen, die den deutschen Wortlaut des Credo und von Bibelversen tragen, außerdem sechs Scheiben einer Heiligenvita, die um 1470 entstanden.
Eine wichtige Rolle bei der Erhaltung der mittelalterlichen Glasfenster spielte Pfarrer Christophe Vérité, der von 1843 bis 1886 in Zetting wirkte. Er sammelte verstreute Teile der alten Glasfenster wieder ein.
Kirchhof
Im Kirchhof, auf der Südseite im Bereich des ehemaligen Friedhofs, steht eine alte Rosskastanie. Sie soll 1609 gepflanzt worden sein, in jener Zeit, als die Gemeinde unter Nassau-Saarbrücken protestantisch war und vom Pfarrer von Wiesviller betreut wurde. Der Baum misst etwa 3,15 Meter Stammumfang und rund 15 Meter Höhe.
Weitere Ausstattung
Zur Ausstattung der Kirche gehören außerdem:
ein Renaissance-Orgelprospekt, ein Ensemble von sieben Glasfenstern aus dem zweiten Viertel des 15. Jahrhunderts, ein Sakramentshäuschen beziehungsweise eine eucharistische Wandnische aus dem 15. Jahrhundert, ein Beichtstuhl aus dem 18. Jahrhundert, ein Altar beziehungsweise Hauptaltar aus dem 18. Jahrhundert, ein Altaraufsatz mit Statuetten des heiligen Mauritius und des heiligen Marcellus, eine Skulpturengruppe der Grablegung Christi,
eine Statue der Jungfrau mit Kind, die als Objekt geschützt war, jedoch in der Nacht vom 12. auf den 13. Oktober 1972 gestohlen wurde.
Orgel mini|hochkant|Renaissance-Orgelprospekt Die Schwalbennestorgel wurde 1685 von einem unbekannten Orgelbauer errichtet. 1896 bauten Dalstein-Hærpfer im alten Gehäuse eine neue Orgel ein.Zetting, France (Moselle (57)) - Église Saint-Marcel, Organ Database, abgerufen am 15. Februar 2021. Die Orgelfirma Willy Meurer elektrifizierte die Orgel 1960 und ersetzte den Spieltisch.Zetting, Saint Marcel, organindex.de, abgerufen am 15. Februar 2021
Das Kegelladen-Instrument verfügt über 12 Register, verteilt auf zwei Manuale und Pedal. Die Spiel- und Registertraktur ist elektropneumatisch. Die Disposition lautet wie folgt:
I Hauptwerk C–g3 1. Principal 8′ 2. Bourdon 8′ 3. Prestant 4′ 4. Flûte champêtre 2′ 5. Mixtur IV 6. Trompette 8′ II Schwellwerk C–g3 7. Lieblich Gedeckt 8′ 8. Salicional 8′ 9. Flûte octaviante 4′ 10. Nazard ′ Pedal C–f1 11. Soubasse 16′ 12. Cello 8′ Koppeln: Normalkoppeln: II/I, I/P, II/P Suboktavkoppeln: II/I Superoktavkoppeln: II/I Spielhilfen: 2 feste Kombinationen, Tutti
Literatur Jacques Touba: Die alten Fenster der Kirche von Zettingen. In: Jahrbuch der Elsass-Lothringischen Wissenschaftlichen Gesellschaft zu Strassburg. Band 4, Colmar 1931, S. 58–89 (BnF Gallica). Marie-Luise Hauck: Die spätmittelalterlichen Glasgemälde der Kirche in Settingen. In: Saarbrücker Hefte. Band 15, Saarbrücken 1962, S. 20–30.
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Kirchengebäude im Département Moselle Marcel Kategorie:Monument historique (Kirche) Kategorie:Monument historique seit 1846 Kategorie:Marcelluskirche Kategorie:Kirchengebäude im Bistum Metz Kategorie:Gotische Kirche Kategorie:Gotisches Bauwerk in Grand Est Kategorie:Erbaut im 15. Jahrhundert Kategorie:Disposition einer Orgel Kategorie:Kirchengebäude in Europa