mini|hochkant|Karl Andreas Berthelen als Student der Medizin, 1846, Gemälde von Julius RoetingBildnis des Dr. med. Karl Andreas Berthelen als Student der Medizin, 1846, Datenblatt im Portal artnet.de Karl Andreas Berthelen, Vorname auch in der Schreibweise Carl (* 5. April 1822 in Dresden;Willy Richter: Die Matrikel der Kreuzschule. Gymnasium zum Heiligen Kreuz in Dresden. Degener, Neustadt an der Aisch 1967, Teil 1–3, S. 12 † 23. November 1906 in HamelnLeipziger populäre Zeitschrift für Homöopathie. Bände 37–39 (1906), S. 14), war ein deutscher Arzt, Parapsychologe sowie Impfgegner.
Leben Berthelen war Sohn des Dresdner Arztes und Stadtchirurgen Andreas Christoph Berthelen und dessen Ehefrau Friederike. Er besuchte die Kreuzschule in DresdenWilly Richter, S. 12 und studierte Medizin an der Universität Leipzig.Jens Blecher, Gerald Wiemers (Hrsg.): Die Matrikel der Universität Leipzig. Band 2: Die Jahre 1832 bis 1863. Verlag und Datenbank für Geisteswissenschaften, Weimar 2008, ISBN 978-3-8973-9589-3, S. 196 1843 gewann er den Wettbewerb zu einer Preisaufgabe seiner medizinischen Fakultät.Neue Jenaische Allgemeine Literatur-Zeitung. 3. Jahrgang, Nr. 149 vom 21. Juni 1844, S. 595 (Google Books) 1846 promovierte er dort mit dem Thema De hypochondriasis origine. 1848 erwarb er das Dresdner Bürgerrecht.Dresdner Journal und Anzeiger. Nr. 16 vom 16. Januar 1849, S. 126 (Google Books) 1850 gründete er in Wachwitz bei Dresden eine private Heilanstalt für Nervenkranke und für gymnastisch-orthopädische Behandlungen.„Privat-Heilanstalt“, Anzeige in: Dresdner Journal und Anzeiger. Nr. 58 vom 27. Februar 1850, S. 464 (Google Books)Karl Andreas Berthelen: Die Heilanstalt zu Wachwitz bei Dresden. In: Medizinisches Reformblatt für Sachsen. Nr. 4, 1850, S. 30 ff. (Google Books) Von 1860 bis 1880 praktizierte er in Zittau. Später findet sich sein Name in Verbindung mit Lohmen bei PirnaSammlung sämmtlicher Drucksachen des Reichstags. 4. Legislatur-Periode, IV. Session, 1881, Julius Sittenfeld, Berlin 1881, S. 3 (Google Books) und mit Loschwitz bei Dresden.Stenographische Berichte über Verhandlungen des Reichstages. 8. Legislaturperiode, I. Session 1890–1892, S. 247 (Google Books)
Gemeinsam mit anderen Ärzten stellte er sich gegen die damalige Auffassung, Impfungen gegen Seuchen, etwa Pocken, vorzunehmen. Als einer der bekanntesten Opponenten der ImpfpflichtPaul Kübler: Geschichte der Pocken und der Impfung. Hirschwald, Berlin 1901, S. 334 (Digitalisat) übernahm er zeitweise den Vorsitz des Impfzwanggegner-Vereins zu Dresden. Auch sprach er sich gegen die Vivisektion von Tieren aus. Zittau, Berthelens Wirkungsort in den 1860er und 1870er Jahren, und das Umland von Dresden, Berthelens Wirkungsort in den 1880er Jahren, bildeten im 19. Jahrhundert geografische Schwerpunkte der Impfgegnerschaft im Königreich Sachsen.Eberhard Wolff: Medizinkritik der Impfgegner im Spannungsfeld zwischen Lebenswelt- und Wissenschaftsorientierung. In: Medizin, Gesellschaft und Geschichte (= Beiheft zum Jahrbuch des Instituts für Geschichte der Medizin der Robert Bosch Stiftung). 1996, 9, S. 86 (PDF) 1891 wurde er von der Strafkammer des Landgerichts Dresden zu einer zweijährigen Gefängnisstrafe verurteilt, weil er in sechs Fällen gesunden Kindern Impfbefreiungsscheine ausgestellt hatte.Gerichtliches. In: Leipziger Populäre Zeitschrift für Homöopathie. 23. Jahrgang, Nr. 1/2 vom 1. Januar 1892, S. 14 (Google Books)
Sein ausgeprägtes Interesse galt der Parapsychologie. Auf diesem Gebiet trat er 1864 durch die Schrift Die Klopf- und Spukgeister zu Oderwitz und Herwigsdorf bei Zittau in Erscheinung. Ein Versuch, zusammen mit dem Spiritisten Gottlieb DämmerungW[ilhelm] Schlesinger: Magnetiseure, Somnambule und Spiritisten in Wien. In: Wiener Medizinische Wochenschrift. 15. Jahrgang (1865), Nr. 2 vom 7. Jänner 1865, Sp. 27 (Google Books) aus Wien im Jahr 1865 eine „Zeitschrift für Odwissenschaft und Geisterkunde“, genannt „Psyche“, herauszugeben, scheiterte bereits nach wenigen Heften. Weltanschaulich hing Berthelen einem pietistisch geprägten Chiliasmus an und suchte diesen mit den sozialreformerischen Ideen des französischen Spiritisten Allan Kardec zu verbinden.Diethard Sawicki, S. 283 Einige Jahre vor seinem Tod wandte er sich gänzlich von der Schulmedizin ab und widmete sich verstärkt der Homöopathie in Verbindung mit der Naturheilkunde.
Berthelen starb im November 1906 beim Besuch seines Sohnes in Hameln.Nachruf. Dr. med. Karl Andreas Berthelen. In: Der Tier- und Menschenfreund. Allgemeine Zeitschrift für Tierschutz. 27. Jahrgang, Nr. 2 (Februar 1907), S. 23 (PDF) Bücher aus seinem Besitz gelangten in die Sammlung von Alexander von Bernus.Annelies Stöckinger, Joachim Telle: Die Alchemiebibliothek Alexander von Bernus in der Badischen Landesbibliothek Karlsruhe. Katalog der Drucke und Handschriften. Harrassowitz Verlag, Wiesbaden 1997, ISBN 3-447-03872-1, S. 8 (Google Books)
Schriften (Auswahl) Die Klopf- und Spukgeister zu Oderwitz und Herwigsdorf bei Zittau. Theodor Haffner, Großenhain 1864.Psychische Studien. II. Jahrgang, 10. Heft (Oktober 1875), S. 480 (Google Books) Geschichtliche Parallelen und Belege zu den Klopf- und Spukgeistern etc. Anhang, 1865. als Redakteur: Psyche. Deutsche Zeitschrift für Odwissenschaft und Geisterkunde. 1865–1866.„Psyche“. Eine neue Zeitschrift. In: Wissenschaftliche Beilage der Leipziger Zeitung. Nr. 55 vom 9. Juli 1865, S. 245 f. (Google Books)Karl Wartenburg: Umschau. Aus dem Reich der Geister. In: Deutsche Blaetter. Literarisch-politisches Sonntags-Blatt. Nr. 29, 1865, S. 114 f. (Google Books) als Mitarbeiter: Gesundheitswacht. Zeitschrift für Gesundheitslehre, Natur- und Heilkunde. 1876–1877. als Mitarbeiter: Zeitschrift für volksverständliche Gesundheitspflege, Heil- und Lebensweise. 1877–1878.
Literatur Berthelen, Carl Andreas. In: Fritz D. Schroers: Lexikon deutschsprachiger Homöopathen. Karl F. Haug Verlag, Stuttgart 2006, ISBN 978-3-8304-7254-4, S. 11 f. (Google Books). Diethard Sawicki: Leben mit den Toten. Geisterglauben und die Entstehung des Spiritismus in Deutschland 1770–1900. Schöningh, Paderborn 2002, ISBN 978-3-5067-7590-0, S. 282. Sudhoffs Archiv für Geschichte der Medizin und der Naturwissenschaften. Band 27, Franz Steiner Verlag, Wiesbaden 1934/35, S. 127. Berthelen, Andreas. In: Anton Bettelheim: Biographisches Jahrbuch und Deutscher Nekrolog. XI. Band: Vom 1. Januar bis 31. Dezember 1906. Georg Reimer, Berlin 1908, Totenliste 1906, Sp. 9.
Weblinks Berthelen, Karl Andreas, Datenblatt im Portal kalliope-verbund.info
Einzelnachweise
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