Lambs of God (Englisch für Lämmer Gottes) ist eine australische, vierteilige Miniserie, die auf dem gleichnamigen Roman (deutscher Titel: Die Bräute des Himmels) von Marele Day aus dem Jahr 1997 basiert, über drei Nonnen auf einer verlassenen Insel. In Australien fand die Erstausstrahlung auf dem Sender Showcase am 21. Juli 2019 statt, in Deutschland wurde sie am 1. November 2019 bei TVNOW veröffentlicht. Bei den AACTA Awards wurde sie neunmal ausgezeichnet.
Handlung In dem verlassenen Sankt-Agnes-Kloster auf einer abgeschiedenen Insel in der Irischen See, die bei Ebbe über einen Damm zu erreichen ist, leben nur noch drei Nonnen verschiedener Generationen, die Schwestern des klausurierten Ordens der Heiligen Agnes, die den Grund des Klosters nicht verlassen dürfen: die rothaarige Jungfrau Carla, die das Festland noch nie gesehen hat; ihre Anführerin Iphigenia, die Visionen hat; und die alte Margarita, die von Schatten gequält wird. Ohne Strom und Technologie versorgen sie sich selbst mithilfe eines Kräutergartens und der Zucht von Schafen, die sie für die Wiedergeburten ihrer verstorbenen Schwestern halten. Sie opfern einem Agnesbildnis ihre Haare und erzählen beim Stricken Geschichten wie Märchen, inhaltlich angepasst an ihre eigenen Biografien.
Die Handlung setzt im Jahr 1999 ein, als plötzlich Pater Ignatius auftaucht, der Sekretär des Bischofs, der die Insel für unbewohnt hielt und das scheinbar stillgelegte Kloster für die katholische Kirche, welche derzeit in einem Missbrauchsskandal steckt und die Anlage in Luxushotels umwandeln will, untersuchen sollte. Um ihren Eid und ihre Heimat zu verteidigen, machen die Nonnen ihn zum Gefangenen, Invaliden und zur Schwester. Der Konflikt mit ihm führt für die drei Nonnen jeweils zu einer anderen Auflösung: Iphigenia enthüllt sich als die vermisste Stanford-Erbin, um ihr Erbe anzutreten, und als Carlas Mutter; diese gibt sich mit Ignatius der Anziehung hin und gebiert seine Tochter; Margarita heilt ihn mit einem Wunder und wird zur verehrten Heiligen.
Episodenliste
Besetzung und Synchronisation Die deutschsprachige Synchronisation entstand nach Dialogbüchern und unter der Dialogregie von Marika von Radvanyi durch die Scalamedia GmbH.
Rolle Darsteller Synchronsprecher Hauptbesetzung Schwester Carla Jessica Barden Maresa Sedlmeir Schwester Iphigenia/Patricia Stanford Essie DavisMeegan Warner (jung) Madeleine Stolze Schwester Margarita Ann DowdAsha Boswarva (jung) Eva Maria Bayerwaltes Pater Ignatius Sam Reid Oliver Scheffel Weitere Frankie Jones Kate Mulvany Laura Preiss Ben Jones Diesel La Torraca Nat Jones Caleb Nissen Sergeant Barnaby Daniel Henshall Martin Bonvicini Bischof Malone John Bell Reinhard Glemnitz Pater Malachi Tahki Saul Pater Bob Damon Herriman Mr. Colquin Huw Higginson Matthias Kupfer Rosa Stanford Sigrid Thornton Marion Hartmann
Produktion Lambs of God basiert auf dem 1997 erschienenen Roman Die Bräute des Himmels der australischen Autorin Marele Day und wurde von Lingo Pictures für das Fernsehunternehmen Foxtel produziert. Nachdem Jason Stephens und Helen Bowden für Lingo Pictures die Verfilmungsrechte erworben und an Foxtel getragen hatten, begann dort etwa Anfang 2016 die Entwicklung des Projekts. Engagiert wurden als Drehbuchautorin und Showrunner der vier Episoden Sarah Lambert und als Regisseur Jeffrey Walker sowie in den Hauptrollen Ann Dowd, Essie Davis, Jessica Barden und Sam Reid besetzt. Für Filmkameramann Donald M. McAlpine ist die Serie das Fernsehdebüt. Gedreht wurde ab Mai 2018 für neun Wochen in den FOX Studios, in New South Wales und auf Tasmanien.
Ausstrahlung Weltpremiere feierten die ersten beiden Episoden im März 2019 im Wettbewerb des Festivals Series Mania in Lille. In Australien wurde sie in zwei Hälften am 21. und am 28. Juli 2019 auf dem Foxtel-Sender Showcase ausgestrahlt. Ihre Deutschlandpremiere hatte sie am 1. November 2019 bei TVNOW; im Free-TV wurde sie am 30. März und 6. April 2021 auf One erstausgestrahlt.
Rezeption Kritiken Bei Rotten Tomatoes erreicht die Serie eine Kritikerwertung von 100 % anhand 6 Kritiken.Rotten Tomatoes, abgerufen am 18. Februar 2021
Luke Buckmaster, der für den Guardian vier von fünf Sternen vergibt, empfindet die Serie als religiöses Misery mit einer dunkel schönen und surrealen Ästhetik, und schreibt: „Teuflischer Humor ist hindurch gesät mit einer sardonischen Art Schüchternheit, die manchmal schwer zu lesen und sogar fast unmerklich ist. Knock-out-Performances der herausragenden Besetzung lassen das Drama vor Emotionen erbeben [...] und Lamberts exzellentes Drehbuch bleibt in der Struktur unberechenbar. Lambs of God ist waghalsig, das ist sicher, und riecht förmlich nach einem zukünftigen Kultklassiker.“
Roger Moore von Movie Nation beschreibt sie als Mischung zu gleichen Teilen aus Betrogen und Agnes – Engel im Feuer sowie als „durchziehend seltsamer, schauerlicher magischer Realismus zu Leben gebracht von einer Spitzengruppen-Besetzung in der kahlsten Umgebung.“ Die Serie liefere mit nicht aufhörenden Überraschungen in jeder Episode große Momente, die die Zuschauer beim Raten und Schauen halten.
Karl Quinn vom Sydney Morning Herald findet, jeder Aspekt der Produktion stimme überein mit dem geschickten, reichen Storytelling; Walkers Regie sei ungefährdet, die Darstellungen durchgehend gut und die Kameraarbeit von McAlpine leuchtend, der wahre Star aber die Umgebung. „Abwechselnd sexy und pervers, albern und smart ist Lambs of God ein seltsames Biest, aber auch eine schiere Freude.“
Themen Wenlei Ma von News.com. stellt den Konflikt in der Serie so dar, dass die unleugbar weiblich[e], pflegende, irdene und anspruchslose Existenz [der Frauen] gewaltsam mit der Arroganz und dem Patriarchat der Kirche zusammenprallt. Buckmaster sieht in der Serie „eine zynische Sicht auf den zeitgenössischen Katholizismus als politische Einheit der Staatskunst und qualmgefüllter Hinterzimmer, mit einer Vorliebe zu Verschwörungen und Vertuschungen.“
Schauspielerin Essie Davis beschreibt sie als „Krieg zwischen dem Weiblichen und Männlichen und Säule für die Frauenheit“ und sieht für die Gläubigen einerseits Heuchelei, andererseits Spiritualismus mit heidnischen Praktiken. „Diese Frauen sind verbunden mit der Erde und der Spiritualität ihres Glaubens, der zutiefst ehrlich ist, und nicht die politisierte, männlich-dominierte Neuorganisierung der Bibel und der römisch-katholischen Religion als Patriarchat. Sie mag sich nicht als eine korrekte gesetzestreue römisch-katholische Schwesternschaft anfühlen, aber ist sehr schön.“
Quinn schreibt, die Serie vollführe eine Gratwanderung zwischen „Farce und feministischer Kritik an der patriarchalen Kirche, die das Weibliche ausschließt oder dämonisiert, während sie ihre eigenen Ambitionen und Überschreitungen verschleiert. Es gibt Hinweise auf Missbrauch, Veruntreuung und Mord, alle ausgetragen im Namen des Vaters. […]“ Es gebe ein wunderbares Element darin, dass etablierte Narrative umgestaltet werden: „die Nonnen überarbeiten christliche Rituale und Märchen, um die Besonderheiten ihrer Umgebung und persönlichen Geschichte widerzuspiegeln. Ein christlicher Traditionalist könnte dies als Korruption von Ritual und Liturgie sehen, aber gleichermaßen kann man es sehen als Wiederbehauptung der heidnischen, vorchristlichen Traditionen, die von der Kirche angeeignet wurden, als sie sich ausbreitete. Die Rückkehr des Unterdrückten.“
Wenlei Ma zieht als Fazit: „Die Serie mag die Institution der Kirche verurteilen, aber steht hundertprozentig hinter dem Glauben als Ganzes. Was sie will, ist Anerkennung für die Geschichten und Beiträge von Frauen über die Starrheit und das Urteil durch die Institution hinaus, eine Institution, die für den Vorteil der Männer konstruiert wurde.“
Auszeichnungen und Nominierungen AACTA Awards 2019 Bei den heimischen Awards der Australian Academy erlangte Lambs of God die Rekordzahl von 18 Nominierungen.
Auszeichnungen Bester Fernsehfilm oder Mini-Serie Beste Regie in einem Fernsehdrama oder einer Komödie, an Jeffrey Walker Beste Kamera im Fernsehen, an Donald M. McAlpine Bester Sound im Fernsehen Beste Originalmusik im Fernsehen, an Bryony Marks Bestes Produktionsdesign im Fernsehen, an Chris Kennedy Bestes Kostümdesign im Fernsehen, an Xanthe Heubel Bestes weibliches Neutalent, an Asha Boswarva (junge Margarita) Bestes Haar und Make-up Nominierungen Bestes Drehbuch im Fernsehen, an Sarah Lambert Bester Hauptdarsteller in einem Fernsehdrama, an Sam Reid (Pater Ignatius) Beste Hauptdarstellerin in einem Fernsehdrama, an Essie Davis (Schwester Iphigenia), Ann Dowd (Margarita) Bester Nebendarsteller in einem Fernsehdrama, an Damon Herriman (Pater Bob) Bester Schnitt im Fernsehen, an Deborah Peart Bestes männliches Neutalent, an Diesel La Torraca (Ben Jones) Bestes weibliches Neutalent, an Emma Lancaster (Schwester Theresa), Yvonne Rae (Schwester Assumpta)
Weitere Australian Screen Sound Guild Awards: Bester Sound in einer Fernsehdramaserie – Auszeichnung Australian Writers’ Guild Awards: Fernseh- oder Mini-Serie, an Sarah Lambert und Lingo Pictures – Nominierung Casting Guild of Australia Awards: Bestes Casting für eine Mini-Serie oder einen Fernsehfilm, an Kirsty McGregor – Nominierung Screen Producers Australia Awards: Fernsehfilm- oder Mini-Serien-Produktion des Jahres – Auszeichnung
Weblinks
Lambs of God foxtel.com
Einzelnachweise
Kategorie:Fernsehserie (Australien) Kategorie:Fernsehserie der 2010er Jahre Kategorie:Literaturverfilmung Kategorie:Miniserie Kategorie:Ordensschwester im Film