mini|Käthe Ephraim Marcus, Selbstporträt, 1933Laut dem #Center for Israeli Art ist die Jahreszahl 1933 Teil des Titels; das Bild selber sei 1934 entstanden.

Käthe Ephraim Marcus, die ihre Werke meist mit K.E.M signierte (geborene Ephraim; geb. 16. August 1892 in Breslau; gest. 13. April 1970 in Ramat Gan), war eine deutsch-israelische Malerin und Bildhauerin.

Leben Vor der Emigration Käthe Ephraim Marcus wuchs als Tochter des Kaufmanns Emil Ephraim und seiner Frau Fanny in einer liberalen und kulturell anregenden Umgebung auf.Ada Taiber: Chronology. In: Ada Taiber: Kaete Ephraim Marcus. Schon als Kind malte sie Porträts ihrer Klassenkameradinnen, und in ihrem Text Aus meinem LebenKaete Ephraim Marcus: Aus meinem Leben. In: Beno Rothenberg (Hrsg.): Kaete Ephraim Marcus. schrieb sie, dass sie es Eugene Spiro, der ihre Eltern gemalt und dabei ihre ersten Arbeiten gesehen hatte, zu verdanken habe, dass sie „eine gruendliche Ausbildung bekam“. Diese begann sie dann 1911 bei Hans Thoma in Karlsruhe, wo dieser Professor an der Großherzoglich-Badischen Akademie der Bildenden KünsteStaatliche Akademie der bildenden Künste. In: Stadtlexikon Karlsruhe. war, der Nachfolgerin der Großherzoglich Badischen Kunstschule Karlsruhe.Da Frauen damals das Studium an der Akademie noch nicht erlaubt war, ist unklar, ob sie privat von Thoma unterrichtet wurde, oder Schülerin der Malerinnenschule Karlsruhe war. 1912 wechselte Ephraim an die neugegründeten Staatlichen Akademie für Kunst und Kunstgewerbe Breslau.Information Center for Israeli Art: Kathe Ephraim Marcus 1913 studierte sie in Berlin bei Lovis Corinth und Max Beckmann.Biographische Daten. In: Beno Rothenberg (Hrsg.): Kaete Ephraim Marcus.

1912 war Käthe Ephraim dem gerade von ihrem späteren Ehemann Joseph Marcus gegründeten jüdischen Wanderbund „Blau-Weiß“ beigetreten und wurde eine der Breslauer Führerinnen des Bundes.Jörg Hackeschmidt: Von Kurt Blumenfeld zu Norbert Elias. Die Erfindung einer jüdischen Nation. Europäische Verlagsanstalt, Hamburg 1997, ISBN 3-434-52004-X, S. 74 1916 illustrierte sie das von Marcus herausgegebene Tagebuch für die jüdische Jugend 5677 1916-1917.

Im März 1917 heirateten Käthe Ephraim und Joseph Marcus. Aus dieser Ehe gingen die drei 1918, 1920 und 1926 geborenen Kinder Chava, EphraimEphraim Marcus (1920–2011) war ein in Israel bekannter Flötist und Musikpädagoge. (Siehe: :he:אפרים מרכוס) und Channah hervor. Nach Auseinandersetzungen innerhalb des „Blau-Weiß“ schieden Käthe und Joseph Marcus im Oktober 1918 aus ihren Leitungsfunktionen im Breslauer Bund aus.

1920 traf Käthe Ephraim Marcus in Berlin Käthe Kollwitz, der sie sich „als Malerin, Frau und Mutter“ eng verbunden fühlte. Auf Anraten des Malers Otto Mueller, der seit 1919 Professor an der Staatlichen Akademie für Kunst und Kunstgewerbe in Breslau war, reiste sie 1925Ruth Markus: Artists: Yishuv and Israel. nach Paris, um an der Académie de la Grande Chaumière und bei André Lhote zu studieren. „Hier sah ich Natur und Menschen, die Abseitigen, die schicksalhaft in ihre Umwelt verwoben waren. Und hier erkannte ich den Weg, den ich in meiner Kunst zu gehen hatte.“ Der aber führte weg von der Grande Chaumière und André Lhote: „Ich wollte kein kleiner Lhote, kein kleiner Picasso werden, ich wollte meinen Weg gehen, der meinem Wesen entsprach.“ Dieser eigene Weg führte sie zu einem leichten und farbenfrohen Stil.

Von Paris aus unternahm Käthe Ephraim Marcus 1925 ihre erste Palästinareise, während der sie zusammen mit ihrem Mann an der Einweihung der Hebräischen Universität Jerusalem teilnahm. Was dieser Palästinaaufenthalt für ihre Kunst bedeutete, beschrieb sie so:

1926 hatte Käthe Ephraim Marcus ihre erste Ausstellung in der Berliner Akademie der Künste, der bis 1930 weitere in anderen Städten folgten. Sie zeigte vor allem Pariser und palästinensische Landschaftsbilder und viele Porträts, darunter eine Reihe von Kinderbildern, die ihr „den Ruf einer „Kindermalerin par excellence“ einbrachten“. Auch ihre 1928 erfolgte Aufnahme in den Deutschen Künstlerbund (DKB) hatte sie einem ihrer Kinderporträts zu verdanken: „Ich hatte von meinen Kindern, vor allem von dem Juengsten als Baby, verschiedene Bilder gemalt und eines davon Kind in der Riesengebirgswiese brachte mir in Hannover 1928 die Aufnahme in den Deutschen Kuenstlerbund.“ Ebenfalls 1928 wurde sie auch Mitglied im Schlesischen Künstlerverein.Möglicherweise handelt es sich beim Schlesischen Künstlerverein um den Künstlerbund Schlesien.

Nach dem Umzug nach Düsseldorf, wo ihr Mann eine Anstellung als Oberregierungsrat gefunden hatte,Joseph Marcus. In: Werner Röder, Herbert A. Strauss (Hrsg.): Biographisches Handbuch der deutschsprachigen Emigration. wurde sie 1930 Mitglied der Rheingruppe.Zu deren Geschichte siehe: Das Junge Rheinland 1931 folgte ihre vermutlich letzte Ausstellung in Deutschland in der Galerie der Johanna Ey in Düsseldorf. Sie selbst bezeichnete ihre Düsseldorfer Zeit, die Jahre 1930 bis 1933 als „frohe Zeit“, die ihr „viel Anregung und Freude“ gebracht habe. Sie machte die Bekanntschaft von Jankel Adler, Arthur Kaufmann und Otto Dix und porträtierte Paula Ollendorff (siehe Werke) und Ernestine Eschelbacher.Landeskundliches Informationssystem für Baden-Württemberg (LEO-BW): Ernestine Eschelbacher Was sie mit diesen beiden Porträts zeigen wollte, beschrieb K.E.M. so:

1932 unternahm K.E.M. ihre zweite Palästinareise und nahm an der Eröffnung der ersten Makkabiade in Tel Aviv teil. Während dieser Reise entstanden Bilder von der Bucht von Haifa und von sephardischen Kindern.

Emigration, Leben in Palästina und Israel Zu Beginn der Zeit des Nationalsozialismus verließ die Familie Marcus im Juli 1933 Deutschland. Zwei ihrer Kinder wurden vorab nach Palästina geschickt, während Käthe Ephraim Marcus, ihr Mann und ihre jüngste Tochter nach England gingen, um dort auf die Einwanderungsgenehmigungen für Palästina zu warten, wo die Familie sich wieder zusammenfinden wollte.Ada Taiber: Kaete Ephraim Marcus. S. 167–168 Käthe Ephraim Marcus konnte in England künstlerisch nicht Fuß fassen, und zusätzlich erkrankten im kalten englischen Winter Joseph Marcus und das jüngste Kind. Im Frühjahr 1934 konnten sie zwar nach Palästina übersiedeln, doch wegen der Tuberkulose des Mannes mussten sich die Eltern kurz darauf wieder von ihren Kindern trennen, um zur Behandlung von Joseph Marcus nach Davos in die Schweiz zu reisen. Die Schwierigkeiten jener Zeit deuten sich in dem 1934 entstandenen Selbstporträt, 1933 an (siehe oben), und ebenso in dem im gleichen Jahr entstandenen Bild Die Decke stürzt über mir ein. Ada Taiber verwies ergänzend auf das zeitgleich entstandene Bild Horror, ein weiteres Selbstporträt, das „ein starker Ausdruck des Traumas der Flucht aus Deutschland und der Anpassung (oder besser gesagt, Nichtanpassung) an ihren Platz in der neuen Heimat [ist]. Es war eine Zeit der Ungewissheit, in der die Nachrichten aus Deutschland von Tag zu Tag schlechter wurden und die Verzweiflung zunahm.““The self-portrait entitied „Horror“ […], painted at the same time and place, is a strong expression of the trauma of fleeing Germany and prior to adjusting (or, rather, not adjusting) to their place in the new homeland. This was a time of uncertainty, when news from Germany grew worse by the day, increasing their desperation.” Ada Taiber: Kaete Ephraim Marcus. S. 167.

Die Jahre danach – die Familie wohnte seit 1935 im Jerusalemer Viertel Beit haKaremSiehe hierzu den Artikel in der englischsprachigen Wikipedia: :en:Beit HaKerem, Jerusalem – waren von Existenzkämpfen geprägt. Von dem mitgebrachten Geld hatten sie zwei Häuser gekauft, mussten aber eins wieder verkaufen, um das andere in einen Gasthof – eine Bed & Breakfast-Unterkunft – umzubauen, mit dem der Lebensunterhalt verdient werden konnte. Die bislang ein eher komfortables Leben gewöhnte Käthe Ephraim Marcus musste nun die Hausarbeiten übernehmen und für die Gäste kochen, während ihr Mann den Gasthof managte.Ada Taiber: Introduction. In: Ada Taiber: Kaete Ephraim Marcus. Die angespannte wirtschaftliche Situation und die beschwerlichen Lebensumstände insgesamt wurden zusätzlich vom Arabischen Aufstand der Jahre 1936 bis 1939 überschattet. Nur malend habe sie diese Zeit überstehen können. Ein Bildtitel wie Mann und Sohn auf der Wacht im naechtlichen Gebirge lassen erahnen, mit welchen Ängsten Käthe Ephraim Marcus sich auseinanderzusetzen hatte.

1942 eröffnete Käthe Ephraim Marcus ein Atelier in einem Jerusalemer Vorort. Sie schrieb, dass sie erst 1943 mit der Eröffnung eines Ateliers in der jüdischen Altstadt von Jerusalem ihre Ruhe wiedergefunden habe. Durch einen armenischen Nachbarn, der über einen Töpferofen verfügte, konnte sie sich „endlich einen alten Wunsch erfuellen und anfangen zu bildhauern“. Die meisten Arbeiten, die in den folgenden Jahren entstanden, Skulpturen ebenso wie Gemälde, überlebten jedoch nicht: Im Herbst 1947, nach dem Beginn des Bürgerkriegs im Mandatsgebiet, wurde ihr von den Engländern der Zutritt zum Atelier verwehrt. Nach Aussage von Ruth Markus wurden danach ihre verbliebenen Werke von Arabern völlig zerstört.

Im Juli 1948 übersiedelte die Familie nach Ramat Gan, da ihr Mann gebeten worden war, als Rechtsberater an der Vorbereitung der israelischen Personalausweise mitzuwirken. Für Käthe Ephraim Marcus war es „der Beginn gluecklicher Schaffensjahre“, während derer ihr Mann zugleich auch ihr Manager war und für sie in- und ausländische Ausstellungen arrangierte. Sie studierte derweil Bildhauerei bei Moshe Sternschuss (1903–1992)Zu Moshe Sternschuss siehe: Moshe Sternschuss. Encyclopedia.com; sowie den Artikel in der englischsprachigen Wikipedia über Israeli sculpture. und setzte gleichzeitig ihre Tätigkeit als Malerin und Bildhauerin fort. 1961 lautete ihr Resümee:

Zwischen 1950 und 1980 waren die Gemälde und Skulpturen von Käthe Ephraim Marcus in vielen Einzel- und Gruppenausstellungen zu sehen, in Israel ebenso wie auf internationaler Ebene. In einer Ausstellung im Jahre 2008 über das Jahr 1948 und die Anfänge eines israelischen Kanons in der bildenden Kunst wurden Arbeiten von ihr als Teil dieses Kanons gewürdigt. Tal Dekel bescheinigte ihr unter Bezug auf Ada Taiber (siehe: Literatur) feministische Bezüge in ihrem Werk:

Käthe Ephraim Marcus starb 1970 in Ramat Gan; sie wurde auf dem Friedhof in Kfar SchmarjahuZu diesem Ort siehe: :en:Kfar Shmaryahu beigesetzt.

Werke (Auswahl) Das von Ada Taiber zusammengestellte Werkverzeichnis umfasst 80 Gemälde für die Zeit von 1916 bis 1970 und 16 Einzelskulpturen für die Jahre 1947 bis 1970 sowie den zwischen 1951 und 1957 entstandenen Zyklus Figures in Motion, der aus 12 Skulpturen besteht. Taiber unterschied zwei Haupt-Schaffensperioden: a) die Jahre in Europa und b) die israelischen Jahre. Sie konstatierte aber, dass sich der Stil von K.E.M. nicht nur zwischen diesen beiden Perioden verändert habe, sondern immer auch innerhalb jeder Periode. Auch wenn ihr Werk nicht frei von äußeren Einflüssen gewesen sei, so könne man K.E.M. dennoch nicht einer bestimmten Schule zurechnen. „Ihre Arbeiten zeichnen sich durch Einfachheit in der Form und Offenheit des Ausdrucks aus. Eine Grundstimmung von trauriger Melancholie prägt alle ihre Werke.“„Her works are chracterized by simplicity of form and candidness of expression. A mood of lonely melancholy imbuses all her works.“ (Ada Taiber: Introduction, in: Ada Taiber: Kaete Ephraim Marcus)