mini|Start von Transporter-1 am 24. Januar 2021 Das Smallsat Rideshare Program ist eine Dienstleistung des US-amerikanischen Raumfahrtunternehmens SpaceX für den Start von Kleinsatelliten. SpaceX bringt jeweils mehrere Satelliten – manchmal mehr als hundert – mit einer Falcon-9-Rakete in niedrige Erdumlaufbahnen. Die meisten dieser Starts erfolgen als regelmäßige, Transporter genannte Flüge in sonnensynchrone Bahnen (SSO). Teils wird auch freie Kapazität beim Start größerer Satelliten genutzt, um zusätzlich Kleinsatelliten ins All zu bringen. Viele der Satelliten werden von Drittanbietern vermittelt und von diesen „paketweise“ in selbst entwickelten Transporthalterungen an SpaceX bereitgestellt. Führend hierbei ist das deutsche Unternehmen Exolaunch.
Mit der ersten Mission namens Transporter-1 wurden am 24. Januar 2021 insgesamt 143 Satelliten ins All befördert – ein neuer und bis heute gültiger Rekord für die größte Satellitenanzahl auf einer Rakete.
Geschichte Die erste Rideshare-Start von SpaceX mit zahlreichen Kleinsatelliten war die Mission SSO-A im Dezember 2018. Hierbei griff das Unternehmen auf das Know-How des etablierten Rideshare-Vermittlers Spaceflight Industries zurück. Im August 2019 kündigte SpaceX dann das Smallsat Rideshare Program an.Momentus To Provide In-Space Transportation Service to its Customers On SpaceX SmallSat Rideshare Launch. SpaceX-Pressemeldung vom 22. August 2019 (englisch). Seit 2021 startet im Rahmen dieses Programms alle 2–7 Monate (ursprünglich geplant waren je 6 Monate) ein ein Transporter-Flug in eine sonnensynchrone Umlaufbahn, die meistegefragte Umlaufbahn für Kleinsatelliten. Mit einem Preis von 1 Million US-Dollar für den Start eines 200-kg-Satelliten unterbot SpaceX das bis dahin übliche Marktpreisniveau von um die 5 Millionen US-Dollar bei weitem.Spaceflight – Schedule and Pricing. Abgerufen am 29. August 2019., 22. August 2019.SpaceX smashes record with launch of 143 small satellites. Spaceflight Now, 24. Januar 2021. Dadurch wurde das Unternehmen sofort marktführender Anbieter von Rideshare-Starts. Seit 2022 hob SpaceX die Rideshare-Preise mehrmals in kleinen Schritten an.SpaceX Increases Rideshare Prices . Payload Space, 1. März 2023.
Von 2022 bis 2025 fanden unter dem Namen Bandwagon vier Starts in um 45° geneigte Bahnen statt, zusammen mit Aufklärungssatelliten des südkoreanischen 425-Projekts.
Ausführung Der Start erfolgt jeweils mit einer Falcon-9-Rakete von einem der drei SpaceX-Startplätze auf der Cape Canaveral Space Force Station, dem Kennedy Space Center und der Vandenberg Space Force Base. Zuvor wird auf der oberen Raketenstufe ein Nutzlastadapter montiert. Bis zur Mission Transporter-8 war dies ein rohrförmiger Stapel von standardisierten ESPA-Ringen.Rideshare auf der SpaceX-Website, abgerufen am 1. Januar 2023. Seit Transporter-9 kommt stattdessen ein SpaceX-eigener Adapter mit quadratischem Querschnitt zum Einsatz. Größere Satelliten werden direkt an dem Adapter befestigt, kleinere paketweise mittels Transporthalterungen. Ein zusätzlicher Stauraum für kleine Satelliten befindet sich im hinteren Bereich der Raketenstufe nahe dem Triebwerk. Wenn ein Flug nicht ausgebucht ist, kann SpaceX die freie Nutzlastkapazität für eigene Starlink-Internetsatelliten verwenden. Diese wurden bei den ersten Transporter-Flügen paarweise unter die ESPA-Ringe gestapelt. Der ESPA-Stapel selbst wurden vor dem Aussetzen der Starlink-Satelliten abgeworfen und verblieb selbst als Satellit bzw. Weltraumschrott in einer Erdumlaufbahn. Eine kleine Anzahl von Starlink-Satelliten konnte wahlweise auch oben auf dem ESPA-Stapel montiert werden.
Als Startvermittler sind unter anderem die US-amerikanischen Rideshare-Anbieter Spaceflight, Inc., Momentus Space, Nanoracks, Launcher Space und Impulse Space sowie die Unternehmen Exolaunch aus Deutschland und D-Orbit aus Italien beteiligt. Alle sieben haben eigene Transportsysteme entwickelt, die jedoch unterschiedlich arbeiten:
Exolaunch, Nanoracks und Momentus integrieren die Satelliten in einfache Halterungen, die fest am ESPA-Adapter verbleiben.SpaceX smashes record with launch of 143 small satellites. Spacenews, 24. Januar 2021.Momentus Customers Integrated and Shipped to SpaceX Launch Site. Momentus-Pressemeldung vom 10. Oktober 2023. Die Exolaunch-Halterungen tragen die Bezeichnung Exoport.Exolaunch to Send its Largest Mission of One Ton of Smallsats into Orbit via SpaceX's Transporter-2 Rideshare Mission. Exolaunch-Pressemeldung vom 14. Juni 2021.
D-Orbit, Launcher, Impulse Space und ebenfalls Momentus haben Raumschlepper namens ION, Orbiter, LEO Express (vormals Mira) und Vigoride entwickelt.SpaceX smashes record with launch of 143 small satellites. Spaceflight Now, 24. Januar 2021.Private space tug spins out of control after recent SpaceX launch. Space.com, 26. Juni 2023.LEO Express 1, 2, 3 (Mira 1, 2, 3). Skyrocket.de, abgerufen am 14. Januar 2024. Diese werden nach dem Start von der oberen Raketenstufe abgetrennt und bringen die einzelnen Satelliten je nach Kundenanforderungen in verschiedene Orbits. Damit beheben sie den Nachteil traditioneller Rideshare-Missionen, dass alle Satelliten nur in eine vorgegebene Klasse von Umlaufbahnen (zum Beispiel sonnensynchron in 500 km Höhe) gebracht werden können.
Spaceflight verwendete zunächst antriebslose Systeme – sogenannte „free flyer“ (Freiflieger) – der Produktserie Sherpa-FX. Ab der Transporter-2-Mission setzte das Unternehmen zusätzlich auch Raumschlepper des Typs Sherpa-LT ein. Auch diese Nutzlastträger lösten sich nach dem Start von der oberen Raketenstufe und setzen dann selbsttätig die einzelnen Satelliten aus.Spaceflight unveils propulsive orbital transfer vehicles for custom orbital destinations. Spaceflight-Pressemeldung auf Space Daily, 13. November 2020.Transporter-1 debuts new SpaceX rideshare program, world record. Nasaspaceflight.com, 22. Januar 2021. Bei der Mission Transporter-6 trat vor dem Start ein Treibstoffleck an einer Sherpa auf;Propellant leak forces Sherpa tug off SpaceX rideshare mission. Spacenews, 23. Dezember 2021. seitdem wurden keine Sherpa-Raumfahrzeuge mehr eingesetzt (Stand: Anfang 2025).
Missionsliste „T“ steht jeweils für Transporter und „B“ für Bandwagon.
Nr. Datum (UTC) Rakete Startplatz Satelliten COSPAR-ID Nutzlasten freifliegendeHalterungen gesamt davonverloren 2021 T-1 Falcon 9 CC SLC-40 141 2 143 – 2021-006 T-2 30. Juni 2021 Falcon 9 CC SLC-40 85 3 88 – 2021-059 2022 T-3 13. Jan. 2022SpaceX launches Transporter-3 rideshare mission and lands booster at LZ-1. Nasaspaceflight.com, 13. Januar 2022. Falcon 9 CC SLC-40 104–108 1 105–109 ≤ 3 2022-002 T-4 1. April 2022Stephen Clark: Forty payloads ride into orbit on SpaceX Falcon 9 rocket. Spaceflight Now, 1. April 2022. Falcon 9 CC SLC-40 39 1 40 ≤ 2 2022-033 T-5 25. Mai 2022 Falcon 9 CC SLC-40 51–52 3 54–55 2–3 2022-057 2023 T-6 3. Jan. 2023 Falcon 9 CC SLC-40 103–109 5 108–114 ≥ 8 2023-001 T-7 15. April 2023 Falcon 9 Va SLC-4E 46–49 2 48–51 ≤ 3 2023-054 T-8 12. Juni 2023 Falcon 9 Va SLC-4E 70 2 72 – 2023-084 T-9 11. Nov. 2023SpaceX Transporter 9 rideshare features new OTV from Tom Mueller’s Impulse Space. Nasaspaceflight, 11. November 2023. Falcon 9 Va SLC-4E ca. 110 3 ca. 113 ≥ 3 2023-174 2024 T-10 4. März 2024Transporter-10 Mission. SpaceX, 4. März 2024. Falcon 9 Va SLC-4E 51 1 52 – 2024-043 B-1 7. April 2024SpaceX launches Falcon 9 rocket from Kennedy Space Center on 1st ‘Bandwagon’ mission. Spaceflight Now, 7. April 2024. Falcon 9 KSC LC‑39A 11 – 11 – 2024-066 T-11 16. Aug. 2024SpaceX launches Transporter-11 rideshare with 116 payloads. Nasaspaceflight, 16. August 2024. Falcon 9 Va SLC-4E 112 1 113 – 2024-149 B-2 21. Dez. 2024SpaceX launches Bandwagon-2 rideshare mission on Falcon 9 rocket from California. Spaceflight Now, 21. Dezember 2024. Falcon 9 Va SLC-4E 30 – 30 ≤ 1 2024-247 2025 T-12 14. Jan. 2025SpaceX Transporter-12 launches more than 100 satellites. NASASpaceflight, 14. Januar 2025. Falcon 9 Va SLC-4E 112 3 115 1–3 2025-009 T-13 15. März 2025SpaceX to launch Transporter-13 rideshare from Vandenberg. Nasaspaceflight.com, 14.–15. März 2025. Falcon 9 Va SLC-4E < 73 1 < 74 2025-052 B-3 22. April 2025SpaceX’s rideshare Bandwagon-3 mission marks the 300th orbital flight from Cape Canaveral’s pad 40. Spaceflight Now, 21. April 2025. Falcon 9 CC SLC-40 3 – 3 – 2025-081 T-14 23. Juni 2025SpaceX launches Transporter 14 rideshare mission. Nasaspaceflight, 22. Juni 2025. Falcon 9 Va SLC-4E 68 2 70 ≤ 3 2025-135 Naos 26. Aug. 2025NAOS Mission. SpaceX, abgerufen am 14. April 2026. Falcon 9 Va SLC-4E 8 – 8 – 2025-188 B-4 2. Nov. 2025Commercial space station demo, data center precursor launch on SpaceX Bandwagon-4 mission. Spaceflight Now, 1./2. Oktober 2025. Falcon 9 CC SLC-40 18 – 18 – 2025-248 T-15 29. Nov. 2025Transporter-15 Mission. SpaceX, abgerufen am 29. November 2025. Falcon 9 Va SLC-4E 125 3 128 ≤ 4 2025-276 2026 Twilight 11. Jan. 2026Twilight Mission. SpaceX, abgerufen am 14. Alpril 2026. Falcon 9 Va SLC-4E 40 – 40 – 2026-004 T-16 30. März 2026Transporter-16 Mission. SpaceX, 30. März 2026. Falcon 9 Va SLC-4E < 117 2 < 119 2026-067 CAS500‑2 3. Mai 2026CAS500-2 Mission. SpaceX, abgerufen am 3. Mai 2026. Falcon 9 Va SLC-4E 45 – 45 – 2026-100 T-17 7. Juli 2026Transporter-17 Mission. SpaceX, 7. Juli 2026. Per Livestream wurde zwischen FireSat2 und Pelican-11 ein weiterer Satellit (KITA-53) ausgesetzt. Falcon 9 Va SLC-4E 75 1 76 2026-156
In der Spalte „Satelliten“ ist jeweils die Zahl der Nutzlasten – einschließlich Raumschleppern und antriebslosen freifliegenden Halterungen – angegeben, die in einen Satellitenorbit gebracht werden sollten. Manchmal ist deren exakte Zahl unklar, weil die von SpaceX gemeldeten Nutzlastzahlen Hosted Payloads einschließen können. Letztere verbleiben an der oberen Raketenstufe oder auf einem Raumschlepper und erreichen somit keinen eigenen Satellitenorbit. Zwar veröffentlicht die US-amerikanische Weltraumüberwachung später die Zahl der tatsächlich im Weltraum aufgefundenen Satelliten, jedoch können dabei wiederum Satelliten fehlen, die wegen technischer Probleme nicht aus ihrer Nutzlasthalterung ausgeworfen wurden. Erst 2024 ging SpaceX dazu über, zwischen Hosted Payloads und auszusetzenden Satelliten zu unterscheiden.
Anhand dieser Daten und der Bekanntgaben von Satelliten- und Raumschlepperbetreibern lässt sich jeweils eine Mindest- und Höchstzahl der Satelliten (ohne Hosted Payloads) an Bord der Rakete bestimmen. Außerdem lässt sich die in der Spalte „davon verloren“ genannte Zahl der Satelliten, die in ihrer Starthalterung verblieben, ermitteln bzw. eingrenzen:
Transporter-3: SpaceX meldete den Start von 105 Satelliten, aber nach dem Start wurden 106 Satelliten von der US-Weltraumüberwachung erkannt, darunter vier „USA“-Satelliten mit geheimem Zweck, deren Start nicht angekündigt war. Eine mögliche Erklärung dafür ist, dass die vier USA-Satelliten nicht in der Zahl von 105 enthalten waren und drei Satelliten in ihrer Starthalterung verblieben.
Transporter-4: Bei den 40 gestarteten Satelliten wurden zwei Unternutzlasten des chilenischen Satelliten „Suchai 3“ mitgezählt, die dieser nach dem Start aussetzen sollte. Die beiden Subsatelliten wurden aber von der Weltraumüberwachung nicht erkannt.
Transporter-5: Von 59 gemeldeten Nutzlasten waren mindestens 5 auf der oberen Raketenstufe oder einem Raumschlepper montiert. Zwei „FossaSat“-Satelliten lösten sich nicht aus ihrer Nutzlasthalterung, und die Weltraumüberwachung erkannte 51 Satelliten im Erdorbit. Demnach könnte ein weiterer Satellit in seiner Halterung verblieben sein.