Pandolfo III. Malatesta (* 2. Januar 1370; † 3. Oktober 1427) war Herr von Fano, Brescia und Bergamo und ein bedeutender Condottiere mit ausgeprägten kulturellen Interessen.

Familie und Jugend mini|hochkant|Wappen der Malatesta von Rimini, Angelo Maria da Bologna, um 1715 mini|hochkant|Grabstätte von Pandolfo III. Malatesta in der Kirche San Francesco in Fano (Aufnahme von Paolo Monti, 1972)

Pandolfo III. Malatestas Eltern waren der Condottiere und Signore von Rimini Galeotto I. Malatesta (um 1300–1385) und Gentile Da Varano, Tochter von Rodolfo II. Da Varano (?–1384), Condottiere und Herr von Camerino und der Camilla Chiavelli aus Fabriano. Er hatte zahlreiche Geschwister, von denen mehrere ebenso glänzende Karrieren machten wie Pandolfo III. selbst. Speziell hervorzuheben sind Carlo I. Malatesta (1368–1429)Carlo I. Malatesta war verheiratet (1386) mit Elisabetta Gonzaga (?–1432), Tochter von Ludovico II. Gonzaga. Er war ein herausragender Parteigänger der papsttreuen Guelfen und bewegte sich flexibel und mit großem Geschick im komplexen Politik-Geflecht Ober- und Mittelitaliens. 1397 war er Capitano generale einer Liga gegen Mailand, dessen Truppen er bei Govèrnolo besiegte, 1406 wurde er zum Gouverneur von Mailand ernannt und ab 1409 stand er als Diplomat und Condottiere in päpstlichen Diensten. Eine zentrale Rolle spielte er für das Konzil von Konstanz, indem er den mit ihm befreundeten Gregor XII. zur Abdankung bewegen konnte, dessen Rücktrittschreiben in Konstanz persönlich vortrug und damit den Weg zur Beendigung der Kirchenspaltung frei machte. 1412 war er Capitano generale der venezianischen Truppen im Krieg gegen Sigismund von Ungarn. Später stand er im Dienst der Republik Florenz. Er wurde mehrfach verwundet und in den Schlachten von Sant’Egidio bei Perugia (1416) und Zagonara (1424) gefangen genommen. Condottieri di ventura: Carlo Malatesta di Rimini , Herr von Rimini, Andrea Malatesta (1373–1416), Herr von Cesena, und Galeotto Novello (genannt „Galeotto Belfiore“, 1377–1400)Galeotto Novello Malatesta war verheiratet (1395) mit Anna da Montefeltro, Tochter von Antonio II. da Montefeltro (1348–1404), Graf von Urbino. Seit früher Jugend war er in die kriegerischen Auseinandersetzungen seiner Familie mit den Grafen von Urbino sowie in die Kämpfe mit rivalisierenden Zweigen der Malatesta involviert. Der Frieden von Genua (1393) brachte den Regionen Romagna und Marken eine Zeit relativer Ruhe, wozu 1395 auch seine Heirat mit Anna da Montefeltro beitrug. Zwei Jahre später wurden die Beziehungen zum Hof in Urbino weiter gefestigt, als Guidantonio da Montefeltro Galeottos Schwester Renegarda ehelichte. Gegen Ende des 14. Jahrhunderts flammten in den Marken neuerdings Feindseligkeiten auf. Sie hatten teilweise auch direkt mit dem Regierungsantritt von Galeotto Novello Malatesta zu tun, der in seinem Herrschaftsbereich, insbesondere in Städten wie Montalboddo (heute: Ostra), Sansepolcro und Cervia, ab 1394 tiefgreifende Verwaltungsreformen durchsetzte. Galeotto Novello Malatesta starb am 15. August 1400 im Alter von 23 Jahren in Montalboddo an der Pest. Er hinterließ keine Nachkommen. Vgl. dazu: Anna Falcioni, Galeotto Novello, detto Galeotto Belfiore , Herr von Cervia, Meldola, Sansepolcro, Sestino, Sassofeltrio und Montefiore. Seine Schwestern und Halbschwestern waren fast alle mit regierenden Potentaten der Region verheiratet: mit den Gonzaga von Mantua, den Pepoli von Bologna, den Manfredi von Faenza und den Montefeltro von Urbino. mini|hochkant|Margherita Malatesta, Gräfin von Mantua Pandolfo III. Malatesta wuchs am Hof der Malatesta in Rimini auf und erhielt eine ausgezeichnete Bildung, u. a. durch den berühmten Humanisten Giacomo Allegretti.Filippo Valenti, Giacomo Allegretti Er sprach nebst dem Italienischen auch Latein, Französisch und Provenzalisch und verfasste lateinische Verse. Zudem spielte er Laute und Harfe.Allan Atlas, On the Identity of Some Musicians At The Brescian Court of Pandolfo III Malatesta, In: Current Musicology 36 (1983), S. 11–20, S. 15f Nach dem Tod seiner ersten Frau (1398) unternahm er 1399 eine Pilgerfahrt nach Jerusalem.

In der Generation von Pandolfo III. erreichten die Malatesta den Höhepunkt ihrer Macht. Sie profitierten einerseits vom Großen Schisma (1378–1417) mit den konkurrierenden Papstansprüchen in Rom und Avignon und beherrschten große Teile der Romagna und der Marken, Gebiete, die eigentlich dem schwächelnden Kirchenstaat gehörten. Andererseits machten sie sich die jahrzehntelangen Wirren in der Lombardei zunutze, indem sie sich als Condottieri für die politischen Kräfte in Ober- und Mittelitalien unverzichtbar machten und ihren eigenen Herrschaftsbereich massiv zu erweitern wussten. Pandolfo III. Malatesta nutzte seine Stellung im Regentschaftsrat der Witwe von Gian Galeazzo Visconti ab 1402 konsequent für seine eigenen Interessen aus. Im augenfälligen Bestreben sich in der Lombardei einen eigenen Territorialstaat zu schaffen, riss er mit tatkräftiger Unterstützung seines Bruders Carlo I. Malatesta die Herrschaft über Brescia (1404–1421), Bergamo (1407–1419) und Lecco (1408–1418) an sich. Bergamo und Lecco verlor er im Sommer 1419, Brescia nach der gegen die mailändischen Truppen unter Carmagnola verlorenen Schlacht von Montichiari (8. Oktober 1420), dem Friedensschluss zwischen Mailand und Venedig vom 24. Februar 1421 und dem Einzug von Carmagnola in Brescia am 21. März 1421. Für die Aufgabe der Herrschaft in Brescia wurde Pandolfo III. Malatesta von den Visconti mit 34.000 Gulden entschädigt. Er zog sich in die ihm verbliebene Signoria von Fano (Provinz Pesaro und Urbino) zurück.

Condottiere Pandolfo III. Malatesta begann seine militärische Laufbahn in jugendlichen Jahren und kämpfte, oft mit seinen Brüdern Carlo I. und Andrea Malatesta, in zahllosen Scharmützeln und Kleinkriegen im Dienst des Kirchenstaates oder mit eigenen Truppen gegen rivalisierende Dynastien der Region wie die Balacchi (Santarcangelo), die Da Polenta von Ravenna, die Montefeltro von Urbino, die Ordelaffi von Forlì. Anders als Condottieri wie Facino Cane, Carmagnola, Muzio Attendolo Sforza, Angelo della Pergola oder Niccolò Piccinino musste er sich nicht hochdienen, sondern übernahm als Mitglied einer berühmten Adelsfamilie mit eigenem Herrschaftsgebiet von Anfang an militärische Führungsfunktionen. Bereits 1389, noch nicht einmal 20 Jahre alt, führte er mit seinem Bruder Carlo für Papst Urban VI. 2.000 Reiter ins Feld. Für seine Reputation als Condottiere bedeutend war seine Beteiligung beim Sieg der anti-mailändischen Liga bei Govèrnolo von 1397 über Jacopo Dal Verme und Giovanni da Barbiano. Im gleichen Jahr wurde er zum Capitano generale der päpstlichen Truppen ernannt. Ab 1401 (bis 1412) stand er im Dienst des Herzogtums Mailand und gehörte dort zu den wichtigsten Exponenten der Guelfen-Partei. Nach der Ermordung von Giovanni Maria Visconti kämpfte er 1412 im Krieg der Republik Venedig gegen Sigismund von Luxemburg, König von Ungarn, der für sich den Besitz des Friaul und von Istrien beanspruchte. Im September 1412 rückte er für seinen Bruder Carlo I. als Oberbefehlshaber der venezianischen Truppen nach und setzte dem ungarischen Heerführer Filippo Scolari, Pippo Spano, energischen Widerstand entgegen. Nach zahlreichen Gefechten und erfolglosen Belagerungen musste sich dieser im Frühjahr 1413 zunächst ins Friaul und später nach Ungarn zurückziehen. Für diesen Erfolg wurde Pandolfo III. Malatesta von Venedig reich belohnt. Er erhielt einen Solddienstvertrag für 1.000 Mann, der jährlich mit 48.000 Dukaten dotiert war, eine jährliche Leibrente von 1.000 Dukaten und einen Palazzo am Canal Grande.Dabei handelte es sich um die Ca' Lioni des Alvise Venier bei San Stae, die einen Wert von 6.000 Dukaten darstellte; vgl. dazu: Federico Odorici, Storie bresciane dai primi tempi sino all'età nostra, Band 7, Brescia 1857, S. 279; G. Chittolini, E. Conti, N. Covini (ed.), Nell’età di Pandolfo Malatesta, S. 62; I Guelfi e i Ghibellini in Bergamo. Cronaca di C. Castelli delle cose occorse in Bergamo negli anni 1378-1407, e Cronaca anonima di Bergamo degli anni 1402-1484, pubblicate con prefazione e note dal Cav. Can. Gio. Finazzi, Bergamo 1870, S. 304 Ferner wurde Pandolfo III. Malatesta in den venezianischen Adel aufgenommen.Condottieri di ventura: Pandolfo Malatesta, Signore di Bergamo

In den folgenden Jahren verschlechterten sich die Beziehungen zu Filippo Maria Visconti. Trotz Vermittlungsbemühungen der Republik Venedig und später von Martin V. war eine militärische Konfrontation unausweichlich. Am 24. Juli 1419 eroberte Francesco Bussone da Carmagnola Bergamo und am 8. Oktober 1420 verlor Pandolfo III. Malatesta gegen den gleichen Gegner die Schlacht von Montichiari. Nun suchte er einen möglichst vorteilhaften Friedensschluss. Im März 1421 trat er Brescia an den Herzog von Mailand ab, gab die lombardische Herrschaft für immer auf und kehrte in die Romagna zurück. In den folgenden Jahren stand er als Capitano generale nochmals in Diensten des Papstes und der Republik Florenz. Seine letzte große Schlacht führte er am 28. Juli 1424 gegen die mailändischen Truppen unter den Condottieri Angelo della Pergola, Secco da Montagnana und Guido Torelli. Die Battaglia di Zagonara endete für die florentinischen Truppen mit einer schweren Niederlage und Pandolfos Bruder Carlo Malatesta geriet in Gefangenschaft.

Die Höfe von Fano und Brescia