Ich bin dein Mensch (internationaler Titel I’m Your Man) ist ein deutscher Spielfilm von Maria Schrader aus dem Jahr 2021. Die melancholische Komödie handelt von der Begegnung zwischen einer Frau (dargestellt von Maren Eggert) und einem humanoiden Roboter (Dan Stevens).
Der Film wurde im März 2021 im Wettbewerb der 71. Internationalen Filmfestspiele Berlin uraufgeführt, und die Hauptdarstellerin Maren Eggert wurde mit dem Silbernen Bären für die beste darstellerische Leistung ausgezeichnet. Im selben Jahr folgten vier Deutsche Filmpreise, darunter in den Kategorien Spielfilm, Regie und Hauptdarstellerin.
Der Film lief am 1. Juli 2021 im Majestic Filmverleih in den deutschen Kinos an. Ich bin dein Mensch wurde als deutscher Kandidat für die Oscarverleihung 2022 ausgewählt. Am 22. Dezember 2021 wurde er im Rahmen des Filmmittwochs im Ersten ausgestrahlt., Video verfügbar bis 22. März 2022.
Handlung Berlin in naher Zukunft: Die Wissenschaftlerin Alma arbeitet am Vorderasiatischen Museum auf dem Gebiet der Altorientalistik. Sie ist derzeit Single, ihr Leben besteht hauptsächlich aus intensiver Forschung an gewissen sumerischen Keilschriften und der regelmäßigen Versorgung ihres demenzkranken Vaters, die sie sich mit ihrer Schwester Cora teilt. Um an dringend benötigte Forschungsgelder zu gelangen, lässt Alma sich zur Teilnahme an einer außergewöhnlichen Studie überreden: Sie soll als Produkttesterin drei Wochen lang mit einem humanoiden Roboter des Unternehmens Terrareca zusammenleben, der darauf ausgelegt ist, den „perfekten Lebenspartner“ zu verkörpern.
Obgleich man ihr versichert, dass die Künstliche Intelligenz (KI) des Prototyps – sein Name ist Tom – bereits so exakt wie möglich an ihre ermittelten persönlichen Präferenzen angepasst worden sei, ist Alma anfangs mehr als einmal befremdet, weil dazu anscheinend auch ein britischer Akzent sowie recht klischeehafte Vorstellungen von romantischer Stimmung gehören. Tom beruhigt sie jedoch: Sein System werde sich anhand ihrer Reaktionen ständig neu kalibrieren und dadurch immer weniger Irritationen verursachen. Tatsächlich hat er bald nicht mehr nur platten Charme zu bieten, sondern auch Einfühlungsvermögen, Takt, Humor, auf Verlangen sogar Zorn. Nachdem Alma seine physische und kognitive Ausstattung kühl inspiziert und dabei klargestellt hat, dass erotische Kontakte ausgeschlossen sind, drängt sie ihre Skepsis allmählich zurück und versucht, der bizarren „Beziehung“ einen Anstrich von Normalität zu geben.
Toms Herstellerfirma empfahl den beiden, eine gemeinsame Vergangenheit zu erfinden. Alma erinnert sich gern an ihre erste Jugendliebe während eines Urlaubs in Dänemark, an eine Tischtennisplatte, wo sie jenen Jungen immer traf. Tom meinte zwar, er habe Alma bei einem wissenschaftlichen Kongress kennengelernt, doch eine Jugend in Dänemark zu imaginieren bereitet ihm ebenso wenig Mühe. Es spielt auch eigentlich keine Rolle, da Alma gerade ganz andere Dinge bewegen:
Ihr langjähriges Forschungsprojekt wird von einem Tag zum anderen obsolet, weil ein ausländisches Institut ihr zuvorgekommen ist. Ihrem Vater geht es zunehmend schlechter. Ihr Ex-Gefährte Julian hat eine neue Liebe gefunden und wird wieder Vater, während Alma noch immer um das Kind trauert, das sie verlor. Wenigstens erweist sich Tom als zuverlässige Stütze und hilft ihr Situationen zu meistern, die sie allein kaum ertragen hätte. Als sie einmal, frustriert und betrunken, ihrem Prinzip untreu wird und Sex von ihm verlangt, verweigert er sich, was sie ihm anderntags ebenfalls dankt.
Doch es erscheint zunächst zweifelhaft, ob sich Tom wirklich auch nur ansatzweise in menschliche Befindlichkeiten einfühlen kann. Soweit es Alma betrifft, kann Tom das durchaus, denn ihre Situation ist an sich nicht schwer zu begreifen. Von seiner Unverblümtheit überfordert, flüchtet sie nach draußen, wo Tom sie sucht, bis sie einander im nächtlichen Pergamonmuseum wiederfinden. Nach der folgenden einzigen gemeinsamen Nacht entscheidet sich Alma am Morgen dafür, das Projekt mit Tom zu beenden, und bittet ihn zu gehen. Als sie kurz darauf ihre Meinung ändert, ist er verschwunden. Anschließend begegnet sie zufällig einem männlichen Teilnehmer der Studie, der sich geradezu überschwänglich glücklich über das Zusammenleben mit der auf ihn hin programmierten weiblichen KI äußert. Im Anschluss formuliert Alma ihr Gutachten, in welchem sie sich vehement gegen humanoide Partner ausspricht. Im Wesentlichen begründet sie ihre Ablehnung damit, dass durch die konstruierten idealen Partner jede Notwendigkeit und jeder Antrieb wegfallen würde, sich mit realen Partnerschaften auseinanderzusetzen.
Einige Tage später stellt sich heraus, dass Tom nicht zu seiner Herstellerfirma zurückgekehrt ist. Daraufhin fährt Alma nach Dänemark und findet Tom auf jener Tischtennisplatte. Dort erzählt sie Tom, wie sie sich damals oft mit geschlossenen Augen ausmalte, dass der Junge, in den sie verliebt war, ihr ganz nah wäre und sie gleich küssen werde. Wenn sie dann die Augen geöffnet habe, sei sie aber immer allein gewesen. Darauf schließt sie die Augen und es erfolgt der Abspann des Films.
Produktion Literaturvorlage und Drehbuch Für Maria Schrader ist Ich bin dein Mensch der dritte Spielfilm als alleinverantwortliche Regisseurin. Das Drehbuch, basierend auf Motiven der gleichnamigen Kurzgeschichte von Emma Braslavsky, schrieb sie gemeinsam mit Jan Schomburg. Die Produktion wurde ursprünglich vom SWR initiiert, dabei regten Fernsehfilmredaktionen Schriftsteller wie Braslavsky dazu an, Kurzgeschichten über die Welt von morgen zu verfassen. Eine daraus resultierende Anthologie mit der 70-seitigen Kurzgeschichte Ich bin dein Mensch war bereits 2019 unter dem Titel 2029 – Geschichten von morgen im Suhrkamp Verlag erschienen.. In: swr.de, 9. September 2020 (abgerufen am 11. Februar 2021).
Der Titel der Originalgeschichte wurde von dem Leonard-Cohen-Song I’m Your Man inspiriert, den Tom in Braslavskys Vorlage täuschend echt imitieren kann. Darin arbeitet Alma als international bekannte Paartherapeutin, die davon überzeugt ist, dass Liebe zwischen den Menschen funktionieren kann. Tatsächlich zerbricht aber ihre Beziehung mit dem Musiker Julian nach zehn Jahren. Alma bestellt sich daraufhin einen humanoiden Roboter („Hubot“) als neuen Partner, versucht dies aber vor ihrem Umfeld geheim zu halten. Als die anfängliche Euphorie über Tom abebbt, der weder high werden kann noch ein Alphatier ist, lässt sie bei ihm ein verbotenes „Alpha-Plugin“ aus dem Darknet installieren. Tom begegnet ihr daraufhin im Rauschzustand und verhält sich gegenüber Almas Umfeld äußerst aggressiv. Alma hat Angst vor juristischen Konsequenzen und verzweifelt an Toms Veränderung. Dennoch hat sie mit ihm aggressiven Sex. Ihren zerschundenen und verletzten Körper präsentiert Alma kurze Zeit später öffentlich auf einer Tagung, auf der mehrheitlich die neue Liebe mit Robotern propagiert werden sollte. Als sie nach Hause zurückkehrt, will sie sich von Tom trennen, der aber um ihre Liebe zu kämpfen beginnt. Am Ende lässt sich Alma von ihm zu einem Kuss hinreißen. Daraufhin kommt es bei Tom aufgrund der vorher installierten Plugins zu einem Systemausfall. Tom erstarrt für mehrere Minuten, wodurch Alma erstickt. Als Tom wieder zu sich kommt und bemerkt, was er getan hat, löst er sein Selbstzerstörungsprogramm aus.Emma Braslavsky: Ich bin dein Mensch. In: Stefan Brandt (Hrsg.): 2029 – Geschichten von morgen. Berlin: Suhrkamp, 2019. – ISBN 978-3-518-47029-9. S. 17–86. In ihrem Roman Die Nacht war bleich, die Lichter blinkten (Suhrkamp, 2019) ließ Braslavsky die Figur des Tom in Fragmenten als Ursprungs- bzw. Sub-Programm eines Hubots namens Goran wieder auftauchen, wobei Goran allerdings mängelbehafteten Code und möglicherweise auch recyclete Versatzstücke anderer Hubots enthält.Emma Braslavsky: Die Nacht war bleich, die Lichter blinkten. Berlin: Suhrkamp Verlag, 2019 - ISBN 978-3-518-42883-2. S. 66, 122 f., 156 f., 162 f., 190 f., 194 f., 271.
Schraders Film wurde von der Produktionsgesellschaft als „melancholische Komödie um die Fragen der Liebe, der Sehnsucht und was den Menschen zum Menschen macht“ beschrieben.Ich bin dein Mensch. In: letterbox-filmproduktion.de (abgerufen am 11. Februar 2021).
Dreharbeiten mini|hochkant=1.2|Der Film wurde unter anderem auf der Museumsinsel gedreht und hier im Rahmen des Berlinale Summer Special auch vorgestellt. Ebenfalls erhielt Maren Eggert hier ihre Auszeichnung Die Dreharbeiten fanden unter der COVID-19-Pandemie angepassten Bedingungen in Berlin und Dänemark statt und gingen Anfang September 2020 zu Ende. In Berlin drehte man vor der Kulisse der James-Simon-Galerie, dem Besucherzentrum der Museumsinsel,Maren Eggert im Gespräch mit Vivian Perkovic, Kulturzeit bei 3sat, 14. Juni 2021. im Pergamonmuseum, hier im Ausstellungsraum des Markttors von Milet, in dem Tom nach Alma sucht und die hier im Film arbeitet, im Berliner Futurium und im Spandauer Forst. Die Mitarbeiter des Vorderasiatischen Museums, Juliane Eule und Christopher Hölzel, fungierten als Fachberater.https://www.preussischer-kulturbesitz.de/fileadmin/user_upload_SPK/documents/newsletter/SPK_NL_no_06_2021.pdf Produktion und Veröffentlichung Der Film wurde von der Letterbox Filmproduktion produziert. Eine erste Vorstellung vor Fachpublikum erfolgte im März 2021 im Rahmen des European Film Markets der Internationalen Filmfestspiele Berlin, wo das Werk um den Goldenen Bären konkurrierte. Den Weltvertrieb für Ich bin dein Mensch übernahm Beta Cinema. Am 1. Juli 2021 folgte der offizielle deutsche Kinostart im Majestic Filmverleih.Starttermine Deutschland. In: insidekino.com. Abgerufen am 29. Mai 2021. Im September 2021 wurde Ich bin dein Mensch beim Toronto International Film Festival vorgestellt.Mike Fleming Jr.: Toronto Festival Unveils 'Dear Evan Hansen' As Opening-Night Premiere, Zhang Yimou’s 'One Second' As Closer; Check Out First Slated Films. In: deadline.com, 20. Juli 2021. Ein Kinostart in den USA fand durch Bleeker Street am 17. September 2021 statt.Anthony D’Alessandro: Marvel Movies Move Around; Searchlight’s 'Eyes Of Tammy Faye' Shifts A Week – Disney Release Date Changes. In: deadline.com, 28. Mai 2021.
Rezeption Altersfreigabe In Deutschland wurde der Film von der FSK ab 12 Jahren freigegeben. In den USA erhielt er von der MPAA ein R-Rating, was einer Freigabe ab 17 Jahren entspricht.I'm Your Man. In: movieinsider.com. Abgerufen am 28. September 2021.I'm Your Man. In: parentpreviews.com. Abgerufen am 28. September 2021.
Kritiken Im internationalen Kritikenspiegel der britischen Fachzeitschrift Screen International belegte Ich bin dein Mensch einen mittleren Platz unter allen 15 Berlinale-Wettbewerbsfilmen.Ben Dalton: ‘Wheel Of Fortune And Fantasy’ takes joint lead on Screen’s Berlin jury grid. In: screendaily.com, 5. März 2021 (abgerufen am 5. März 2021). Bei Rotten Tomatoes wurde der Film von 96 Prozent der Kritiker als gut befunden.
Julian Hanich schreibt im Filmbulletin, der Film werfe Fragen über menschliche Perfektion, die Welt als Wille und Vorstellung, Narzissmus, Hedonismus und Utilitarismus auf. Manches im Film sei zwar albern, vieles jedoch pointiert und nicht weniges sofort anschließbar an das, was uns im Jahr 2021 umtreibt, da wir schließlich in Zeiten von Parship, Elite Partner und anderen Algorithmus-betriebenen Vermittlungsagenturen lebten, die das Verlangen nach dem astreinen Gegenüber zu stillen versprechen, und in Zeiten von Amazon, Alibaba und anderen Online-Versandhäusern, die das Prinzip des Belohnungsaufschubs untergraben und sofortige Wunschbefriedigung verheißen.Julian Hanich: Ich bin dein Mensch. In: Filmbulletin, 1. Juli 2021.