Die Erzschwebfliegen (Cheilosia) sind eine mit bislang etwa 445 beschriebenen Arten umfangreiche Gattung der Fliegen aus der Familie der Schwebfliegen (Syrphidae).
Artenanzahl
Im Jahr 2010 waren 439 Cheilosia-Arten weltweit bekanntThompson FC, Rotheray GE, Zimbado MA (2010): Syrphidae (flower flies). In: Brown BV, Borkent A, Cumming JM, Wood DM, Woodley Norman E, Zumbado MA (Eds): Manual of Central American Diptera. NRC Research Press, Ottawa, 763–792., 2015 kamen sechs Arten neu hinzu,Barkalov AV, Ståhls G (2015): Descriptions of three new species of the genus Cheilosia Meigen from China (Diptera, Syrphidae). Zootaxa 3972(2): 280–290. doi:10.11646/zootaxa.3972.2.8Gunilla Stahls et Anatolij V. Barkalov: Taxonomic review of the Palaearctic species of the Cheilosia caerulescens-group (Diptera, Syrphidae), (ISSN 1313-2970, PMID 28769614, , doi:10.3897/zookeys.662.11267), S. 137–171 was die Gesamtzahl bislang beschriebener Arten auf 445 erhöhte.Gunilla Ståhls, Anatolij V. Barkalov: Taxonomic review of the Palaearctic species of the Cheilosia caerulescens-group (Diptera, Syrphidae) ZooKeys 662: 138 (2017). Abgerufen am 11. Februar 2021.
Die Erzschwebfliegen gelten als die artenreichste paläarktische Gattung der Schwebfliegen.Gunilla Ståhls, Anatolij V. Barkalov: Taxonomic review of the Palaearctic species of the Cheilosia caerulescens-group (Diptera, Syrphidae) ZooKeys 662: 138 (2017). Abgerufen am 11. Februar 2021.
Taxonomie und Schwierigkeiten bei der Bestimmung Defizite Allerdings ist die paläarktische Liste der Erzschwebfliegen-Arten mit Synonymen und verwirrenden Beschreibungen durchsetzt,Martin C. D. Speight: Species accounts of european Syrphidae (Diptera), Syrph the Net: the database of European Syrphidae (Diptera), Dept. of Zoology, Trinity College,University Dublin 2, Ireland, vol. 78, 2014 allein im Jahre 2007 wurden 40 Namen entweder als Synonyme oder als Nomina dubia erkannt, sodass die Artenzahl je nach Erkenntnisstand schwankt.Claus Claußen und F. Christian Thompson: Zur Identitat und Synonymie der von Camillo Rondani beschriebenen Cheilosia-Arten (Diptera,Syrphidae). Studiadipterologica 3 (1996) Heft 2 (online).Claus Claußen, Martin C. D. Speight: Names of uncertain application and some previously unpublished ynonyms in the European Cheilosia fauna (Diptera, Syrphidae). In: Volucella 8, 2007, S. 74, 79 (). Auch sind deswegen bei Feldbestimmungen Änderungen von Namen gegenüber früheren Checklisten nötig.Landesanstalt für Umweltschutz Baden-Württemberg (ed): Rote Liste der Schwebfliegen (Diptera: Syrphidae) Baden-Württembergs, 2. Fassung, Stand 15. September 2000, S. 6, abgerufen am 11. Februar 2021 Cheilosia gelten in diesem Kontext als „kleine unauffällige Tiere“, als „sich unter häufigeren Doppelgängern „versteckende“ Arten“.Landesanstalt für Umweltschutz Baden-Württemberg (ed): Rote Liste der Schwebfliegen (Diptera: Syrphidae) Baden-Württembergs, 2. Fassung, Stand 15. September 2000, S. 7, abgerufen am 11. Februar 2021. So ist C. impudens „unter Freiland-Bedingungen nicht von C. grisella zu unterscheiden“. Solche Arten entgehen unter eudominanten Arten wie C. grisella leicht dem Nachweis.Landesanstalt für Umweltschutz Baden-Württemberg (ed): Rote Liste der Schwebfliegen (Diptera: Syrphidae) Baden-Württembergs, 2. Fassung, Stand 15. September 2000, S. 26, abgerufen am 11. Februar 2021. Darüber hinaus haben sich in Europa und in Ostasien unterschiedliche Systematiken entwickelt.Stuke, J.-H. (2000): Phylogenetische Rekonstruktion der Verwandtschaftsbeziehungen innerhalb der Gattung Cheilosia Meigen, 1822 anhand der Larvenstadien (Diptera: Syrphidae). Studia Dipterologica, Suppl., 8: 1–118.Haarto Antti, Kerppola Sakari (2007a) Finnish hoverflies and some species in adjacent countries. Otavan, Kirjapaino Oy, Keuruu. 647pp.Gunilla Stahls et Anatolij V. Barkalov, Taxonomic review of the Palaearctic species of the Cheilosia caerulescens-group (Diptera, Syrphidae), ZooKeys, 22. März 2017 (ISSN 1313-2970, PMID 28769614, , doi:10.3897/zookeys.662.11267), S. 137–171 Auch werden in Einzelfällen Fehlbestimmungen erwiesen oder vermutet.Landesanstalt für Umweltschutz Baden-Württemberg (ed): Rote Liste der Schwebfliegen (Diptera: Syrphidae) Baden-Württembergs, 2. Fassung, Stand 15. September 2000, S. 5 und 27, abgerufen am 11. Februar 2021.
Untergattungen Anatolij V. Barkalov klassifizierte die Cheilosia-Arten im Jahr 2002 in 13 Untergattungen (Subgenera), wobei er 9 davon neu auswies: Cheilosia Meigen, 1822; Endoiasimyia Bigot, 1882 (= Sonanomyia Shiraki, 1930); Taeniochilosia Oldenberg, 1916 (= Nigro-cheilosia Shatalkin, 1975); Hiatomyia Shannon, 1922; Neocheilosia Barkalov, 1983; Eu-cartosyrphus Barkalov, 2002; Floccocheila Barkalov, 2002; Pollinocheila Barkalov, 2002; Montanocheila Barkalov, 2002; Nephocheila Barkalov, 2002; Conicheila Barkalov, 2002; Convocheila Barkalov, 2002 und Rubrocheila Barkalov, 2002.Gunilla Ståhls, Anatolij V. Barkalov: Taxonomic review of the Palaearctic species of the Cheilosia caerulescens-group (Diptera, Syrphidae) ZooKeys 662: 138 (2017). Abgerufen am 11. Februar 2021.
Weitere Wissenslücken Auch zur Ökologie der Erzschwebfliegen-Arten – und hier insbesondere der Larven – gibt es noch deutliche Kenntnisdefizite. So ist zum Beispiel unklar, wovon die Larven von Cheilosia laticornis leben. Auch etwa von Cheilosia nebulosa ist kaum etwas zur Larvennahrung bekannt; einzig die Eiablage an der Schwarzen Flockenblume (Centaurea nigra) wurde bisher beobachtet.Bernhard Hoiß: Schwebfliegen – vergessene Helfer mit faszinierender Ökologie – ANLiegen Natur 4 2(1): 83, Laufen; www.anl.bayern.de/publikationen, abgerufen am 10. Februar 2021 Cheilosia latifrons wurde auf dem 1565 m hohen Gipfel des Hohen Häderich (Bayern, Allgäuer Alpen) bei der Eiablage am Herbst-Löwenzahn (Leontodon autumnalis) beobachtet. Aus dem Ei entwickelte sich jedoch an ausgegrabenen und kultivierten Pflanzen bei der Präparation im späten Herbst keine Larve, sodass zwar ein Hinweis auf die Wirtspflanze vorliegt, zumal sich das Verbreitungsgebiet von C. latifrons sich weitgehend mit der Verbreitung des Herbst-Löwenzahns deckt, jedoch kein definitiver Nachweis der Nahrungspflanze dieser Art gemacht werden kann. So sind nur für wenige der Cheilosia-Arten die Pflanzen bekannt, in denen sich ihre Larven entwickeln.Ulrich Schmid, Andreas Grossmann: Eiablage von Cheilosia latifrons (Zetterstedt, 1843) (Díptera, Syrphidae) an Leontodón autumnalis L. In: Volucella 2 (1/2), 1996, S. 86f. ().
Merkmale Die meisten Arten der Gattung Cheilosia sind in der Regel als erwachsenen Tiere (Imagines) „schwarz gefärbt“, „wirken eher unauffällig“ und sind daher „im Gelände nur schwer anzusprechen“.Kirn Timmermann: Die Schwebfliegenfauna (Diptera: Syrphidae) des Naturschutzgebietes „Heiliges Meer“ (Kreis Steinfurt) in: Natur und Heimat 4/2003, p. 98f, abgerufen am 10. Februar 2021Stubbs, Alan E.; Falk, Steven J. (1983): British Hoverflies: An Illustrated Identification Guide. British Entomological & Natural History Society. pp. 253, xvpp.https://www.boldsystems.org/index.php/TaxBrowser_Taxonpage?taxid=7866 Jedoch sind einige Arten abweichend gefärbt wie zum Beispiel die Pelzige Erzschwebfliege (Cheilosia chrysocoma), deren Hinterleib dicht und auffallend fuchsrot behaart ist,Ute Winkelkötter: Schwebfliegen, Syrphidae (Diptera) - Tabelle D (Deutschland) in: Offene Naturführer (ON) (Hauptseite), abgerufen am 10. Februar 2021 oder sie ahmen, wie beispielsweise die Bunte Erzschwebfliege (Cheilosia illustrata), manche wehrhafte Hymenoptera nach (Mimikry). Dadurch täuschen diese Arten eine nicht vorhandene Gefährlichkeit vor. Die Bunte Erzschwebfliege wirkt wie eine kleine Hummel (Hummelmimikry).
Die Arten der Gattung Cheilosia haben ein Gesicht mit deutlichem Mundhöcker und mit Augenwülsten, das sind flache Wülste, die am Augenrand entlang bis in die Gegend des Mundhöckers hinaufziehen. Der Hinterleib ist meist ganz schwarz, jedoch niemals mattschwarz mit glänzendem Rand, aber manchmal mit glänzenden und matten Teilen. Die Färbung ist manchmal auch olivgrün oder mit bläulichem Widerschein. Der Körper ist manchmal ziemlich stark behaart. Die Größe beträgt bis 15 mm.
Biologie, Ökologie und Verbreitung Imagines Die Imagines der Cheilosia werden zum Beispiel in Bayern an Hecken, in montanen Magerrasen in Kalkregionen, in Wiesen, Weiden, alpinen Hochstaudenfluren, Almwiesen, Sümpfen, Feuchtlaubwäldern, an Waldrändern und im Ödland vorgefunden.Klaus von der Dunk (unter Mitarbeit von D. Doczkal, G. Merkel-Wallner, G. Röder und R. Ssymank): Syrphidae Bayerns - eine kommentierte Checkliste, in: Beiträge zur bayerischen Entomofaunistik 7, Bamberg (2005), ISSN 1430-015X, S. 99–102 (online) Sie ernähren sich von Nektar der Blüten von Korbblütlern, von Doldenblütlern und von Hahnenfußgewächsen.Eugène Séguy: Diptères Syrphides de l’Europe occidentale, Muséum national d'histoire naturelle, Tome XXIII, 1961, p. 1–248 Die Imagines von Cheilosia latifrons besuchen „nach de Buck (1990) zahlreiche verschiedene Blüten; von den dort genannten elf Pflanzenarten sind alleine fünf gelb-blühende Cichoriaceen“.Ulrich Schmid, Andreas Grossmann: Eiablage von Cheilosia latifrons (Zetterstedt, 1843) (Díptera, Syrphidae) an Leontodón autumnalis L. In: Volucella 2 (1/2), 1996, S. 86f. ().N. de Buck (1990): Bloembezoek enbestuivingsecologie van zweefVliegen (Diptera, Syrphidae) in het bijzonder voor Belgie. - Koninklijk Belgisch Instituut voor Natuurwetenschappen, Studiedocumenten 60, 1–167. Brussel. Die Imagines der Cheilosia bevorzugen feuchte Böden und sind zwischen März und September aktiv. Mit einer Körperlänge von 12–14 mm gilt die Korbblütler-Erzschwebfliege (Cheilosia canicularis (Panzer, 1801)) als die größte der in Deutschland beobachteten 60 – teilweise sehr schwer zu unterscheidenden – Cheilosia-Arten.Axel Steiner: Korbblütler-Erzschwebfliege - Cheilosia canicularis (PANZER, 1801) Website www.natur-in-nrw.de. Abgerufen am 11. Februar 2021.
Larven mini|Larve der Bärlauch-Erzschwebfliege (Cheilosia fasciata) innerhalb einer Mine Die Larven der Erzschwebfliegen sind in der Regel Phytophagen und ernähren sich von Stängeln und Blättern, in die sie sich minierend hineinfressen.Eugène Séguy: Diptères Syrphides de l’Europe occidentale, Muséum national d’histoire naturelle, Tome XXIII, 1961, p. 1–248 So minieren die Larven der Gänsedistel-Erzschwebfliege (Cheilosia caerulescens) Blätter von Hauswurzen.Jens-Herrmann Stuke: Die Fliegen und Mücken Niedersachsens und Bremens - eine Zusammenstellung der bislang publizierten Arten (Insecta, Diptera). Studia dipterologica. Supplement 22 (2019), S. 27, abgerufen am 10. Februar 2021d'Aguilar Jacques & Coutin Rémi: Cheilosia caerulescens Meigen, ravageur des Joubarbes [Dipt. Syrphidae], Bulletin de la Société entomologique de France, vol. 92, nos 9–10, juin 1987, p. 307–309 Die Larven von Cheilosia semifasciata minieren in den Blättern der Großen Fetthenne (Sedum telephium).Landesanstalt für Umweltschutz Baden-Württemberg (ed): Rote Liste der Schwebfliegen (Diptera: Syrphidae) Baden-Württembergs, 2. Fassung, Stand 15. September 2000, S. 16, abgerufen am 11. Februar 2021