Christiane Solte-Gresser (* 1968 in Tübingen) ist eine deutsche Literaturwissenschaftlerin und Komparatistin. Sie ist Professorin für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft an der Universität des Saarlandes und Direktorin des Käte Hamburger Kollegs für kulturelle Praktiken der Reparation (CURE).
Leben Nach einer Ausbildung zur Buchhändlerin in Nürtingen und Frankfurt am Main studierte Christiane Solte-Gresser Romanistik und Germanistik an den Universitäten Bremen und Paris VIII. 1999 promovierte sie bei Peter Bürger in Bremen mit der Arbeit Leben im Dialog. Wege der Selbstvergewisserung in den Briefen von Marie de Sévigné und Isabelle de Charrière zu Formen dialogischer Subjektivität. Für ihre Dissertationsschrift wurde sie mit dem Elise-Richter-Preis des Deutschen Romanistenverbandes ausgezeichnet. Im Jahr 2007 habilitierte sie sich mit einer Studie über die literarische Gestaltung von Alltäglichkeit in deutscher, französischer und italienischer Erzählprosa und erhielt die venia legendi für Vergleichende Literaturwissenschaft, Romanistik und Germanistik.
Im Jahr 2008 war Christiane Solte-Gresser Gastprofessorin am Département d’Allemand der Université Aix-Marseille I. Von 2008 bis 2009 nahm sie eine Vertretungsprofessur für französische und italienische Literaturwissenschaft an der Goethe-Universität Frankfurt am Main wahr.
Seit 2009 ist sie Professorin für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft an der Universität des Saarlandes. Dort leitete sie von April 2015 bis März 2024 das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderte Graduiertenkolleg „Europäische Traumkulturen“ (GRK 2021). Sie ist Mitglied im Direktorium von LOGOS, der internationalen Doktorandenschule der Universität der Großregion UniGR, und gibt mehrere Zeitschriften und Buchreihen mit heraus, darunter das Jahrbuch Komparatistik, Rhinozeros: Europa im Übergang, Traum – Wissen – Erzählen und die Saarbrücker Beiträge zur Vergleichenden Literatur- und Kulturwissenschaft.
Seit April 2024 ist sie zusammen mit Markus Messling Direktorin des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Käte Hamburger Kollegs für kulturelle Praktiken der Reparation (CURE). Seit 2025 ist sie Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft (DGAVL).
Forschung Christiane Solte-Gressers Arbeitsschwerpunkte liegen in der deutsch-, französisch- und italienischsprachigen Literatur, Literaturtheorien und -methoden, intermedialen Studien und Holocaust Studies.Using Dreams to Depict the Nightmare of the Holocaust. Abgerufen am 9. Februar 2021. Zudem forscht sie zu ästhetischen Traumdarstellungen,Christiane Solte-Gresser im Gespräch über ihr Buch Shoah-Träume. Interview im SR2 Kulturradio, ab Minute 17:00. Abgerufen am 20. Januar 2022. zu gesellschaftlichen Funktionen der Literatur, zur Ästhetik und Poetik des Alltäglichen, zur Theorie und Geschichte der Autobiographie und zur Literatur und Kultur des siècle classique.
Ein Schwerpunkt ihrer Forschung ist die literarische Darstellung der Shoah in Träumen. In ihrer Studie Shoah-Träume. Vergleichende Studien zum Traum als Erzählverfahren (2021) untersucht sie in vierzehn Abschnitten Traumdarstellungen in Romanen, Erzählungen, Gedichten, Theaterstücken, Filmen, Autobiografien und Traumprotokollen aus unterschiedlichen Sprach- und Kulturräumen. Das untersuchte Material umfasst Traumzeugnisse aus der Zeit des Nationalsozialismus und der Lagerhaft ebenso wie spätere literarische Darstellungen, darunter Texte von Überlebenden und Angehörigen nachfolgender Generationen. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie literarische Erzählverfahren das Spannungsverhältnis zwischen dem Bedürfnis, Verfolgungs- und Lagererfahrungen mitzuteilen, und den Grenzen ihrer sprachlichen Darstellbarkeit gestalten. Darüber hinaus befasst sie sich mit literarischen Traumdarstellungen aus der Perspektive nationalsozialistischer Täter und deren Bedeutung für die Auseinandersetzung mit der Shoah.
In ihrem Essay Traum und Reparation. Erzählte Shoah-Träume (2026) untersucht Solte-Gresser anhand der Traumerzählungen von Überlebenden wie Imre Kertész, Elie Wiesel und Primo Levi, wie Erfahrungen der Shoah erzählerisch vermittelt werden können, die sich einer unmittelbaren sprachlichen Darstellung entziehen. Dabei beschäftigt sie sich unter anderem mit wiederkehrenden Motiven wie der verhinderten Heimkehr, verweigertem Essen und der Begegnung mit Ermordeten im Traum. Das Erzählen und Teilen solcher Träume betrachtet sie als eine mögliche Form kultureller Reparation, durch die Erinnerungen an die Ermordeten bewahrt und irreparable Erfahrungen gemeinsam bearbeitet werden können.
Publikationen (Auswahl) Monografien Traum und Reparation. Erzählte Shoah-Träume, Berlin: Matthes & Seitz 2026. Raconter l’irréparable ou les rêves de la Shoah, aus dem Deutschen übersetzt von Slaven Waelti, Paris: Hermann 2026. Die Welt der Träume. Eine Reise durch alle Zeiten und Kulturen, Darmstadt: wbg 2023, ISBN 978-3-534-27641-7. Shoah-Träume. Vergleichende Studien zum Traum als Erzählverfahren, Paderborn: Fink 2021. Spielräume des Alltags. Literarische Gestaltung von Alltäglichkeit in deutscher, französischer und italienischer Erzählprosa (1929–1949), Würzburg: Königshausen & Neumann 2010. Leben im Dialog. Wege der Selbstvergewisserung in den Briefen von Marie de Sévigné und Isabelle de Charrière, Königstein: Helmer 2000.
Herausgaben The True Size of Africa. Katalog zur gleichnamigen Ausstellung im UNESCO-Weltkulturerbe Völklinger Hütte (9. November 2024 bis 17. August 2025). München 2025: Hirmer Verlag (mit Ralf Beil und Markus Messling). Kulturökologie und ökologische Kultur in der Großregion / Écologie culturelle et cultures écologiques dans la Grande Région, Berlin: Peter Lang 2020 (zusammen mit Sébastian Thiltges). An den Rändern des Lebens. Träume vom Sterben und Geborenwerden in den Künsten, Paderborn: Fink 2019 (zusammen mit Mauro Fosco Bertola). Traum und Inspiration. Transformationen eines Topos in Literatur, Kunst und Musik, Paderborn: Fink 2018 (zusammen mit Marlen Schneider). Literatur und Ökologie. Neue literatur- und kulturwissenschaftliche Perspektiven, Bielefeld: Aisthesis 2017 (zusammen mit Claudia Schmitt). Vergleichen an der Grenze. Beiträge zu Manfred Schmelings komparatistischen Forschungen, Würzburg: Königshausen & Neumann 2016 (zusammen mit Hans-Joachim Backe und Claudia Schmitt). Theorie erzählen / Raconter la théorie / Narrating Theory. Fiktionalisierte Literaturtheorie im Roman, Würzburg: Königshausen & Neumann 2016 (zusammen mit Manfred Schmeling). Zwischen Transfer und Vergleich. Theorien und Methoden der Literatur- und Kulturbeziehungen aus deutsch-französischer Perspektive, Stuttgart: Steiner 2013 (zusammen mit Hans-Jürgen Lüsebrink und Manfred Schmeling). Relire Madeleine Bourdouxhe. Regards croisés sur son œuvre littéraire, Brüssel: Peter Lang 2011 (zusammen mit Cécile Kovacshazy). Mittelmeerdiskurse in Literatur und Film / La Méditerranée: représentations littéraires et cinématographiques, 317 S., Frankfurt am Main: Peter Lang 2010 (zusammen mit Elisabeth Arend und Elke Richter). Eros und Literatur. Liebe in Texten von der Antike bis zum Cyberspace. Festschrift für Gert Sautermeister, Bremen: edition lumière 2005 (zusammen mit Wolfgang Emmerich und Hans Wolf Jäger). Von der Wirklichkeit zur Wissenschaft. Aktuelle Forschungsmethoden in den Sprach-, Literatur- und Kulturwissenschaften, Münster: LIT 2005 (zusammen mit Karen Struve und Natascha Ueckmann). Écritures. Denk- und Schreibweisen jenseits der Grenzen von Literatur und Philosophie, Tübingen: Stauffenburg 2004 (zusammen mit Margot Brink).
Weblinks Christiane Solte-Gresser auf der Webseite der Universität des Saarlandes Christiane Solte-Gresser auf der Webseite des Käte Hamburger Kollegs CURE Graduiertenkolleg „Europäische Traumkulturen“ Interview mit Christiane Solte-Gresser
Ausstellung 70 Jahre Saarbrücker Komparatistik
Einzelnachweise
Kategorie:Komparatist Kategorie:Hochschullehrer (Universität des Saarlandes, Saarbrücken) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1968 Kategorie:Frau