mini|Die Zaininger Hüle, ein Maar des Schwäbischen Vulkans. mini|Bühlenhausen: Die Hüle als Ortszentrum Hüle, Hülbe oder Hüllweiher ist ein meist künstlich angelegtes Kleingewässer auf den wasserarmen Hochflächen der Schwäbischen Alb und des Frankenjuras. Die Stillgewässer befinden sich innerhalb geschlossener Ortschaften, auf Feldern und im Wald. Die Hülen wurden durch Regenwasser gespeist und lagen auf natürlichen Vernässungsstellen. Als Himmelsweiher zählen sie zur Kategorie der Stillgewässer. Meist wurde dem Weiher Wasser über Gräben und Rinnen zugeleitet. Die Hülen wurden teilweise mit einem Lettenschlag versehen. Die Gewässer hatten eine große Bedeutung als Viehtränke oder für die Gewinnung von Brauchwasser. Sie haben mit dem Anschluss der Albsiedlungen an die Wasserversorgung an Bedeutung verloren und stellen heute einzigartige kulturgeschichtliche Zeugnisse der Schwäbischen Alb und des Frankenjuras dar.
Beschreibung Begriff mini|Hüle in Bühlenhausen Hüle oder Hülbe – seltener auch Hühle, Hülb, Hilb oder Hilbe – ist eine im Bereich der Schwäbischen Alb gebräuchliche Bezeichnung für die in dieser Region typischen Teiche.
Auf der Fränkischen Alb und im Bereich der Mainfränkischen Platten werden sie Hüllweiher, Hühlen, Hülmen, Hülben, Hulen oder Hüllen genannt. In der Gegend bei Eichstätt (in Ochsenfeld und Biesenhard) ist noch heute der Begriff Hü gebräuchlich.
Die Bezeichnungen stammen von dem mittelhochdeutschen Wort hülwe ab und gehen auf den althochdeutschen Begriff huliwa für Pfütze, Pfuhl oder Sumpf zurück.DWB: Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. I-XVI, Leipzig 1854–1960, und Quellenverzeichnis (2. Aufl. ebenda) 1971; Neudruck München 1984, I-XXXIII. DWB2: Neubearbeitung, Leipzig.Mittelhochdeutsches Handwörterbuch von Matthias Lexer
Die Schreibweise Hühle mit zusätzlichem Dehnungs-h ist überwiegend in Bayerisch Schwaben anzutreffen. Sie ist insbesondere rund um die Stadt Günzburg sowie im südlichen Landkreis Dillingen an der Donau verbreitet. Geologisch betrachtet stehen diese Hühlen jedoch in keinerlei Zusammenhang zu den Gewässern auf den wasserarmen Albhochflächen, denn die Region rechts der Iller beziehungsweise rechts der Donau ist sehr wasserreich. Es gibt hier somit lediglich einen sprachlichen Zusammenhang innerhalb des schwäbischen Dialekts.
Entstehung Die Schwäbische und die Fränkische Alb sind Karstlandschaften. Eine Vielzahl an Tropfsteinhöhlen, abflusslosen Senken und Dolinen sind Ausdruck der stattgefundenen Verkarstung. Der geologische Untergrund der Frankenalb wird durch mesozoische Kalke und Dolomite bestimmt. In dem stark wasserdurchlässigen Untergrund des Frankenjuras und der Schwäbischen Alb versickert das Niederschlagswasser fast vollständig. Der Grundwasserspiegel befindet sich tief unter den Albhochflächen. Trockentäler ohne perennierende Fließgewässer prägen die vielfältig gegliederten Hügelländer. Auf den karstreichen Standorten befinden sich daher kaum oberirdische Gewässer und Quellen. In den Karststandorten entwickelte sich eine überwiegend unterirdische Hydrologie. Ausgeprägte Höhlensysteme sind Ergebnis der Verkarstung. Quellhorizonte haben sich in den Bereichen ausgebildet, in denen unlösliche Gesteine an die Oberfläche treten. Wegen des tief im Karst liegenden Grundwassers war die Wasserversorgung der Siedlungen auf den Albhochflächen schwierig.
Die älteren Hülen auf den Schwäbischen und Fränkischen Albhochflächen lagen auf natürlichen Vernässungsstellen, die durch die Abdichtung von Karsthohlräumen und Mulden infolge von Einschwemmen von Feinsediment entstanden sind. Es handelt sich um Dolinen mit einer wasserundurchlässigen Tonschicht am Grund, lokal auch Wasserboden genannt. Der Ton ist ein Überbleibsel (Residuum) der Kalksteinverwitterung. Er ist in relativ geringer Menge im Kalkstein enthalten, wird aber, anders als das Kalziumkarbonat, aus dem Kalkstein hauptsächlich besteht, bei der Verwitterung nicht aufgelöst. In diesen durch den Ton „plombierten“ Dolinen kann Wasser stehen bleiben und so ein Teich entstehen. Andere Experten vermuten, dass Saharastaub in der letzten Eiszeit nach Sandstürmen abgelagert wurden und nach der Erwärmung Ton bildete.
Die wasserstauende geologische Schicht umfasste oft einen größeren Bereich als die Hüle. Somit stand ein zusätzliches Wasserreservoir zur Verfügung.
Eine Besonderheit sind die etwas größeren Hülen im Bereich des Schwäbischen Vulkans auf der westlichen Schwäbischen Alb (auch Kirchheim-Uracher Vulkangebiet genannt). Es sind Maare d. h., sie sind vulkanischen Ursprungs. Eine „Mischform“ sind die aus Dolinen entstandenen Hülen in diesem Vulkangebiet, sie wurden im Laufe der Jahre durch Tuff und Basalt abgedichtet statt durch Ton, der bei der Verwitterung von Kalkstein übrig bleibt.
Die Entstehung der Hülen steht in kausalem Zusammenhang mit der historischen Wasserversorgung, der Viehzucht und dem Ackerbau auf der Fränkischen und Schwäbischen Alb. Vermutlich wurden die natürlichen Vernässungsstellen der Alb bereits in der Bronzezeit von den Bewohnern erkannt und erste Stillgewässer auf diesen Standorten angelegt. Die Hüllweiher stellten für die kulturlandschaftliche Erschließung der Jurahochflächen im Früh- bis Hochmittelalter eine lebensnotwendige Grundlage dar. Für die Trinkwassergewinnung wurden Doline genutzt, welche den Grundwasserspiegel anschnitten. Diese auch als Brunnenerdfälle umgangssprachlich bezeichneten Brunnenfassungen konnten tiefer liegende Quellhorizonte erschließen. Hingegen dienten die Hülen sowohl innerorts als auch außerorts der Brauchwasserversorgung.
Die natürlichen Hülen waren Voraussetzung für die ab dem 7. Jahrhundert erfolgte Besiedlung der Schwäbischen Alb, später auch für die Besiedlung der Fränkischen Alb, denn wegen der starken Verkarstung des Weißjura-Kalksteins versickert auf den Albhochflächen das Regenwasser rasch. Abgesehen von den sogenannten Hungerquellen ist somit kaum Oberflächenwasser verfügbar. In den Hülen hingegen konnte sich der Niederschlag sammeln. Sie bildeten daher die Grundlage für zahlreiche Ortschaften auf den Hochebenen. Auf diese Weise entstand z. B. auch die Stadt Laichingen, in der die frühere Hüle erst in den 1950er-Jahren dem heutigen Marktplatz wich. Fast jedes Dorf der Hochflächen des Frankenjuras war mit einem Hüllweiher ausgestattet. Teilweise hatten einzelne Höfe eine eigene Hüle.
Weil die Zahl solcher Wasserstellen jedoch begrenzt war, entstanden nach dem Vorbild der natürlichen Hülen im Zuge späterer Besiedlungswellen auch zahlreiche künstlich angelegte Teiche. Sie wurden mit Lehm abgedichtet und waren meist etwas kleiner als ihre natürlichen Vorbilder. Auch existieren Mischformen, dabei wurden natürlich entstandene Dolinen künstlich mit Lehm abgedichtet. Die Anlage solcher Gewässer war in früheren Zeiten unumgänglich, sie bildeten die Grundlage für die weitere Besiedlung der Albhochflächen. Im Laufe der Zeit entstanden dabei deutlich mehr künstliche als natürliche Hülen.
Lage und Bezeichnung Hülen sind heute überwiegend von Bäumen umgeben und lagen entweder als Feldhüle respektive Waldhüle außerhalb oder als Dorfhüle innerhalb einer Ortschaft – dort meistens zentral in der Dorfmitte. In vielen Orten gab es auch mehrere, beispielsweise in Römerstein-Donnstetten insgesamt vier, in Stadelhofen-Wölkendorf fünfWölkendorf – Herrschaftsgeschichte und Siedlungsgeographie (PDF; 3,8 MB) und in Holzkirch sogar deren acht. Teilweise unterschied man auch zwischen öffentlichen Gemeindehülen – das waren gemeinschaftlich genutzte Hülen im Besitz der Gemeinde – und privaten Hülen. Insbesondere größere oder etwas abseits gelegene Gehöfte verfügten oft über eigene Gewässer, diese waren dann meist etwas kleiner. Manchmal teilten sich auch mehrere Höfe eine private Hüle.
Die verschiedenen Hülen wurden meist mit Namenszusätzen unterschieden: die Dorfhülen mit Adjektiven wie beispielsweise große Hüle, breite Hüle, tiefe Hüle oder neue Hüle – die Feldhülen normalerweise mit Flurnamen wie beispielsweise Schorrenhüle oder Hagsbuchhüle.
Äußere Merkmale Die Hülen weisen unterschiedliche Größen auf. Der Bieberbacher Hüllweiher im Landkreis Forchheim hat beispielsweise eine Ausdehnung von fünf mal acht Metern. Mit einem Durchmesser von 20 Metern ist der Hüllweiher bei Lilling (Gräfenberg) im Landkreis Forchheim deutlich größer. Die durchschnittliche Wassertiefe variiert zwischen einem halben und zwei Metern. Tiefere Hülen befinden sich meist auf Dolinen (Erdfällen). Die in den Ortsmitten befindlichen Stillgewässer sind häufig mit senkrechten Verbauungen aus Naturstein oder Beton gefasst.
Nutzung Nutzungsarten mini|Beim Ascher HülenfestHülen wurden innerhalb und außerhalb der Ortschaften vorrangig zur Brauchwasserversorgung genutzt.
Die Feldhülen dienten in erster Linie als Viehtränke, ferner auch den Hirten als schattiger Aufenthaltsort. Die Bezeichnung Rosshüll für die Hüle bei Zultenberg im Landkreis Kulmbach weist auf die historische Nutzung als Pferdetränke hin.
Die Nutzung der Dorfhülen war hingegen vielfältiger. Letztere wurden außer als Tränke vor allem als Löschwasserteich bei Bränden verwendet, oftmals befand sich das Spritzenhaus direkt daneben.
Manchmal dienten sie auch zur Textilwäsche, als Flachsrotte oder als Pferdeschwemme.Etymologie der Flurnamen in Heidenheim
Das Kühlwasser für Eisenschmelzereien lieferten Hülen im Veldensteiner Forst im Landkreis Bayreuth. In der Frankenalb wurden Hüllweiher zur Graswäsche genutzt. Dabei wurden Kräuter und Disteln samt Wurzeln aus der Erde gezogen und in dem Gewässer gereinigt, um anschließend an Vieh verfüttert zu werden.
In Notzeiten wurde das in ihnen gesammelte Wasser aber auch als Koch- und Brauchwasser verwendet. mini|Frohnstetten: Dorfmittelpunkt Hüle Die Hülen dienten nicht nur als Wasserreservoir, sondern waren kommunikative Zentren des Ortes. Beim Wasserholen und Tränken des Viehs trafen sich die Dorfbewohner und tauschten Neuigkeiten aus. Im Sommer waren sie für die Einwohner ein beliebter Treffpunkt oder Festplatz und die Kinder nutzten das Gewässer als Badestelle. Auf der Schwäbischen Alb zeugen davon einige bis heute bestehende Feste wie beispielsweise das Ascher Hülenfest, der Hülbener Hüle-Hock, der Zaininger Hüle-Hock, das Hülenfest in Radelstetten oder das Hilbenfest in Frohnstetten. mini|Schlittschuhlaufen auf der Zaininger Hüle
In Bartholomä im Ostalbkreis wird ferner das Maibaumfest an der Dorfhülbe gefeiert. Im Winter wurden sie außerdem zum Eislauf benutzt. Typischerweise versammelten sich auch Gänse und Enten rund um die Hülen.
Ergänzend zu den Hülen sammelten die Bewohner das Regenwasser auch in Zisternen, sie standen direkt bei den Häusern und dienten in erster Linie der Trinkwasserversorgung. In anderen Fällen wurde das in den Dachrinnen gesammelte Regenwasser aber auch künstlich in die Hülen geleitet, dadurch konnte deren Wasservolumen zusätzlich zum eigentlichen Niederschlag erhöht werden. Während der Dürreperioden musste das Wasser für die Hülen beziehungsweise die Zisternen oft kilometerweit mit Fuhrwerken aus anderen Ortschaften herantransportiert werden. Der Transport der Wasserfässer von den 150 bis 300 Meter tiefer im Tal gelegenen Quellen war schwierig, besonders im Winter, wenn die Aufstiegswege vereist waren.
Unterhalt und Pflege Die Hülen wurden von der Dorfgemeinschaft in der Vergangenheit gepflegt, sofern es sich um Allmendeflächen handelte. Dabei wurde der Gewässergrund in Trockenzeiten entschlammt und als organischer Dünger auf die Felder ausgebracht. Um der Verschlammung des Kleingewässers durch herabfallendes Laub und abgebrochene Äste entgegenzuwirken, wurden die Hüllweiher in der Frankenalb von Gehölzen frei gehalten. Damit sollte auch verhindert werden, dass die Wurzeln der Gehölze die abdichtende Tonschicht durchstoßen.
Wassermangel und hygienische Probleme