mini|300px|Kirche, Kirchhof und Pfarrhaus in Gristow Mesekenhagen ist eine Gemeinde im Landkreis Vorpommern-Greifswald. Sie wird vom Amt Landhagen mit Sitz in Neuenkirchen verwaltet. Die Gemeinde ist die nördlichste Gemeinde des Amtes und des Landkreises Vorpommern-Greifswald. Die vorgelagerten Inseln Riems und Koos sind Exklaven der Stadt Greifswald.
Geografie und Verkehr Mesekenhagen liegt rund fünf Kilometer nordwestlich von Greifswald, nördlich des Flusses Ryck. Mesekenhagen liegt am Greifswalder Bodden und reicht von der Gristower Wiek bis zum Kooser See. Durch die Gemeinde verläuft die Bundesstraße 105, die ehemalige B 96, von Greifswald nach Stralsund. Die Bundesautobahn 20 ist über die etwa 15 Kilometer entfernte Anschlussstelle Greifswald erreichbar. Durch das Gemeindegebiet verläuft die Bahnstrecke Stralsund–Greifswald, der Bahnhof an dieser wurde jedoch bereits aufgegeben.
Ortsteile Brook Frätow Gristow Groß Karrendorf Kalkvitz Kowall Mesekenhagen Wüstungen und Wohnplätze in der Gemeinde
Geschichte mini|Gemeindehaus von Mesekenhagen mini|Blick von der Kirche zur Gristower Wiek Mesekenhagen Zu Beginn des 14. Jahrhunderts war der Knappe Johann von Slawekestorpe Eigentümer des Dorfes Mesekenhagen. 1325 veräußerte er vier Höfe des Ortes an ansässige Bewohner. In den Kaufurkunden wurde der Ort als „Mesekenhaghen“ benannt, das darauf schließen lässt, dass es sich um eine deutsche Rodungsgründung handelt. Laut Manfred Niemeyer. ist der Name aber eine slawisch-deutsche Mischform, der Namensteil Meseken ist schwer zu deuten, wahrscheinlich nach dem slawischen Bär oder der Mitte der Rodung. 1397 erhielt die Stadt Greifswald das Recht, unter anderem über Mesekenhagen eine neue Landstraße nach Reinberg zu bauen.
Nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges gehörte Mesekenhagen von 1648 bis 1815 zu Schwedisch-Pommern. Nach dem Nordischen Krieg (1700–1720) richtete Schweden mit sieben Distrikten eine neue neu Verwaltungsstruktur ein, und Mesekenhagen wurde in den Distrikt Grimmen eingegliedert. Als Vorpommern 1815 durch den Wiener Kongress Preußen zugesprochen wurde, übernahm man per Kreisverordnung von 1816 die bisherige Struktur, lediglich wurden die Distrikte in Landkreise umbenannt.
Am 11. November 1863 wurde in zwei Kilometer Entfernung der Bahnhof Mesekenhagen mit der Eröffnung der Bahnstrecke Angermünde–Stralsund in Betrieb genommen. Er wurde in den 1970er Jahren im Zusammenhang mit der Erneuerung des zweiten Gleises außer Betrieb genommen. 1898 wurde die Freiwillige Feuerwehr gegründet. 1910 hatte Mesekenhagen 265 Einwohner. Mit der Zuordnung der sogenannten Wohnorte „Eisenbahnhaltepunkt“ und „Kowall“ stieg die Einwohnerzahl auf 374, sank zu Beginn des Zweiten Weltkriegs leicht auf 363. Das ehemalige 100 ha große Greifswalder Universitätsgut Mesekenhagen wurde 1939 an einen privaten Bewirtschafter verkauft.
Nach Kriegsende lebten durch Zuzug von Kriegsflüchtlingen 1946 1468 Menschen in Mesekenhagen, das sich zu diesem Zeitpunkt in der Sowjetischen Besatzungszone befand. 1950 wurde die Gemeinde Mesekenhagen in den Landkreis Greifswald eingegliedert. Gleichzeitig wurden die Ortsteile Brook, Frätow, Gristow, Groß Karrendorf, Kalkwitz, Klein Karrendorf und Kowall eingemeindet. Im Zuge der Vergenossenschaftlichung der Landwirtschaft in der DDR wurde das ehemalige Greifswalder Universitätsgut 1952 in die Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft Mesekenhagen umgewandelt. 1964 hatte Mesekenhagen mit seinen sechs Ortsteilen 1026 Einwohner.
Bis zur politischen Wende von 1990 war die Gemeinde Mesekenhagen dem DDR-Bezirk Rostock zugeordnet. Nachdem auf dem Gebiet der DDR 1990 neue Bundesländer gebildet worden waren, lag Mesekenhagen im Bundesland Mecklenburg-Vorpommern. Im Zuge der Kreisreform von 1994 wurde die Gemeinde Mesekenhagen in den neu gebildeten Landkreis Ostvorpommern eingegliedert. Bereits 1992 war Mesekenhagen dem Amt Landhagen beigetreten, das die Verwaltungsgeschäfte für die beteiligten Gemeinden übernahm, und deren Sitz sich seit 1999 in Neuenkirchen befindet. Mit der zweiten Kreisreform von 2011 kam Mesekenhagen zum Landkreis Vorpommern-Greifswald. Nachdem 1990 die LPG aufgelöst worden war, wandelte sich die Gemeinde von rein landwirtschaftlicher Prägung zur Wohnsiedlung. Nur noch ein Rinderzuchtbetrieb führte die landwirtschaftliche Tradition weiter. Seit 2003 bis zu seinem Umzug nach Greifswald 2018 hatte das Pharmaunternehmen Ceplapharm seinen Hauptsitz in Mesekenhagen und war zu dieser Zeit größter Arbeitgeber im Ort.
Brook Brook wurde 1326 als Duvelsbrueke erstmals urkundlich genannt. Weiterhin wurden andere sehr unterschiedliche Namen gebraucht, bis 1696 der Name Brook auftauchte. Der Name bedeutet „Teufelsbruch“, weil der Ort am Greifswalder Bodden in nasser Wiesenumgebung mit Bruchwald liegt.
Im Ort befand sich um 1880 (MTB) ein kleines Gut und etwas abgelegen ein Forsthaus. Südlich von Brook befanden sich vier archäologisch nachgewiesene slawische Siedlungen und östlich an der Küste zwei Schanzen aus dem 18. Jahrhundert, die wohl die Einfahrt nach Greifswald schützen sollten.
Frätow Frätow wurde urkundlich 1320 erstmals als Vretokowe erwähnt. Erst 1692 erfolgte die erste Nennung mit dem aktuellen Namen, danach aber auch noch in abweichenden Schreibweisen. Der slawische Gründungsname bedeutet so viel wie „Geschwür“, aber auch „Spindel“. Neben dem Ort gab es eine spätwendische bis ins Frühdeutsche reichende Siedlung, die archäologisch nachgewiesen ist. 1342 schenken die Pommernherzöge Bogislav V., Barnim IV. und Wratislav V. das Gut Vretekow der Stadt Greifswald. Bei der Sturmflut vom 17. Januar 1396 wurde ein Teil Frätows überschwemmt und es entstand nördlich des Ortes die Gristower Wiek. Im Dreißigjährigen Krieg wurde Frätow während der Wallensteinschen Besetzung zwischen 1627 und 1631 völlig zerstört. In die Zeit hielt sich die junge Greifswalder Dichterin Sibylle Schwarz mehrfach auf dem Frätower Gut ihres Vaters, des Bürgermeisters Christian Schwarz, auf. Sie nannte das Gut ihren „Freudenort“ und widmete ihm viele Gedichte und ein Trauerspiel. 1678 wurde Frätow erneut durch Kriegshandlungen verwüstet, die landwirtschaftlichen Flächen mussten von Karrendorf aus bewirtschaftet werden. Im 19. Jahrhundert bestand der Gutsbezirk Frätow aus dem Gutshof, drei Katen und der Holländerei Lieps. 1851 wurde zum Schutz gegen Sturmfluten ein Deich errichtet, der jedoch den Stürmen von 1872 und 1874 nicht standhielt. Ein neuer Deich wurde erst 1910 gebaut. Nach anderen Quellen konnte der Deich erst 1916 im Auftrag der Deutschen Ansiedlungsbank vollendet werden.
Ende des 19. Jahrhunderts wurde ein neues Gutshaus erbaut, ehemals ein zweigeschossiges massives Traufenhaus mit Pilastergliederung und einem mit Zahnschnitt verzierten Hauptgesims. Es hat ein Krüppelwalmdach mit Falzziegeleindeckung. Später wurde der Teil mit den Wirtschaftsräumen und der Veranda abgerissen, der Eingangsbereich mit Erkervorsprung, Rundbogensprossenfenstern und der Treppenaufgang an der Rückfront wurden wesentlich verändert. Nachdem 1910 für den Gutsbezirk Frätow 192 Einwohner ermittelt worden waren, verkaufte die Stadt Greifswald 1911 das Gut um eine Aufsiedlung zu ermöglichen. Daraufhin stieg die Einwohnerzahl bis 1939 auf 213. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde der Gutspark abgeholzt und mit Neubauernstellen überbaut. Ab 1953 wurden die Landwirtschaftsflächen von der LPG Mesekenhagen bewirtschaftet, ab 1960 war der Ort vollgenossenschaftlich. 1964 drehte Kurt Tetzlaff im Ortsteil Frätow einen Film über junge Arbeiter in der Erdölförderung mit Manfred Krug als Sprecher. In der DDR wurde der Film nie gezeigt. Zum weiteren Ausbau des Hochwasserschutzes wurde 1984 das Schöpfwerk Frätow errichtet. Nach der Wende verlor Frätow seinen landwirtschaftlichen Charakter und entwickelte sich zu einer Ferienhaussiedlung.
Gristow und die Gristower Wiek
Der Ortsteil Gristow wurde bereits im Jahr 1248 erstmals urkundlich als Cristogh erwähnt. Sein Name konnte bis heute etymologisch nicht endgültig geklärt werden, ob im Slawischen „Kreuz“ oder „Taufe“ gemeint war. Gristow entstand als kleines slawisches Angerdorf und befand sich seit dem 13. Jahrhundert im Besitz einer Seitenlinie der Fürsten von Rügen, der Familie von Gristow. Diese Landadligen verkauften im 14. Jahrhundert ihre Ländereien nach und nach an die Stadt Greifswald.
Von der Ortschaft leitet sich auch der Name Gristower Wiek, einer kleinen flachen Bucht an der Westküste des Greifswalder Boddens ab. Die dreiecksförmige Bucht ist nur 2,7 km² groß und weist Tiefen von weniger als zwei Meter bis maximal vier Meter auf. Ihr vorgelagert sind die Insel Riems, die durch das auf ihr befindliche Forschungszentrum für Tierseuchen „Friedrich Loeffler“ international bekannt wurde, und die in ihrer Nähe liegenden Holme Großer Werder, Kleiner Werder, Reffbrinks, Brinkenberg und der bereits mit dem Festland verbundene Fahrenbrink als Vogelschutzgebiete.
Dieser Abschnitt der flachen Boddenküste mit der Gristower Wiek war seit Jahrhunderten Sturmhochwassern ausgesetzt. Die Sturmfluten in den Jahren 1298 und 1306 sollen die Wiek erst in ihrer heutigen Form geschaffen haben. Seinerzeit wurde in dem Bereich die alte Landstraße zwischen Stralsund und Greifswald durch das Hochwasser unpassierbar und auch die Zolleinnahmestelle an der dortigen Brücke zerstört. Im folgenden Jahr (1397) erhielt die Stadt Greifswald vom Landesherrn das Recht erteilt, eine neue Landstraße über Mesekenhagen und Kowall nach Reinberg auszubauen. Dieser Straßenabschnitt wurde somit einer der historischen Vorläufer des späteren Teils der Fernverkehrs- bzw. Bundesstraße 96. Sturmhochwasser veränderten durch Zerstörungen immer wieder den inneren Teil der Wiek, so z. B. in den Jahren 1904, 1914, 1949 und 1954, wobei die küstendynamischen Prozesse aber nicht abgeschlossen sind. Im westlichen Küstenabschnitt des Greifswalder Boddens einschließlich der Gristower Wiek sind besondere Wetter-Phänomene von Bedeutung und zu beachten:
In Gristow war die Landwirtschaft und Fischerei seit Beginn an eine wichtige Erwerbsmöglichkeit für die Bevölkerung. 1955 plante der Rat des Kreises Greifswald daher einen Hafen, der 1957 aus verankerten Holzspundwänden fertiggestellt wurde. Die Ausführung war jedoch mangelhaft, so dass die Gemeinde bereits nach kurzer Zeit eine zweite, vorgelagerte Wand einziehen lassen musste. Die Ränder wurden dabei mit Naturstein und Beton befestigt. 2015 erfolgte eine erneute Sanierung des Bollwerks, in dem die Gemeinde eine rückverankerte Stahlspundwand einzog. Der Hafen wird vom Hafenverein Gristow e. V. bewirtschaftet.Informationstafel: Zur Geschichte des Gristower Hafens, aufgestellt am Hafen Gristow, Inaugenscheinnahme im Juli 2015. Dort hat sich bis in die jüngste Zeit der alte pommersche Brauch des jährlichen Tonnenabschlagens im Monat Mai oder zum Erntedankfest erhalten, wobei die drei besten Reiter zum „Boden-, Stäben- und Tonnenkönig“ gekürt werden. Dieser Brauch soll bis in die Zeit des Dreißigjährigen Krieges (1618–1648) zurückreichen, als die Schweden Pommern besetzten und die hiesigen Fischer ihren Tribut in dieser Form zu entrichten hatten.
Die Gemeinde Gristow wurde am 1. Juli 1950 aufgeteilt. Die Insel Riems wurde zu einer selbständigen Gemeinde. Der Ort Gristow kam zu Mesekenhagen.
Kalkvitz