Die Cyclocross-Weltmeisterschaften 2023 fanden vom 3. bis 5. Februar im niederländischen Hoogerheide statt. Der Ort war damit zum dritten Mal nach 2009 und 2014 Gastgeber der Titelkämpfe.
Ablauf
Die Leitung der Union Cycliste Internationale hatte die Veranstaltung vier Jahre zuvor an Hoogerheide übertragen. Es handelte sich um das Gelände, auf dem mit dem GP Adrie van der Poel regelmäßig der Abschluss des Cyclocross-Weltcups stattfindet. Der aus dem Ort stammende Ex-Weltmeister Adrie van der Poel war für die Gestaltung des etwa 3 km langen Rundkurses verantwortlich.Provinciale Zeeuwse Courant, Ausgabe vom 4. Februar 2023, Seiten 22–23 (Digitalisat) Gegenüber 2014 wurden einige Änderungen im Detail gemacht.
Wie im Vorjahr wurden sechs Einzelwettbewerbe durchgeführt, in den Kategorien Elite, U23 und Junioren jeweils für Männer und Frauen. Die Mixed-Staffel, für die es im Jahr zuvor einen Testlauf gegeben hatte, wurde zum vollwertigen Wettkampf erhoben. Vertreter von 29 Landesverbänden waren beteiligt, was einen neuen Rekord bedeutete. Die Meldelisten umfassten 277 Athleten, erstmals starteten Fahrer aus Albanien und Kolumbien. Der Zeitplan der Wettkämpfe war wie folgt:
3. Februar: Mixed-Staffel (12:30) 4. Februar: Juniorinnen (11:00), Männer U23 (13:00), Frauen Elite (15:00) 5. Februar: Junioren (11:00), Frauen U23 (13:00), Männer Elite (15:00)
Die beiden letztjährigen Gewinner in der Elite traten nicht wieder an. Tom Pidcock zog es vor, sich auf die Straßensaison vorzubereiten, und Marianne Vos hatte mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. Gleich vier Fahrerinnen und Fahrer traten vorzeitig in der Elite statt der U23 an, dies waren Fem van Empel, Puck Pieterse, Pim Ronhaar und wie im Vorjahr Kata Blanka Vas. Für die Fernsehübertragung wurden erstmals eine Kameradrohne eingesetzt.
Ergebnisse
Mixed-Staffel
Platz Land Fahrer Fahrerinnen Zeit (min) 1 Ryan KampTibor Del GrossoGuus van den Eijnden Fem van EmpelLeonie BentveldLauren Molengraaf 42:05 2 Thomas MeinJoseph BlackmoreAlfie Amey Anna KayZoe BäckstedtCat Ferguson + 0:31 3 Laurens SweeckJoran WyseureAntoine Jamin Marion Norbert-RiberolleJulie BrouwersXaydee Van Sinaey + 0:33
Am neuen Wettbewerb nahmen 10 Mannschaften teil. Jede von ihnen bestand aus sechs Fahrern bzw. Fahrerinnen aus jeder Kategorie, die jeweils eine Runde zurücklegten. Elite- und U23-Fahrer konnten durch einen Vertreter der jüngeren Altersklasse ersetzt werden., Abschnitt 10.1
Jedes Team bestimmte selbst die Reihenfolge seiner Fahrer, so dass gleichzeitig Männer und Frauen bzw. Elite-Fahrer und Junioren auf der Strecke waren. Je nach Strategie der Teams wechselten die Positionen sehr oft. Die Niederlande führten allerdings durchgehend und setzten sich ungefährdet durch. Großbritannien errang vor allem dank Zoe Bäckstedt, die mit 18 Jahren zweitschnellste aller Frauen war, den Vorteil gegenüber Belgien. Die Bestzeit von Laurens Sweeck in der Schlussrunde konnte daran nichts mehr ändern.
Juniorinnen
Platz Name Zeit (min) 1 42:13 2 + 0:20 3 + 0:47 4 gl. Zeit 5 Xaydee Van Sinaey + 0:52 6 + 1:00 7 + 1:12 8 Vanda Dlasková + 1:23 9 + 1:41 10 Valentina Corvi + 1:47
Bei etwas regnerischen Bedingungen gingen 47 Fahrerinnen aus 20 Nationen an den Start. Es wurden fünf Runden gefahren.
Als Favoritin galt die Niederländerin Lauren Molengraaf, die den Weltcup dominiert hatte. Sie erwischte einen schwarzen Tag: In Führung liegend wurde sie erst durch einen Radwechsel, dann durch einen Sturz zurückgeworfen, bevor ein Reifenschaden in der dritten Runde allen Ambitionen ein Ende setzte. Eine Spitzengruppe von sechs Fahrerinnen fiel ab der dritten Runde unter Führung von Isabella Holmgren auseinander, die vor ihrer Zwillingsschwester Ava gewann; die beiden waren zugleich die ersten kanadischen Medaillisten überhaupt bei Cyclocross-Weltmeisterschaften. Célia Gery entschied den Sprint um Bronze für sich.
Männer U23
mini|hochkant|Thibau Nys, hier bei der WM 2020
Platz Name Zeit (min) 1 50:42 2 + 0:04 3 gl. Zeit 4 + 0:05 5 + 0:59 6 + 1:05 7 Lennert Belmans + 1:06 8 Victor Van de Putte gl. Zeit 9 Lucas Janssen gl. Zeit 10 + 1:08
Am Start waren 51 Fahrer aus 18 Nationen. Ab der zweiten von sieben Runden setzte sich Thibau Nys, der zuvor klar den U23-Weltcup gewonnen hatte, von der Konkurrenz ab und gewann überlegen das Rennen. Dahinter bildete sich ein Trio aus Joran Wyseure, Witse Meeussen und Tibor Del Grosso, der sich zu Beginn mit der Reifenwahl vertan hatte, aber am Ende den Sprint um Silber gewann, während Vorjahressieger Wyseure leer ausging.
Frauen Elite
mini|Fem van Empel, hier bei der EM 2022
Platz Name Zeit (min) 1 54:42 2 + 0:39 3 + 1:11 4 + 1:45 5 + 1:46 6 + 2:14 7 + 2:36 8 + 2:41 9 + 2:55 10 + 3:02
Es gingen 28 Fahrerinnen aus 14 Ländern an den Start. Die Kräfteverhältnisse im Feld waren an der Startaufstellung abzulesen, wo die erste Reihe aus acht Niederländerinnen bestand. Einzig die Vorjahres-Dritte Silvia Persico konnte mit diesen mithalten. An der Spitze kam es zum erwarteten Duell zwischen Fem van Empel und Puck Pieterse, die die Saison beherrscht hatten und sich, erst 20-jährig, in die Elite hatten hochstufen lassen. Die Vorentscheidung fiel in der vierten von sieben Runden, als Pieterse in einer Kurve fiel. Van Empel baute ihren Vorsprung nun kontinuierlich aus, vor allem an einem Anstieg im Wald, und gewann letztlich ungefährdet. Lucinda Brand konnte ihre von einer Verletzung unterbrochene Saison mit dem dritten Platz abschließen.
Junioren
Platz Name Zeit (min) 1 43:48 2 + 0:11 3 Yordi Corsus + 0:17 4 Wies Nuyens gl. Zeit 5 Seppe Van den Boer + 0:26 6 Keije Solen + 0:30 7 Mika Vijfwinkel + 0:42 8 + 0:44 9 Zsombor Takács + 0:47 10 Václav Ježek + 0:48
Es gingen 71 Fahrer aus 22 Ländern ins Rennen über sechs Runden. Im Gegensatz zum Vortag war es sonnig, aber windig. Weltcup-Gewinner Léo Bisiaux bestätigte seine Saisonleistung, ging ausgangs der zweiten Runde solo und sollte das Rennen überlegen gewinnen. Einzig Senna Remijn machte sich auf die Suche nach ihm und kam bis auf drei Sekunden heran, bevor er dieser Anstrengung Tribut zollen musste. Er konnte sich aber einer späten Attacke von Yordi Corsus erwehren, der seinerseits gerade noch vor seinem Teamkameraden Wies Nuyens ins Ziel kam.
Frauen U23
mini|Shirin van Anrooij, hier bei der EM 2022 in Namur
Platz Name Zeit (min) 1 45:53 2 + 0:33 3 Kristýna Zemanová + 1:32 4 + 1:53 5 + 2:05 6 Line Burquier + 2:16 7 + 2:47 8 + 2:56 9 Laurina Duraffourg + 3:07 10 Julie Brouwers + 3:32
Am Start waren 32 Fahrerinnen aus 14 Ländern. Das Rennen über sechs Runden nahm weitgehend den erwarteten Verlauf: Shirin van Anrooij, Dritte des Elite-Weltcups, übernahm die Führung in der ersten Runde und wurde an ihrem 21. Geburtstag vor Heimpublikum Weltmeisterin. Einzig Zoe Bäckstedt konnte eine Zeitlang in Schlagweite bleiben. Die erwarteten Kandidaten für die Bronzemedaille, Marie Schreiber und Line Burquier, fielen durch Stürze zurück und ließen den Weg frei für Kristýna Zemanová.
Männer Elite
mini|Mathieu van der Poel, hier bei der WM 2020, gewann seinen fünften WM-Titel.
Platz Name Zeit (h) 1 1:07:20 2 gl. Zeit 3 + 0:12 4 + 0:13 5 + 0:46 6 + 0:54 7 + 0:57 8 + 0:59 9 + 1:08 10 + 1:30
Zum Abschluss der Wettkämpfe wurden 40.000 Zuschauer beim nunmehr achten WM-Duell zwischen Wout van Aert und Mathieu van der Poel erwartet. In der Tatsache, dass Adrie van der Poel den Kurs gebaut hatte, wollten belgische Kommentatoren eine Vorteilsnahme für seinen Sohn sehen. Wout van Aert teilte diese Ansichten nicht, er hatte auch 2018 auf einem von Adrie gestalteten Kurs gewonnen.
Insgesamt gingen 40 Fahrer aus 18 Ländern an den Start des Rennens. Bereits in der ersten von zehn Runden wurden die beiden Favoriten ihrem Status gerecht und hängten den Rest des Felds ab. Gelegentliche Attacken van der Poels vermochten van Aert nicht abzuschütteln. In den letzten Runden fuhren die beiden das Tempo zurück und belauerten sich bis zur Zielgeraden. Van der Poel zog den Sprint zuerst an und ließ van Aert hinter sich. Hinter den beiden lieferten sich Eli Iserbyt und Lars van der Haar ein Duell um den dritten Platz, das Iserbyt ebenfalls auf der Zielgeraden für sich entschied.
Medaillenspiegel
1 4 3 1 8 2 1 1 4 6 3 1 1 0 2 4 1 0 1 2 5 0 2 0 2 6 0 0 1 1 Total 7 7 7 21
Aufgebote
Die Vertreter der deutschsprachigen Verbände erzielten folgende Ergebnisse:
Bund Deutscher Radfahrer
Männer Elite: Marcel Meisen (32.) Männer U23: Silas Kuschla (27.), Luca Harter (28.), Hannes Degenkolb (33.), Lukas Herrmann (47.) Frauen U23: Judith Krahl (8.) Junioren: Max Heiner Oertzen (23.), Eike Behrens (48.) Juniorinnen: Messane Bräutigam (16.)
Swiss Cycling
Männer Elite: Kevin Kuhn (12.), Loris Rouiller (18.), Timon Rüegg (13.) Frauen Elite: Zina Barhoumi (22.) Männer U23: Jan Christen (20.), Dario Lillo (21.), Lars Sommer (29.), Matteo Oppizzi (37.) Frauen U23: Jacqueline Schneebeli (29.) Junioren: Nicolas Halter (24.), Sven Sommer (30.)
Fédération du Sport Cycliste Luxembourgeois
Frauen U23: Marie Schreiber (5.), Maïté Barthels (26.), Liv Wenzel (28.) Junioren: Noa Berton (26.), Rick Meylender (59.), Fynn Ury () Juniorinnen: Anouk Schmitz (42.)
Österreichischer Radsport-Verband
Frauen Elite: Nadja Heigl (27.) Männer Elite: Philipp Heigl (36.)
Weblinks
Cyclocross-WM 2023 auf der UCI-Website Berichte und Ergebnisse auf CyclingNews Offizielle Ergebnisse auf ChronoRace
Cyclocross-Weltmeisterschaften 2023 in der Datenbank von ProCyclingStats
Einzelnachweise
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