Die Hindenburg-Kaserne war eine Garnison in Neumünster, Schleswig-Holstein. Sie beherbergte bis 1945 Einheiten der Wehrmacht, der Britischen Rheinarmee zwischen 1945 und 1958 sowie der Bundeswehr von 1958 bis zu ihrer Schließung Ende 2003. Insbesondere befand sich hier der Stab der 6. Panzergrenadierdivision zwischen 1958 und 1994. Das Kasernengelände umfasste eine Fläche von etwa 19,5 Hektar. Nach Aufgabe der militärischen Nutzung wurde auf einem Teil des Kasernenareals das Gefahrenabwehrzentrum Neumünster errichtet und 2014 eingeweiht.
Geschichte Vorgeschichte In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich Neumünster zu einem Zentrum der Tuch- und Lederwarenindustrie.Klaus Selck: Die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt Neumünster bis heute, in: Marianne Dwars/Alfred Heggen (Hrsg.): Neumünster. Stadt im Wandel. 1870–2020. Kiel/Hamburg, 1. Auflage 2019, S. 55 (56 f.) Auf einem Grundstück an der Carlstraße wurde 1889 eine Lederfabrik durch die Tuchmacher Bartram und Stender gegründet, in die 1892 Hermann Sager eintrat und 1897 zum Alleineigentümer wurde. Der Betrieb entwickelte sich von 20 Beschäftigten zu einem Unternehmen mit etwa 1000 Mitarbeitern. Die Fabrik wuchs auf eine Gesamtfläche von 100.000 Quadratmetern an. Darüber hinaus bewirtschaftete der Betrieb auch angrenzende Felder. Das für die Gerberei notwendige Wasser wurde nach dem Verbrauch auf diesen Flächen durch Verrieselung wieder ausgebracht. Auch Klärschlämme der Fabrik wurden in der Landwirtschaft verwendet. Auf diese Weise gelangten Milzbranderreger in die Böden. Bis zu 600.000 Häute wurden jährlich für die Schuh- und Stiefellederproduktion, aber auch zu Antriebsriemen und anderen technischen Produkten verarbeitet. Insgesamt umfassten die bewirtschaften Grundstücke eine Gesamtfläche von 75 Hektar. In den 1920er Jahren geriet das Unternehmen in die Krise und musste schließlich 1927 die Produktion einstellen sowie Konkurs anmelden.Klaus Selck: Die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt Neumünster bis heute, in: Marianne Dwars/Alfred Heggen (Hrsg.): Neumünster. Stadt im Wandel. 1870–2020. Kiel/Hamburg, 1. Auflage 2019, S. 55 (58)
Aufrüstung in den 1930er Jahren Im Zuge der Aufrüstung der Wehrmacht kaufte das Deutsche Reich von der Stadt Neumünster zunächst das Gelände der Sick-Kaserne. Gleichzeitig verpflichtete sich die Stadt zur Bereitstellung einer weiteren Fläche für einen Kasernenneubau der Wehrmacht. 1934 erwarb die Reichsverwaltung das Grundstück der ehemaligen Lederfabrik, die abgebrochen worden war. Das Gelände wurde mit einem Bretterzaun umgeben. Damit sollte die Errichtung einer Kaserne der Öffentlichkeit zunächst verborgen bleiben. In zweijähriger Bauzeit entstanden 6 Unterkunftsgebäude, mehrere Wirtschaftsgebäude, ein Stabsgebäude, eine Reithalle und Pferdeställe.
Vorkriegszeit und Zweiter Weltkrieg 1935 wurde die Kaserne eingeweiht. Es zog das I. Bataillon und die 14. Kompanie des Infanterieregiments 46 der 30. Infanterie-Division ein. 1937 erhielt die Kasernenanlage den Namen nach Paul von Hindenburg. Nachdem am 26. August 1939 die Einheiten für den Überfall auf Polen als Beginn des Zweiten Weltkriegs aus Neumünster in das Grenzgebiet zum Nachbarland verlegt worden waren, erfolgte einen Tag später, am 27. August 1939 in der Hindenburg-Kaserne die Aufstellung des Infanterie-Ersatz-Bataillons Nr. 46. Die im Juni 1940 in Hamburg aufgestellte Division Nr. 190 wurde am 15. Oktober 1940 nach Neumünster verlegt, wobei der Divisionsstab seinen Sitz in der Hindenburg-Kaserne nahm. Das Infanterie-Ersatzbataillon wurde dem Infanterie-Ersatzregiment 30 in Lübeck der Division Nr. 190 unterstellt sowie in Grenadier-Ersatz- und Ausbildungsbataillon Nr. 46 umbenannt. Die Division Nr. 190 wurde mit ihren beweglichen Einheiten im September 1944 in die Niederlande verlegt. In Neumünster trat an ihre Stelle die Division Nr. 490, die in Teilen noch am 27. März 1945 an die Weser verlegt wurde.Panzerbrigade 18 (Hrsg.): Neumünster. Skizzen einer Garnisonsstadt. Tag der Bundeswehr 12. Juni 1977, Neumünster/Rendsburg 1977, S. 23, 29 und 30
Nachkriegszeit und Stationierung alliierter Truppen Am 4. Mai 1945 wurde die Stadt Neumünster kampflos den britischen Truppen übergeben, die auch die Hindenburg-Kaserne besetzten. Im Anschluss waren Einheiten der 21st Army Group (21. Armeegruppe) und später der British Army of the Rhine (Britische Rheinarmee) in der Kaserne stationiert, die nunmehr „McLeod Barracks“ in Würdigung des kanadischen Piloten Alan Arnett McLeod hieß. Zwischen 1945 und November 1951 beheimatete die Kaserne eine Vielzahl von wechselnden Einheiten, darunter Headquarters 206/Commander Royal Army Service Corps, 5th Motor Transport Company Royal Army Service Corps, 13th Station Maintenance und 954th Company. Von November 1951 bis März 1953 waren die 15th/19th The King’s Royal Hussars in der Kaserne stationiert, denen von April 1953 bis März 1956 die 1st King’s Dragoon Guards folgten. Schließlich befanden sich von April 1956 bis April 1958 die 13th/18th Royal Hussars (Queen Mary’s Own) in dieser Garnison. Im April 1958 erfolgte die Übergabe der Kaserne an deutsche Dienststellen.Panzerbrigade 18 (Hrsg.): Neumünster. Skizzen einer Garnisonsstadt. Tag der Bundeswehr 12. Juni 1977, Neumünster/Rendsburg 1977, S. 35
Übernahme durch die Bundeswehr und Kalter Krieg Als erstes zog in die Hindenburg-Kaserne am 1. April 1958 der Aufbaustab der 6. Grenadierdivision ein, deren Aufstellung am 28. Februar 1958 befohlen, aber bereits am 20. Februar 1958 durch Ausgliederung eines Arbeits- und Verbindungskommandos aus der 3. Panzerdivision in der Hamburger Sophienterrasse begonnen worden war. O’Donnell Fromelt: 25 Jahre 6. Division, in: O’Donnell Fromelt/H. Dietrich Habbe: Zwischen den Meeren. Bilder einer Division. Die Sechste in Schleswig-Holstein und Hamburg. 25 Jahre 6. Panzergrenadierdivision. 1. Auflage, Neumünster 1983, S. 155 Der Aufbau der Division schritt zügig voran und mit Befehl vom 25. September 1958 erfolgte zum 1. Oktober 1958 eine erste Umbenennung des Aufbaustabes in Stab und Stabskompanie 6. Division. Die Division wurde dem I. Korps unterstellt. Stationierungsraum war Schleswig-Holstein. Am 11. November 1958 traf der erste Kommandeur der Division, General von der Groeben, in Neumünster ein.Panzerbrigade 18 (Hrsg.): Neumünster. Skizzen einer Garnisonsstadt. Tag der Bundeswehr 12. Juni 1977, Neumünster/Rendsburg 1977, S. 39. Mit der Einnahme der Heeresstruktur 2 erfolgte die Umbenennung in 6. Panzergrenadierdivision. Mit dem Ende des Kalten Krieges und durch die Vereinbarungen des Zwei-plus-Vier-Vertrages im Zuge der Deutschen Wiedervereinigung ergab sich eine neue Lage, die zunächst am 1. April 1994 in der Zusammenlegung des Wehrbereichskommandos I und der 6. Panzergrenadierdivision in Kiel führten. Damit zog der Divisionsstab aus der Hindenburg-Kaserne in Neumünster aus. Doch bereits am 15. März 1995 wurde bekannt gegeben, dass die 6. Panzergrenadierdivision aufgelöst wird. Dies geschah schließlich am 17. September 1997. Mit dem Divisionsstab war das Verbindungskommando Luftwaffe zu Divisionskommando 6. Panzergrenadierdivision und die Mobilmachungsvorbereitungsgruppe 6. Panzergrenadierdivision in den 1980er Jahren hier stationiert.
Für den 1. Oktober 1958 war in der Hindenburg-Kaserne die Aufstellung der I./Feldartilleriebataillon 6 befohlen. Doch durch eine kurzfristige Änderung entstand stattdessen am 1. Oktober 1958 das Feldartilleriebataillon 177. Bereits am 2. Februar 1959 wurde es zum Panzerartilleriebataillon 185 umgegliedert. Im Januar 1962 konnte das Panzerartilleriebataillon 185 aus der Hindenburg-Kaserne in Neumünster nach Boostedt in die Rantzau-Kaserne verlegt werden. In Boostedt verblieb das Bataillon noch bis zu seiner Auflösung, die zum 30. September 1993 offiziell vollzogen, jedoch bereits Ende 1992 durch Abgabe von Gerät und Personal, insbesondere an das aus dem Feldartilleriebataillon 515 aufzustellende Panzerartilleriebataillon 515 in Kellinghusen umgesetzt worden war.
Am 1. März 1958 wurde in der Sick-Kaserne das Fernmeldebataillon 6 der 6. Panzergrenadierdivision aufgestellt, jedoch am 6. und 7. April 1959 in die Hindenburg-Kaserne in Neumünster verlegt. Dort blieb es und wurde am 1. April 1993 zum Stabs- und Fernmeldebataillon 6 umgegliedert. Mit Auflösung der Division trat es zum 31. März 1997 außer Dienst.Panzerbrigade 18 (Hrsg.): Neumünster. Skizzen einer Garnisonsstadt. Tag der Bundeswehr 12. Juni 1977, Neumünster/Rendsburg 1977, S. 52 f.
Die ab 1. September 1958 aufgestellte Feldjägerkompanie 6 der 6. Panzergrenadierdivision wurde am 5. Januar 1959 in der Scholtz-Kaserne stationiert. Sie bildete die Feldjägerwachkommandos Neumünster und Hamburg in der Scholtz-Kaserne aus. Am 1. Mai 1959 begann für das Feldjägerwachkommando Neumünster der Dienst in der Scholtz-Kaserne. Die Feldjägerkompanie 6 wechselte in die Sick-Kaserne und kam im Juli 1960 schließlich in die Hindenburg-Kaserne. Am 1. Oktober 1962 wurde der Feldjägerausbildungszug 726 der Fernmeldekompanie 6 aufgestellt, jedoch 1966 bereits wieder aufgelöst. 1963 erfolgte der Umzug des Feldjägerwachkommandos Neumünster unter Umbenennung in Feldjägerdienstkommando Neumünster aus der Scholtz-Kaserne in die Hindenburg-Kaserne. Zum 1. Januar 1980 wurde die Feldjägerkompanie 6 aus der 6. Panzergrenadierdivision herausgelöst und zur 4./Feldjägerbataillon 610. Sie verblieb in der Hindenburg-Kaserne bis zum 1. Dezember 1995, wurde nach Boostedt in die Rantzau-Kaserne verlegt, wo sie am 31. März 1997 aufgelöst wurde.Panzerbrigade 18 (Hrsg.): Neumünster. Skizzen einer Garnisonsstadt. Tag der Bundeswehr 12. Juni 1977, Neumünster/Rendsburg 1977, S. 59 f.
Am 1. Juli 1960 wurde in der Hindenburg-Kaserne die zum Fernmeldebataillon 6 gehörende Ausbildungskompanie 4/6 aufgestellt. Am 1. Juli 1964 wird die Einheit in Fernmeldeausbildungskompanie 4/6 umbenannt. Zum 1. Oktober 1979 wird sie zur Fernmeldeausbildungskompanie 1/6. Am 1. April 1993 verlegt sie in die Rettberg-Kaserne nach Eutin und zum 1. Oktober 1993 zur 3./Führungsunterstützungsregiment 10 umgegliedert. Das Regiment wird schließlich am 31. Dezember 2002 aufgelöst.
1963 wurde ein Grundstück westlich der Färberstraße hinzugenommen und ein neuer technischer Bereich für die Kaserne geschaffen.
Zur elektronischen Kampfführung wurde am 1. April 1973 die Fernmeldekompanie 621 in der Lent-Kaserne in Rotenburg (Wümme) aufgestellt. Ihr Auftrag bestand in der Überwachung des Funkverkehrs der Armeen des Warschauer Paktes. Deshalb erhielten die Kompanieangehörigen eine umfassende Sprachausbildung. Am 8. November 1974 verlegte die Einheit in die Hindenburg-Kaserne und wurde truppendienstlich dem Fernmeldebataillon 6 unterstellt. Am 1. Oktober 1981 erfolgte im Rahmen der Heeresstruktur 4 die Umbenennung in Fernmeldekompanie 6. Zum 1. April 1992 wurde die Fernmeldekompanie als 5. Kompanie in das Fernmelderegiment 120 in Rotenburg (Wümme) eingegliedert. Dieser Verband wurde zum 1. Oktober 1994 wieder aufgelöst. Die 5. Kompanie wurde zur 5./Fernmelderegiment 320, verblieb aber am Standort Rotenburg (Wümme). Am 30. September 2003 kam schließlich das Aus für diese Kompanie, wobei sie mit der 6. Kompanie die Grundlage für das Bataillon für Elektronische Kampfführung 912 bildeten.
Das als Geräteeinheit am 1. September 1976 aufgestellte Wehrgericht bei der 6. Panzergrenadierdivision verblieb bis zu seiner Auflösung am 30. Juni 1997 in der Hindenburg-Kaserne.
Am 1. April 1986 wurde die Fahrschulgruppe Neumünster 1 in der Kaserne gebildet, die jedoch mit der Heeresstruktur 5 zum 31. März 1994 wieder aufgelöst wurde.