mini|240px|Bildnis von Jan van Kessel gestochen nach einem Entwurf von Hubertus Quellinus
Jan van Kessel der Ältere oder Jan van Kessel I (getauft 5. April 1626 in Antwerpen, Flandern; † 17. April 1679 ebenda) war ein flämischer Maler und Zeichner der Mitte des 17. Jahrhunderts in Antwerpen tätig war. Als vielseitiger Künstler schuf er Werke in vielen Gattungen, darunter Insektenstudien, Blumenstillleben, Marinemalerei, Flusslandschaften, Paradieslandschaften, allegorische Kompositionen, Szenen mit Tieren und Genreszenen.Jan van Kessel (I), Website der RKD – Nederlands Instituut voor Kunstgeschiedenis Als Spross der Brueghel-Familie ließ er sich in vielen seiner Sujets vom Werk seines Großvaters Jan Brueghel der Ältere sowie von der früheren Generation flämischer Maler wie Daniel Seghers, Joris Hoefnagel und Frans Snyders inspirieren.W. Laureyssens. "Kessel, van." Grove Art Online. Oxford Art Online. Oxford University Press Van Kessels Werke wurden von seinen Zeitgenossen hoch geschätzt und von geschickten Handwerkern, wohlhabenden Händlern, Adligen und ausländischen Würdenträgern in ganz Europa gesammelt.Nadia Groeneveld-Baadj, A World of Materials in a Cabinet without Drawers: Re-framing Jan van Kessels The Four Parts of the World, in: Netherlands Yearbook for History of Art/Nederlands Kunsthistorisch Jaarboek 62: Meaning in Materials, S. 202–237, 2013 mini|280px|Autogramm, aus Insekten und Raupen gebildet
Leben Jan van Kessel wurde in Antwerpen geboren als Sohn von Hieronymus van Kessel der Jüngere und Paschasia Brueghel, Tochter von Jan Brueghel der Ältere. Er war somit der Enkel von Jan Brueghel d. Ä., der Urenkel von Pieter Bruegel dem Älteren und der Neffe von Jan Brueghel dem Jüngeren.Frans Jozef Peter Van den Branden, Geschiedenis der Antwerpsche schilderschool, Antwerpen, 1883, S. 1098–1101 David Teniers der Jüngere war mit einer Schwester seiner Mutter verheiratet und war daher sein Onkel.Jan van Kessel the Elder, Website der National Gallery Seine direkten Vorfahren in der Linie der Familie van Kessel waren sein Großvater Hieronymus van Kessel der Ältere und sein Vater Hieronymus van Kessel der Jüngere, die beide Maler waren. Über das Werk dieser van Kessel-Vorfahren ist sehr wenig bekannt. mini|280px|links|Schmetterlinge und andere Insekten, Muscheln und Schnecken
Es wird traditionell angenommen, dass Jan van Kessel der Joannes van Kessel ist, der im Gildejahr 1634–1635 als Lehrling des Historienmalers Simon de Vos in den Registern der Antwerpener Lukasgilde eingetragen war. Einige Kunsthistoriker glauben, dass dieser Joannes van Kessel ein anderer Künstler war, der als der „andere Jan van Kessel“ bezeichnet wird. Der letztgenannte Künstler wurde im Gildejahr 1644–1645 als Meister in die Gilde aufgenommen und bezahlte den vollen Mitgliedsbeitrag, während Jan van Kessel d. Ä. im selben Jahr als Meister aufgenommen wurde, aber als Sohn eines Meisters nur die Hälfte des Mitgliedsbeitrags zahlen musste. Es ist daher wahrscheinlicher, dass Jan van Kessel d. Ä. in der Werkstatt seines Vaters ausgebildet und erst als selbständiger Meister eingetragen wurde, als er die Werkstatt seines Vaters übernahm. Es wird auch vermutet, dass er bei seinem Onkel Jan Brueghel d. J. studiert hat.
Am 11. Juni 1646 heiratete er Maria van Apshoven (oder Abshoven). Das Paar hatte 13 Kinder, von denen zwei, Jan und Ferdinand, von ihm ausgebildet wurden und zu erfolgreichen Malern wurden. Er war Hauptmann einer örtlichen Schutterij in Antwerpen.
Jan van Kessel war finanziell erfolgreich, denn seine Werke erzielten hohe Preise und wurden zu Hause und in ganz Europa gesammelt.Johannes van Kessel, in: Cornelis de Bie, Het Gulden Cabinet, 1662, S. 409 Er kaufte 1656 ein Haus namens Witte en Roode Roos (Weiße und Rote Rose) im Zentrum Antwerpens. Als seine Frau 1678 starb, scheint sich sein Schicksal zum Schlechteren gewendet zu haben. Im Jahr 1679 musste er eine Hypothek auf sein Haus aufnehmen. Er war zu krank geworden, um zu malen, und starb am 17. April 1679 in Antwerpen.
Er bildete andere Maler und auch seine eigenen Familienmitglieder aus. Zu seinen Schülern gehörten seine Söhne Jan und Ferdinand.Ph. Rombouts and Th. van Lerius (Hrsg.), De Liggeren en andere Historische Archieven der Antwerpsche Sint Lucasgilde, onder Zinkspreuk: "Wy Jonsten Versaemt" afgeschreven en bemerkt door Ph. Rombouts en Th. Van Lerius, Advokaet, onder de bescherming van den raed van bestuer der koninklyke Akademie van beeldende Kunsten, van gezegde Stad, Volume 2, Antwerp, 1872, S. 62, 65, 155, 162, 467
Werke Überblick mini|300px|Flusslandschaft mit Figuren auf einem Weg
Jan van Kessel d. Ä. war ein vielseitiger Künstler, der sich in vielen Genres betätigte, darunter Studien von Insekten, Blumenstillleben, Marinen, Flusslandschaften, Paradieslandschaften, allegorische Kompositionen, Szenen mit Tieren und Genreszenen. Seine datierten Werke reichen von 1648 bis 1676.Jan van Kessel (Antwerp 1626-1679), Grapes, peaches, cranberries, flowers and butterflies, in a porcelain bowl on a wooden ledge; and Grapes, blackberries, cherries, butterflies and a walnut in a porcelain bowl on a wooden ledge, Christie’s
Die Zuschreibung von Werken an Jan van Kessel den Älteren ist aufgrund von Verwechslungen mit anderen Künstlern mit ähnlichem Namen, die alle etwa zur gleichen Zeit aktiv waren, manchmal schwierig. Neben seinem Sohn Jan gab es noch einen weiteren Antwerpener Maler mit dem Namen Jan van Kessel (genannt „der andere“ Jan van Kessel), der Stillleben malte, während in Amsterdam ein Jan van Kessel als Landschaftsmaler bekannt war. Um die Dinge weiter zu verkomplizieren, wird er normalerweise als Jan van Kessel I bezeichnet, da er einen Onkel hatte, der ebenfalls Jan van Kessel hieß, aber manchmal wird er auch als Jan van Kessel II bezeichnet und sein Sohn Jan van Kessel der Jüngere als Jan van Kessel III.Jan van Kessel the Younger, Website der RKD – Nederlands Instituut voor Kunstgeschiedenis, Website der RKD – Nederlands Instituut voor Kunstgeschiedenis, Website der RKD – Nederlands Instituut voor Kunstgeschiedenis Ein weiteres Problem für die Zuschreibung war die Tatsache, dass Jan van Kessel der Ältere zwei verschiedene Stile für seine Signatur verwendete. Für größere Formate verwendete er eine kursive, eher dekorative Signatur, die auf einem kleineren Gemälde schwer zu lesen gewesen wäre. Diese Praxis führte zu der irrtümlichen Annahme, dass diese Werke von zwei verschiedenen Malern stammten.
Jan van Kessel spezialisierte sich auf kleinformatige Bilder mit Themen aus der Natur wie Blumenstillleben und allegorische Serien, die das Tierreich, die vier Elemente, die Sinne oder die Teile der Welt zeigen. Besessen von pittoresken Details, arbeitete van Kessel nach der Natur und benutzte illustrierte wissenschaftliche Texte als Quellen, um seine Bilder mit Objekten zu füllen, die mit fast wissenschaftlicher Genauigkeit dargestellt wurden.Jan van Kessel (Antwerp 1626-1679), Roses, tulips, an iris and other flowers, in a glass vase on a stone plinth, with butterflies and other insects, Christie’s mini|289px|Stillleben von Fischen in einer Hafenlandschaft, möglicherweise eine Allegorie auf das Element Wasser
Naturstudien Jan van Kessel schuf eine große Anzahl von Tierstudien einschließlich von Insekten, Raupen und Reptilien sowie Bilder von Blumen und seltenen Objekten aus der ganzen bekannten Welt.Jan van Kessel (I), A still life study of insects on a sprig of rosemary with butterflies, a bumble bee, beetles and other insects, Sotheby’s Er zeigte sich als scharfer Beobachter und seine Tierstudien wurden zu seiner Zeit für ihre Akribie und Präzision gelobt. Seine Arbeit auf diesem Gebiet spiegelt das zeitgenössische Weltbild wider, in dem die Wertschätzung von Kunst und Natur Hand in Hand ging. Der gleiche Wunsch, die natürliche Welt zu sammeln und zu kategorisieren, der im späten 16. und 17. Jahrhundert den Anstoß zur Gründung der Kunst- und Wunderkammern gegeben hatte, inspirierte die Künstler der Zeit, dasselbe in gemalter Form zu erreichen. Jan van Kessels Großvater Jan Brueghel der Ältere hatte in seinem Werk bereits gezeigt, wie Künstler, ausgehend von empirischer Beobachtung, die Welt durch das Ordnen und Klassifizieren ihrer vielen Elemente darstellen konnten.Arianne Faber Kolb, Jan Brueghel the Elder: The Entry of the Animals into Noah’s Ark, Getty Publications, 2005, S. 47 mini|links|280px|Stilllebenstudie von Insekten auf einem Rosmarinzweig mit Schmetterlingen, einer Hummel, Käfern und anderen Insekten
Ein wichtiger Einfluss auf seine Tierstudien war der wissenschaftliche Naturalismus des flämischen Künstlers Joris Hoefnagel, der vor allem für seine illuminierten Manuskripte und Stillleben auf Pergament bekannt war. Hoefnagels Studien von Blumen und Insekten wurden gestochen und unter dem Titel Archetypa studiaque patris Georgii Hoefnagelii von seinem Sohn Jacob Hoefnagel 1592 in Frankfurt veröffentlicht. Das Buch ist eine Sammlung von 48 Stichen von ad vivum dargestellten Pflanzen, Insekten und Kleintieren nach Studien von Joris Hoefnagel und war sehr einflussreich auf die nachfolgenden Generationen von Tiermalern.The Archetypa studiaque patris Georgii Hoefnagelii at archive.org
Van Kessels Tierstudien unterscheiden sich von der nüchternen Herangehensweise seiner Vorgänger, die die verschiedenen Tier- und Pflanzenarten in Reihen anordneten, als wären sie Exemplare in einem Sammlerkabinett. Van Kessel legte mehr Wert auf Komposition und Ästhetik, ohne auf eine genaue Darstellung des jeweiligen Lebewesens zu verzichten. Ein Beispiel für diesen Ansatz ist das Werk Stilllebenstudie von Insekten auf einem Rosmarinzweig mit Schmetterlingen, einer Hummel, Käfern und anderen Insekten (Sotheby’s 10. November 2014, New York, Los 31). In dieser Komposition schuf van Kessel ein dynamisches Arrangement mit Insekten um einen einzelnen Rosmarinzweig, das die Illusion vermittelt, dass sich die Schmetterlinge und die Biene unterhalten. Trotz des Fehlens eines moralisierenden Textes, wie er in der Archetypa von Hoefnagel zu finden ist, wäre van Kessels Botschaft von der Natur als Spiegel der Macht Gottes für sein Publikum klar gewesen.Jan van Kessel, Study of insects, butterflies and a snail with a sprig of forget-me-nots; study of butterflies and other insects with a sprig of apple blossom, Sotheby’s mini|287px|Afrika aus den vier Kontinenten, Alte Pinakothek
Seine Studien von Flora und Fauna wurden oft in großen Serien ausgeführt und dienten gelegentlich als Schubladenfronten von Sammlerkabinetten, die für die Präsentation von Objekten in Wunderkammern verwendet wurden. Im Gegensatz zu den in diesen Schränken aufbewahrten getrockneten und angehefteten Exemplaren wirken van Kessels gemalte Sujets sehr lebendig und sollen den Betrachter beim Öffnen der Außentüren offensichtlich überraschen und erfreuen. Jan van Kessel begann mit der Malerei dieser Werke in der ersten Hälfte der 1650er Jahre und die frühesten datierten Beispiele stammen aus dem Jahr 1653. Während einige dieser Werke auf Tafeln ausgeführt wurden, wurden die meisten auf Kupfer gemalt. Kupfer bot die glatte Oberfläche, die sich am besten für seine akribische und detaillierte Ausführung eignete.
Die vier Kontinente Jan van Kessel schuf zwei Serien von allegorischen Gemälden, die die Vier Teile der Welt oder die Vier Kontinente darstellen. Diese Serien aus den 1660er Jahren bestehen aus vier zusammengesetzten Bildern, die sich aus 16 Mini-Ölgemälden auf Kupferplatten zusammensetzen, die um ein größeres Gemälde, ebenfalls auf Kupfer, angeordnet und in ein unterteiltes Ebenholzkabinett montiert sind. Die Mittelstücke stellen die Kontinente Europa, Asien, Afrika und Amerika durch eine Vielzahl von Figuren in ethnischer Kleidung und exotischen Tieren dar. Die umliegenden Platten stellen einzelne Städte und geografische Gebiete dar, in denen vermeintlich einheimische Flora und Fauna gezeigt werden.