Die Wirtschaft Afrikas vollzieht sich regional, transnational und transkontinental unter und mit einer Bevölkerung von ca. 1 Milliarde Menschen in 54 verschiedenen Staaten. Afrika ist reich an mineralischen Rohstoffen und anderen natürlichen Ressourcen, dennoch ist es der Kontinent mit dem bei weitem geringsten durchschnittlichen Lebensstandard, obwohl es hierbei große regionale Unterschiede gibt. Von den 24 Ländern mit „geringer menschlicher Entwicklung“ liegen gemäß Index der menschlichen Entwicklung 22 in Afrika. Von den 14 Ländern, deren kaufkraftbereinigtes Bruttoinlandsprodukt pro Kopf 2008 weniger als 1000 US-Dollar beträgt, liegen 13 in Afrika.
Subsahara-Afrika (ohne Südafrika) ist die einzige Weltregion, in der die Armut seit 1990 zugenommen hat. Zwar ist das reale Pro-Kopf-Einkommen gestiegen, aber auch die absolute Zahl der Armen wuchs um rund 100 Millionen Menschen an. Mehr als zwei Drittel der Menschen in Subsahara-Afrika verfügen über weniger als zwei US-Dollar pro Tag.. Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Abgerufen am 21. Februar 2014.
Bei der Beurteilung dieser Zahlen ist jedoch zu beachten, dass mehr als ein Drittel der Bauern südlich der Sahara ihre Nahrung und die meisten Güter ihres Lebensunterhaltes komplett für sich selbst bzw. ihre lokalen Gemeinschaften produzieren (Subsistenzwirtschaft), so dass sie dafür kein Geld benötigen. Weitere 50 % kombinieren Selbstversorgung und Marktproduktion in kleinen Familienbetrieben mit maximal 2 ha Landbesitz. In: Paper presented at the IFAD Conference on New Directions for Smallholder Agriculture 24-25 January, 2011, abgerufen am 14. August 2014. S. 9 und 18. Auch die Qualität dieser Lebensweise wird leicht falsch beurteilt, wenn man die heute üblichen Wohlstandsindikatoren anwendet, da sie zu einem großen Teil mit Geldeinheiten rechnen und Subsistenzleistungen kaum erfassen können.
Die weit verbreitete Armut und die sich zunehmend verschlechternden Bedingungen für die Subsistenzwirtschaft (Verdrängung durch Großbetriebe in ertragsärmere Regionen, Entstehung neuer Abhängigkeiten, Bevölkerungsexplosion, Raubbau an den Ressourcen, Landflucht, soziale Umwälzungen u. Ä.)Olivier de Schutter, Uno-Beauftragter für das Recht auf Nahrung: Neokolonialismus in Afrika: "Großinvestoren verdrängen lokale Bauern". In: spiegel-online vom 29. Juli 2009. wirken sich vor allem auf die Ernährungs- und Gesundheitslage negativ aus. Mehr als ein Fünftel der Menschen in der Region südlich der Sahara gelten als unterernährt. Die durchschnittliche Lebenserwartung beträgt lediglich 61 Jahre (2017), fast 40 % der Bevölkerung leben noch immer ohne ausreichende Wasserversorgung, fast 70 % ohne angemessene Sanitärversorgung. Hinzu kommen die gravierenden Auswirkungen der Immunschwächekrankheit AIDS und anderer Infektionskrankheiten wie Malaria und Tuberkulose. Darüber hinaus erschweren Gewalt, Korruption und politische Instabilität eine wirtschaftliche Entwicklung. Seit mehreren Jahrzehnten existieren die unterschiedlichsten Verbesserungsvorschläge, von wenigen Ausnahmen abgesehen ist deren Erfolg bis heute bescheiden.
Dennoch hat die Region im ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts die längste Wachstumsperiode seit den 1960er Jahren erlebt. Die Krisen der Weltwirtschaft seit dem Jahr 2007 haben über verschiedene Kanäle Rückwirkungen auf Afrikas Wirtschaft. Die einzelnen Länder sind allerdings unterschiedlich stark betroffen.Hans-Heinrich Bass, Hans-Hermann Steinbeck: Afrika im Sog der Euro-Krise. GIGA Focus Global, Nr. 2, Hamburg 2013, . Abgerufen am 21. Februar 2014. Einzelne Länder sind im Aufbruch: weniger Konflikte, mehr demokratische Wahlen, mehr friedliche Machtwechsel. Die Wirtschaft entwickelt sich.. Webseite der Bundesregierung. Abgerufen am 22. Februar 2014. Die durchschnittliche Wachstumsrate lag bei fast 6 %, mehrere afrikanische Länder gehören zu den weltweit am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften (siehe auch: Next Eleven). Auch die globale Finanz- und Wirtschaftskrise sorgte nur für eine kurzfristige Abschwächung des Wachstums in Subsahara-Afrika. Nach Angaben der Weltbank lag es im Jahr 2010 bei 5,1 %.
Wirtschaftskraft und Potenzial der Regionen mini|Bruttoinlandsprodukt pro Kopf in US-Dollar (Studie der Weltbank, 2002)
Hinsichtlich der Entwicklung der Wirtschaft bestehen beträchtliche Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern Afrikas sowie auch innerhalb der Staaten. Die städtischen Regionen, insbesondere die Hauptstädte, sind oftmals wesentlich besser entwickelt als die meist dünn besiedelten, ländlichen Gebiete. Des Weiteren besteht in Afrika häufig eine sehr große soziale Ungleichheit zwischen einer kleinen, reichen Oberschicht und der Bevölkerungsmehrheit. Solche Strukturen sind vor allem durch die Kolonisierung und den daraus folgenden Kulturwandel von den traditionellen Gesellschaftsformen hin zu europäisch geprägten Werten und Normen entstanden.Der Vorwurf von kultureller Dominanz und Neokolonialismus. In: Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn, 5. Dezember 2005.
Die wohlhabendsten Länder befinden sich nördlich der Sahara und im Süden des Kontinents. Nordafrika war lange Zeit eng mit der Wirtschaft Europas und der des Nahen Ostens verbunden. Im Süden befinden sich mit Südafrika und Botswana die höchstentwickelten Staaten des Kontinents, deren wirtschaftliche Stärke auch die Nachbarstaaten beeinflusst. In Angola, Gabun und Äquatorialguinea begünstigt der Ölreichtum die wirtschaftliche Entwicklung der Länder. Prekär hingegen ist die Lage insbesondere in Niger, Tschad, der Zentralafrikanischen Republik und der Demokratischen Republik Kongo in Zentralafrika sowie in Somalia am Horn Afrikas.Steffen Kröhnert, Simon Müller, Florian Sievers, Reiner Klingholz: Fünf Löwen auf dem Sprung?. Webseite des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung. Abgerufen am 23. Februar 2014.
Von besonderer Bedeutung für die wirtschaftliche Entwicklung in Subsahara-Afrika ist das andauernd hohe Bevölkerungswachstum. Es betrug zwischen 1960 und 2000 im Mittel 3 %,Abfrage bei der Weltbank gleichzeitig wuchs die Wirtschaft im Mittel nur um 2 %. Dies hatte zur Folge, dass das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf der afrikanischen Staaten ohne Südafrika von 525 US-Dollar 1970 auf 336 US-Dollar im Jahr 1997 fiel.Nepad: (PDF; 126 kB) Schließt man das wirtschaftlich unverhältnismäßig starke Südafrika aus, so stieg das BIP pro Kopf zwischen 1960 und 2004 zwar von 425 auf 536 US-Dollar, gleichzeitig fiel das kaufkraftbereinigte BIP pro Kopf von 1922 US-Dollar 1975 auf 1811 US-Dollar 2004.Der Fischer Weltalmanach aktuell Afrika, Fischer-Verlag Frankfurt; 2. Auflage 2007, ISBN 978-3-596-72305-8 Dank einer Beschleunigung des wirtschaftlichen Wachstums im frühen 21. Jahrhundert stieg das kaufkraftbereinigte BIP pro Kopf danach bis 2018 auf 3969 US-Dollar.
Seit Mitte der 1990er Jahre erlebt Afrika erstmals seit 1960 wieder zunehmendes Wirtschaftswachstum. Die Gründe hierfür sind vielfältig. In erster Linie tragen erneut gestiegene Rohstoffpreise und erhöhte ausländische Direktinvestitionen, vor allem aus der Volksrepublik China, dazu bei. Auch die seit etwa 1990 auch in Afrika stattfindende Demokratisierung und eine damit verbundene bessere Regierungsführung tragen zur Verbesserung bei, ebenso die Beendigung zahlreicher Bürgerkriege sowie ein weitreichender Schuldenerlass. 2004 betrug das Wirtschaftswachstum in Afrika 5,1 %, im ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts lag die durchschnittliche Wachstumsrate bei fast 6 %, was jedoch immer noch unter dem anderer Wachstumsregionen wie Ostasien oder Lateinamerika liegt. Mehrere afrikanische Länder gehören zu den weltweit am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften.
Gemäß einer Studie des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung haben folgende zehn Küstenländer das größte Potenzial: im Süden Südafrika und Namibia, im Norden Marokko, Tunesien und Ägypten. Dazu noch Senegal, Gambia, Ghana, Gabun und Mauritius. Nigeria mit 170 Millionen Einwohnern und einem BIP von umgerechnet gut 372 Milliarden Euro im Jahr 2013 hat inzwischen Südafrika mit einem BIP von knapp 229 Milliarden Euro als größte Volkswirtschaft auf dem Kontinent abgelöst.. In: Reuters.de, 7. April 2014. Abgerufen am 8. April 2014. Doch wirkten sich die politische Instabilität und die schlechten Lebensbedingungen negativ aus. Kenia habe zwar eine expandierende Wirtschaft, die mehr und mehr ausländische Unternehmen anlockt, doch schaffe es das Land nicht, die wachsende Bevölkerung zu ernähren und medizinisch zu versorgen.Philipp Sandner: Afrikas schlummerndes Wirtschaftspotenzial, 13. September 2012. Webseite der Deutschen Welle. Abgerufen am 22. Februar 2014. +Bruttoinlandsprodukt (BIP) Subsahara-Afrika 1960–2018JahrBruttoinlandsproduktin $ in Mio.Bruttoinlandsproduktin $ (KKP) in Mio.Bruttoinlandsproduktin $ pro KopfBruttoinlandsproduktin $ pro Kopf (KKP)Anteil an Welt-BIP in $(in Prozent)Prozent des weltweitenBIP pro Kopf in $ (KKP)196029.974...132...2,19 %...197064.569...222...2,18 %...1980272.116...709...2,43 %...1990336.946874.2076611.7161,49 %31,23 %2000396.8111.318.6975961.9821,18 %24,83 %20101.369.7352.800.3201.5763.2222,07 %25,03 %20181.699.4624.279.4481.5743.9691,98 %22,16 %
Geschichte mini|Alexandria, Sphinx aus Rosengranit, ptolemäisch
Frühzeit Nordafrika, insbesondere Ägypten, ist eine der Wiegen der menschlichen Zivilisation. Vor dem Aufstieg des Römischen Reiches war das antike Ägypten die fortschrittlichste Zivilisation der Menschheit. Der von Alexander dem Großen 331 v. Chr. gegründete Hafen von Alexandria war für Jahrhunderte der Mittelpunkt des Handels im gesamten Mittelmeerraum.
mini|links|Markt von Douz (Tunesien). Einst ein Handelspunkt für Karawanen durch die Sahara und heute ein Anziehungspunkt für westliche Touristen.
Südlich der Sahara verlief die Entwicklung anders. Die Wüste Sahara bildete trotz einzelner, seit der Antike bekannter Transsahararouten eine natürliche Barriere im Handel zwischen Nordafrika und Subsahara-Afrika, sodass die kulturelle und wirtschaftliche Entwicklung der Regionen südlich der Sahara anders verlief. Nur von der Region am Horn von Afrika (Nubien, Äthiopien, Somalia) bestanden intensivere Kontakte zum Mittelmeerraum, wodurch sich diese Region bis heute kulturell vom übrigen Afrika unterscheidet.
Im ersten Jahrtausend n. Chr. war das Königreich von Aksum die bedeutendste Handelsmacht an der Ostküste Afrikas. Das Königreich von Aksum unterhielt eine starke Flotte und hatte Handelsbeziehungen vom byzantinischen Reich bis nach Indien. In dieser Zeit entstanden eine Reihe mächtiger und ausgedehnter Reiche in der westlichen Sahelzone wie das Reich von Ghana, Kanem-Bornu oder später Mali. Es bestand ein florierender Karawanenhandel mit dem muslimischen Nordafrika, Haupthandelsgüter waren Salz, Stoffe und Waffen, die gegen Gold und Sklaven aus Subsahara-Afrika getauscht wurden. Die Araber spielten auch eine bedeutende Rolle beim Aufbau eines florierenden maritimen Handels entlang der Ostküste des afrikanischen Kontinentes, der im Süden bis Kilwa Kisiwani reichte. Die Swahili profitierten vor allem durch den Handel mit Elfenbein und Sklaven, die bis nach Indien exportiert wurden.
In der dicht besiedelten und landwirtschaftlich gut entwickelten Region um die großen Seen Afrikas entwickelten sich zentralisierte, staatlich organisierte Gesellschaften. Im südlichen Afrika gab es keine größeren Staaten, eine bemerkenswerte Ausnahme war lediglich das Munhumutapa-Reich im heutigen Simbabwe.
Seehandel mit Europa