#ActOut (von englisch to act out „vorführen, durchspielen“, sowie to act „schauspielern“ und out „heraus“ wie in Coming-out; mit Hashtag #) ist der Name einer gesellschaftspolitischen Initiative und ihres Manifests, das mehr Akzeptanz und Anerkennung von LGBT-Personen sowohl in der Gesellschaft wie innerhalb der deutschsprachigen Film-, Fernseh- und Theaterbranche fordert. Es wurde am 5. Februar 2021 veröffentlicht als gemeinsames Coming-out der 185 „Schauspieler*innen“ als lesbisch, schwul, bisexuell, transgender, queer, intergeschlechtlich oder nichtbinär. Initiiert wurde #ActOut durch Karin Hanczewski, Eva Meckbach, Godehard Giese und Mehmet Ateşçi.
Inhalt des Manifests Das Manifest wurde am 5. Februar 2021 im Magazin der Süddeutschen Zeitung veröffentlicht, begleitet von ausführlichen Interviews auf insgesamt 14 Seiten.Vorstellung Heft 5: „Wir sind schon da“. In: Süddeutsche Zeitung Magazin. 5. Februar 2021, abgerufen am 8. Februar 2021. Für viele der Beteiligten bedeutete die Aktion ein Coming-out in Form eines Selbstbekenntnisses zur eigenen privaten Lebensweise.Meldung (dpa): Initiative #actout: 185 Schauspielerinnen und Schauspieler outen sich und veröffentlichen Manifest. In: FAZ.net. 4. Februar 2021, abgerufen am 7. Februar 2021.Meldung (dpa): Versteckspiel „ist jetzt vorbei“: TV-Stars offenbaren sexuelle Orientierung. In: n-tv.de. 4. Februar 2021, abgerufen am 7. Februar 2021. Zeitgleich wurde der Text auf einer eigenen Website veröffentlicht.Mehmet Ateşçi im Gespräch: Queere Initiative #actout: Ein Manifest für mehr Sichtbarkeit. In: Deutschlandfunk Kultur. 4. Februar 2021, abgerufen am 8. Februar 2021 (mit Audio: 6:37 Minuten). Schnell wurde die Initiative in sozialen Medien verbreitet, der Text war bald in 16 Sprachen abrufbar.
Das Manifest #ActOut beginnt mit einer Selbstdarstellung:
Die Unterzeichnenden möchten einen Denkanstoß auslösen und wenden sich gezielt an „Agent*innen, Caster*innen, Kolleg*innen, Produzent*innen, Redakteur*innen, Regisseur*innen“ (mit typografischem Gendersternchen). Auslöser sind negative Erfahrungen, die viele schauspielerisch Tätige während ihrer Karriere machen mussten, wenn es um ihre eigene sexuelle Identität beziehungsweise Orientierung oder um ihre Geschlechtsidentität beziehungsweise ihr Gender geht. So schilderte beispielsweise Karin Hanczewski im Interview mit dem SZ-Magazin, dass sie vor einem Coming-out in Hinsicht auf die Besetzung weiterer Rollenangebote gewarnt worden sei, nachdem sie für die Krimireihe Tatort besetzt wurde. Entsprechend hebt das Manifest hervor:
Die Unterzeichnenden geben an, dass sie selbst im Berufsleben nicht offen mit ihrem Privatleben umgehen konnten, ohne dadurch berufliche Nachteile befürchten zu müssen. Es gehe ihnen vor allem darum, mehr Sichtbarkeit und Verständnis für Diversität zu schaffen und auch innerhalb von Filmen und Serien im Sinne sozialer Inklusion mehr „Facetten“ zu zeigen: „Unsere Gesellschaft ist längst bereit. Die Zuschauer*innen sind bereit. Unsere Branche soll für ein Miteinander stehen und in ihrer Vielfältigkeit die Gesellschaft abbilden.“
Das Manifest endet mit den Worten:Philipp Jedicke: Diversität – #actout: 185 Schauspieler*innen outen sich. In: Deutsche Welle. 5. Februar 2021, abgerufen am 7. Februar 2021.
Mitinitiatorin Eva Meckbach erklärte am Tag der Veröffentlichung: „Als […] in den 90er-Jahren der Film Aimée & Jaguar herauskam, bin ich mit dem Zug nach Ulm ins Kino gefahren und habe das mit meiner ganzen Seele aufgesogen. Diese Geschichten erzählt zu bekommen, aber auch Vorbilder zu haben wie Maren Kroymann, Ulrike Folkerts oder Hape Kerkeling – das war unglaublich wichtig, damit man selber spürt: Wer darf ich sein in dieser Welt? Wer kann ich sein in dieser Welt? Das werden viele Menschen nachvollziehen können, dass man Vorbilder braucht, an denen man wachsen kann. Deswegen waren wir davon überzeugt, dass diese Sichtbarkeit ganz wichtig ist, um dieses Statement zu setzen.“
Erstunterzeichnende 185 schauspielerisch tätige Personen aus dem deutschsprachigen Film-, Fernseh- und Theaterbereich haben den Text des Manifests erstunterschrieben; einige haben ihre Personalpronomen angegeben, auch das englische they (geschlechtsneutral, nichtbinär) oder, dass sie eine Ansprache ohne Pronomen wünschen:Manifest #ActOut: Die 185+ Unterzeichner*innen. In: act-out.org. 2025, abgerufen am 4. Mai 2025.
Beim Coming-out am 5. Februar 2021 hatte die Mitinitiatorin Karin Hanczewski im Interview angekündigt, dass einige weitere schauspielerisch Tätige sich zum aktuellen Zeitpunkt nicht dem Manifest anschließen wollten, es aber zu einem späteren Zeitpunkt nicht ausschließen würden. In der Folge werden auf der Manifest-Website „185+ Unterzeichner*innen“ gelistet, inklusive einiger Angaben zu persönlichen Pronomen. Bis Mai 2025 haben über 400 schauspielerisch Tätige unterschrieben.
Rezeption Die Deutsche Filmakademie (DFA) erklärte am Tag der Veröffentlichung ihre offizielle Unterstützung: „Wir möchten allen Beteiligten von #actout zu diesem Schritt gratulieren und betonen, dass wir an ihrer Seite stehen. Dieser solidarische Schritt ist enorm wichtig. Wir unterstützen die Forderung von #actout, andere sexuelle und Geschlechtsidentitäten sichtbar zu machen.“Deutsche Filmakademie: Die Deutsche Filmakademie steht an der Seite der Initiative #actout. In: Deutsche-Filmakademie.de. 5. Februar 2021, abgerufen am 7. Februar 2021.
Auch die Filmgesellschaft UFA erklärte am 5. Februar ihre Solidarität und zitierte ihren CEO Nico Hofmann: „Das SZ Magazin und die Initiative #actout machen stolz. Ein kraftvoller Appell für Toleranz, Offenheit und für alle Beteiligten – ein Beleg der eigenen Souveränität!“UFA GmbH: Nouvelles: Im heutigen SZ Magazin outen sich 185 … In: fr.LinkedIn.com. 5. Februar 2021, abgerufen am 7. Februar 2021. Im November 2020 hatte die UFA eine Selbstverpflichtung zu „mehr Diversität in deutschen Filmen und Serien“ abgegeben; sie strebe an, „die Gruppen Gender, People of Color, LGBTIQ+ und Menschen mit Beeinträchtigungen so abzubilden, wie es ihrem Anteil an der Bevölkerung entspricht.“Philipp Jedicke: Film: Mehr Diversität in deutschen Filmen und Serien. In: Deutsche Welle. 27. November 2020, abgerufen am 7. Februar 2021.
Das Filmfestival Max Ophüls äußerte „größten Respekt, Solidarität und die vollste Unterstützung für #ActOut!“Filmfestival Max Ophüls: „Die Welt verändert sich, wir tragen …“ In: Facebook. 5. Februar 2021, abgerufen am 7. Februar 2021. Der Twitter-Account der Berlinale verlinkte das Manifest und erklärte auf Englisch: “We fully support their more diverse & inclusive vision of cinema” (Wir unterstützen vollends ihre diversere und inklusivere Vision von Kino).Internationale Filmfestspiele Berlin: Today in Germany, 185 actors publicly came out… In: Twitter. 5. Februar 2021, abgerufen am 7. Februar 2021.
Antoine Monot, Jr., Vorstandsmitglied des Bundesverbandes Schauspiel (BFFS), erklärte gegenüber dpa: „Wir unterstützen das und solidarisieren uns mit den 185, die sich geoutet haben […] Ich finde es ganz wichtig, dass man 2021 frei leben kann. […] Dieser Schritt zeigt vielen anderen, was möglich ist“.
Der Aktivist und Filmemacher Rosa von Praunheim hatte den SZ-Artikel sofort erfreut bei Facebook verlinkt, zusammen mit einer Regenbogenfahne (23px|text-unten|verweis=Regenbogenfahne|Regenbogenfahne). Die ARD-Talkerin Anne Will hatte das Manifest umgehend auf Twitter kommentiert: „Das ist stark“.Meldung: Manifest #actout: 185 Stars fordern mit ihrem Coming-out mehr Vielfalt. In: WDR.de. 5. Februar 2021, abgerufen am 7. Februar 2021 (mit Audio: 9:16 Minuten; verfügbar bis 5. Februar 2022). Jenny Luca Renner, LGBT-Vertreterin im ZDF-Fernsehrat, hatte die Aktion gegenüber dpa begrüßt: „Die Kraft und den Schutz der Masse genutzt. Großartig“. Renner wies darauf hin, dass selbst Künstleragenturen queeren Personen von einem öffentlichen Coming-out abraten würden – aus Angst, keine Hetero-Rollen mehr angeboten zu bekommen.Meldung (dpa): Actout: Ein Manifest für Anerkennung. In: Wiener Zeitung. 5. Februar 2021, abgerufen am 9. Februar 2021
In mehreren Ländern berichteten Medien über die Initiative, die zwischenzeitlich auf 16 Sprachen veröffentlicht wurde. Die US-amerikanische Transgender-Schauspielerin Jamie Clayton bezeichnete die Aktion als „episch“. Der Hollywood Reporter, US-Fachzeitschrift der Filmindustrie, brachte einen eigenen Artikel zu #ActOut.
Das Kölner LGBT-Onlinemagazin Queer.de dokumentierte ein Statement der 2019 gegründeten Berliner Initiative Queer Media Society (QMS) zum gemeinsamen Coming-out der 185 Schauspielstars: „Allein schon der Vorgang, jemandem im Branchenkontext zu raten, sich nicht zu outen, ist diskriminierend. Egal, wie ‚gut gemeint‘ das sein mag.“ QMS habe die Vorbereitungen des Manifests begleitet, ebenso die Januarausgabe von Maren Kroymanns Comedysendung Kroymann, bei der fast der gesamte Cast „mit queeren Schauspielenden besetzt“ war. Auch sprach das Magazin von einem „demonstrativen Schulterschluss der Deutschen Filmakademie (DFA), der Deutschen Akademie für Fernsehen (DAfF) und dem Bundesverband Schauspiel“ mit den Unterzeichnenden.Redaktion: Standpunkt – Massen-Coming-out: Bei #ActOut geht es um weit mehr als Queerness. In: Queer.de. 8. Februar 2021, abgerufen am 9. Februar 2021.
Der Lesben- und Schwulenverband in Deutschland (LSVD) erklärte: „Wir finden die Initiative wichtig und toll. […] Zudem sorgt die Verbindung des Coming-outs mit einem politischen Statement für eine notwendige Diskussion in der ganzen Branche.“ Der LSVD hatte bereits 2019 öffentlich das Fernsehen in Deutschland kritisiert: „Die Lebensrealität von Lesben, Schwulen und Trans kommt so gut wie gar nicht vor“.Redaktion: Darstellung Homosexueller im Fernsehen ist realitätsfern. In: DigitalFernsehen.de. 19. Juni 2019, abgerufen am 3. März 2021.
Sebastian Andrae, Geschäftsführender Vorstand vom Verband Deutscher Drehbuchautoren (VDD), merkte an: „Ich glaube, es ist eine dringend notwendige und hoffentlich auch wirkungsvolle Aktion. […] Es gibt gerade im öffentlich-rechtlichen Spektrum zu wenig Versuche, andere Lebenswirklichkeiten zu zeigen. Das zeigt sich nicht nur bei der sexuellen Orientierung, sondern durch die Bank. Da sind alle aufgerufen, vor allem auch die Fernsehentscheider, das Leben in seiner Buntheit abzubilden.“Sebastian Andrae im Interview: Drehbuchautor zu #ActOut: „In den Fernsehanstalten wird zu wenig gewagt“. In: Deutschlandfunk Kultur. 9. Februar 2021, abgerufen am 12. Februar 2021 (mit Audio: 8:53 Minuten).