Der Novavax COVID-19-Impfstoff (Entwicklungsnamen NVX-CoV2373, in Japan TAK-019, Handelsname: Nuvaxovid (Europa u. a.), Covovax (Indien u. a.), in den USA: Novavax COVID-19 Vaccine, Adjuvanted), ist ein vom US-amerikanischen Pharmaunternehmen Novavax und der Coalition for Epidemic Preparedness Innovations (CEPI) entwickelter COVID-19-Impfstoff. Nuvaxovid ist ein Untereinheitenimpfstoff auf Proteinbasis (im weiteren Sinne ein „Totimpfstoff“).
Am 20. Dezember 2021 erteilte die EU-Kommission basierend auf der Empfehlung der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) die – zunächst bedingte – Zulassung des Impfstoffs. Die Impfungen begannen in Deutschland ab dem 25. Februar 2022. Die Zulassung wurde im Oktober 2025 auf Sanofi Winthrop übertragen.Durchführungsbeschlusse der Kommission vom 1.10.2025 über die Übertragung und Änderung der mit dem Beschluss C(2023)4652 final erteilten Zulassung des Humanarzneimittels „Nuvaxovid - COVID-19-Impfstoff (rekombinant, adjuvantiert)“ (PDF) auf ec.europa.eu. Abgerufen am 5. Oktober 2025. In den USA ist Nuvaxovid seit Mai 2025 für die Vermarktung zugelassen, zuvor war die Anwendung ab Juli 2022 als Notfallgebrauch (emergency use) möglich gewesen.Novavax COVID-19 Vaccine, Adjuvanted, abgerufen am 5. Oktober 2025.
Eigenschaften mini|Modellhafte Darstellung von NVX-CoV2373: Ein Nanopartikel entsteht durch Zusammenlagerung der rekombinant gewonnenen Spike-Proteine um einen mizellaren Polysorbat-80(PS80)-Kern.J. H. Tian, N. Patel, R. Haupt, H. Zhou, S. Weston, H. Hammond, J. Logue, A. D. Portnoff, J. Norton, M. Guebre-Xabier, B. Zhou, K. Jacobson, S. Maciejewski, R. Khatoon, M. Wisniewska, W. Moffitt, S. Kluepfel-Stahl, B. Ekechukwu, J. Papin, S. Boddapati, C. Jason Wong, P. A. Piedra, M. B. Frieman, M. J. Massare, L. Fries, K. L. Bengtsson, L. Stertman, L. Ellingsworth, G. Glenn, G. Smith: SARS-CoV-2 spike glycoprotein vaccine candidate NVX-CoV2373 immunogenicity in baboons and protection in mice. In: Nature Communications. Band 12, Nummer 1, 01 2021, S. 372, , PMID 33446655, . Verstärkt wird die immunogene Wirkung durch das Adjuvans Matrix-M, mit käfigartiger Struktur.Karin Lövgren Bengtsson: Matrix M Adjuvant Technology. In: Novel Immune Potentiators and Delivery Technologies for Next Generation Vaccines (Singh, M. (Ed.)., Springer, 2013). doi:10.1007/978-1-4614-5380-2 NVX-CoV2373 ist ein Proteinuntereinheitenimpfstoff, dessen Wirkstoff winzige Partikel (Nanopartikel) sind, die auch als virusähnliche PartikelAntrag auf bedingte Zulassung des COVID-19-Impstoffs Nuvaxovid von Novavax gestellt, PEI, 11. November 2021.Y.H. Chung, V. Beiss, S.N. Fiering, N.F. Steinmetz: COVID-19 Vaccine Frontrunners and Their Nanotechnology Design. ACS Nano, Band 14, Nr. 10, 2020. 12522–12537. doi:10.1021/acsnano.0c07197.P. Moitra, M. Alafeef, K. Dighe, M.B. Frieman, D. Pan: Selective Naked-Eye Detection of SARS-CoV-2 Mediated by N Gene Targeted Antisense Oligonucleotide Capped Plasmonic Nanoparticles. ACS Nano. Band 14, Nr. 6. 2020. 7617–7627. doi:10.1021/acsanm.0c01978. (VLP) beschrieben werden. Diese Partikel entstehen durch spontane Zusammenlagerung aus rekombinant hergestellten Spike-Glykoproteinen (rS) des SARS-CoV-2 und enthalten keine genetische Information in Form von DNA oder RNA. NVX-CoV2373 enthält pro Dosis 5 Mikrogramm an Spike-Proteinen in einem halben Milliliter Flüssigkeitsvolumen.European Medicines Agency: Nuvaxovid Product Information, Annex I–III Der Impfstoff wird intramuskulär injiziert. Zur Verstärkung der Immunantwort enthält die Formulierung ein Matrix M-1 genanntes Adjuvans auf Saponinbasis. Die Saponine werden aus der Rinde des chilenischen Seifenrindenbaumes (Quillaja saponaria) extrahiert. Das Adjuvans Matrix-M besteht aus den Fraktionen A (42,5 Mikrogramm pro Dosis) und Fraktion C (7,5 Mikrogramm pro Dosis) des Extrakts von Quillaja saponaria Molina sowie den Lipiden Cholesterol und Phosphatidylcholin. Weitere Inhaltsstoffe sind Polysorbat 80, verschiedene Salze zur Einstellung des pH-Werts (Puffersubstanzen) und zur Einstellung der Tonizität sowie Wasser. Bei der weiteren Verarbeitung bilden die Proteine Nanopartikel mit einem hydrodynamischen Durchmesser von durchschnittlich 27,2 Nanometern, wobei ein rS-Nanopartikel sich aus bis zu 14 Protein-Trimeren (= Spike-Proteinen) zusammensetzt, deren Transmembrandomänen in einer Polysorbat-80-haltigen Mizelle eingelagert sind.
Die Herstellung der Spike-Proteine erfolgt mit einem rekombinanten Baculovirus in Insektenzellkultur (insect cell-baculovirus expression vector system, IC-BEVS) mittels Zelllinien aus den Ovarien des Nachtfalters Spodoptera frugiperda (Sf-9-Zellen). Die Sf-9-Zellen werden mit einem Baculovirus infiziert, das genetisch in einer Weise verändert ist, dass es die Sf-9-Zellen zur Bildung von Spike-Protein veranlasst. Die Sf-9-Zellen exprimieren die Spike-Proteine in der Präfusionskonformation auf ihrer Oberfläche, von wo aus sie extrahiert und gereinigt werden. Die Proteinfaltung vor der Fusion mit der Endosomenmembran (Präfusionskonformation) ist durch den Austausch zweier Aminosäuren (K986P, V987P) im Protein stabilisiert. Zusätzlich besteht eine Mutation in der Furin-Spaltstelle, die eine Spaltung durch wirtseigene Furin-artige Proteasen und damit die Aktivierung des Proteins verhindert.
Wirkungsweise Das Immunsystem eines Geimpften identifiziert die mit dem Impfstoff zugeführten Proteinpartikel als fremd und erzeugt eine humorale Immunantwort in Form von Antikörpern. Kommt es später zu einer Infektion mit SARS-CoV-2, erkennt das Immunsystem das Spike-Protein des Virus und mobilisiert die Abwehr. Die Antikörper der B-Zellen können vor COVID-19 schützen, indem sie das Virus einem Abbau zuführen, seinen Eintritt in die Körperzellen behindern und infizierte Zellen zerstört werden.Young Hun Chung, Veronique Beiss, Steven N. Fiering, Nicole F. Steinmetz: COVID-19 Vaccine Frontrunners and Their Nanotechnology Design. In: ACS Nano. 14, 2020, S. 12522, . Die Impfung mit NVX-CoV2373 schützte in klinischen Studien zu 96 % vor einem symptomatischen Krankheitsverlauf.I. Hadj Hassine: Covid-19 vaccines and variants of concern: A review. In: Reviews in Medical Virology. [elektronische Veröffentlichung vor dem Druck] November 2021, , PMID 34755408, .
Nebenwirkungen Sehr häufige (bei >10 % der Geimpften) unerwünschte Arzneimittelwirkungen nach Impfung umfassen Berührungsempfindlichkeit an der Einstichstelle in 75 % der Geimpften, Schmerzen an der Einstichstelle (62 %), Müdigkeit (53 %), Muskelschmerzen (Myalgie, 51 %), Kopfschmerzen (50 %), Unwohlsein (41 %), Gelenkschmerzen (Arthralgie, 24 %) und Übelkeit oder Erbrechen (15 %). Häufige unerwünschte Arzneimittelwirkungen (bei 1 – 10 % der Geimpften) umfassen Rötung an der Einstichstelle, Schwellung an der Einstichstelle, Erwärmung an der Einstichstelle, Schüttelfrost und Schmerzen in einer Extremität.
Studien Im Mai 2020 begann die erste klinische Studie zum Impfstoffkandidat NVX-CoV2373.Human trials of potential coronavirus vaccine begin in Melbourne Ergebnisse der Phase-I/II-Studien wurden am 2. September 2020 im The New England Journal of Medicine veröffentlicht.C. Keech, G. Albert, I. Cho, A. Robertson, P. Reed, S. Neal, J. S. Plested, M. Zhu, S. Cloney-Clark, H. Zhou, G. Smith, N. Patel, M. B. Frieman, R. E. Haupt, J. Logue, M. McGrath, S. Weston, P. A. Piedra, C. Desai, K. Callahan, M. Lewis, P. Price-Abbott, N. Formica, V. Shinde, L. Fries, J. D. Lickliter, P. Griffin, B. Wilkinson, G. M. Glenn: Phase 1-2 Trial of a SARS-CoV-2 Recombinant Spike Protein Nanoparticle Vaccine. In: The New England Journal of Medicine. Band 383, Nummer 24, 12 2020, S. 2320–2332, , PMID 32877576, . Es wurden keine oder nur geringe und kurz andauernde unerwünschte Reaktionen festgestellt. Außerdem übertraf die Impfwirkung die Immunität von Genesenen in Hinblick auf IgG- und neutralisierende Antikörper.N. C. Kyriakidis, A. López-Cortés, E. V. González, A. B. Grimaldos, E. O. Prado: SARS-CoV-2 vaccines strategies: a comprehensive review of phase 3 candidates. In: NPJ vaccines. Band 6, Nummer 1, Februar 2021, S. 28, , PMID 33619260, .
Im September 2020 startete die erste Phase-III-Studie in Großbritannien mit 9.000 Teilnehmern. Im Dezember 2020 startete Novavax die Phase-III-Studie PREVENT-19 in den Vereinigten Staaten und Mexiko. Zwei Drittel der Teilnehmer erhielten zwei Impfstoffdosen im Abstand von 21 Tagen, ein Drittel ein Placebo. Bis Ende Januar 2021 wurden mehr als 16.000 Probanden aufgenommen. Im Februar 2021 wurden die letzten der 30.000 Freiwilligen in die Studie eingeschlossen, an der 118 Zentren weltweit teilnahmen.
Novavax gab Ende Januar 2021 Ergebnisse einer Phase-2b-Studie in Südafrika bekannt, die im August 2020 begonnen wurde und mehr als 4.400 Teilnehmer umfasste. Bis Mitte Januar wurden 15 Covid-19-Fälle in der NVX-Cov2373 geimpften sowie 29 Fälle in der Kontrollgruppe beobachtet. Ein Proband (in der Kontrollgruppe) entwickelte einen schweren Verlauf, die übrigen Fälle waren leicht oder moderat. Die berechnete Wirksamkeit liegt bei 49 Prozent, bei einem 95-Prozent-Konfidenzintervall zwischen 6,1 und 72,8 Prozent. Von 27 der 44 Fälle lagen bis dahin Sequenzierungen vor, 25 entfielen davon auf die „südafrikanische“ Variante B.1.351 (Beta).
Am 11. März 2021 wiederum gab der Hersteller aufgrund einer Phase-3-Studie im Vereinigten Königreich eine Wirksamkeit von 96 Prozent bekannt. Diese bezog sich auf den Schutz gegen durch das ursprüngliche Virus verursachte Covid-19-Erkrankungen jedweden Schweregrads, frühestens eine Woche nach der 2. Dosis. Gegen die B.1.1.7-Variante (Alpha) liege die Wirksamkeit bei 86 Prozent. Insgesamt wurden 106 Covid-19-Fälle beobachtet, davon 96 in der Kontrollgruppe und 10 in der geimpften Gruppe. Zwei Wochen nach der ersten Impfung lag die Wirksamkeit bei 83 Prozent.
Am 11. Juni 2021 veröffentlichte das Unternehmen in einem Preprint Daten, die zeigen, dass die Impfstoffe in Tier- und Humanstudien eine starke Immunogenität und einen starken Schutz sowohl gegen B.1.1.7 als auch gegen die B.1.351-Variante und das ursprüngliche SARS-CoV-2 aufweisen. Die Studien verglichen den auf B.1.351 gerichteten Impfstoff mit dem Prototyp-Impfstoffkandidaten von Novavax als eigenständigen, kombinierten und heterologen Prime-Boost-Impfstoff. Die Ergebnisse zeigen ein breites Spektrum zellulärer und humoraler Reaktionen in Tiermodellen gegen alle untersuchten Virusstämme. Die Stämme der Varianten B.1.1.7 und B.1.351 haben aufgrund der erhöhten Übertragungsraten und der stärkeren Immunevasion zu Bedenken hinsichtlich ihrer Wirksamkeit geführt.Immunogenicity and In vivo protection of a variant nanoparticle vaccine that confers broad protection against emerging SARS-CoV-2 variants, bioRxiv. Abgerufen am 15. Juni 2021.
Die Wirksamkeit bei etwa 14.000 Probanden wurden in einer einfach verblindeten Phase-3-Studie in Großbritannien untersucht, wobei etwa die Hälfte der Probanden zweimal ein Placebo erhielt, die andere zweimal 5 µg des Impfstoffes. Sie zeigte eine Schutzwirkung von 89,7 % gegen eine symptomatische COVID-19-Erkrankung mindestens sieben Tage nach der Zweitimpfung. Eine Nachanalyse der Daten zeigte eine gering reduzierte bis gleichwertige Wirkung gegen B.1.1.7 im Vergleich zu anderen damals verbreiteten Virusvarianten. In der Verumgruppe kam es zu keinen schwerwiegenden Nebenwirkungen. Die Studie trifft aufgrund der Probandenzahl und kurzen Beobachtungszeit keine valide Aussage zu selten auftretenden schweren Nebenwirkungen, worauf in einer Folgestudie eingegangen wird.P. T. Heath et al.: Safety and Efficacy of NVX-CoV2373 Covid-19 Vaccine. In: The New England Journal of Medicine. Band 385, Nummer 13, 09 2021, S. 1172–1183, , PMID 34192426, .
Zulassung Zulassung für die Grundimmunisierung