mini|Wappen von Henry of London Henry of London (auch Henry de Loundres) († 12. November 1228 in Dublin) war ein englischer Geistlicher. Ab 1213 war er Erzbischof von Dublin, dazu diente er von 1213 bis 1215 und von 1221 bis 1224 als königlicher Justiciar of Ireland.

Herkunft Henry of London entstammte der Kaufmannsfamilie Blund aus London. Er war ein jüngerer Sohn von Bartholomew Blund († 1201), einem Alderman der City of London. Obwohl Henry nie als Henry Blund bezeichnet wurde, gilt seine Abstammung als gesichert. Zu seinen Geschwistern gehörte der spätere Mayor von London James sowie der Alderman Robert Blund. Henry sorgte sich später um das Wohlergehen seiner Familie und unterstützte einige Angehörige großzügig.Ralph V. Turner: Men raised from the dust. Administrative service and upward mobility in Angevin England. Philadelphia, University of Pennsylvania Press 1998, ISBN 0-8122-8129-2, S. 104. Als jüngerer Sohn wurde er für eine geistliche Laufbahn bestimmt. Gelegentlich wird er als Magister bezeichnet, doch es gibt keinen Nachweis, wo er seine Ausbildung erhalten und ob er den akademischen Grad erlangt hat.

Aufstieg im Dienst für die englische Krone Henry of London wird erstmals nach 1192 erwähnt, als Hugh de Nonant, Bischof von Coventry ihm die Einkünfte der Kirche von Mayfield in Staffordshire übergab. Vermutlich durch weitere Förderung von Nonant wurde er um 1194 Archidiakon von Stafford. 1195 bot er König Richard I. eine Strafzahlung in Höhe von £ 200 an. Diese Strafe musste er wohl zahlen, da er wohl wie Bischof Nonant die Verschwörung von Graf Johann Ohneland gegen den König unterstützt hatte.Ralph V. Turner: Men raised from the dust. Administrative service and upward mobility in Angevin England. Philadelphia, University of Pennsylvania Press 1998, ISBN 0-8122-8129-2, S. 93. Als Johann Ohneland 1199 englischer König wurde, stand Henry in der Gunst des neuen Königs und begann eine Karriere in der königlichen Verwaltung. Zunächst erhob er zusammen mit Simon of Pattishall und dann mit William de Falaise Steuern in mehreren Grafschaften und Städten. 1200 überwachte er einen Transport des königlichen Schatzes. Vor 1205 hatte er eine Stellung im königlichen Haushalt erreicht. Dort diente er als Schreiber, überwachte den Eingang von Geldzahlungen, die Anlieferung von Wein oder die Versorgung der Jagdhunde. Henry diente aber auch als Diplomat. 1201 reiste er zum König von Navarra. 1204 gehörte er einer dreiköpfigen Delegation an, die den irischen Justiciar Meiler FitzHenry beraten sollte. Zugleich sollten sie dessen Vorwürfe gegen den mächtigen Baron William de Burgh überprüfen. Dann begleitete Henry den Justiciar, als dieser zu Verhandlungen mit dem irischen Kleinkönig Cathal Ó Conchobhair nach Connacht reiste. Als er nach England zurückkehrte, brachte er von William de Burgh gestellte Geiseln mit. Im Frühjahr 1208 reiste Henry als Gesandter zum römisch-deutschen Kaiser Otto, einem Cousin von Johann Ohneland. Weiterhin diente er als Richter. Ab Herbst 1204 gehörte er zu den Beamten, die die Besitzungen des verstorbenen Earl of Leicester verwalteten. Dann gehörte er zu den Richtern, die die Aufteilung der Ländereien zwischen den beiden Schwestern des kinderlos gestorbenen Earls überwachten. Ab Mai 1205 gehörte er zu den Richtern am Königshof, daneben nahm er an Gerichtsreisen durch mehrere Grafschaften teil.Ralph V. Turner: Men raised from the dust. Administrative service and upward mobility in Angevin England. Philadelphia, University of Pennsylvania Press 1998, ISBN 0-8122-8129-2, S. 94. Als wegen des Streits um die Einsetzung eines neuen Erzbischofs von Canterbury Papst Innozenz III. 1208 über England das Interdikt verhängte, blieb Henry als Hofbeamter im Gegensatz zu fast allen Bischöfen weiterhin ein loyaler Unterstützer des Königs. Im Juli 1208 gehörte er zu den Gesandten des Königs, die in Dover mit päpstlichen Gesandten und im August mit Stephen Langton, dem Kandidaten des Papstes für das Amt des Erzbischofs, verhandelten. 1209 verhandelte er erneut mit päpstlichen Gesandten, und nachdem der Papst den König exkommuniziert hatte, versuchte er die Bekanntgabe dieser schweren Kirchenstrafe möglichst lange hinauszuzögern. Nachdem die Exkommunikation bekannt geworden war, legte er sein Amt als Richter des Königs nieder, da dies mit seinem Stand als Geistlicher nicht mehr zu vereinbaren war. Henry übte diese vielfältigen und zahlreichen Aufgaben teils zugleich aus, dabei erledigte er sie effektiv, womit er als einer der typischen Hofbeamten der angevinischen Könige gilt.Ralph V. Turner: Men raised from the dust. Administrative service and upward mobility in Angevin England. Philadelphia, University of Pennsylvania Press 1998, ISBN 0-8122-8129-2, S. 91.

Aufstieg als Geistlicher Johann Ohneland belohnte Henrys Dienste großzügig. Durch den Einfluss des Königs erhielt er zahlreiche Pfründen und Benefiziate. Dazu gehörten neben mehreren Rektoraten das Amt des Dekans des Kollegiatstifts St Mary in Stafford sowie Kanonikerpfründen an den Kathedralen von Lincoln und Exeter. Die beiden Versuche des Königs, Henry zum Bischof in England wählen zu lassen, scheiterten aber. Seit etwa 1207 war Henry Verwalter der seit Tod von Bischof Henry Marshal 1206 vakanten Diözese Exeter. Auf Wunsch des Königs wurde er 1209 vom Kathedralkapitel zum Bischof gewählt, doch Erzbischof Langton erklärte die Wahl aufgrund des Interdikts für ungültig und weigerte sich, Henry zu weihen. Auch die Mönche des Kathedralpriorats von Coventry weigerten sich, Henry zum Bischof von Coventry und Lichfield zu wählen. Weitere Pfründen erhielt er von verschiedenen Magnaten. Henry hielt so eine eindrucksvolle Anzahl von geistlichen Ämtern, deren Anzahl die von anderen Beamten im Dienst des Königs weit übertraf. Durch die Einkünfte aus seinen Pfründen und Ämtern war er ein reicher Mann, dessen Einkünfte mit Sicherheit so hoch wie die von einigen Baronen waren.Ralph V. Turner: Men raised from the dust. Administrative service and upward mobility in Angevin England. Philadelphia, University of Pennsylvania Press 1998, ISBN 0-8122-8129-2, S. 96. Neben seinen geistlichen Ämtern konnte Henry durch die Gunst des Königs einige kleinere Vormundschaftsverwaltungen erwerben. Für die Verwaltung der Besitzungen des minderjährigen Erben von Oliver fitz Neal aus Cheshire bot er 1207 50 Mark, wobei er diese Gebühr erst 1219 vollständig bezahlte.Ralph V. Turner: Men raised from the dust. Administrative service and upward mobility in Angevin England. Philadelphia, University of Pennsylvania Press 1998, ISBN 0-8122-8129-2, S. 95.

Erzbischof von Dublin Ernennung zum Erzbischof und zum Justiciar Henry hatte offenbar das uneingeschränkte Vertrauen des Königs und gehörte zu seinen wenigen engen Freunden.Ralph V. Turner: Men raised from the dust. Administrative service and upward mobility in Angevin England. Philadelphia, University of Pennsylvania Press 1998, ISBN 0-8122-8129-2, S. 106. Er nahm 1210 nicht an dem Feldzug des Königs nach Irland teil, doch auf Veranlassung des Königs wurde er 1212 unangefochten zum Erzbischof von Dublin gewählt. Papst Innozenz III. bestätigte vor März 1213 die Wahl. Nach seiner Wahl reiste Henry jedoch nicht in seine Diözese, sondern blieb zunächst in England. Im Mai 1213 bezeugte er in Dover mit die Unterwerfung des Königs vor dem päpstlichen Legaten Pandulf. Kurz danach reiste er aber nach Irland. Wenig später machte König Johann deutlich, dass er weiterhin auf die guten Dienste von Henry setzte, als er ihn im Juli 1213 zum Justiciar of Ireland ernannte.Margaret Murphy: Balancing the concerns of church and state: the archbishops of Dublin, 1181–1228. In: Terence B. Barry u. a. (Hrsg.): Colony and frontier in medieval Ireland. Essays presented to James F. Lydon. Hambledon, London 1995, ISBN 1-85285-122-8, S. 50. Damit hatte Henry nun nicht nur die geistliche Führung, sondern auch die Leitung von Militär, Verwaltung und Justiz auf der Insel inne. Allerdings konnte er als Justiciar of Ireland noch über keinen großen Verwaltungsapparat zurückgreifen, und vermutlich erst 1222 wurde ein eigener königlicher Richter für Irland ernannt.Ralph V. Turner: Men raised from the dust. Administrative service and upward mobility in Angevin England. Philadelphia, University of Pennsylvania Press 1998, ISBN 0-8122-8129-2, S. 99. mini|Die während Henry of Londons Amtszeit als Erzbischof zur Kathedrale erhobene St. Patrick’s Cathedral in Dublin

Erste Amtszeit als Justiciar Vor August 1213 erreichte Henry Irland. Die nächsten 18 Monate verbrachte er in seiner neuen Diözese. Die anglonormannischen Barone unterstützten ihn, so dass er sie mit dazu bewegen konnte, während der innenpolitischen Krise in England loyal zum König bleiben. Dazu setzte er den Ausbau von Dublin Castle zur steinernen Festung sowie den Bau von weiteren strategisch wichtigen Burgen in der Umgebung der Stadt fort. Dazu gehörte Roscrea Castle, das er als Ausgangspunkt für einen erfolgreichen Feldzug gegen den irischen Häuptling Muirchertach Ó Briain nutzte. Der Burgenbau führte aber auch zu Protesten von irischen Geistlichen, die Henry vorwarfen, die Burgen widerrechtlich auf Kirchengrund errichtet zu haben. Im Mai 1215 verließ Henry Irland. Im Juni 1215 gehörte er zu den engsten Ratgebern des Königs, als der König unter dem Druck der Barone in Runnymede die Magna Carta anerkannte. Wenig später erteilte der König, beraten von Henry, den anglonormannischen Siedlern in Irland, vor allem in den Städten Dublin, Waterford und Dungarvan weitere Privilegien.Ralph V. Turner: Men raised from the dust. Administrative service and upward mobility in Angevin England. Philadelphia, University of Pennsylvania Press 1998, ISBN 0-8122-8129-2, S. 100. Am 15. Juli 1215 wurde Henry durch Geoffrey Marsh als Justiciar abgelöst, weil er nicht nach Irland zurückkehren, sondern nach Rom reisen wollte.

Aufenthalt in Rom