Carlo il Calvo (deutsch: ‚Karl der Kahle‘) ist eine Opera seria (Originalbezeichnung: „dramma per musica“) in drei Akten von Nicola Antonio Porpora (Musik) mit einem Libretto nach Francesco Silvanis Text für Benedetto Vinaccesis Oper L’innocenza giustificata aus dem Jahr 1698. Die Uraufführung von Porporas Oper fand im Frühjahr 1738 im Teatro delle Dame in Rom statt.
Handlung
Vorgeschichte
Die Vorgeschichte ist im Vorwort des Librettos folgendermaßen angegeben:
Kurzfassung
Erster Akt. Nach dem Tod von Lodovico Pio hat Lottario, sein Sohn aus erster Ehe, die Kaiserwürde übernommen. Er stattet Giuditta, der Witwe seines Vaters, einen Besuch ab. Lottario will nicht akzeptieren, dass ihr Sohn Carlo aufgrund eines spät geänderten Testaments einen Teil des Reichs erben soll. Giuditta versucht durch eine Ehe von Gildippe, ihrer Tochter aus erster Ehe, mit Lottarios Sohn Adalgiso eine Versöhnung herzustellen. Das will Lottario verhindern. Er hat mit dem Ritter Asprando einen heimlichen Verbündeten an Giudittas Hof, der ihn über alle Pläne seiner Rivalin informiert. Asprando hat bereits das Gerücht in die Welt gesetzt, dass Carlo gar nicht Lodovicos Sohn sei, sondern ein Spross von Giudittas Vertrautem Berardo, mit dem sie Ehebruch begangen habe. Berardo wiederum soll auf Giudittas Wunsch deren zweite Tochter Eduige heiraten. Vorerst stellt sich Adalgiso Giuditta gegenüber freundlich. Erst als sie ihm Carlo vorstellt, gibt er zu erkennen, dass er ihn nicht als Lodovicos Erben akzeptiert. Giuditta verbietet ihrer Tochter daraufhin die Verbindung mit Adalgiso. Als Lottario wenig später Giuditta und Berardo offen des Ehebruchs bezichtigt und deren und Carlos Tod befiehlt, verteidigt Adalgiso die Beschuldigten.
Zweiter Akt. Gildippe will dem Wunsch ihrer Mutter Folge leisten und ihre Beziehung zu Adalgiso lösen. Dieser versichert ihr jedoch nachdrücklich seine tiefe Liebe und wirft seinem Vater Tyrannei vor. Lottario gelingt es durch eine List Asprandos, Carlo in seine Gewalt zu bringen. Berardo macht sich sofort auf den Weg, ihn zu befreien. Während er Lottarios Palast stürmt, droht dieser, den Knaben zu töten. Adalgiso kann das jedoch verhindern, indem er seinem Vater mit Selbstmord droht. Lottario verspricht, Carlo seiner Mutter zurückzubringen.
Dritter Akt. Um seine und Giudittas Unschuld zu beweisen, fordert Berardo Asprando zum Duell. Adalgiso versichert Gildippe, dass er auf ihrer Seite stehe und für Carlos Rückkehr bürgen wolle. Er versteckt sich hinter der Tür, als Giuditta hereinkommt und Lottario ihr den Jungen bringt. Lottario schickt allerdings heimtückisch die Wachen hinaus und verschließt den Raum, um Giuditta ungestört zu erpressen: Sollte sie nicht unterschreiben, dass Carlo kein Sohn Lodovicos ist, werde er den Jungen in ihrem Beisein töten. Adalgiso kann Carlo jedoch in Sicherheit bringen und lässt die Wachen herein. Daraufhin gibt Lottario seine Pläne endgültig auf und versöhnt sich mit Giuditta. Das Duell zwischen Berardo und Asprando findet öffentlich im Amphitheater statt. Berardo bezwingt seinen Gegner und entwaffnet ihn. Er wird abgeführt. Giuditta und Berardo schwören Lottario Gefolgschaft. Der akzeptiert im Gegenzug die Mitregentschaft Carlos. Gildippe und Adalgiso sowie Berardo und Eduige können heiraten.
Erster Akt
Königlicher Hof im Palast von Giuditta
Szene 1. Der neue Kaiser Lottario ist soeben im Palast Giudittas eingetroffen. Asprando, ein in deren Dienst stehender Ritter, schwört ihm seine Treue und informiert ihn über die Absichten seiner Herrin: Sie beabsichtige, ihre Tochter Gildippe mit seinem Sohn Adalgiso zu vermählen, um ihrem eigenen Sohn Carlo den Thron zu sichern. Lottario will diese Pläne durchkreuzen. Asprando hat bereits das Gerücht gestreut, dass Giuditta ein Verhältnis mit ihrem Vertrauten Berardo habe und Carlo in Wirklichkeit dessen Sohn sei.
Szene 2. Die herzliche Begrüßung von Adalgiso und seinem Vater wird von Berardo unterbrochen, der für Giuditta und Gildippe um eine Audienz bittet. Lottario lässt sie mit geheuchelter Freundlichkeit eintreten (Lottario: „Vado nello splendore“).
Szene 3. Adalgiso hat im Verhalten seines Vaters eine gewisse Anspannung bemerkt und fragt Asprando nach dem Grund dafür. Asprando beruhigt ihn (Asprando: „Col passaggier talora“).
Szene 4. Auch Gildippe ist besorgt und lässt dies ihren Geliebten Adalgiso spüren. Adalgiso bemüht sich, ihre Laune zu verbessern (Adalgiso: „Tornate tranquille“).
Szene 5. Gildippe weiß nicht mehr, wie sie sich Adalgiso gegenüber verhalten soll, da sie seinem Vater nicht traut (Gildippe: „Sento, che in sen turbato“).
Giudittas Zimmer mit einem Baldachin
Szene 6. Berardo warnt Giuditta vor den geheimen Absichten Lottarios. Er rät ihr, das Heer zu vergrößern, und versichert ihr seine bedingungslose Treue (Berardo: „Sai, che fedel io sono“).
Szene 7. Giudittas möchte ihre zweite Tochter Eduige mit Berardo vermählen. Eduige versichert, dass sie ihr stets gehorchen wolle (Eduige: „Pender da’ cenni tuoi“).
Szene 8. Giuditta stellt Lottario ihren Sohn Carlo vor und weist auf dessen Ähnlichkeit mit seinem Vater Lodovico Pio hin. Lottario sieht diese aber nicht. Er behauptet, Carlos Gesicht lasse Berardos Streitsucht und Schamlosigkeit erkennen. Als Giuditta diese Beleidigung zurückweist, erklärt Lottario, dies sei die Meinung des ignoranten Pöbels. Er selbst habe nicht vor, sie zu entehren (Lottario: „Se rea ti vuole il Cielo“).
Szene 9. Empört über dieses Verhalten Lottarios verbietet Giuditta ihrer Tochter Gildippe, dessen Sohn zu heiraten (Giuditta: „Pensa, che figlia sei“).
Szene 10. Gildippe beklagt diese Entwicklung („Vedersi togliere“).Das Libretto enthält in I:10 Gildippes Arie „Vedersi togliere“. In Bayreuth wurde stattdessen die Arie „Se nell’amico nido“ gesungen.
Königlicher Thronsaal
Szene 11. Giuditta fordert Carlo auf, neben ihr auf dem Thron Platz zu nehmen, um einen Vorgeschmack auf seine künftige Regentschaft zu erhalten. Lottario ist allerdings der Meinung, dass er selbst darauf sitzen müsse. Asprando und Berardo versichern Giuditta und Carlo ihre Ergebenheit. Als Carlo die Stufen hinaufsteigen will, verhindert Lottario dies und beschuldigt Berardo des Ehebruchs mit der Kaiserin. Giuditta weist dies selbstverständlich zurück. Lottario befiehlt daraufhin den Wachen, sie, Carlo und Berardo zu töten. Da tritt Adalgiso vor und verteidigt die drei gegen seinen Vater. Giuditta tobt gegenüber der Grausamkeit Lottarios („Vorresti a me sul ciglio“).
Szene 12. Lottario ist wütend auf Adalgiso und will dessen Erklärungen nicht anhören.
Szene 13. Adalgiso ist verzweifelt („Saggio Nocchier che vede“).
Zweiter Akt
Garten
Szene 1. Gildippe möchte ihrer Mutter gehorchen und ihre Beziehung mit Adalgiso beenden. Der versichert ihr aber so glaubwürdig seine ungebrochene Liebe, dass Gildippe ihre Tränen kaum zurückhalten kann (Gildippe: „Se veder potessi il core“).
Szene 2. Als Lottario Adalgiso wegen seines Verhaltens wütend zur Rede stellen will, weist sein Sohn alle Anschuldigungen zurück. Er habe im Gegenteil durch sein Eingreifen Lottarios Ehre gerettet. Nur ein Tyrann würde seinen Thron auf diese Weise erobern (Adalgiso: „Taci, oh Dio!“).
Szene 3. Lottario unterdrückt schnell einen Anflug von Gewissensbissen. Asprando erläutert ihm seinen Plan, Carlo zu entführen. Durch seine Treue fühlt sich Lottario wieder gestärkt (Lottario: „Quando s’oscura il Cielo“).
Szene 4. Asprando teilt Giuditta mit, dass ihr Sohn im Palast nicht mehr vor den Nachstellungen Lottarios und seiner Leute sicher sei. Er überredet sie, ihm das Kind zu übergeben, damit er es in Sicherheit bringen kann (Asprando: „Temer della sorte“).
Szene 5. Giuditta lässt Carlo holen. Asprando verkleidet den Jungen als Schäfer und bringt ihn fort.
Szene 6. Giuditta erzählt Gildippe, dass sie Carlo ins Exil geschickt hat.
Szene 7.In Bayreuth wurde die Szene II:7 hinter II:10 gespielt. Gildippe erkennt sofort Asprandos Täuschungsmanöver. Sie hat bereits erfahren, dass Carlo Lottario übergeben wurde. Giuditta fleht Berardo an, ihren Sohn zu retten, und überlässt sich ihrer Wut (Giuditta: „Tu m’ingannasti, oh Dio“).
Szene 8. Auch Eduige bittet Berardo, sich Lottario entgegenzustellen. So viel Zuspruch macht Berardo zuversichtlich (Berardo: „Per voi sul Campo armato“).
Szene 9. Eduige und Gildippe unterhalten sich über ihre zunehmenden Liebesgefühle zu Berardo und Adalgiso (Gildippe: „Amore è un certo foco“).
Szene 10. Eduige fürchtet, dass das Schicksal ihre Verbindung mit Berardo zunichtemachen könnte (Eduige: „Il provido Cultore“).
Großer Platz vor dem Palast Lottarios mit Loggien über dem Rhein
Szene 11.Die Szene II:11 fehlte in der Bayreuther Aufführung. Berardo nähert sich mit seinen Soldaten dem Palast, in dem Carlo gefangen gehalten wird.
Szene 12. Asprando stürmt mit seinen Soldaten aus dem Tor. Berardo greift sie mit den Seinigen an. Nach einem kurzen Handgemenge ziehen sich Asprandos Leute in den Palast zurück und schließen das Tor. Während Berardos Soldaten sich anschicken, das Tor in Brand zu stecken, tritt Lottario mit Carlo auf die Loggia und droht damit, das Kind in den Fluss zu werfen.
Szene 13. In diesem Moment kommt Adalgiso aus dem Palast und kündigt an, sich selbst zu töten, sollte Lottario seine Drohung wahr machen. Da er seinen Sohn trotz allem nicht verlieren will, gibt Lottario nach und verspricht, Carlo seiner Mutter persönlich zurückzubringen. Berardo bringt ihr die gute Nachricht.
Szene 14. Adalgiso hofft, dass sich die Konflikte bald lösen lassen (Adalgiso: „Spesso di nubi cinto“).
Dritter Akt
Hof
Szene 1.Die Szene III:1 fehlte in der Bayreuther Aufführung. Berardo erzählt Eduige von dem Geschehen. Die beiden versichern sich ihrer Liebe (Eduige: „Quello, che sente il core“).
Szene 2. Berardo stellt Asprando wegen seines Verrats zur Rede. Der steht jedoch zu seiner Tat und will durch ein öffentliches Duell mit Berardo beweisen, dass eigentlich Giuditta die Verräterin sei. Berardo will an ihm ein Exempel statuieren (Berardo: „Su la fatal arena“).
Szene 3. Asprando wird von Schuldgefühlen geplagt (Asprando: „Piena di sdegno in fronte“).
Kabinett mit kleinem Schreibtisch
Szene 4. Gildippe ist verärgert über die Anwesenheit Adalgisos, dessen Vater so viel Leid über die Familie gebracht hat. Adalgiso erklärt ihr jedoch, dass er nur gekommen sei, um als Gegenpfand für Karls Freilassung zu bürgen. Daraufhin gewinnt Gildippes Liebe zu ihm wieder die Oberhand, und sie warnt ihn vor dem Zorn ihrer Mutter (Duett Adalgiso/Gildippe: „Dimmi che m’ami, o cara“).
Szene 5. Als Giuditta herein kommt, versteckt sich Adalgiso hinter der Tür.
Szene 6. Lottario bringt Carlo zu seiner Mutter und bittet sie, alle außer Carlo herauszuschicken, da er ihr seine Absichten nur persönlich mitteilen wolle. Nachdem dies geschehen ist, schließt er die Tür ab, bedroht Carlo mit dem Messer und zwingt Giuditta, zu unterschreiben, dass sie Ehebruch begangen habe und Carlo nicht Lodovicos Sohn sei. Giuditta versucht, ihm den Dolch zu entreißen. Als Lottario daher den Jungen für einen Moment loslassen muss, bringt ihn Adalgiso in Sicherheit, schließt die Tür auf und lässt die Wachen herein. Nach einer eindringlichen Rede Adalgisos gibt Lottario seine Vergehen zu und bittet Giuditta um Vergebung (Lottario: „So che tiranno io sono“).
Szene 7. Giuditta erkennt den Großmut Adalgisos an und ist bereit, ihm die Hand ihrer Tochter zu geben (Giuditta: „Questo che miri, o figlio“).
Szene 8. Adalgiso genießt sein Glück (Adalgiso: „Con placido contento“).
Prächtiges Amphitheater
Szene 9.Die Szene III:9 fehlte in der Bayreuther Aufführung. Der Zweikampf und alle Hinweise darauf in den folgenden Szenen waren ebenfalls gestrichen. Gildippe versichert ihrer ängstlichen Schwester Eduige, dass auch für sie und Berardo alles gut ausgehen werde.