Uns geht’s ja noch gold ist ein Roman von Walter Kempowski. Das Werk erschien 1972 und bildet den fünften Teil der Deutschen Chronik. Erzählt wird die Familiengeschichte der Jahre 1945 bis 1948 in Rostock.

Handlung Der Roman setzt nahtlos mit dem Schlussszenario von Tadellöser & Wolff ein: 1945, die Rote Armee marschiert in Rostock ein. Familie Kempowski erlebt Elend, Hunger, Plünderungen und Gewalttätigkeiten. Immerhin ist man nicht ausgebombt, hat noch etwas Geld, und zwischen Trümmerschutt und Ausgangssperren, Schwarzem Markt und Hamsterzügen versucht man, das bürgerliche Leben wieder aufzunehmen. Deswegen geht es einem ja noch »gold«.

Großvater de Bonsac, in Wandsbek ausgebombt, lebt und stirbt bei seiner Tochter in Rostock. Die Nachricht vom Tod Karl Kempowskis trifft ein. Es verbleiben Mutter Grethe und ihre Söhne Robert und Walter, die sich in den frühen Jahren der Sowjetischen Besatzungszone arrangieren müssen. Tochter Ulla ist mit ihrem Mann in Dänemark. Grethes Geschwister sind ebenso wie Tante Silbi im Westen.

Robert bringt wieder Schwung in die Familienfirma, während Walter in der Schule scheitert. Walter folgt einem guten Freund in den Westen, erst nach Hamburg, dann nach Wiesbaden. Er übergibt dem US-amerikanischen Geheimdienst CIC Konnossemente aus der Reederei, die beweisen, was die Sowjetunion an nicht vereinbarten Reparationsgütern aus ihrer Besatzungszone verschifft.

In der vermeintlichen Sicherheit eines Reisepapiers der US-Zone fährt er erneut nach Rostock, wo er umgehend verhaftet wird.

Personen (Auswahl)

Familie Verwandtschaftsverhältnisse der im Roman vorkommenden Familienmitglieder

Hertha de Bonsac Wohnt in Berlin, wo Walter sie auf seiner Fahrt in das Erzgebirge Anfang 1947 besucht. Sie ist mit Onkel Ferdinand verheiratet und hat drei Töchter, die auch schon verheiratet sind.

Wilhelm de Bonsac Vater von Grethe Kempowski. Er ist in Rostock, seitdem er in Wandsbek ausgebombt worden war (→ Tadellöser & Wolff; »alles verbrannt, verbrannt, verbrannt«). Er ist bei Kriegsende fast 80 Jahre alt und senil. Im Januar 1947 verstirbt er.

Grethe Kempowski, geb. de Bonsac Bei Kriegsende in Rostock. Hält die Wohnung im 2. Stock in Ordnung und freut sich, nicht ausgebombt zu sein. Sie zeigt einen nicht ermüdenden Willen, für ihren Vater und ihre Söhne zu sorgen und meistert alle Situationen aufrecht und stark. Nachdem der Beschluss gefasst ist, dass Walter in den Westen geht, macht sie sich daran, die wichtigsten Habseligkeiten in Päckchen und Paketen zu ihren Geschwistern nach Hamburg zu schicken, um sie dort später wieder nutzen zu können.

Karl Kempowski † Als Offizier im Osten eingesetzt hat man bei Kriegsende in Rostock keine Nachricht von ihm. Anfang 1946 kommt die Mitteilung, dass er eine Woche vor Kriegsende auf der Frischen Nehrung gefallen sei.

Robert Kempowski Ist bei Kriegsende Soldat und in Rostock hat man keine Nachricht von ihm. Trifft im Herbst 1945 aus sowjetischer Gefangenschaft wieder zuhause ein. Bringt die Firma wieder in Schwung. Anfang 1948 fährt er immer abends nach Warnemünde, weil er da „’ne kleine Freundin“ hätte.

Sylvia, geb. Kempowski (genannt Tante Silbi) lebt bei Kriegsende "arm wie eine Kirchenmaus" in Schleswig-Holstein. Als Walter die Schule verlassen muss, wird sein Verhalten mit ihrem verglichen: Tagelang im Bett gelegen, zu faul für irgendwas.

Walter Kempowski Ich-Erzähler. Bei Kriegsende in Rostock. Führt das Leben eines Jugendlichen in den Trümmern und Wirren nach Kriegsende. Als die Schule wieder öffnet, scheitert er und fliegt heraus. Er erhält eine Lehrstelle in einer Druckerei, danach fungiert er als Lektor. Freundet sich mit Fritz Legeune an und folgt dem nach Wiesbaden, wo er in einer US-amerikanischen Arbeitskompanie ein prächtiges Leben führt. Von den Verwandten in Hamburg wird er bei zwei Aufenthalten dort eher geduldet als willkommen geheißen. In dem Moment, in dem er sich gänzlich sicher fühlt, reist er nochmals nach Rostock, um dort ganz schnell verhaftet zu werden.

Ulla Sörensen geb. Kempowski. Ist noch während des Krieges mit ihrem Mann in dessen Heimat nach Dänemark gegangen. Bis zum Jahreswechsel 1945/46 ist Tochter Mette bereits geboren. Sie schickt wunderbare Versorgungspakete an ihre Mutter und Brüder, ist ansonsten aber ganz in ihrer neuen Welt aufgegangen.

Andere

Cornelli »ein so durch und durch feiner Mann.« Weinhändler, bei dem schweren Bombenangriff auf Rostock ausgebombt. Lagert gerettete, jedoch rasch aufgebrauchte Restbestände Wein bei Brausehersteller Dr. Krause. Anthroposoph. Seine Frau war ganz bewußt gestorben: »Krepps«. Er hilft der Familie mit viel Zuspruch, ab und an auch mit kleinen Zuwendungen.

Fritz Legeune (Aussprache: ləʒœn) Wird 1946 in Rostock enger Freund von Walter. War "mit viel Geld" aus Königsberg gekommen, Vater Arzt. Geht nach dem Abitur in den Westen und landet in Wiesbaden bei den Amerikanern. Er fleht Walter an, nicht zu reisen, als der sich entschlossen hat, einen Besuch in Rostock zu machen.

Müller genannt "KZ Müller". Arbeiter. Als Bezirksältester eingesetzt. "Edelkommunist", in einer requirierten Villa wohnend, wo eine Zeit lang jeden Samstag "Ringelpietz mit Anfassen" für die Jugendlichen stattfindet. Er ist ein gütiger Betreuer der Gruppe; seine Erfahrungen als KZ-Häftling haben ihn milde gestimmt. Er trinkt.

Sodemann Prokurist in der Reederei der Kempowskis. Eine "Högfeldt-Type mit Knubbel-Nase". Nazi gewesen. Den Krieg über nicht eingezogen worden, sondern die Firma weiter geführt. Nachdem er das Kontor aufgeräumt hat und Grethe vorwirft, sich nicht selbst gekümmert zu haben, findet er anderweitige Anstellung. In den vorhergehenden Romanen wurde auch angedeutet, dass Sodemann die Reederei durch jahrzehntelange, unentdeckt gebliebene Unterschlagungen schwer geschädigt hat.

Eberhard Subjella "Hauptperson" in der Clique, mit der man sich jeden Tag im Lesecafé trifft. Lila Sonnenbrille stets auf der Nase. Hatte bei Kriegsende 100 Liter reinen Alkohol beiseitegeschafft und ist damit nun fein raus. Wegen Kinderlähmung nicht eingezogen worden. In → Ein Kapitel für sich wird klar, dass er mit der Verhaftung der Familie Kempowski zu tun hatte.

Erinnerte

Robert William Kempowski An ihren Großvater denken Robert und Walter, als sie einen Rundgang durch Rostock machen und am Palast-Theater vorbeikommen. Da habe man den alten Herrn mal in seinem Rollstuhl hineingehievt. Der sei ein Original gewesen, sowas gäb's nicht wieder.

August Menz Betörte Grethe de Bonsac auf der Hochzeitsfeier von Karl Kempowskis Schwester (→ Aus großer Zeit). Grethe kann nicht aufhören, sich seiner zu erinnern. Cornelli weiß zu erzählen, dass er bei Kriegsende auf seinem Gut bei Bodenhagen erst seine Familie und dann sich selbst erschossen habe.

Gliederung und Inhalt (Zusammenstellung auf der Grundlage der Taschenbuchausgabe München 1975, Deutscher Taschenbuch Verlag Nr. 1090)

Die für Kempowski typische Technik der literarischen Collage verwendet der Autor in diesem Roman in den Inhalten der wiedergegebenen Erzählungen der handelnden Personen, die häufig Erlebtes und Gefühltes ohne direkten Zusammenhang aneinander reihen und so ein Gesamtbild entstehen lassen.

Ich-Erzählung durch Walter Kempowski.

Der Autor stellt dem Roman ein »Alles frei erfunden!« voran.

Kapitel

Die Rote Armee hat Rostock besetzt und treibt es wild. Die Bevölkerung deckt sich so gut es geht mit herrenlos gewordenen Lagerbeständen an Lebensmitteln ein. (S. 7 bis 18) Grethe und Walter müssen im Haus bei Russen saubermachen. In der Stadt ist das Plündern freigegeben. Cornelli kommt zu Besuch und berichtet über Vergewaltigung und Erschießung gemeinsamer Bekannter. Man sinniert gemeinsam über die nun überwundene Nazi-Zeit. Walter will Holz "organisieren" und wird von Russen bedrängt. (S. 19 bis 32) Freund Manfred besucht Walter und redet über allerlei Themen in recht naiver Art. Die beiden gehen auf Erkundungstour in Dr. Krauses Brausefabrik nebenan; viel ist nicht mehr zu finden. (S. 33 bis 46) Ein erster Gottesdienst in der Marienkirche findet statt. Viele sind gekommen, auch streicht ein einzelner Sowjetsoldat störend aber letztlich harmlos durch die Reihen. Die vielen Bekannten, die man wieder trifft, tauschen sich über erlebte Vergewaltigungen und sonstiges aus. Walter muss zum Arbeitseinsatz in den Kornspeicher, anschließend zum Landeinsatz nach Nieder-Vietschow. Zuhause wird die Wohnung von einem russischen Offizier durchsucht, der sich reichlich bedient. (S. 47 bis 70) Walter wird zur Dienstleistung im Arbeitsamt verpflichtet: für 50 Pf. die Stunde Karteien bearbeiten. Die Jugendlichen arrangieren sich mit kleinen Vergnügungen. (S. 71 bis 83) Es finden Veranstaltungen statt, bei denen über die Verbrechen der Nazis informiert wird. Als Betreuer der Jugendlichen tritt Müller auf, ein recht gutmütiger Funktionär des neuen Regimes. Bei Müller wird jeden Samstag heftig gefeiert. Er verschafft Walter die Möglichkeit, Bücher für das Haus "der kommunistischen Jugend" zu sortieren. (S. 84 bis 99) Großvater de Bonsac sammelt Holz aus den Trümmern, Grethe Kempowski kümmert sich um de Lebensmittelversorgung und man hat einen Schrebergarten bekommen. Allgemein wird gehungert; Kempowskis genießen jedoch die angelegten Vorräte. Trotzdem wurden stundenlange Fußmärsche auf das Land unternommen, um Wurzeln, Roggen und Kartoffeln einzutauschen. Prokurist Sodemann erscheint und beklagt, dass er sich allein hätte um die Firma kümmern müssen. (S. 100 bis 115) Die Rückkehr des Nachbarn Dr. Krause führt Walter in eine Krise, da er aus dessen Wohnung Bücher mitgenommen hatte, die nun voller Reue zurückzugeben sind. Robert kehrt heim; er erzählt, wie er sich durchgeschlagen hat – und gesund sei er geblieben. Beim Rundgang der Brüder durch die Stadt erinnern sie sich, träumen und machen vage Pläne. Robert bekommt dank Walters Kontakt eine Anstellung als Schreiber im Elektrizitätswerk. (S. 116 bis 131) Die Jugendclique trifft sich täglich im "Lesecafé". Subjella sorgt für Schnaps und gibt den Ton an. Grethe Kempowski sieht diesen Umgang ihrer Söhne nicht gerne. Bei einem Hausfest bei Subjella macht Walter erste Erfahrungen, da Mädchen dabei sind und viel geküsst wird. (S. 132 bis 150) Im Oktober 1945 wurden die Schulen wieder geöffnet. Der neue Schulleiter, Dr. Matthes, führt in die "neue Zeit" ein. Wenn einmal wieder Unrecht geschehe, müssten alle gleichzeitig NEIN sagen. Walters Schulfreund Ulli Prüter stirbt an Fleckfieber. (S. 151 bis 172) Im außergewöhnlich kalten Winter 1945/46 wird frierend Weihnachten gefeiert – so gut es geht. (S. 173 bis 185) Das neue Jahr beginnt mit dem Empfang des ersten Briefs von Ulla Sörensen, geb. Kempowski, aus Dänemark. Sie berichtet von der Geburt ihrer Tochter Mette. Auch mit anderen Familienangehörigen setzt nun reger Schriftwechsel ein. Die Nachricht trifft ein, dass Vater Karl Kempowski eine Woche vor Kriegsende gefallen ist. Es folgt die Schilderung wilder, grotesker Feierei im Kegellokal Wilhelmsburg, wo besonders Robert (im Frack seines Vaters) sich sinnlos betrinkt: Es sei noch nicht definitiv, dass der Vater tot sei; ansonsten aber am besten: »alles vollkotzen und in die Ecke scheißen«! (S. 186 bis 200)