Die Burg Lichtenstein ist eine hoch- bis nachmittelalterliche Höhenburg auf . Sie befindet sich in dem gleichnamigen Dorf Lichtenstein, einem Ortsteil von Pfarrweisach, etwa sechs Kilometer nördlich von Ebern im unterfränkischen Landkreis Haßberge in Bayern.

Von den ehemals vier Teilburgen der großen Ganerbenburg wird heute noch ein Ansitz (Südburg) bewohnt. Die Nordburg ist nur als Ruine erhalten. An Stelle des verschwunden dritten Ansitzes wurde in der Barockzeit die evangelische Kirche „Zum Ewigen Licht“ errichtet. Im Südwestteil der Gesamtanlage liegen die Ruinen eines vierten Ganerbensitzes.

Geografische Lage Die Burg steht am Rande des gleichnamigen Dorfes auf einem langgestreckten Höhenzug der Haßberge etwa 100 Meter über dem Tal der Weisach und dem ehemals leicht befestigten zugehörigen Turmhof Dürrnhof.

Geschichte mini|links|Die Nordburg um 1840. Stahlstich von W.C. Wrankmore nach einer Zeichnung Ludwig Richters mini|Die noch bewohnte Südburg durch das Tor der Vorburg mini|Die spätmittelalterliche Toranlage der Südburg von der Terrasse des Burggasthofes mini|Die Nordfront der Südburg mini|Der gotische Wohnturm der Südburg, rechts die evangelische Kirche mini|Nordburg: Der hochmittelalterliche Bergfried mini|Der Burghof mini|Die Ruine der Burgkapelle mini|Der Ostteil der Nordburg mit dem Hakenbüchsenturm mini|Das Nordtor, im Hintergrund der „Tränenfelsen“ mini|Sandsteinblock im Felslabyrinth unter der Burg mini|Informationstafel am Lichtensteiner Sagenpfad Etwa 500 Meter von der heutigen Burg entfernt liegt im Wald ein eindrucksvoller Felsburgstall, der Teufelsstein. Möglicherweise ist hier der Stammsitz der Herren vom Stein zu lokalisieren. Dieses würzburgische Dienstmannengeschlecht war wohl ursprünglich edelfreier Herkunft und scheint sich um 1200 in zwei Linien aufgespalten zu haben, die Stein von Lichtenstein und die Stein von Altenstein (auf Burg Altenstein). Der „Teufelsstein“ kann auch der Sitz eines der Untervasallen der von Stein gewesen sein, die Burgstelle wurde jedenfalls bereits im Hochmittelalter verlassen.

Im Jahr 1232 wurde die Burg Lichtenstein zusammen mit der zweieinhalb Kilometer nördlich gelegenen Nachbarburg Altenstein erstmals urkundlich erwähnt. Obwohl die Nebenlinien der Lichtensteiner meist als Gefolgsleute und Amtmänner des Hochstiftes Würzburg erscheinen, musste sich Tayno von Lichtenstein 1257 mitsamt der Stammburg dem konkurrierenden Hochstift Bamberg unterwerfen. Bischof Adalbert zahlte dafür 100 Pfund Heller an den Burgherren und versprach ihm weitere 100 Pfund, wenn er ihm die Burg offenhalten würde. Das Bistum benötigte die Veste als Stützpunkt in der Auseinandersetzung um das Erbe Ottos von Andechs-Meranien und in einem schwelenden Konflikt mit Friedrich von Nürnberg und den Herren von Truhendingen. Zudem sollte Tayno seinen erbberechtigten Sohn mit der Tochter eines Dienstmannengeschlechtes des Stifts verheiraten. Die Nachkommen des Paares wurden so zwangsläufig zu Bamberger Dienstleuten. Das Hochstift Würzburg konnte die Burg jedoch rasch wieder zurückgewinnen.

Im 14. Jahrhundert konnten die Lichtensteiner ihren Besitz durch einige Lehen des Bistums Würzburg erweitern. In den folgenden Jahrhunderten entwickelte sich der Lichtenstein zu einer typischen Ganerbenburg, das heißt verschiedene Familienzweige und auch andere Familien besaßen Anteile und Wohnstätten auf der großen Burg. Diese Entwicklung resultierte offenbar nicht nur aus Erbteilungen und Finanznöten der Herren von Stein zum Lichtenstein. Das Würzburger Hochstift wollte einen erneuten Besitzübergang der Burg an Bamberg verhindern, indem es zielgerichtet Mitglieder seiner Stiftsritterschaft mit Anteilen an der Herrschaft belehnte.

Der Bamberger Einfluss in diesem Gebiet wurde vom Bistum Würzburg oft auch mit Gewalt unterdrückt. So belagerte Bischof Wolfram Wolfskeel von Grumbach 1323 die etwa sechs Kilometer südlich am Hang des gleichen Höhenzuges gelegene bambergische Felsenburg Rotenhan unter dem Vorwand der Felonie und Falschmünzerei. Nach der Eroberung der Burg mussten sich die Herren von Rotenhan dem Hochstift Würzburg unterwerfen.

Auch die edelfreien Herren der nördlichen Nachbarburg Altenstein mussten bereits im 13. Jahrhundert ihre Unabhängigkeit aufgeben. Der in der Burgsage überlieferte gewaltsame Übergang an das Hochstift lässt sich hier allerdings in den Schriftquellen nicht nachweisen.

Die Befestigungen wurden – ebenso wie die der anderen würzburgischen und bambergischen Burgen der Hassberge – in der Hussitenzeit (um 1420/30) ausgebaut und für den Einsatz von Feuerwaffen eingerichtet. Aus dieser Zeit stammt etwa der von der älteren Forschung ins Hochmittelalter datierte Hakenbüchsenturm der Nordburg. Im Bauernkrieg 1525 wurde der nördliche Burgteil schwer beschädigt und verkam in der Folge zur Ruine. Die Südburg blieb weitgehend intakt und wurde in der Renaissance zum heutigen Umfang erweitert. Im 16. Jahrhundert gelang es der Familie von Lichtenstein, die gesamte Burganlage in ihre Hand zu bekommen. 1699 erlosch mit Wilhelm Ulrich von Lichtenstein die Hauptlinie der Familie auf der Stammburg.

1845 starb der letzte Spross einer Nebenlinie dieses alten Geschlechtes, die Burg gelangte schließlich über die Grafen von Rottenhan an deren freiherrliche Linie; die Freiherren von Rotenhan besitzen und bewohnen bis heute die erhaltene Südburg, die Ruine der Nordburg überließ man der Obhut des Landkreises Haßberge.

Beschreibung Die Burganlage präsentiert sich heute als Doppelburg, die gut erhaltene Südburg wird noch bewohnt, die Ruine der Nordburg kann besichtigt werden. An Stelle des ehemals vorhandenen dritten Ganerbensitzes erhebt sich seit der Barockzeit die Dorfkirche, ein vierter Ansitz liegt am Südwesteck der Ringmauer (Umfassungsmauern teilweise erhalten).

Die Südburg ist seit einem Besitzwechsel nur noch von außen zu besichtigen. Von der Kirche aus kann man den großen Wohnturm mit der vorgelagerten Ringmauer sehen, der interessante Torbau auf der Ostseite ist nur von der Vorburg aus einsehbar. Der Innenhof mit seinem interessanten originalen Wehrgang ist nur im Rahmen einer Gruppenführung öffentlich zugänglich. Der Wehrgang soll dem bekannten Burgenforscher Bodo Ebhardt als Vorbild für die Restaurierung der Hohkönigsburg im Elsass gedient haben.

Die ruinöse Nordburg ist an den Wochenenden oder nach Voranmeldung geöffnet. Hier sind vor allem der, auf einem Felsklotz erbaute, romanische Bergfried und der hussitenzeitliche, fälschlich „Pfeilschartenturm“ genannte Buckelquaderturm als frühes Beispiel einer Artilleriebefestigung (Hakenbüchsen) von Interesse.

Die früher frei zugängliche Nordburg wurde vor allem wegen des regen Esoteriktourismus eingezäunt, der bereits beträchtlichen Schaden an der Bausubstanz angerichtet hatte. Der Lichtenstein gilt – ebenso wie einige andere Burgruinen und Felsformationen in den Haßbergen – in diesen Kreisen als prähistorischer Weltkulturplatz, vergleichbar etwa den Externsteinen oder Stonehenge. Für eine vormittelalterliche Verwendung der Anlagen als Kult- oder Opferplätze konnten jedoch bislang keinerlei wissenschaftliche Beweise erbracht werden. Interessanterweise ist die einzige Anlage, bei der eine solche (regionale) kultische Funktion wahrscheinlich ist, der von der Esoterik am wenigsten beachtete Veitenstein.

Die Nordburg wurde in den letzten Jahren durch das Büro für Burgenforschung des Mittelalterarchäologen Joachim Zeune erforscht und behutsam saniert. Der Rundweg durch die Ruine ist mit mehreren informativen Schautafeln ausgestattet, die zahlreiche Informationen und Erläuterungen zu Baugeschichte und -details enthalten.

Die Burgruine ist – ebenso wie die Südburg und der Burgstall – eine Station des Burgenkundlichen Lehrpfades des Landkreises Haßberge.

Unterhalb der Burg liegt ein interessantes Felsenlabyrinth mit einigen Höhlen und Grotten. Das Areal wurde bereits im 19. Jahrhundert zum romantischen Landschaftspark umgestaltet. Heute erschließt der Sagenpfad Lichtenstein das Gelände für Wanderer und vermittelt an einzelnen Stationen die Überlieferungen rund um die Burg und das Felsenlabyrinth.Der Sagenpfad Lichtenstein

Die Ruine der Nordburg Die Nordburg ist der älteste Teil der Gesamtanlage. Sie entstand ab 1200 auf einer bisher unbesiedelten Felsformation über dem Tal.

Erste Bauphase (bis zirka 1230) Die drei Burgfelsen wurden durch einen bis zu fünf Meter tiefen Halsgraben vom Hinterland abgeschnitten. Teilweise musste dieser Graben komplett aus dem Fels geschlagen werden. Das so entstandene, ungefähr 45 × 35 Meter umfassende Areal sicherte man durch eine hohe Ringmauer aus dem anstehenden Rhätsandsteinmaterial. Die Angriffsseite sicherte ein schlanker Bergfried auf dem Südfelsen. Auffallend ist das sehr sorgfältig ausgeführte Mauerwerk aus regelmäßigen Buckel- und Glattquadern ohne Zangenlöcher. Die Kantenlängen des quadratischen Bauwerkes betragen nur etwa 5,20 m. Der Turm ist also einer der kleinsten deutschen Bergfriede. Ursprünglich war er wesentlich höher. Um 1960 wurde die Ostwand aus Sicherheitsgründen um sieben Steinlagen reduziert. Der obligatorische Hocheingang scheint auf der Nordseite gelegen zu haben. Bei einer Mauerstärke von etwa 1,7 Metern verblieb im Inneren nur ein enger, schachtartiger Raum von ungefähr drei m2 Grundfläche.

Der Palas wurde über dem Nordwesteck angelegt. Im Südteil des Gebäudes war die Burgkapelle untergebracht, die so das Haupttor symbolisch schützen konnte. Der romanische Apsiserker der Kapelle ist erst um 1900 abgegangen.

Der ursprüngliche Zugang zur Hauptburg erfolgte von Süden, hier war ursprünglich eine Vorburg vorgelagert. Der enge, abgewinkelte Torgang war nur von kleinen Handkarren befahrbar. Im Osten lag ein Steinhaus, vielleicht eine Kemenate. Der winzige Burghof war nur grob gepflastert (Sandstein, Sand, Lehm) und durch Rampen zugänglich.

Zweite Bauphase (ab zirka 1345) Ab etwa 1345 wurde der Lichtenstein zur großen Ganerbenburg umgebaut. An Stelle der Vorburg entstand die Südburg mit drei Kemenaten. Schwieriger war die Umgestaltung der alten Nordburg. Der Palas wurde durch kurze Schenkelmauern von der übrigen Burg abgetrennt und erhielt eine eigene Zisternenanlage. Ein weiterer Ganerbensitz lag im Osten, der dritte im Südwesteck. Eine sechsteilige Kleinfenstergruppe in der Mauer deutet hier auf eine hölzerne Wohnstube im Obergeschoss hin.

Zur zentralen Wasserversorgung legte man einen neuen Brunnen an. Der Brunnenschacht unter der ehemaligen Kapelle ist etwa 23 m tief und lieferte noch bis 1962 das Wasser für sieben Anwesen um die Burg.

Dritte Bauphase (1417–1436) Wohl aus Bequemlichkeitsgründen wurde 1417 ein neues Haupttor im Süden angelegt. Hierzu musste die Kemenate mit der Blockstube etwas verkürzt werden. Die Kleinfenster der Stube wurden vermauert, die Mauerrückwand verstärkt. Das neue Tor schützte ein niedriger Vorbau, der Halsgraben wurde jedoch um die Hälfte aufgeschüttet.

Auch die Nordseite erhielt ein eigenes Tor. Vorher war man gezwungen, die einsturzgefährdete Wand auf der Außenseite anzuschütten, so dass sie seitdem zu einem Drittel im Boden steckt.

Auch am Nordwesteck hatte man wegen der rutschenden Felsformationen mit statischen Problemen zu kämpfen. Der Palas war bereits teilweise eingestürzt. Die Erneuerung belief sich auf 600 Gulden. Man musste hierzu den Felsstock teilweise abtragen und terrassieren.