Geinsheim am Rhein ist ein Ortsteil der Gemeinde Trebur im Südhessischen Ried. Bis zur hessischen Gebietsreform in den 1970er-Jahren war Geinsheim eine eigenständige Gemeinde, von der aus die Gemarkung Kornsand mit verwaltet wurde.
Geschichte
Ortsname Die Ortsnamensendung „‑heim“ deutet auf eine Gründung zur Zeit der fränkischen Landnahme hin. Der Name Geinsheim leitet sich vermutlich von dem fränkischen Personennamen Gam oder Genno ab.
Die älteste erhaltene Erwähnung des Orts findet sich im Lorscher Codex als Geminnisheim oder Geminnesheim. Der Eintrag bezeugt, dass Ruoding dem Kloster Lorsch eine Wiese oder einen Acker stiftete. Die Schenkung wird auf 767 oder 770 datiert. In den folgenden Jahrhunderten findet sich der Ortsname von Geinsheim mit verschiedenen Schreibungen erwähnt: villa Ginsin (1093), villa Gensum (1122), villa Genso (1231), Genscheim (1432), Gynßheim, dorff (1450), Gynßheim (1469) und Geinßheim (1557).
Der örtlichen Folklore zufolge leitet sich der Dorfname von Gans („Gänsheim“) ab. Dabei wird häufig auf das Wappen verwiesen, das eine flatternde weiße Hausgans auf schwarzem Schild darstellt.
Mittelalter Im Jahr 1024 wurde in Kamba der fränkische Salier Konrad zum König Konrad II. gewählt und in Mainz von Bischof Aribo gekrönt. Kamba soll eine gegenüber Oppenheim in einem alten Rheinbett gelegene Siedlung gewesen sein, die durch ein Rheinhochwasser zerstört wurde. Die Siedlung lag auf der Gemarkung des heutigen Geinsheim, zwischen Geinsheim und Leeheim, etwa dort, wo heute das Pumpwerk Kammerhof zu finden ist.
1122 schenkte der Mainzer Erzbischof Adalbert I. das Kirchenpatronat von Geinsheim dem Mainzer Benediktiner-Kloster St. Jakob. Das Kloster erhielt dann bald auch – der genaue Zeitpunkt ist nicht bekannt – die Dorfherrschaft, die es bis zum Ende des Alten Reiches formal innehatte. Das Kloster belehnte zunächst die Herren von Münzenberg und nach der Münzenberger Erbschaft die Herren von Falkenstein mit der Vogtei über das Dorf. Mit dem Falkensteiner Erbe kam sie schließlich an die Grafen (ab 1744 Fürsten) von Isenburg, die so faktisch die Dorfherrschaft ausübten.Simon, S. 210. Das Kloster Otterberg besaß im Ort ein zinspflichtiges Gut.Jürgen Keddigkeit, Michael Werling, Rüdiger Schulz und Charlotte Lagemann: Otterberg, St. Maria. Zisterzienserabtei Otterburg. In: Jürgen Keddigkeit, Matthias Untermann, Sabine Klapp, Charlotte Lagemann, Hans Ammerich (Hrsg.): Pfälzisches Klosterlexikon. Handbuch der pfälzischen Klöster, Stifte und Kommenden. Band 3: M–R. Institut für pfälzische Geschichte und Volkskunde. Kaiserslautern 2015, ISBN 978-3-927754-78-2, S. 524–587 (538).
Frühe Neuzeit Im Herrschaftsbereich der Familie Isenburg war um das Ende des 16. Jahrhunderts das Solmser Landrecht zum Gewohnheitsrecht geworden. So setzte es sich auch in Geinsheim durch. Das Gemeine Recht galt nun nur noch, wenn das Solmser Landrecht für einen bestimmten Sachverhalt keine Bestimmungen enthielt. Das Solmser Landrecht blieb auch während der Zeit, in der Geinsheim zum Großherzogtum Hessen gehörte, geltendes Recht,Arthur B. Schmidt: Die geschichtlichen Grundlagen des bürgerlichen Rechts im Großherzogtum Hessen. Curt von Münchow, Giessen 1893, S. 106, sowie beiliegende Karte. das erst zum 1. Januar 1900 von dem einheitlich im ganzen Deutschen Reich geltenden Bürgerlichen Gesetzbuch abgelöst wurde.
Während des Sequesters der Grafschaft Isenburg-Büdingen (1635–1642) wurde Geinsheim von der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt verwaltet. Nach der Restitution gab es Streit zwischen den Grafen und dem Kloster St. Jakob über die jeweiligen Rechte im Dorf. Graf Johann Ludwig von Isenburg-Offenbach und Abt Jodocus beendeten das 1656 mit einem Vergleich, wonach die Gerichtsgefälle geteilt wurden, Schultheiß und Gerichtspersonen gemeinschaftlich ernannt wurden, dem Kloster die Lehnshoheit und das Zehntrecht und dem Grafen die übrigen Herrschaftsrechte zustanden.Simon, S. 210.
H. Simon fasst 1856 die Geschichte des Dorfes in Die Geschichte des reichsständischen Hauses Ysenburg und Büdingen Erster Band: Die Geschichte der Ysenburg=Büdingen’schen Landes so zusammen:
Neuzeit Mit dem Reichsdeputationshauptschluss von 1803 kam das Dorf zu Isenburg-Birstein, das gegen Ende des Alten Reiches zum Fürstentum Isenburg aufstieg.Reichsdeputationshauptschluss § 19 bei Wikisource sowie Das Fürstenthum Isenburg – 1812. In: Johannes Andreas Demian: Statistik der Rheinbundstaaten. Zweiter Band: Die Großherzogthümer, Herzogthümer, Fürstenthümer und das Herzogthum Warschau enthaltend. Varrentrapp und Sohn, Frankfurt am Main 1812, S. 329–337; auch abgedruckt in Grindaha, Veröffentlichungen des Geschichtsvereins Gründau e. V. 2019 (Heft 29), , S. 3 mit Anmerkungen von Norbert Breunig.
Am 14. August 1806 wurde die Landgrafschaft Hessen-Darmstadt von Napoleon zum Großherzogtum erhoben. Nach dem Wiener Kongress 1814/15 kam Geinsheim zum Kaisertum Österreich, das es jedoch umgehend dem Großherzogtum Hessen abtrat. Die Übergabe an den Großherzog von Hessen fand am 9. Juli 1816 statt.Johann Ludwig Klüber (Hrsg.): Kaiserlich-östreichisches Patent wegen der Übergabe der Oberhoheit über verschiedene fürstlich und gräflich-isenburgische Gerichte, an Kurhessen; ferner der Oberhoheit über die übrigen unter Benennung Fürstenthum Isenburg vereinigt gewesenen Gebietstheile, über die gräflich-schönbornsche Herrschaft Heusenstamm, die freiherrlich-groschlagische Herrschaft Eppertshausen, den gräflich-ingelheimischen Ort Obererlenbach und die gräflich-solmsische Hälfte des Ortes Niederursel, an das Großherzogthum Hessen; Offenbach, den 9. Juli 1816, No. XXXVII. In: Johann Ludwig Klüber, Staatsarchiv des teutschen Bundes, Band 1, Erlangen (J. J. Palm und Ernst Enke) 1816, S. 419–421 (Digitalisat). Im Großherzogtum lag Geinsheim in der Provinz Starkenburg und gehörte bis 1821 zum Amt Dreieich. 1821 wurden im Rahmen einer Verwaltungsreform Landratsbezirke gebildet und Geinsheim dem Landratsbezirk Dornberg zugeteilt.
Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1829 über Geinsheim:
1826 trat Fürst Wolfgang Ernst III. von Isenburg–Birstein die Justiz- und Polizeiverwaltung über den Ort ab.Wagner, S. 82. 1832 wurden die Verwaltungseinheiten im Großherzogtum ein weiteres Mal vergrößert und Kreise geschaffen. Damit gelangte Geinsheim in den Kreis Groß-Gerau. Die Provinzen, die Kreise und die Landratsbezirke des Großherzogtums wurden am 31. Juli 1848 abgeschafft und durch Regierungsbezirke ersetzt, was jedoch bereits am 12. Mai 1852 wieder rückgängig gemacht wurde. Daher gehörte Geinsheim von 1848 bis 1852 zum Regierungsbezirk Darmstadt, bevor wieder der Kreis Groß-Gerau für die übergeordnete Verwaltung zuständig war. Dort verblieb der Ort auch bei allen folgenden Verwaltungsreformen bis heute.
Die zuständige Gerichtsbarkeit war während der Zugehörigkeit zu Hessen-Darmstadt zunächst das standesherrliche Amt Dreieich. Von 1822/23 bis 1879 war das Landgericht Großgerau und ab 1879 das Amtsgericht Groß-Gerau für Geinsheim zuständig.
1860 wurde die Verwaltung des Kornsands an Geinsheim übertragen.Irmgard Schäfer: Geinsheim / Unser Dorf in alten Zeiten Geiger-Verlag, Horb am Neckar 1987, ISBN 3-89264-061-0, S. 12.
Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurden am 1. Januar 1977 die Gemeinden Astheim, Geinsheim, Hessenaue und Trebur durch das Gesetz zur Neugliederung des Landkreises Groß-Gerau zu einer Gemeinde mit dem Namen Trebur zusammengeschlossen. Ortsbezirke nach der Hessischen Gemeindeordnung wurden nicht errichtet.
Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Geinsheim angehört(e):Grossherzogliche Centralstelle für die Landesstatistik (Hrsg.): Beiträge zur Statistik des Großherzogtums Hessen. Band 1. Großherzoglicher Staatsverlag, Darmstadt 1862, S. 43 ff.
vor 1806: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft/Fürstentum Isenburg-Büdingen, Anteil an der oberen Grafschaft Isenburg, Oberamt Offenbach, Amt Dreieich ab 1806: Fürstentum Isenburg (Rheinbund),Mediatisierung infolge der Rheinbundakte. Oberamt Offenbach, Amt Dreieich ab 1813: Generalgouvernement Frankfurt,Infolge der Befreiungskriege. Oberamt Offenbach, Amt Dreieich ab 1815: Kaisertum Österreich,Infolge der Beschlüsse des Wiener Kongresses. Oberamt Offenbach, Amt Dreieich ab 1816: Großherzogtum Hessen (Souveränitätslande),Durch Staatsvertrag mit Österreich und dem Königreich Preußen sowie Einigung zwischen Großherzogtum Hessen und Kurhessen. Provinz Oberhessen, Amt Dornberg (zur Standesherrschaft Isenburg gehörig) ab 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Landratsbezirk DornbergTrennung zwischen Justiz (Landgericht Großgerau ab 1823) und Verwaltung. ab 1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Groß-Gerau ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Groß-Gerau ab 1871: Deutsches Reich,Infolge des Deutsch-Französischen Krieges. Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Groß-Gerau ab 1918: Deutsches Reich,Infolge des Ersten Weltkriegs entsteht die Weimarer Republik. Volksstaat Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Groß-Gerau ab 1938: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Landkreis Groß-GerauIm Zuge der Gebietsreform 1938 wurde die Provinz Starkenburg aufgelöst. ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone,Infolge des Zweiten Weltkriegs. Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Kreis Groß-Gerau ab 1946: Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Kreis Groß-Gerau ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Kreis Groß-Gerau ab 1977: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Kreis Groß-Gerau, Gemeinde TreburAm 1. Januar 1977 als Ortsteil zur Gemeinde Trebur.
Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag, dem 9. Mai 2011, in Geinsheim 4287 Einwohner. Darunter waren 237 (5,5 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 786 Einwohner unter 18 Jahren, 2001 zwischen 18 und 49, 637 zwischen 50 und 64 und 660 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 1811 Haushalten. Davon waren 609 Singlehaushalte, 570 Paare ohne Kinder und 558 Paare mit Kindern, sowie 144 Alleinerziehende und 27 Wohngemeinschaften. In 300 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 1434 Haushaltungen lebten keine Senioren.
Einwohnerentwicklung • 1829: 902 Einwohner, 414 Häuser. Wagner, S. 82. • 1867: 1087 Einwohner, 177 Häuser
Historische Religionszugehörigkeit • 1829: 707 lutherische (= 78,38 %), 67 jüdische (= 7,43 %) und 128 katholische (= 14,19 %) Einwohner Wagner, S. 81. • 1961: 1111 evangelische (= 61,69 %), 624 katholische (= 34,65 %) Einwohner
Kultur und Sehenswürdigkeiten Bauwerke Geinsheim besteht aus dem alten Ortskern, der vom historischen Rathaus, einer kleinen katholischen Kapelle und einer neogotischen evangelischen Kirche geprägt wird, und aus mehreren Neubaugebieten, die in den 1960er-, 1980er- und 1990er-Jahren entstanden sind. Das Neubaugebiet der 1960er- und 1970er-Jahre beherbergt die Grundschule und die beiden Kindergärten sowie die „neue“ katholische Kirche in ihrer reduzierten quadratischen Backsteinoptik.
Naturräume mini|Luftaufnahme 2007 von Trebur-Geinsheim