mini|Theodore Roosevelts Doppelbüchse Holland & Holland ‚Royal‘ .458 Theodore Roosevelts Doppelbüchse Holland & Holland ‚Royal‘ .458, in neuerer Zeit in Anlehnung an den Big Stick als „Roosevelt’s Big Stick“ oder „Roosevelt’s Big Fire Stick“ bezeichnet, ist eine 1908 von dem britischen Waffenhersteller Holland & Holland für den US-Präsidenten Theodore Roosevelt gefertigte Doppelbüchse für die Großwildjagd. Die Waffe mit dem Kaliber .458 (11,6 Millimeter) war ein Geschenk britischer Bewunderer Roosevelts anlässlich der bevorstehenden Smithsonian-Roosevelt African Expedition nach Britisch-Ostafrika.

Hintergrund mini|Theodore Roosevelt mit einem geschossenen Elefanten und seiner Doppelbüchse, 1909 mini|hochkant|Theodore Roosevelt mit seiner Winchester Mod. 1876 Büchse, New York studio photo 1885 Roosevelts Planungen für eine Afrikareise begannen im Frühjahr 1908. Im Laufe dieses Jahres wurde aus der angestrebten privaten Safari die einjährige Smithsonian-Roosevelt African Expedition unter der Leitung Roosevelts. Recht früh, und noch bevor er Kontakt mit der Smithsonian Institution aufnahm und die Expedition zu einer Forschungsreise machte, beteiligte Roosevelt einen Freund, den britischen Bergsteiger, Naturschützer und ehemaligen liberalen Unterhausabgeordneten Edward North Buxton, an den Reisevorbereitungen. Buxton nutzte seine weit reichenden Kontakte nicht nur, um Informationen und Ratschläge von Zoologen, Jägern und Vertretern von Kolonialverwaltung und weißer Bevölkerung in Britisch-Ostafrika einzuholen, sondern warb in diesem Kreis auch um die Beteiligung an einem repräsentativen Geschenk für den prominenten Reisenden. Ausgewählt wurde eine doppelläufige Elefantenbüchse des führenden Herstellers luxuriöser Jagdwaffen, Holland & Holland in London.Theodore Roosevelt: African Game Trails. S. 22–24.

Zu den Stiftern gehörten zahlreiche Zoologen, Jäger und andere Personen des öffentlichen Lebens im Vereinigten Königreich und Britisch-Ostafrika. Im Transportkoffer der Büchse befand sich bei der Auslieferung eine Liste der Spender. Sie trug die folgende Überschrift:

Liste der Spender John Lubbock, 1. Baron Avebury PC DL FRS, Anthropologe, Paläontologe, Botaniker und Entomologe; Sir Francis Reginald Wingate, 1. Baronet GCB GCVO GBE KCMG DSO TD, General, Generalgouverneur des Anglo-Ägyptischen Sudan und Hochkommissar in Ägypten; Sir Edmund Giles Loder, 2. Baronet, Aristokrat, Grundbesitzer und Gärtner; Nathaniel Charles Rothschild, Bankier, Entomologe und Naturschützer; Hugh Lowther, 5. Earl of Lonsdale KB GCVO DL, englischer Peer, Jäger und Hundezüchter; Sir Robert G. Harvey, Baronet, Unternehmer und Großwildjäger; Lord Curzon KG GCSI GCIE PC FBA, ehemaliger Generalgouverneur und Vizekönig von Indien; St. George Littledale, Forschungsreisender und Großwildjäger; Peter Chalmers Mitchell CBE FRS FZS, Zoologe; Curtis Mill Green, Master of the Essex Hunt; Frederick Selous DSO, Großwildjäger und Offizier; Gebhard Fürst Blücher von Wahlstatt; Charles Delmé-Radcliffe CMG MVO; Maurice Egerton, 4. Baron Egerton, Offizier und Kolonist in Britisch-Ostafrika; William Grenfell, 1. Baron Desborough KG GCVO DL, Sportler, Sportfunktionär und Politiker; Malcolm McNeill CMG DSO, Offizier und Großwildjäger; Claude H. Tritton CBE, Offizier und Großwildjäger; J. Turner-Turner, Jagdschriftsteller; Walter Rothschild, 2. Baron Rothschild FRS, Bankier, Politiker und Zoologe; Edward Grey, 1. Viscount Grey of Fallodon KG PC DL FZL, Außenminister; Sir Mansfeldt de Cardonnel Findlay CBE KCMG CB, Diplomat in Dresden; Clive Phillipps-Wolley FRGS, kanadisch-Beamter, Schriftsteller und Großwildjäger; George Trevelyan, 2. Baronet OM PC FBA, Historiker und Politiker; Warburton Pike, Forschungsreisender; William Edmund Garstin GCMG, Bauingenieur und Kolonialbeamter in Ägypten Herbrand Russell, 11. Duke of Bedford KG KBE DL FRS FSA, Offizier und Politiker; Mary Russell, Duchess of Bedford DBE ARRC FLS, britische Ornithologin und Pilotin; Thomas Brassey, 1. Earl Brassey GCB MVO TD DL, Politiker, Gouverneur von Victoria; Thomas Brassey, 2. Earl Brassey TD DL, Verleger und Politiker; Rhys Rhys-Williams DSO QC DL, Politiker; Alexander Angus Airlie Kinloch CB, Jagdschriftsteller; William Lee-Warner GCSI, britisch-indischer Kolonialbeamter und Schriftsteller; Arthur Winnington-Ingram KCVO, Bischof von London; Godfrey Dalrymple-White, 1. Baronet, Offizier und Politiker; Claude Cane, Offizier und Großwildjäger; Sydney Buxton, 1. Earl Buxton GCMG PC, Politiker; Charles Edward Radclyffe DSO, Offizier; Arthur Pease, 1. Baronet DL, Unternehmer und Politiker; Henry Hamilton Johnston GCMG KCB, Afrikaforscher und Schriftsteller; Abel Chapman, Jäger und Naturschützer; John Guille Millais FZS, Illustrator, Naturforscher, Gärtner und Reiseschriftsteller; Ethelbert Edward Lort Phillips, Ornithologe und Botaniker; Richard Kearton FZS, Naturforscher und Fotograf; John Henry Gurney Jr. FZS FLS, Ornithologe; Frederick John Jackson KCMG CB, Kolonialbeamter, Forschungsreisender und Ornithologe; Frederick Lugard, 1. Baron Lugard GCMG CB DSO, PC, Offizier, Forschungsreisender und Kolonialbeamter; Flora Shaw, Lady Lugard DBE, britische Journalistin und Schriftstellerin, Korrespondentin für The Times; Clement Lloyd Hill KCB KCMG, Diplomat und Politiker; Henry Seton-Karr KCMG DL, Forschungsreisender, Großwildjäger, Schriftsteller und Politiker Boyd Alexander, Offizier, Forschungsreisender und Ornithologe; John Kirk GCMG KCB FRS, schottischer Arzt, Naturwissenschaftler, Entdeckungsreisender und Diplomat, Reisebegleiter David Livingstones; Moreton Frewen, britisch-irischer Schriftsteller und Politiker; Francis Greville, 5. Earl of Warwick, Schriftsteller; Philip Lutley Sclater FRS FRGS FZS FLS, Rechtsanwalt und Zoologe; John Henry Patterson DSO, Soldat, Ingenieur, Jäger, Autor und zionistischer Aktivist, Patenonkel von Yonatan Netanyahu.

Beschreibung mini|Detailansicht der Schulterstütze Eine Doppelbüchse Holland & Holland ‚Royal‘ .458 wird als Einzelstück nach den Angaben des Kunden gefertigt. Sie ist eine Bespoke Gun, eine in der Art von Maßanzügen oder Maßschuhen auf Kundenwunsch gefertigte Waffe. Auch die Doppelbüchse Roosevelts mit der Herstellernummer 19109 ist maßgefertigt. Die Eigenschaften der Waffe, wie das Kaliber und der Abzugswiderstand, wurden von Theodore Roosevelt selbst im Frühsommer 1908 festgelegt. Am 21. August 1908 wurden seine Maße abgenommen. Für die Weiterleitung der Angaben bediente Roosevelt sich des Büros von Whitelaw Reid, dem Botschafter der Vereinigten Staaten in London. Den unmittelbaren Kontakt zu Holland & Holland hielt Edward North Buxton, der dem Unternehmen auch den Auftrag erteilte. Der Auftrag ist erhalten. Darin heißt es: A best quality .450 bore double Royal Hless non-ejector Cordite Rifle, long top strap cheek piece pistol hand stock recoil heel plate, loops for sling, pull to be light, say right 3-1/2 pounds, to measurements rec'd 21/8/08 (deutsch, sinngemäß: Eine Doppelbüchse bester Qualität, Holland & Holland ‚Royal‘ im Kaliber .450, selbstspannend und ohne Auswerfer, für rauchschwaches Pulver, mit verlängertem Baskülenschwanz, Schaft mit Pistolengriff, Backe und Rückstoßkappe, Ösen für einen Trageriemen, geringem Abzugswiderstand von etwa dreieinhalb Pfund (etwa 1600 Gramm), zu den am 21. August 1908 genommenen Maßen).

mini|Seitenschloss einer anderen Doppelbüchse von Holland & Holland, das goldene Band auf dem Lagerbolzen des Hahns zeigt den Spannzustand an Roosevelts Doppelbüchse wiegt weniger als fünf Kilogramm. Die Basküle besteht aus brüniertem Stahl. Der Baskülenschwanz ist bis zur Mitte des Hinterschafts verlängert. Dadurch erhält die Doppelbüchse insgesamt eine höhere Stabilität und der Kolbenhals, die schwächste Stelle des Schaftes, wird beim Schuss vor der Wirkung des Rückstoßes geschützt. Der Schaft und der hintere Teil des Baskülenschwanzes sind leicht nach rechts gebogen, um das Auge des Schützen mit der Visiereinrichtung in eine Linie zu bringen. Die Seitenschlösser und die Basküle sind großzügig mit Gravuren bedeckt, die zunächst der Dekoration dienen. Sie haben aber auch den Zweck, bei der Jagd störende Reflexionen auf dem glänzenden Metall zu mindern. Aus der Entfernung wirken sie wie eine Mattierung der Oberflächen. Abgesehen von diesen Gravuren gibt es an der Waffe kaum Zierelemente. An den Seitenschlössern sind die Enden der Bolzen sichtbar, auf denen die Hähne gelagert sind. Sie tragen ein mittig verlaufendes Band aus Gold, dessen Ausrichtung den Spannzustand des Hahns erkennen lässt. Auch der Schriftzug SAFE am Sicherungshebel auf der Basküle ist in Gold eingelegt. Die Platte an der Unterseite des Pistolengriffs ist ebenfalls mit Gravuren verziert. Sie weist einen mit einer Feder gesicherten Sprungdeckel auf, unter dem sich Schlagbolzen als Ersatzteile befinden.

Die Doppelbüchse hat keinen Auswerfer für die Hülsen. Automatische Auswerfer waren seinerzeit bereits verfügbar. Es handelte sich jedoch um eine komplizierte und fehleranfällige Technik, die für die Großwildjagd allgemein als untauglich angesehen wurde. Dasselbe gilt für das Fehlen einer Sicherung, die beim Abklappen der Läufe automatisch eingelegt wird. Sie könnte den Jäger das Leben kosten, wenn er im Angesicht eines angreifenden Großwilds schnell nachladen muss und durch das Entsichern Zeit verliert. Die Doppelbüchse Roosevelts hat daher nur einen Auszieher und eine manuell zu bedienende Sicherung. Roosevelt hatte ursprünglich sogar außenliegende Hähne gewünscht. Sie waren aber nicht lieferbar, und die Entwicklung und Anfertigung hätte die Auslieferung der Waffe um ein Jahr verzögert.

mini|Zentralfeuerpatrone .500/450 Nitro Express mit Maßangaben in Zoll (1 Zoll ≈ 2,54 cm) Die beiden Läufe von 26 Zoll Länge haben an der Oberseite jeweils Schriftzüge eingraviert. Der rechte Lauf trägt den Namen und die Anschrift des Herstellers: HOLLAND & HOLLAND. 98. NEW BOND STREET. LONDON. Auf dem linken Lauf lautet die Inschrift WINNERS OF ALL THE “FIELD” RIFLE TRIALS. LONDON. Im Jahr 1883 gewann Holland & Holland alle zehn Klassen eines von der Zeitschrift The Field, einem Magazin für Jäger und Naturfreunde, durchgeführten Schießwettbewerbs. Zwischen 1883 und den 1930er Jahren wurde an das Ereignis auf allen Gewehren des Unternehmens und in seiner Werbung erinnert. Beide Läufe wurden aufeinander abgestimmt, so dass sie bei jeder Schussentfernung annähernd gleich treffen. Dazu war es erforderlich, die Stärke der Treibladung und das Gewicht des Projektils zu definieren. Auf der Unterseite des Gehäuses trägt die Büchse eine entsprechende Gravur: CHARGE / 70 GRAINS CORDITE / .500/450 / CASE 3¼ INCHES. Die Angabe legt das Gewicht und das Pulver der Treibladung auf 70 Grains Kordit fest. Diese Menge verlangt nach einer voluminösen Geschosshülse mit einer Länge von 3¼ Zoll. Die Munition ist die Zentralfeuerpatrone .500/450 Nitro Express.

Der Schaft ist aus mehrere Jahre gelagertem Walnussholz gefertigt, das sorgfältig ausgewählt wurde und keinerlei Risse aufweist. Die Oberfläche des Schaftes wurde aufwändig geschliffen, geölt und poliert. Die Backe befindet sich auf der linken Seite. Zwischen der Backe und der Schaftkappe ist eine goldene Plakette eingelassen, die das Siegel des Präsidenten der Vereinigten Staaten und darunter die Initialen T. R. und die Jahreszahl 1909 zeigt. Wahrscheinlich handelt es sich bei dieser Plakette um eine neuere Ergänzung. Die Schaftkappe besteht aus rotbraunem Gummi und weist eine Riffelung auf. Sie wirkt insgesamt billig und nicht zu dem Gewehr passend, auch sie ist sicher kein originales Teil der Waffe. Der Vorderschaft mit Kornhalter und Korn waren 1986 derart beschädigt, dass sie nicht mehr zu retten waren und von Holland & Holland nachgefertigt wurden. Dabei achtete das Unternehmen darauf, alle ersetzten Teile so zu behandeln, dass sie ebenso abgenutzt wie die übrigen Teile des Gewehrs wirken.