mini|hochkant=2.0|Blick von Westen auf die Wolkenkratzer der Großbanken im Frankfurter Bankenviertel (2024) Eine Großbank ist ein Kreditinstitut, dessen Betriebsgröße gemessen an Bilanzsumme oder Geschäftsvolumen die Bankengröße anderer Kreditinstitute deutlich übersteigt und in die Kategorie eines Großunternehmens gehört.

Funktion von Großbanken Auf internationale Großbanken entfallen die größten Marktanteile am internationalen Kreditverkehr. Auch internationale Großbanken machen aus Gründen der Risikominderung selbst bei erstklassigen Kreditnehmern (insbesondere bei multinationalen Nichtbanken) vom Finanzierungsinstrument des Konsortialkredits Gebrauch. Tendenziell begünstigt sind dabei internationale Großbanken, die nicht nur auf der Aufwandsseite in den Genuss der Kostendegression bei wachsender Betriebsgröße kommen, sondern auch auf der Ertragsseite Nutzen aus der unausgewogenen Gebührenstruktur des Kreditmarktes ziehen,Michael Cramer: Das internationale Kreditgeschäft der Banken, 1981, S. 58 (). da die Lead-Manager einen ungleich höheren Anteil des gesamten Gebührenaufkommens als die übrigen Konsorten erhalten. Typisch für Großbanken ist insbesondere die Übernahme von Beteiligungen an anderen Finanzinstituten oder Nichtbanken und der Wertpapierhandel in allen Ausprägungen bis zum Emissionskonsortium.

Sie fokussieren sich häufig auf bestimmte Bankgeschäfte und Finanzprodukte, die für andere Banken aus Gründen der Kapitalkraft oder des Know-how nicht in Frage kommen. So sind Großbanken bei bedeutenden Anleihe- und Kreditkonsortien meist Konsortialführer und übernehmen dort hohe Konsortialquoten. Das liegt wiederum am oft absolut höheren haftendem Eigenkapital, das höhere Großkredite ermöglicht. Sie haben ihre Aktivitäten im Investment Banking und anderen honorarbasierten Indifferenzgeschäften durch Akquisitionen ausgebaut.Nils H. Tröger, Mergers & Acquisitions im deutschen Bankensektor, 2003, S. 130. Nur wenige internationale Großbanken sind in der Lage, die anspruchsvollen Bedürfnisse im Cash Management großer Nichtbank-Konzerne abzudecken.Michael Endres, Die Deutsche Bank positioniert sich in einem attraktiven Markt, Vortrag am Institut für Bankwirtschaft in Köln am 1. Juli 1998 Für internationale Großbanken ist die Projektfinanzierung heute zu einem festen Bestandteil ihrer Angebotspalette geworden. Das setzt voraus, dass die Banken bereit sind, ihre industriellen Kunden bei der Entwicklung von Großprojekten weltweit mit der Finanzierung zu begleiten.Hans E. Büschgen/Kurt Richolt, Handbuch des internationalen Bankgeschäfts, 1989, S. 223 Internationale Großbanken übernehmen die Rolle der Panel-Banks bei den weltweit wichtigsten Referenzzinssätzen wie LIBOR oder EURIBOR. Typische Organisationsform der Großbanken ist die Aktienbank, deren Grundkapital als Aktien auf dem Kapitalmarkt gehandelt wird.Hans E. Büschgen, Bankbetriebslehre: Bankgeschäfte und Bankmanagement, 1998, S. 80.

Neben bankbetrieblichen Überlegungen kann das strategische Ziel von Banken, größer zu werden, auch im Moral Hazard zu sehen sein, wenn eine Bank den größenbedingten Status der Systemrelevanz erreichen möchte. Sie kann dann damit rechnen, im Fall der Bankenkrise durch den Staat oder staatliche Institutionen als „Too big to fail“ gerettet zu werden. Der Status als Großbank veranlasst den Financial Stability Board (FSB) meist, sie als „systemically important financial institution“ (systemisch relevantes Finanzinstitut) einzustufen.Policy Measures to Address Systemically Important Financial Institutions. In: Financial Stability Board (FSB) vom 4. November 2011 (PDF-Datei; 105 kB) Diese FSB-Großbanken unterliegen damit einer besonderen Überwachung und strengeren Anforderungen an die Ausstattung mit Eigenkapital. (PDF; 43 kB) vom 1. November 2012

Empirische Analysen zeigen, dass Großbanken im Durchschnitt höhere eigene und systemische Risiken hervorbringen als kleinere Banken, insbesondere bei zu geringem Eigenkapital und unstabiler Refinanzierung.Luc Laeven/Lev Ratnovski/Hui Tong: Bank Size and Systemic Risk, 2014, S. 5 (). Es zeigt sich, dass Großbanken wegen des „Too big to fail“ häufig größere staatliche Unterstützung erhalten als kleinere Banken, was zu einer Intensivierung risikoerhöhender Anreize führen kann.Thorsten Beck: Bank Concentration and Crises, 2003, S. 3 (). Deshalb müssen ab Januar 2016 die Großbanken verschiedene Kapitalpuffer aufbauen, und zwar einen Kapitalpuffer für systemische Risiken nach KWG, einen Kapitalpuffer für global systemrelevante Institute nach KWG und für anderweitig systemrelevante Institute nach KWG bilden, wenn die gesetzlichen Voraussetzungen hierfür erfüllt sind. Die weltweit 30 größten Großbanken müssen darüber hinaus im Rahmen der Total Loss-Absorbing Capacity (TLAC) („Fähigkeit, Verluste auffangen zu können“) zum vorhandenen Kernkapital zusätzliche Kapitalpuffer bilden. Dadurch sollen bis 2022 die Gesamtkapitalquoten auf mindestens 18 % steigen.SPIEGEL ONLINE vom 9. November 2015, Krisenvorsorge: Großbanken müssen höhere Kapitalpuffer bilden abgerufen am 12. November 2015

Geschichte

Gründerzeit Der deutsche Bankenmarkt setzte sich bis zur Gründerzeit aus Privatbankiers, Sparkassen und anderen Instituten wie Genossenschaftsbanken und Notenbanken zusammen. In jener Zeit entstand eine neue Gruppe von Banken, und zwar Private Banken in der Rechtsform von Aktiengesellschaften. Die erste als Aktiengesellschaft (AG) geführte Privatbank war der A. Schaaffhausen’sche Bankverein, der seit dem 28. August 1848 als AG weitergeführt wurde. Die Privataktienbanken wuchsen rasch, und die größten unter ihnen wurden als Großbanken bezeichnet.

Wachstum bis in die Zwischenkriegszeit Innerhalb des Bankwesens wiesen die deutschen Großbanken zwischen 1895 und 1913 das größte Wachstum auf, erreichten dennoch keinen dominierenden Marktanteil.Detlef Krause: Die Commerz- und Disconto-Bank 1870-1920/23, 2004, S. 228 (). Nicht nur durch wachsendes Geschäftsvolumen, sondern auch durch Kapitalerhöhungen erhöhte sich der Abstand zwischen den Instituten. Insbesondere der A. Schaaffhausen’sche Bankverein oder die Commerzbank verzichteten auf Kapitalmaßnahmen, so dass sich ihr Abstand zu den führenden Instituten vergrößerte. Das größte Bilanzsummenwachstum wiesen zwischen 1881 und 1890 die Nationalbank für Deutschland (267 %), Dresdner Bank (195 %), Berliner Handelsgesellschaft (105 %), Deutsche Bank (92 %) und die Commerzbank (40,2 %) auf.Detlef Krause 2004, S. 125 f. Für Johann Christian Eberle rissen 1912 die Großbanken „durch ihre lediglich als Aufsaugapparate arbeitenden Depositenkassen die Spargroschen der Kleinen an sich, um sie den Großen (gemeint ist die Großindustrie) darzubieten,…“.Johann Christian Eberle, Geld zu angemessenem Zins, 1912, S. 35 Für Werner Sombart galten Großbanken im Jahre 1919 als die „Zwingburgen des Kapitalismus“.Werner Sombart, Die deutsche Volkswirtschaft im 19. Jahrhundert und im Anfang des 20. Jahrhunderts, 1919, S. 171 f. Friedrich Böttcher teilte die Banken 1929 nach ihrer „Kapitalkraft“ (Höhe des Grundkapitals) in Klein-, Mittel- und Großbanken auf und listete die Deutsche Bank (150 Millionen Mark), Disconto-Gesellschaft (135) und Dresdner Bank (100) als größte auf.Friedrich Böttcher: Die volkswirtschaftlichen Aufgaben des Filialsystems der deutschen Großbanken, 1932, S. 11 ()

Das Wachstum zu Großbanken entstand vorwiegend durch Übernahme von Dutzenden kleineren und mittleren Regionalbanken im Zeitraum von 1900 bis 1930.Manfred Pohl: Bankensystem und Bankenkonzentration von den 1850er Jahren bis 1918, in: Europäische Bankengeschichte, hrsg. v. Hans Pohl, Frankfurt/Main 1993, S. 218–233 u. 263–278 Die erste Großfusion in Deutschland war das Zusammengehen der Deutschen Bank und der Disconto-Gesellschaft im Oktober 1929. Fusionen und Insolvenzen während der deutschen Bankenkrise vom Juni 1931 ließen die Zahl der Großbanken auf drei Institute schmelzen. Übrig blieben Deutsche Bank, Dresdner Bank und Commerzbank. Als deren Aktienkurse fielen, versuchten sie durch – damals erlaubte – Aktienrückkäufe den Kurs zu stabilisieren, was jedoch deren haftendes Eigenkapital verringerte.Eckhard Wandel: Banken und Versicherungen im 19. und 20. Jahrhundert, 1998, S. 95 (). Daher verfügte die Darmstädter und Nationalbank lediglich noch über fast 50 % reales Eigenkapital, die Commerz- und Privatbank über 50 %, Dresdner 66 % und Deutsche Bank und Disconto-Gesellschaft über 88 %.In England führte eine Fusionswelle bereits 1917/1918 zu den fünf Großbanken „Big Five“ Barclays Bank, Midland Bank, National Westminster Bank, Lloyds Banking Group und National Provincial Bank. Letztere fusionierte 1968 mit der Westminster Bank, so dass die Big Four übrig blieben.

In der Schweiz dehnten die Großbanken ihre Marktanteile zwischen 1930 und 1998 zu Lasten vor allem der Kantonalbanken und Regionalbanken/Sparkassen aus.Andreas Busch: Staat und Globalisierung: Das Politikfeld Bankenregulierung im internationalen Vergleich, 2003, S. 195 () Die Anzahl Großbanken hat sich über die Jahrzehnte durch Zusammenschlüsse und Übernahmen auf zwei reduziert. Die größte Fusion war 1998 der Zusammenschluss der Schweizerischen Bankgesellschaft (UBS) und des Schweizerischen Bankvereins zur neuen UBS. Der Marktanteil der zwei Großbanken (UBS und Credit Suisse) lag 2021 bei rund 30 %. Am 12. Juni 2023 wurde die Credit Suisse von der UBS übernommen.

Zerschlagung und Wiedervereinigung der Großbanken Westdeutschlands in der Nachkriegszeit Nach dem Zweiten Weltkrieg legte der Amerikaner Joseph M. Dodge im Dezember 1945 einen Bankenplan über die Dezentralisierung und Zerschlagung der deutschen Großbanken vor, den der Alliierte Kontrollrat am 21. Oktober 1946 beriet. Mit den Großbanken sollte eine in bestimmten Bereichen dominierende Marktmacht im Kreditwesen verschwinden, um die Konkurrenzbedingungen für kleinere Mitbewerber wie für die Bankkunden zu verbessern.Theo Horstmann, Die Alliierten und die deutschen Grossbanken: Bankenpolitik nach dem Zweiten Weltkrieg in Westdeutschland, 1991, S. 182 Mangels Einigung beschloss am 6. Mai 1947 die amerikanische Militärregierung mit Gesetz Nr. 57, die in ihrer Zone befindlichen Filialbezirke der Deutschen Bank, Dresdner Bank und Commerzbank zu separieren.Rolf W. Nagel: Die Transformation der Bank für Gemeinwirtschaft, 1992, S. 121 (). Dem Gesetz schlossen sich die französische und die britische Militärregierung mit Gesetzen vom 1. Oktober 1947 bzw. 1. April 1948 an.Rudolf Eicke, Das deutsche Bankwesen: Aufbau, Aufgaben und Geschäfte der Banken, Sparkassen und Kreditgenossenschaften, 2013, S. 67, ISBN 978-3-322-96279-9, (). Dadurch wurden die Großbanken von den alliierten Siegermächten zerschlagen und in den Westzonen in 30 Teilbanken aufgeteilt. Im März 1949 begannen Aktivitäten, mit denen die Öffentlichkeit in den angelsächsischen Ländern auf eine Rezentralisierung der Großbanken in Deutschland eingestimmt werden sollte.Lothar Gall, Die Deutsche Bank, 1870-1995, 1995, S. 497 () Verhandlungen hierüber begannen im Oktober 1949, am 12. und 13. Januar 1950 befasste sich der Bundestagsausschuss „Geld und Kredit“ mit der Frage der Neugliederung des Bankensystems, gelangte jedoch nur zu einer Aufforderung an die Bundesregierung, sich mit dem Großbankenproblem möglichst schnell zu befassen.