Das Münchner Künstlerhaus am Lenbachplatz im Zentrum Münchens ist ein ehemaliges Vereinshaus Münchner Künstler.

Der denkmalgeschützte Bau des Künstlerhauses am Rande der Münchner Altstadt und seine Festkultur sind ein Teil der Münchner Stadtgeschichte. Das Münchner Künstlerhaus, erbaut als Ort der Begegnung zwischen Kunst und Gesellschaft, wurzelt noch im Stilempfinden und Gesellschaftsideal des um 1900 bereits ausklingenden Historismus; er wurde von dem bekannten Münchner Architekten Gabriel von Seidl im Stil der Neorenaissance errichtet.

mini|Münchner Künstlerhaus am Lenbachplatz, 2015 Die Gesamtanlage umrahmte ursprünglich den Blick vom Lenbachplatz über die Synagoge zur Frauenkirche. Der viergiebelige Festsaalbau und drei eingeschossige, an den Ecken durch aufgesetzte Pavillons betonte Terrassenbauten gruppierten sich um einen Arkadenhof. Der dreitorige Haupteingang lag an der Herzog-Max-Straße. Der Nebeneingang mit dem Kentaur an der Maxburgstraße führte in die Vorhalle des gewölbten, reich stuckierten Vestibüls des Saalbaues und durch ein Portal ins prunkvoll dekorierte Empfangszimmer, das „Lenbachzimmer“. Hier schlossen sich Musikzimmer, goldenes Empfangszimmer und Bibliotheksaal an. Durch einen Triumphbogen und zwei reich ornamentierte, märchenhaft ausgemalte Räume gelangte man in den Festspeisesaal.

Geschichte Entstehungsgeschichte und Grundsteinlegung

Die Idee der Münchner Künstlerschaft, sich ein eigenes Haus zu bauen, hat eine lange Geschichte und beschäftigte die zahlreichen Künstlergruppierungen in München vier Jahrzehnte lang. mini|Grundsteinlegung Münchner Künstlerhaus am heutigen Lenbachplatz 1893 „Das Haus soll allen Künstlern Münchens ein Sammelplatz sein […] für Frohsinn, Rat und ernste Tat“. Dies ist die Idee, die jeglicher Bestrebung in der Entwicklung und Planung eines Künstlerhauses in München zu Grunde lag. Es sollte ein Haus erschaffen werden, das einem kunstliebenden Bürgertum Gastfreundschaft bietet. Im Jahr 1850 wurden diese Überlegungen erstmals in einem Protokoll niedergeschrieben, 1852 wurde ein Baukomitee gegründet und der Oberbaurat Friedrich Bürklein erstellte einen Kostenvoranschlag, der die Summe von 70.000 Gulden auswies. Nach Jahren der erfolglosen Suche nach Bauland und damit des Stillstands, setzte sich der Münchner Malerfürst Franz von Lenbach für die Idee des Künstlerhauses ein. Seine Durchschlagskraft und seine Beziehungen ließen das lang ersehnte Werk gelingen. Ein Platz an der früheren Stadtmauer wurde bestimmt, an dem das Hofbrunnenhaus stand, genannt „Beim Leinfelder“, in Nachbarschaft der Synagoge, des Hotels Leinfelder und der Maxburg. Dieser Ort hatte symbolische Bedeutung: Lorenz Gedon errichtete hier das erste Vereinslokal der 1871 gegründeten Künstlergesellschaft Allotria, der damals einflussreichsten Künstlervereinigung Deutschlands. Aus ihrer Mitte war die Idee des Künstlerhauses entstanden.

Prinzregent Luitpold legte am 3. Juli 1893 den Grundstein für das vom Architekten Gabriel von Seidl entworfene Gebäude. Im Grundstein war eine Vertiefung zur Aufnahme der Urkunde nebst Silber- und Schaumünzen vorgesehen. Nach den Festreden wurde zu den Worten Ferdinand von Millers die Urkunde in den Stein versenkt.

Wortlaut der Urkunde: Im Jahre des Herrn 1893 am 3. Tage des Juli wurde zu diesem Hause der Grundstein gelegt durch seine königliche Hoheit Prinz Luitpold, Regent von Bayern, der Münchner Künstlergenossenschaft Protektor, den kunsterhabenen Förderer, Beschützer und Freund. Die Künstler, hochherzige Freunde der Kunst und die Stadtgemeinde haben die Mittel beigesteuert, daß, wo zu Trutz und Wehr einst Wall und Graben das alte München schützten, nunmehr eine Heimstätte den Künstlern und der Kunst entstehe. Das Haus soll allen Künstlern Münchens, wie immer im geselligen Verkehr oder zu künstlerischem Schaffen sie ihre eigenen Wege sonst gehen mögen, ein Sammelplatz sein, ein Mittelpunkt für Frohsinn und ernste Tat. München eine Ehre, den Künstlern ein Stolz, der Kunst ein Kleinod für und für. Gebe Gott ein frohes Gelingen und seinen Segen dem Münchner Künstlerhaus. Gez. Eugen von Stieler, 1. Präsident & Albert Schmidt, 2. Präsident der Münchner Künstlergenossenschaft Ferdinand von Miller, 1. Vorsitzender & Franz von Lenbach, 2. Vorsitzender der Künstlerhaus-Baukommission Gabriel von Seidl, Architekt

mini|Die Schöpfer des Münchner Künstlerhauses und seines Schmuckes, Galeriebrüstung im Festsaal 1900 Unter der Führung von Franz von Lenbach und Ferdinand von Miller wurde gebaut. Die Befürchtung, dass die Stadtsilhouette durch den Bau beeinträchtigt werden könnte, wurde durch die Zurückverlegung der Bauflucht des Haupthauses entkräftet. Unter tätiger Anteilnahme des Finanzministers Emil Freiherr von Riedel, der großzügigen Hilfe der Stadt München, die einen Teil des Baugrunds stiftete und einen Baukostenzuschuss gewährte, konnte die Baukommission unter dem Vorsitz von Ferdinand von Miller zur Tat schreiten. Bauherrin war die Künstlergenossenschaft. Für die pompöse Innenausstattung im Stil der Prinzregentenzeit zeichnete Lenbach selbst verantwortlich.

mini|Münchner Künstlerhaus am Morgen seiner Eröffnung am 29. März 1900; im Hintergrund die Münchner Hauptsynagoge Als das Künstlerhaus am 29. März 1900 durch den Prinzregent Luitpold eröffnet wurde, war eine Begegnungsstätte entstanden, an der sich die gut situierten und erfolgreichen Künstler Münchens regelmäßig zusammen fanden. Künstlerfeste, Maskenbälle, Konzerte, Schauspiel- und Tanzabende gehörten von nun an zum Programm. Franz von Lenbach, Fritz August Kaulbach und Franz von Stuck gelten als die Initiatoren und Gestalter vieler großer Veranstaltungen.

1911 bis 1944: Enteignung und Zerstörung Das Münchner Künstlerhaus musste nicht nur mit fröhlichem Leben erfüllt, sondern auch erhalten und finanziert werden. Hier lag von Anfang an die Achillesferse des Baus. Anton Sailer beschreibt die Geschichte dieser Problematik wie folgt: "Die Münchner Künstlergenossenschaft hatte am 7. April 1911 in außerordentlicher Generalversammlung beschlossen, dem Münchner Künstlerhaus-Verein das Haus am Lenbachplatz zu übereignen. Mit der notariellen Übertragung übernahm der Verein alle Verpflichtungen und Hypotheken […]. Die Einnahmen aber minderten sich von Jahr zu Jahr, während die Ausgaben stiegen. So wurde ein Vorschlag der inzwischen gegründeten und autoritär sich gebenden »Reichskammer der bildenden Künste«, das Künstlerhaus ihr zur Repräsentationszwecken in Generalpacht zu geben (...). 1937 gewann der Verein dann die volle Verfügung über das Haus zurück, verlor gleichzeitig aber jene über sich selber - denn an seine Spitze war als erster Vorsitzender Gauleiter Adolf Wagner getreten." Ein zeitgenössischer Bericht aus dem Jahr 1938 schildert, was damals geschah: "Der Gedanke des Gauleiters, alle der Reichskunstkammer angehörenden Künstler Münchens in eine große Kameradschaft zu vereinen, fand die volle Zustimmung des Führers, der die Umgestaltung des Hauses anordnete. Der Künstlerhaus-Verein beschloss in der Generalversammlung vom 2. September 1938 dem Willen der Nationalsozialisten nach zu geben und übereignete seinen ganzen wertvollen Besitz dieser »Kameradschaft der Künstler«. Ein lautes Leben zog nunmehr in alle Räumlichkeiten ein, eine Scheinblüte, weit entfernt von jener Geselligkeit, die früher einmal den Stil des Hauses geprägt hatte." Geheimrat Carl von Marr, langjähriger 2. Präsident des Künstlerhaus-Vereins, wurde 1930 als Nachfolger Ferdinand von Millers zum Präsidenten gewählt. Angesichts der veränderten politischen Lage, die nach 1933 eingesetzt hatte, legte er sein Amt 1934 nieder. Das Münchner Künstlerhaus blieb bis auf weiteres verwaist. Die Zeit der unbeschwerten Feste war mit Aufkommen des Nationalsozialismus beendet. Ein Ball im Februar 1933, initiiert von dem Maler Anton Leidl, war die letzte selbständige Veranstaltung des Künstlerhaus-Vereins.

Die Geschichte der Zerstörung des Münchner Künstlerhauses lässt sich aus bisher unveröffentlichten Tagebuchnotizen des Glaspalastdirektors und Mitglieds des Künstlerhaus-Vereins Walther Zimmermann nachvollziehen. Am 26. November 1928 tagte im Künstlerhaus eine außerordentliche Mitgliederversammlung, in der dem damaligen Vereinspräsidenten Carl von Marr ein Vertrauensvotum zuteilwurde. Am 14. Dezember 1935 übernahm Walther Zimmermann die Geschäftsführung der Reichskammer der bildenden Künste und die der Räume der Bernheimer-Galerie an der Ottostraße. Gemeinsam mit Oswald Pötzelberger, Felix Bürgers und Max Unold sichtete er die Anträge und saß bis in die Nacht hinein im Notbund geistiger Arbeiter. Am 13. März 1935 ließ der Minister Adolf Wagner in einer Ausstellung in der Neuen Pinakothek 16 Werke abhängen, da diese nicht im Sinne des Nationalsozialismus seien.

1938 befahl Adolf Hitler den Umbau des Künstlerhauses sowie kurz danach den Abriss der benachbarten Synagoge. Zeitgleich wurde der Künstlerhaus-Verein aufgelöst, enteignet und von den Nationalsozialisten in die „Kameradschaft der Künstler“ eingegliedert.

Am 14. Juli 1944 brannte das Haus nach einem Fliegerangriff völlig aus.

1945 bis 1955: Beschlagnahmung durch die amerikanische Besatzung Nach dem Einzug der amerikanischen Besatzung wurde der gesamte Besitz beschlagnahmt. Im Keller der Künstlerhaus-Ruine wurde am 24. Dezember 1945 eine Snack-Bar eröffnet, im noch erhaltenen vorderen Teil des Restaurationsbetriebs entstand ein amerikanisches Offizierskasino. Ende 1948 rief der Geheimrat Julius Diez den Münchner Künstlerhaus-Verein neu ins Leben, mit der Zielsetzung, das Künstlerhaus wieder für seinen ursprünglichen Zweck zurückzugewinnen. Als aktive Mitglieder zeichneten u. a. Ernst Sedlmayr, der sich um alle Rechts- und Wirtschaftsfragen kümmerte, sowie Rechtsanwalt Carlo Proebst, Sohn des früheren Schatzmeisters, der die Freigabe des Hauses von der amerikanischen Besatzung, das Wiedererstehen des Vereins und die Wiederherstellung des ursprünglichen Vereinsgedankens maßgeblich vorantrieb. Nach langen Verhandlungen lösten die Amerikaner den im Künstlerhaus untergebrachten Soldatenclub „The American Way“ auf und gaben am 27. September 1955 die Räume wieder für die Eigentümer frei.

1955 bis 1960: Wiederaufbau Nach der Freigabe des Hauses wurde zunächst ein Notdach zur Vermeidung weiterer Schäden an der Ruine des Hauptgebäudes erstellt. Für weitere Baumaßnahmen fehlten dem Künstlerhaus-Verein, der als gemeinnütziger Verein über kein eigenes Vermögen verfügte, die Mittel. Mitte der fünfziger Jahre entstand der Plan, durch die Einrichtung eines Theaters im Künstlerhaus einen Teil der Kosten für den Wiederaufbau zu decken. Trude Kolman, damals Leiterin des literarischen Kabaretts Die kleine Freiheit, erhielt im April 1956 den Zuschlag zur Leitung des Theaters und machte ihrem Mitbewerber Paul Verhoeven das Angebot, als gleichberechtigter Partner in das Unternehmen einzutreten. Kurz darauf wurde die „Theater-Im-Künstlerhaus GmbH“ gegründet, Geschäftsführer wurde Heinz Angermeier. Wenig später scheiterte das von Presse und Bevölkerung begeistert aufgenommene Vorhaben aus Kostengründen.

Eine erste Finanzierungshilfe von 50.000 DM erbrachte eine Spendenaktion, die während der Achthundertjahrfeier der Stadt München weitergeführt wurde. Gleichzeitig versuchte man durch den Gaststättenbetrieb eine tragfähige wirtschaftliche Basis für die anstehenden Baumaßnahmen zu schaffen. Theo Lechner, seit 1950 Präsident des Münchner Künstlerhaus-Vereins, gewann Falk Volkhardt und seinen Kompagnon Benno Spremberg vom Hotel Bayerischer Hof als Pächter. Dies ermöglichte eine rasche Wiederinstandsetzung des Restaurants durch die Architekten Bruno Biehler und Walther von Breuning. Am 19. April 1959 wurden die restaurierten Gaststättenräume wiedereröffnet.