mini|hochkant|Bronia Vinicka Bronia Vinicka Klibanski (24. Januar 1923 in Grodno – 23. Februar 2011) war eine Kasharit, eine Verbindungsperson des jüdischen Widerstands in Polen, die die Menschen in den Ghettos Grodno und Bialystok versorgte. Nach dem Krieg war sie Archivarin in Yad Vashem.

Familie und Jugend Bronia Vinickas Eltern waren Bashia und Leib Vinitski. Sie hatte drei Geschwister, zwei jüngere Schwestern, Dvora und Shulamit, und einen deutlich jüngeren Bruder, Slalom. Ihre Mutter war vor der Hochzeit Schauspielerin und Sängerin am Jiddischen Theater und gab ihren Kindern die Liebe zur jiddischen Kultur weiter, die Sehnsucht nach Palästina und die Bewunderung jüdischer Lieder. Als der Vater, ein Viehhändler, in der Wirtschaftskrise der frühen 1930er Jahre nahezu alle seine Kunden verlor, übernahm die Mutter weitgehend die Versorgung der Familie. Sie eröffnete einen Kiosk und verkaufte Obst und Süßigkeiten.

Als der neue Holzpavillon ihrer Mutter 1935 gerade genug abwarf für Bronias Violinstunden, trat ein antisemitischer Mob auf, aufgehetzt von der Regierung, und zerstörte die Existenzgrundlage der Familie. Bronia war zwölf Jahre alt und wollte nicht mehr in einem Land leben, in dem Juden gehasst werden. Sie beschloss, nach Palästina auszuwandern und trat der zionistischen Jugendorganisation Dror bei.

Untergrundarbeit

1941 besetzte die deutsche Wehrmacht Grodno. Die Familie wurde ausgebombt. Die Besatzer zwangen die gesamte jüdische Bevölkerung ins Ghetto, so auch die Familie, gemeinsam mit 30.000 anderen. Bronia war ein höfliches, aber selbstbewusstes Mädchen mit ausgeprägtem Gerechtigkeitssinn und einer starken Intuition. Ihr Prinzip war, sich nicht zum Opfer machen zu lassen. „Von Anfang an habe ich Ihre Befehle nicht befolgt.“ mini|Ghetto Grodno Mit dieser Haltung und mit ihrem „arischen“ Aussehen, den blauen Augen, war sie prädestiniert für die Rolle als Kurierin (Kashariyot). Die Nationalsozialisten hatten die Rationen so berechnet, dass stets alle im Ghetto richtig Hunger litten, um den Widerstand der jüdischen Bevölkerung zu brechen. Täglich ging Bronia nun auf die Suche nach Essbarem, tauschte Leinen oder Kleidung gegen Nahrung. Juden, die außerhalb des Ghettos angetroffen wurden, mussten mit dem Tod rechnen. Aber Bronia sah nicht aus wie eine Jüdin und sie verhielt sich nicht so, wie sich SS-Männer eine Jüdin vorstellten. Sie hatte keinerlei Akzent und war absolut angstfrei. Sie baute sich einen Kundenstamm innerhalb des Ghettos und einen anderen außerhalb auf und bewegte sich souverän auf beiden Seiten.

Einschneidend war die erste Begegnung mit Mordechai Tenenbaum, einem nationalen Führer der Dror, der im Januar 1942 nach Grodno kam und von dem ersten Massaker von Ponary berichtete, den Kontext analysierte und zum Schluss kam, dass die Nazis alle Juden vernichten wollten. Von da an wurde sie zur Widerstandskämpferin. Einen Monat später sollte sie zu einem nationalen Dror-Treffen nach Bialystok reisen. Mit Charme und schauspielerischem Talent ließ sie sich die Fahrkarte von einem deutschen Offizier bezahlen und Einlass ins Ghetto Bialystok gewährt zu bekommen. Sie kehrte noch einmal für zwei Monate nach Grodno zurück und verabschiedete sich dann von den ihrigen. Im April 1942 versammelten sich Dror-Vertreter aus allen umliegenden Ghettos, sie waren alle unter Lebensgefahr angereist. Das Treffen wurde von Frumka Płotnicka geleitet, die aus Warschau angereist war. Sie feuerte die Genossen an und mobilisierte Widerstandsgeist. Bronia erklärte sich bereit, in Bialystok zu bleiben.

mini|Liquidierung des Ghettos Bialystok Im November 1942 wurde sie Verbindungsperson für Tenenbaum und das Ghetto. Nahezu alle ihrer Vorgängerinnen waren enttarnt und verhaftet worden. Der jüdische Untergrund brauchte Waffen und nur sie konnte sie ins Ghetto liefern. Sie schmuggelte hinein, was gebraucht wurde, und sie schmuggelte raus, was in Sicherheit gebracht werden musste, beispielsweise die Schriften Tenenbaums. Sie sicherte das Geheimarchiv des Ghettos Bialystok. Nach der Zerstörung des Ghettos setzte sie die Arbeit mit Partisanen fort, die sie mit all dem belieferte, was benötigt wurde.

Nach dem Krieg Nach der Befreiung von Bialystok im Sommer 1944 lernte sie Michael Klibanski, genannt Mischa, kennen. Er hatte in der polnischen Armee gekämpft, war in die Sowjetunion geflüchtet und im Winter 1943 mittels Fallschirm in deutsch-besetztem Gebiet abgesetzt worden, um die Partisanen vor Ort zu unterstützen. Die beiden heirateten. Nach dem Untergang des NS-Regimes kehrte sie nach Warschau zurück und betreute Kinder, die durch die Shoah ihre Familien verloren hatten. Sie studierte an den Universitäten Genf und Zürich Kunst- und Theaterwissenschaften. 1950 erhielt sie ihren Abschluss. Danach waren die Eheleute drei Jahre in Zürich, wo Misha sein Doktorat in Ökonomie absolvierte und Bronka sich auf eine Karriere als Schauspielerin vorbereitete. 1953 emigrierte das Ehepaar nach Israel, sie wohnten fortan in Jerusalem. 1957 wurde Sohn Eli geboren.

Holocaust-Dokumentation Bis zu ihrer Pensionierung widmete sich Bronka Klibanski der Dokumentation des Holocaust. Sie arbeitete bei Yad Vashem und organisierte Ausstellungen, Vorträge und Forschung, bearbeitete Kataloge von Archiven und Archivsammlungen von Zeugnissen, Memoiren und Tagebüchern und schrieb historische Artikel über jüdischen Widerstand, unterirdische Archive und Kinder.

Unter anderem bearbeitete sie zwei Bücher über die Aktivitäten von Mordechai Tenenbaum Tamaroff, Kommandeur des Aufstands in den Ghettos von Wilna, Warschau und Bialystok, und schrieb ein Buch mit Geschichten über das Ghetto, die arische Seite, Partisanen und die Lager. 2002 veröffentlichte sie einen Bericht über ihr Handeln in der Besatzungszeit, Ariadne.

Klibanski war Ehrenmitglied der Israel Archives Association, der Administration of Partisans Organization und des Council of Yad Vashem. Eine umfassendere Biografie finden Sie in ihrem Beitrag in dieser Enzyklopädie Bronka (Bronja) Klibanski. Bronka Klibanski ist am 23. Februar 2011 verstorben.

Veröffentlichungen 1958: “The Bialystok Revolt.”, in Yad Vashem Studies 2, S. 295–332 1983: Yalkut Moreshet 36, S. 32–39 (hebräisch) 1889: “Five Hundred Years of Jewish Settlement in Podlasie.”, in Studia Podlaskie 2 (polnisch) 1993: “Children in the Theresienstadt Camp.” in Yalkut Moreshet 54, S. 125–132 (hebräisch) 1995: “L’affaire du transfert de 1200 enfants du ghetto de Bialystok au camp de Theresienstadt.” in Le Monde Juif 155, S. 143–155 1998: “In the Ghetto and in the Resistance: A Personal Narrative.”, In Women in the Holocaust (Hrsg. Dalia Ofer und Lenore J. Weitzman), S. 179–186. 2002: Ariadne, Tel Aviv

Weblinks Jewish Women’s Archive THE KASHARIYOT (COURIERS)

Einzelnachweise

Kategorie:Kasharit Kategorie:Person (polnischer Widerstand 1939–1945) Kategorie:Überlebender des Holocaust Kategorie:Archivar Kategorie:Polnischer Emigrant in Israel Kategorie:Pole Kategorie:Israeli Kategorie:Geboren 1923 Kategorie:Gestorben 2011 Kategorie:Frau Kategorie:Holocaust-Biograph