Lieselotte Jelowik (* 21. August 1937 in Forst (Lausitz); † 16. Februar 2017 in Halle (Saale)) war eine deutsche Juristin und Rechtswissenschaftlerin für deutsche Staats- und Rechtsgeschichte an der Juristischen Fakultät der Universität Halle-Wittenberg.
Leben Die Tochter aus einer Lausitzer Tuchmacherfamilie wuchs mit Geschwistern bei ihrer alleinstehenden Mutter, Flora KleinertHeiner Lück: In memoriam [Nachruf]. In: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte. Germanistische Abteilung, Bd. 135, Heft 1/2018, einer AnlegerinForster Stadtbuch, Adressbuch der Industrie- und Handelsstadt, Ausgabe 1932, Druck und Verlag von E. Hoene, Forst (Lausitz), Teil IV, S. 263 Sp. 1 [Jelowiks Mutter, Flora Kleinert führte als Anlegerin arbeitsgemäß Fäden für die Fadensysteme in den Webmaschinen zur Stoffproduktion in einem Forster Textilbetrieb ein.] auf. In ihrer Geburtsstadt legte sie im Alter von 18 Jahren an der Friedrich-Ludwig-Jahn-Oberschule die Abiturprüfungen erfolgreich ab. Zuvor hatte sie in Pförten (polnisch ab 1946 Brody) von 1943 bis 1951 und danach in Forst die Grundschule besucht. Mit Beginn des Herbstsemesters 1955/56 studierte sie an der Juristischen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg Rechtswissenschaft bis Ende des Frühjahrssemesters 1959. Sie erhielt nach Ablegung des Staatsexamens eine Aspirantur-Stelle im Institut für Staats- und Rechtsgeschichte unter dem damaligen Direktor Rolf Lieberwirth. Das Thema ihrer Dissertation lautete: „Wesen und Begriff der politischen Sondergerichtsbarkeit von 1918 bis zur Gegenwart“.Halle (Saale), Juristische Fakultät, Dissertation vom 29. März 1963; Nach ihrer Promotion 1963 wurde sie zunächst Assistentin und dann Oberassistentin. Sie wurde als juristische Nachwuchslehrkraft für das Studienfach Rechtsgeschichte der DDR aufgebaut mit dem Ziel, Nachfolgerin des Universitätsprofessors Rolf Lieberwirth werden zu können.Albrecht Cordes: Interview mit Prof. Dr. Rolf Lieberwirth am 12. September 2007 in Halle (21. Dezember 2007), in forum historiae iuris; Interview-Wortlaut (Antwort Nr. 74 zur Frage Nr. 73) Sie gab in der DDR jahrelang Vorlesungen zur „Geschichte der Arbeiter- und Bauernmacht“, beispielsweise für die Studierenden des ersten Semesters im ersten Studienjahr 1966/67, während die Vorlesungen zum Römischen Recht für die Studierenden im zweiten Semester dem Lehrstuhlinhaber Lieberwirth vorbehalten blieben. Er hielt zu ihren weitergehenden Forschungen fest, dass sie einen „echten Willen zur Rechtsgeschichte“ aufwies und sorgte dafür, dass Jelowik bei einem Vertreter der historischen Hilfswissenschaften an der Universität Halle, Anton Blaschka, entsprechende Lehrveranstaltungen besuchen konnte. Das betraf insbesondere das Mittellatein, das sich von ihren klassischen Latein-Kenntnissen dadurch unterschied, dass das Mittellatein mit vielen unbekannten Fachausdrücken versetzt war. Im Februar 1980 wurde Jelowik zur Dozentin für Rechtsgeschichte berufen, nachdem sie sich im September 1979 habilitiert hatte.Universität Halle, Rechts- u. Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät; Ab 1. September 1984 wurde sie als Stellvertreterin des Sektionsdirektors Rolf Schüsseler für den Leitungsbereich Erziehung und Ausbildung ernannt. Die (kommissarische) Leitung des Wissenschaftsbereiches Rechtsgeschichte wurde ihr 1986 nach der Emeritierung ihres Lehrers Rolf Lieberwirth übertragen.Lieberwirth, Rolf: Geschichte der Juristischen Fakultät der Universität Halle-Wittenberg nach 1945, 2., ergänzte Auflage, Universitätsverlag Halle-Wittenberg, Halle an der Saale 2010, S. 111; ISBN 978-3-86977-014-7 In der Wissenschaftlichen Zeitschrift der Universität Halle. Gesellschafts- und Sprachwissenschaftliche Reihe reichte sie am 28. März 1991 einen Beitrag als Dozentin am Institut für Rechtsgeschichte und Römisches Recht der Martin-Luther-Universität Halle Wittenberg ein mit dem Titel: Die Reichspublizistik am Ende des Alten Reiches an der halleschen Juristenfakultät.Wissenschaftliche Zeitschrift der Universität Halle. Gesellschafts- und Sprachwissenschaftliche Reihe. XXXX'91 H. 6 S. 97–105,
Freiberufliche Fachautorin Ab 1991 war sie in rechtshistorischen Fachzeitschriften Deutschlands und Österreichs als freischaffende Autorin tätig. Ihr Themenschwerpunkt war die Universitäts- und Wissenschaftsgeschichte des 19. Jahrhunderts. Sie arbeitete ab 1997 an dem Forschungsprojekt Juristische Briefwechsel des 19. Jahrhunderts des Max-Planck-Institut für europäische Rechtsgeschichte (MPIeR) in Frankfurt am Main mit.Kurzporträt Lieselotte Jelowik mit Abb. in Scentia Halensis. Magazin der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Heft 2/2006, S. 12; Darüber hinaus schrieb sie Rezensionen über rechtsgeschichtliche Themen und veröffentlichte ihre Besprechungen vielfach in der Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte. Germanistische Abteilung. Darüber hinaus wirkte sie zusammen mit der promovierten Juristin Elsa Arndt (Jahrgang 1938) an der Übertragung des Tagebuchs von Johannes Arndt (* 1857; † 1931) einem Missionar in Südafrika, mit, das unter Hinzufügung seiner Kurzbiographie im Rahmen der Schriften zum Bibliotheks- und Büchereiwesen in Sachsen-Anhalt 2016 erschien.Berghaus-Sprengel, Anke (Hrsg.): Johannes Arndt (20. März 1857 – 22. Oktober 1931), Missionar in Südafrika – Tagebuch unter Hinzufügung einer kurzen Biographie (Schriften zum Bibliotheks- und Büchereiwesen in Sachsen-Anhalt); ISBN 978-3-86829-867-3
Familie Jelowiks Vater, Kurt KleinertDirk Breithaupt: Rechtswissenschaftliche Biographie DDR. 1993, S. 316; , starb 1938 in der Justizvollzugsanstalt Moabit als politisches Opfer des NS-Regimes, nachdem er im selben Jahr als Regimegegner mit kommunistischem Hintergrund zu einer über einjährigen Gefängnisstrafe „wegen Vorbereitung zum Hochverrat“ verurteilt wurde.Heiner Lück: In memoriam [Nachruf]. In: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte. Germanistische Abteilung, Bd. 135, Heft 1/2018 Die Rechtswissenschaftlerin war mit dem Juristen / Rechtsanwalt Heinz JelowikTraueranzeige der Familie, in: Mitteldeutsche Zeitung, (Ausgabe Halle Saalkreis) Verlagsort Halle (Saale), 22. Februar 2017 verheiratet. Aus der Ehe ging ein Sohn, namens Cornelius Jelowik, hervor. Ihre letzte Ruhestätte fand Lieselotte Jelowik auf dem Stadtgottesacker in Halle an der Saale.Online: Traueranzeige
Schriften (Auswahl) Zur Geschichte der Strafrechtsreform in der Weimarer Republik, 1983 Die Professoren der halleschen Juristenfakultät um die Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert.In: Wissenschaftliche Zeitschrift der Universität Halle. Gesellschafts- und Sprachwissenschaftliche Reihe. XXXX. Jahrgang, Heft 3, S. 127–134, Defizite preußischer Berufungspolitik in der halleschen Juristenfakultät um die Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert.In: Zeitschrift für Neuere Rechtsgeschichte (ZNR) Bd. 13, Wien (1991), S. 1–16; Kuriosa aus der Geschichte der halleschen JuristenfakultätZeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte. Germanistische Abteilung (ZRG GA), 1992; Die standesungleiche Ehe in Preußen im 19. Jahrhundert.In: ZNR Bd. 17, Wien (1995), S. 177–200; Tradition und Fortschritt. Die hallesche Juristenfakultät im 19. JahrhundertISBN 978-3-452-24025-5 Der Sachsenspiegel als Gegenstand des akademischen Unterrichts an der halleschen Juristenfakultät im 19. und 20. JahrhundertIn: Rolf Lieberwirth (Hrsg.): Rechtsgeschichte in Halle. Gedächtnisschrift für Gertrud Schubart-Fikentscher (1896-1985), S. 69–80; ISBN 978-3-452-24000-2 Briefe deutscher und Schweizer Germanisten an Karl Josef Anton Mittermaier, (Hrsg. u. Bearbeiterin L. Jelowik) 2001ISBN 978-3-465-03152-9 Die Geschichte der imperialistischen Strafrechtsreform in Deutschland als Ausdruck der Perspektivlosigkeit des imperialistischen Systems (1979)Universität Halle, Rechts- und Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät, Dissertation B;
Literatur Dirk Breithaupt: Rechtswissenschaftliche Biographie DDR Kiel/Berlin 1993, S. 316 f. Lieberwirth, Rolf: Geschichte der Juristischen Fakultät der Universität Halle-Wittenberg nach 19452., ergänzte Auflage, Universitätsverlag Halle-Wittenberg, Halle an der Saale 2010, S. 105, 111, 116; ISBN 978-3-86977-014-7
Weblinks Albrecht Cordes: Interview mit Prof. Dr. Rolf Lieberwirth am 12. September 2007 in Halle (21. Dezember 2007), in forum historiae iuris; Interview-Wortlaut „In memoriam“, Nachruf für L. Jelowik von Heiner Lück Traueranzeige Lieselotte Jelowik
Einzelnachweise
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