Der Marathon Grand Championship 2019 (; Abkürzung MGC) war ein Marathonlauf mit dem Ziel, die japanischen Teilnehmer für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio in dieser Disziplin zu bestimmen. Bei dem am 15. September 2019 vom nationalen Leichtathletikverband JAAF ausgerichteten Wettbewerb traten infrage kommende Läufer erstmals gegeneinander an, nachdem die Selektion zuvor alleine dem Verband oblag. Während sich die ersten zwei Läufer und Läuferinnen im Ziel sicher qualifizierten, war der dritte Startplatz allerdings auch nach dem Rennen noch vakant und konnte sich mit einer schnellen Zeit erlaufen werden. Dem Marathon Grand Championship voraus ging ein über zweieinhalb Jahre andauernder Zeitraum, in dem sich Athleten für die Teilnahme qualifizieren konnten.
Hintergrund Für eine Teilnahme an den Olympischen Spielen müssen Athleten zumeist eine Qualifikationsnorm unterbieten oder andere Voraussetzungen erfüllen. Gleichzeitig ist die Anzahl an verfügbaren Startplätzen pro Nation beschränkt. In der Leichtathletik sind pro Einzeldisziplin standardgemäß drei Startplätze verfügbar; bei mehr Qualifizierten in einem Land wird national entschieden, wer teilnehmen darf. In Japan erfolgte diese Entscheidung in der national sehr populären Disziplin Marathonlauf bis dato durch ein Komitee des japanischen Leichtathletikverbandes (JAAF), welches die Teilnehmer an Olympischen Spielen oder anderen internationalen Meisterschaften beruhend auf Ergebnissen bei bestimmten Selektionsrennen und vorherigen internationalen Meisterschaften auswählte. Dies konnte aufgrund der dem System innewohnenden subjektiven Komponente immer wieder zu umstrittenen Entscheidungen führen – so wurde beispielsweise 2004 die amtierende Olympiasiegerin Naoko Takahashi nicht nominiert. Im Vorfeld der Olympischen Spiele im eigenen Land führte die JAAF nun erstmals ein System ein, mit dem die Teilnehmer anhand vorher festgelegter Kriterien ausgewählt wurden. Ähnlich den Olympic Trials in den Vereinigten Staaten konnten sich dabei Läufer für ein am 15. September abgehaltenes Auswahlrennen – dem Marathon Grand Championship – qualifizieren, wobei die Teilnahmevoraussetzungen deutlich strenger als in den USA waren und sich unter bestimmten Voraussetzungen auch nach dem MGC-Rennen noch Veränderungen im Olympiateam ergeben konnten. Der gewählte Kurs in Tokio entsprach weitestgehend dem geplanten Streckenverlauf der Marathonläufe bei den Olympischen Spielen im Folgejahr.
Regularien Qualifikation Die Qualifikation für den Marathon Grand Championship erfolgte über zwei Systeme. Einerseits wurde eine sogenannte MGC Series geschaffen, bei der sich Läufer über vorgegebene Platzierungs- und Zeitvorgaben bei großen einheimischen Marathonläufen qualifizieren konnten; anderseits war unter bestimmten Voraussetzungen auch eine Teilnahme über eine sogenannte Wildcard möglich.
MGC Series Bei den folgenden Rennen konnten von 2017 bis 2019 unter den aufgeführten Voraussetzungen eine Teilnahme erlaufen werden. Die Serie begann mit dem Hokkaido-Marathon am 27. August 2017 und endete mit dem Biwa-See-Marathon sowie dem Nagoya Women’s Marathon am 10. März 2019, sodass jede der jährlich ausgetragenen Veranstaltungen zweimal als Qualifikationsrennen diente. Die zu erreichenden Platzierungsvorgaben beziehen sich auf das nationale Ranking im Gesamteinlauf, wobei bereits qualifizierte Läufer nicht dazuzählten. Aufgrund der japanischen Tradition getrennter Männer- und Frauenmarathons im Elitebereich konnte sich zumeist nur ein Geschlecht pro Veranstaltung qualifizieren. Die im Vergleich langsameren Zeiten beim Hokkaido-Marathon erklären sich durch den Austragungszeitpunkt im japanischen Sommer, durch den die Veranstaltung zumeist bei schwülwarmen Wetter stattfindet. Monat Veranstaltung Geschlecht Normen(nationales Ranking) August Hokkaido-Marathon Männer 2:15:00 h (Platz 1)2:13:00 h (bis Platz 6) Frauen 2:32:00 h (Platz 1)2:30:00 h (bis Platz 6) November/Dezember Saitama-Marathon Frauen 2:29:00 h (bis Platz 3)2:28:00 h (bis Platz 6) Dezember Fukuoka-Marathon Männer 2:11:00 h (bis Platz 3)2:10:10 h (bis Platz 6) Januar Osaka Women’s Marathon Frauen 2:28:00 h (bis Platz 3)2:27:00 h (bis Platz 6) Februar Beppu-Oita-Marathon Männer 2:11:00 h (Platz 1)2:10:00 h (bis Platz 6) Tokio-Marathon Männer 2:11:00 h (bis Platz 3)2:10:00 h (bis Platz 6) März Biwa-See-Marathon Männer 2:11:00 h (bis Platz 3)2:10:00 h (bis Platz 6) Nagoya Women’s Marathon Frauen 2:28:00 h (bis Platz 3)2:27:00 h (bis Platz 6)
Wildcard Über die Wildcard-Option konnten sich Läufer qualifizieren, die im Zeitraum vom 1. August 2017 bis zum 30. April 2019 auf Männerseite schneller als 2:08:30 h und bei den Frauen schneller als 2:24:00 h liefen oder deren zwei schnellste Marathons in dieser Periode im Schnitt schneller als 2:11:00 h bzw. 2:28:00 h waren. Dieses Kriterium war nicht an Rennen der MGC Series gebunden, Voraussetzung waren nur vom Weltleichtathletikverband IAAF als weltrekordtauglich zertifizierte Strecken. Des Weiteren gingen Wildcards an Läufer, die sich bei den Weltmeisterschaften 2017 in London in den Top 8 oder bei den Asienspielen 2018 in den Top 3 platzierten. Diese Kriterien kamen aber nicht zum Zuge, weil bei den Weltmeisterschaften keinen japanischen Athleten ein Platz unter den besten acht gelang und bei den Asienspielen zwar Hiroto Inoue und Keiko Nogami auf dem Podest landeten, beide sich aber schon zuvor qualifiziert hatten. Ebenfalls nicht zum Einsatz kam die letzte Wildcard-Regel, nach der ein Komitee bei durch schlechtes Wetter oder anderen Umstände beeinflussten Rennen der MGC Series einzelnen Athleten die Startberechtigung erteilen hätte können, soweit bei einem solchen Rennen keinem einzigen Athleten die Qualifikation gelungen war.
Olympianominierung Direkt qualifiziert für die Olympischen Spiele waren nach den Regularien zunächst nur die Sieger. Ein weiterer Startplatz pro Geschlecht ging an die zweitplatzierten Athleten, solange die drittplatzierten Athleten nicht eine vorher festgelegte Richtzeit im MGC-Qualifikationszeitraum unterboten hatten (2:05:30 h bei den Männer, 2:21:00 h bei den Frauen), wodurch dann diese trotz ihrer Niederlage im direkten Duell ins Team gerutscht wären. Hätten allerdings beide Athleten diese Zeiten unterboten, wäre der beim MGC Bessere gesetzt gewesen. Da aber sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen keinem Läufer eine solche Zeit gelang – besonders die Männerzeit gut 45 s unter dem damaligen Nationalrekord wurde strikt gesetzt – war schon im Vorhinein klar, dass auch die auf Platz 2 einlaufenden Athleten sich ihres Tickets sicher sein konnten. Abwarten mussten die drittplatzierten Läufer, denn sie konnten bis in den März 2020 im Rahmen der MGC Final Challenge noch von Läufern verdrängt werden, die bei bestimmten einheimischen Marathonläufen schneller als die besten im MGC-Qualifikationszeitraum erzielten Zeiten liefen. Die zwei besten nicht direkt nominierten Läufer vom MGC blieb die Rolle als Ersatzläufer. Der japanische Leichtathletikverband hält es sich in Fällen von unzureichender Fitness aufgrund von Verletzungen oder anderen Gründen vor, einen der Ersatzläufer anstelle eines eigentlich selektierten Läufers zu nominieren.
Der Weltleichtathletikverband IAAF garantierte den Top 5 des MGC im Vorhinein ein Startrecht für Olympia, sodass eventuell nicht erfüllte internationale Olympianormen (2:11:30 h und 2:29:30 h) nicht in den Selektionsprozess eingegriffen hätten.
Strecke mini|Beschriftete Luftbildaufnahme des Zielbereichs aus dem Jahr 1989 mit der Icho-Namiki-Allee (8) und dem Nationalstadion (2) Veranstaltungsort des Marathon Grand Championship war Tokio, die Strecke entsprach weitestgehend dem ursprünglich geplanten Olympiakurs, der später im Jahr wegen Hitzebedenken nach Sapporo verschoben wurde. Abweichend von diesem Kurs lagen Start und Ziel nicht im noch nicht fertiggestellten Nationalstadion, sondern nahegelegen auf der Icho-Namiki-Allee in der Anlage Meiji-jingu Gaien. Auf dem Weg wurden Sehenswürdigkeiten wie das Kaminari-mon, der Stadtteil Ginza, der Kaiserpalast, der Tempel Zojo-ji und die Brücke Nihombashi passiert. Die ersten etwa fünf Kilometer hatten ein Gefälle von ungefähr dreißig Höhenmetern, die am Ende identisch wieder zurück bewältigt werden mussten. Dazwischen war das Höhenprofil relativ flach.
Qualifizierte Läufer Insgesamt qualifizierten sich 34 Läufer und 15 Läuferinnen für den Marathon Grand Championship. Als letzter Läufer gelangte Kengo Suzuki ins Feld, der am 28. April 2019 zusammen mit einigen Landsleuten zwei Tage vor Schluss des Qualizeitraums den Hamburg-Marathon lief und am Ende drei Sekunden unter der Zeit blieb, die er für eine Wildcard über den Schnitt der zwei schnellsten Zeiten benötigte. Ähnlich knapp verpasste dahingegen Takuya Noguchi die Teilnahme, dessen Sieg 2017 beim Gold-Coast-Marathon in 2:08:59 h noch einen Monat vor diesem Zeitraum erfolgte und dem danach drei Sekunden für eben jene Wildcard-Option fehlten. Bei den Frauen war Yukari Abe beim Osaka Women’s Marathon 2019 nach 2:28:02 h zwei Sekunden zu spät im Ziel für die Qualifikation.
Die meisten qualifizierten Läufer gehörten wie in Japan üblich einem Firmenteam an, bei deren Sponsor sie typischerweise für einige Arbeitsstunden einer belastungsarmen Tätigkeit nachgehen, sonst aber als Laufprofis bezahlt werden. Ausnahmen davon waren Suguru Ōsako, der für das US-amerikanische Nike Oregon Project startete, der als Amateur antretende Yūki Kawauchi und Daichi Kamino sowie Reia Iwade, die außerhalb des Firmenteam-Systems ihre persönlichen Sponsoren repräsentierten. Kensuke Horio qualifizierte sich noch als Student der Chuo-Universität für die Teilnahme, war zum Zeitpunkt des MGC-Rennens aber bereits Teil des Firmenteams von Toyota. Bei den Männern war Daisuke Uekado der einzige Läufer, der eine Universität außerhalb der Kanto-Region besuchte, deren Universitäten wegen des auf diese Region beschränkten Hakone Ekiden für gewöhnlich die besten Läufer des Landes an sich ziehen. Drei Läufer besuchten derweil keine Universität, sondern schlossen sich direkt nach der Oberschule einem Firmenteam an, während bei den Frauen ohne ein mit der Popularität des Hakone Ekiden vergleichbares Universitäts-Ekiden-Rennen mit Ayuko Suzuki und Sairi Maeda nur zwei Läuferinnen an eine Universität gingen. Die jüngsten Läufer im Feld waren die zum Zeitpunkt des MGC 22-jährige Mao Ichiyama und der 23-jährige Kensuke Horio, am ältesten waren die viermalige Olympiateilnehmerin Kayoko Fukushi (37) und Masato Imai (35).
In den folgenden Tabellen sind die Athleten, denen die Qualifikation für den Marathon Grand Championship gelang, chronologisch nach dem erstmaligen Erfüllen der Teilnahmevoraussetzungen aufgeführt. Athleten, den dies mehr als einmal gelang, sind somit nicht mehrfach gelistet, zumal sie bei Rennen der MGC Series danach auch nicht mehr für das nationale Ranking zählten. Die angegebenen Bestzeiten (PB) bezieht sich auf das Austragungsdatum des MGC, können also auch nach der Qualifikation für diesen gelaufen worden sein.
Männer Wildcard