mini|Statue der Gottesmutter in Medjugorje (2023) Bei den Marienerscheinungen von Međugorje (transkribiert auch Medjugorje) soll einer Gruppe von sechs Jugendlichen auf einem Hügel nahe dem Dorf Međugorje in der westlichen Herzegowina (Bosnien und Herzegowina) am 24. Juni 1981 und den darauffolgenden Tagen die Gottesmutter Maria erschienen sein. Einigen dieser Personen soll die Muttergottes seitdem täglich erscheinen und ihnen Botschaften übermitteln.
Diese längste und größte Serie von Marienerscheinungen in der Geschichte des Katholizismus zieht gegenwärtig zahlreiche Pilger aus der ganzen Welt an. Sie hat zu innerkirchlichen und außerkirchlichen Diskussionen geführt.
Wallfahrten sind seit 2019 auf Anordnung von Papst Franziskus offiziell erlaubt, wobei die Entscheidung des Papstes nicht als Anerkennung der Visionen zu verstehen ist, sondern angesichts des „beträchtlichen Zustroms nach Medjugorje und der reichen Früchte der Gnade, die daraus entstanden sind“ seelsorglich motiviert ist. Im Jahr 2024 erteilte der Papst auch seine Zustimmung zur Marienverehrung, ohne die sogenannten Botschaften und Visionen als übernatürlich anzuerkennen.mini|Pilger bei einer Veranstaltung in Međugorje (2006)
Charakteristiken der Erscheinungen Bei den Erscheinungen von Medjugorje handelt es sich um die längste Serie angeblicher Marienerscheinungen in der Geschichte der römisch-katholischen Kirche, von 1981 bis heute. Drei der sogenannten Seher behaupten, die Gottesmutter („Gospa“) bis heute täglich zu sehen. Bis 2021 hätten die „Seher“ demnach insgesamt über 52.000 Mal Schauungen gehabt.
Die Gottesmutter habe sich als Königin des Friedens identifiziert. Ihr zentrales Anliegen sei die Bekehrung der ganzen Welt hin zu Gott und zum Heil. Sie komme, um die Welt zum letzten Mal zur Umkehr aufzurufen. mini|Kreuz von Medjugorje (2012) Die Botschaften werden oft in den „Fünf Steinen von Medjugorje“ zusammengefasst, eine Analogie, die der Pfarrer, Pater Jozo Zovko, in Anlehnung an David und Goliath prägte: Gebet des Rosenkranzes; Heilige Messe als Zentrum des Lebens; monatliche Beichte; Fasten (mittwochs und freitags nur mit Brot und Wasser); Lesen der Heiligen Schrift. Weitere wichtige Praktiken, die betont werden, sind die Anbetung des Allerheiligsten Sakraments, die Verehrung des Kreuzes und das Lesen der Vita von Heiligen.
Ein Teil der Visionen betrifft sogenannte Geheimnisse. Die Gottesmutter soll jedem Seher Geheimnisse anvertraut haben, die künftige Ereignisse von großer Bedeutung betreffen. Die Seher, die die zehn Geheimnisse erhalten haben (Mirjana, Ivanka, Jakov), sehen die Gottesmutter nach eigenen Angaben nur noch jährlich. Mirjana Soldo soll auserwählt worden sein, die Geheimnisse zehn Tage vor deren Eintreten einem Franziskanerpriester mitzuteilen, der sie drei Tage vor der Realisierung der Welt offenbaren solle. mini|Pilger in Medjugorje (2006) Seit Beginn der Erscheinungen haben sich über 60 Millionen Menschen auf den Weg nach Medjugorje gemacht. Die jährliche Pilgerzahl beträgt aktuell 2,5 Millionen. Vor Ort sind etwa 30 religiöse Gemeinschaften und karitative Organisationen tätig. Das tägliche Abendgebetsprogramm der Pfarrei, das von Pater Jozo Zovko ins Leben gerufen wurde, umfasst Rosenkranz, Heilige Messe, Anbetung und Beichtgelegenheiten. Es dauert etwa 3–4 Stunden. Über 6 Millionen Menschen verfolgen das Abendprogramm täglich live im Internet. Ein jährliches Jugendfestival zieht etwa 80.000 Teilnehmer an. Medjugorje wird oft als „Beichtstuhl der Welt“ bezeichnet, da das Sakrament der Beichte dort intensiv erlebt wird. Es gibt 65 Beichtstühle, die oft nicht ausreichen.
Das Dikasterium für die Glaubenslehre hat in seiner Note über die geistliche Erfahrung im Zusammenhang mit Medjugorje (2024) die Früchte der Erscheinungen als ein zentrales Element bei der Beurteilung des Phänomens herausgestellt. Die positiven Früchte manifestieren sich demnach vor allem in der Förderung einer gesunden Glaubenspraxis, die im Einklang mit der kirchlichen Tradition steht. Die Note spricht davon, dass Pilger nach Medjugorje kommen, um ihren Glauben zu erneuern, anstatt nur konkrete Anliegen vorzubringen; von einer großen Zahl von Bekehrungen und häufiger Rückkehr zu den Sakramenten der Eucharistie und der Versöhnung (Beichte). Die Note hebt die Bekehrungen von Menschen hervor, die Gott und der Kirche fernstanden und einen radikalen Wandel von einem sündhaften zu einem am Evangelium orientierten Leben vollzogen haben.
Chronik der sogenannten Marienerscheinungen mini|hochkant|Statue der Jungfrau Maria in Međugorje
Mittwoch, 24. Juni 1981: Der erste Tag der Erscheinungen An diesem Datum wird kirchlich das Fest Johannes des Täufers gefeiert. Die Ereignisse sollen gegen 15 Uhr oder in der Dämmerung begonnen haben. Zwei Teenager, Ivanka Ivankovic (15 Jahre) und Mirjana Dragicevic (16 Jahre), waren auf einem Weg in Podbrdo, oberhalb des Dorfes Bijakovici, unterwegs. Ivanka will plötzlich ein helles Licht in einiger Entfernung gesehen haben und rief daraufhin „Feuer!“ Das Licht habe eine menschliche Form angenommen, woraufhin Ivanka ausrief: „Das ist die Jungfrau!“ Mirjana, die als intellektueller beschrieben wird, entgegnete, dass dies unmöglich die Jungfrau sein könne. Beide gerieten in Panik und flohen.
Beim Abstieg trafen sie Milka Pavlovic, die jüngere Schwester von Marija. Alle drei sollen die Erscheinung erneut gesehen haben. Vicka Ivankovic kam hinzu, sah die Erscheinung, wurde von Furcht ergriffen und floh. Sie traf dann die Jungen Ivan Dragicevic (16 Jahre) und Ivan Ivankovic (20 Jahre). Auch diese hätten die Erscheinung gesehen, so wird berichtet, flohen jedoch ebenfalls. Vicka kehrte zurück, schaute etwa fünf Minuten, floh dann aber wieder nach Hause, erfüllt von einem Gefühl der Freude und gleichzeitigen Angst. Im Folgenden erzählten die Jugendlichen von ihrer Vision. Während die Dorfbewohner spotteten, zeigten sich die Eltern besorgt über mögliche Konflikte mit der kommunistischen Miliz.
Donnerstag, 25. Juni 1981: Der zweite Tag Am 25. Juni 1981 schloss sich statt Milena „Milka“ ihre Schwester Marija Pavlovic (* 1965) den vier Jugendlichen an, die außerdem Jakov Colo (10 Jahre) aus der Nachbarschaft mitbrachten.
Die beiden Ivan waren nicht anwesend. Vicka lief los, um Marija Pavlović und Jakov Colo zu holen. Marija beschrieb, dass sie sich fühlte, als würde sie jemand zum Erscheinungsort ziehen. Die Kinder rannten angeblich so schnell durch Dornen und Gestrüpp, „als würde uns etwas tragen“, und die Leute konnten ihnen nicht folgen.
Die sogenannten Seher näherten sich der Gestalt und berührten sie. Vicka berichtete, sie habe das Gefühl gehabt, Stahl zu berühren, während Marija sagte, die Kleidung sei wie Luft gewesen. Als sie die Erscheinung berührten, soll die „Gottesmutter“ gelacht haben. Die Erscheinung, die wie eine junge Frau von etwa 20 Jahren aussah, soll eine Stimme gehabt haben, die sang. Auf Ivankas Frage nach ihrer kürzlich verstorbenen Mutter habe sie die Antwort erhalten, es gehe ihr gut und sie solle der Großmutter gehorchen.
26. Juni 1981 (Freitag): Die dritte Erscheinung Eine große Menge von über tausend Menschen war anwesend. Die Erscheinung schien sich nur langsam zu manifestieren: zuerst ein kleiner Nebel, dann ihr Körper und ihr Kopf. Jakov und Mirjana berichteten, dass die Erscheinung von drei Lichtblitzen angekündigt wurde.
Ivanka fragte die „Gottesmutter“, warum sie gekommen sei. Sie antwortete: „Weil wir sehr gläubig sind und wir vereint bleiben müssen“. Es gab auch eine Anspielung auf die Versöhnung. Vicka besprengte die Erscheinung mit Weihwasser. Jakov erinnerte sich, dass Ivanka, Marija und Vicka beim Besprengen mit Weihwasser ohnmächtig wurden.
Eine zweite Erscheinung soll es an jenem Tag für Marija allein vor einem Kreuz gegeben haben, bei der die Gottesmutter weinend gesagt habe: „Friede, Friede, Friede und nur Friede! Der Friede muss zwischen Gott und dem Menschen und zwischen den Menschen herrschen!“
27. Juni 1981 (Samstag): Die vierte Erscheinung Pater Jozo Zovko, der gerade von einer Exerzitienleitung zurückkehrte, befragte die Seher erstmals zusammen mit Pater Zrinko Čuvalo, getrennt. Zovko drückte seine Verwunderung aus, dass die „Gottesmutter“ bisher keine wichtige Botschaft übermittelt habe.
Bei der vierten Erscheinung befand sich über der „Gottesmutter“ ein graues Kreuz ohne Korpus (wie die Farbe des Gewandes der Dame). Marija berichtete, dass die Erscheinung mehrmals verschwand und wieder erschien, weil die Menschen versehentlich ihren Schleier zertraten.
28. Juni 1981 (Sonntag): Die fünfte Erscheinung Auf die Frage nach einem Zeichen habe die Gottesmutter gelächelt und sei sofort verschwunden. Bei der zweiten Frage sagte sie nur: „Geht in den Frieden des Herrn“ und verschwand. Zovko äußerte später, wenn es keine Botschaft gebe, sei die gesamte Angelegenheit nichts anderes als eine „Angelegenheit von Clowns“.
29. Juni 1981 (Montag): Die sechste Erscheinung Die sogenannten Seher wurden in die psychiatrische Klinik in Mostar gebracht. Der Psychiater attestierte ihnen psychische Gesundheit.
Bei der Erscheinung des Tages soll die „Gottesmutter“ die Heilung des gelähmten dreijährigen Jungen Daniel Šetka versprochen haben. Zovko stellte am nächsten Tag fest, dass die versprochene Heilung des Jungen nicht eingetreten war. Ivanka fragte sie nach eigenen Aussagen, wie lange die Gottesmutter noch bleiben würde. Die Antwort sei gewesen: „Solange ihr es wünscht, solange ihr wollt“.
30. Juni 1981 (Dienstag): Die siebte Erscheinung Aufgrund der Anwesenheit der Polizei wurden die Seher (ohne Ivan Dragićević) zu einer Exkursion in die Ebene von Cerno (an der Straße nach Ljubuški) mitgenommen. Die „Gottesmutter“ erschien dort in der Ferne.
Auf Mirjanas Frage, wie lange sie noch erscheinen würde, habe sie diesmal geantwortet: „Noch drei Tage“ (also bis Freitag, den 3. Juli 1981). Dies widersprach der Aussage vom Vortag. Mehrere Zeugen bestätigten, dass die Seher diese Aussage der Gottesmutter über das Ende am Freitag (3. Juli) mitgeteilt hätten.
1. Juli bis 3. Juli 1981: Die letzten Tage der ersten zehn Tage 1. Juli: Eine „Erscheinung im Auto“ soll stattgefunden haben. Pater Zovko will in der Kirche eine mystische Audition erlebt haben: Er habe eine Stimme gehört, die ihm befahl, die Kinder zu schützen. Er versteckte die „Seher“ vor der Polizei, und es soll eine Erscheinung im Pfarrhaus gegeben haben. Zovko sagte später aus, er habe an diesem Tag „eine Begegnung mit der Gottesmutter“ gehabt und sie gesehen.
2. Juli: Es soll eine erste Erscheinung in der Pfarrkirche stattgefunden haben. Pater Zovko predigte über Bekehrung, Fasten und Gebet und bat die Seher, ihr Zeugnis abzulegen.
3. Juli: Die Seher verkündeten, dass die „Gottesmutter“ gesagt habe, dies sei ihre letzte Erscheinung. Eine Erscheinung soll zweimal im Pfarrhaus stattgefunden haben.
Geistlicher Gehalt der sogenannten Erscheinungen Der spirituelle Inhalt der mutmaßlichen Botschaften ist durch mehrere sich ständig wiederholende Hauptthemen gekennzeichnet, die die „Note über die geistliche Erfahrung im Zusammenhang mit Medjugorje“ (Glaubensdikasterium 2024, zitiert in eckigen Klammern) zusammenfasst.
Die ursprünglichste Anrufung Marias ist die als „Königin des Friedens“. Die Gospa wurde von ihrem Sohn gesandt, um den Menschen zum Frieden zu verhelfen. Dieser Friede wird theozentrisch gesehen und umfasst nicht nur die Abwesenheit von Krieg, sondern auch eine geistliche, familiäre und soziale Bedeutung. Ohne Gebet gibt es keinen Frieden; der Friede kommt aus dem Gebet und verbreitet sich durch missionarischen Einsatz.
Die Bekehrung (Umkehr) wird als die wichtigste Botschaft und als der Kern der Sendung der Gospa betrachtet.