Das Langsame Bienenlähmungsvirus (auch kurz Langsames Lähmungsvirus genannt, , SBPV oder SPV, auch ; Spezies Iflavirus apistardum) ist ein Virus in der Gattung Iflavirus (Familie Iflaviridae).ICTV: Taxonomy Browser.ICTV: Virus Metadata Resource (VMR).Benjamin Dainat, Anton Imdorf, Jean-Daniel Charrière, Peter Neumann: , in: Schweizerische Bienen-Zeitung 5/2008: Forschung, Zentrum für Bienenforschung, Agroscope Liebefeld-Posieux ALP, 3003 Bern (PDF)NCBI: Slow bee paralysis virus (species) Es ist nicht zu verwechseln mit dem Akuten Bienenlähmungsvirus oder dem „Chronischen Bienenlähmungsvirus“. SBPV wurde 1974 in England entdeckt.Slow Bee Paralysis virus, Polyprotein gene, Techne qPCR test, Quantification of Slow Bee Paralysis virus genomes, Advanced kit handbook HB10.01.08 (PDF) Es befällt Honigbienen (Apis mellifera), Hummeln (Bombus spp.) und Seidenraupen (Bombyx mori). Übertragen werden die Viren durch die Varroamilbe (Varroa destructor) als Vektor.
Das Virus verursacht Lähmungen in den vorderen beiden Beinpaaren erwachsener Bienen, was letztlich zu ihrem Tod führt. Infektionen mit Viren aus der Familie Iflaviridae gehören zu den häufigsten Todesursachen von Honigbienenvölkern. Da Bienen und Seidenraupen von großer wirtschaftlicher und biologischer Bedeutung sind, ist das Virus Gegenstand laufender Forschung.
Aufbau mini|hochkant=1.5|Aufbau der SBP-Virionen Die Virionen (Virusteilchen) von SBPV haben ein ikosaedrisches Kapsid, das aus 60 Kopien von drei Proteinen besteht, die allen Picornavirales gemeinsam sind. Diese Proteine haben eine Größe von 46, 27 und 29 kDa. Eines dieser drei Proteine (VP3) hat eine C-terminale kugelige Domäne, die sich zu einer einzelnen kugeligen Protein-P-Domäne faltet.
Dieses Protein hat im Kapsid eine hervorstehende Position, so dass es leicht mit den Wirtszellen interagieren kann, wenn das Virusteilchen auf diese trifft. Diese Rezeptoraktivität ist bei vielen Pflanzenviren bekannt, wurde aber bei der Ordnung Picornavirales zuvor noch nicht beobachtet.
Genom SBPV ist ein unbehülltes Virus. Es hat ein einzelsträngiges RNA-Genom positiver Polarität mit einer Länge von 9470 nt (Nukleotiden). Am 5'-Ende hat die nicht-translatierte Region (Leader-Sequenz, 5'-UTR, ) eine Länge von ca. 300 nt, am 3'-Ende hat die nicht-translatierte Region (3'-UTR) eine Länge von ca. 270 nt, terminiert durch einen Poly(A)-Schwanz. Die kodierende Region der RNA kodiert (u. a.) eine RNA-abhängige RNA-Polymerase. Obwohl sie noch nicht identifiziert wurde, wird erwartet, dass ein virales Genom-gebundenes Protein, das an Stabilität, Replikation und Translation beteiligt ist, an das 5'-Ende gebunden ist.
Obwohl es nicht identifiziert wurde, wird erwartet, dass ein virales Protein (VPg, en. ) an das 5'-Ende gebunden ist und so nicht nur für Stabilität sorgt, sondern auch an Replikation und Translation beteiligt ist.
Replikationszyklus Es gibt derzeit (Stand 10. Dezember 2020) noch wenig gesicherte Erkenntnisse über den Replikationsmechanismus von SBPV. Verschiedene Vermutungen sind diskutiert bei: J. de Miranda (2010) S. Kalynych et al. (2016) S. Kalynych et al. (2017)
Übertragung mini|Das Virus infiziert Bienen durch Milben, die in den Bienenvölkern leben. mini|Varroa destructor auf einer Honigbiene mini|Varroa-Milbe auf einer Honigbienenlarve SBPV wird, wie etliche andere Bienenviren durch einen weit verbreiteten Parasiten, die Varroamilbe (Varroa destructor), als Vektor übertragen. Dies geschieht, wenn sich die Milben von der Hämolymphe der (adulten) Bienen und Puppen ernähren und diese dabei infizieren. Das Virus reichert sich hauptsächlich im Kopf, in den Speicheldrüsen und im Fettgewebe der Biene an. Weniger betroffen sind die Hinterbeine, der Mitteldarm und das Rektum. Aus diesem Grund kann das Virus auch durch orale Übertragung zwischen Bienen (z. B. von Adulten auf Puppen) verbreitet werden.
Systematik Es gibt zur Spezies SBPV zwei Virusstämme, Rothamsted und Harpenden, die auf Nukleotidebene zu 83 % und auf Aminosäureebene zu 94 % identisch sind.
Neben SBPV gibt es in der Gattung Iflavirus weitere Bienen parasitierende Virusspezies, das Flügeldeformationsvirus (DWV) inklusive Kakugo-Virus (KV, KaV),NCBI: Kakugo virus (no rank) das Sackbrut-Virus (SBV), das „Varroa destructor virus 1“ (VDV1),Eugene V. Ryabov, A. K. Childers, Y. Chen et al.: Recent spread of Varroa destructor virus-1, a honey bee pathogen, in the United States, in: Nature Sci Rep Band 7, Nr. 17447, 12. Dezember 2017, doi:10.1038/s41598-017-17802-3 und – mit Stand Januar 2021 vom ICTV noch unbestätigt – das „Bienen-Iflavirus 1“ (BeeIV-1).NCBI: Bee iflavirus 1 (species)Karel Schoonvaere et al.: Study of the Metatranscriptome of Eight Social and Solitary Wild Bee Species Reveals Novel Viruses and Bee Parasites, in: Front. Microbiol., 14. Februar 2018, doi:10.3389/fmicb.2018.00177Uta Müller: Sustainable agriculture through protection of wild bee health: Investigation of transmission risk of the honey bee pathogen Nosema ceranae, Dissertation, Department of Biology, Chemistry and Pharmacy, FU Berlin, 2. Mai 2019 (PDF)
Symptome Wie der Name schon andeutet, verursacht SBPV eine Lähmung, von der zehn bis zwölf Tage nach der Infektion die Vorderbeine betroffen sind.
Bekämpfung Das Virus hat in weiten Teilen Europas eine geringe natürliche Prävalenz, kann aber in Bienenvölkern mit verschieden starkem Varroa-Befall verbreitet werden.
SBPV kann effektiv durch das Bekämpfung der Varroa-Milbe erreicht werden. Die Bekämpfungs- und Managementstrategien umfassen:
Mechanische Kontrolle wie z. B. Einstäuben der Bienen () Verwendung milbentoleranter Bienenstämme Chemische Kontrolle mit biologischen und synthetischen Pestiziden
Einzelnachweise
Kategorie:Virusspezies Kategorie:Insektenvirus Kategorie:Bienenkrankheit Kategorie:Imkerei