Taşkale ist ein Dorf im zentralen Kreis (Merkez İlçesi) der türkischen Provinz (İl) Karaman östlich der Stadt Karaman im Tal des İbrala Çayı (Yeşildere).
Geographisch-geologische Aspekte mini|Eine weitgehend lebensfeindliche Karst-Hochflächenlandschaft prägt südlich von Karaman die östlichen Taşeli-Plateaus zwischen Taşkale und Kırobası. Das geologisch-physischgeographische Umfeld von Taşkale ist geprägt von den nördlichen Ausläufern der östlichen Taşeli Plateaus. Eine weitgehend lebensfeindliche Karst-Hochflächenlandschaft prägt südlich von Karaman diese Plateaus zwischen Taşkale und Kırobası. Sie beginnen bei etwa 1000 m Höhe am Rande der Konya-Ebene und erreichen in Richtung Süden Höhen bis über 2100 m. Auf dieser hochgelegenen, flach nach Norden geneigten miozänen Kalkplatte in den nordwestlichen Ausläufern der Bolkar Dağları im mittleren Taurus ist um die 1400–1500 m Höhe eine stark verkarstete Hochflächenlandschaft ausgebildet, in die der nach Inneranatolien hin entwässernde İbrala Çayı bis zur Karaman-Ebene eine markante Talschaft eingefräst hat.
Innerhalb des Talverlaufs des İbrala Çayı, der unter verschiedenen Namen, wie Yeşildere und Büyükkoraş Çayı, bekannt ist, gibt es zwei größere Siedlungen (Taşkale und Yeşildere) sowie sechs Dörfer (Pınarkaya, Büyükkoraş, Kızıllarağaini, Nalıma, Sarıkaya und Üçbaş), die sich weitgehend im südlichen Teil auf dem Talboden konzentrieren. Der İbrala Çayı, der auf einer Länge von mehr als 20 km in Ost-West-Richtung ein schmales und tiefes Tal schuf, teilt das Taşeli Plateau dort in zwei große Teile:
Das Kuzey Taşkale Plateau (nördliches Taşkale-Plateau) mit einem schlichten, flachen Relief ist durch kleine Täler fragmentiert, die durch kurze Bäche gebildet werden und zur Konya-Ereğli-Ebene hin entwässern. Nur wenige dieser kleinen Bäche verbinden sich mit dem İbrala Çayı. Im Süden von Taşkale (İbrala-Plateau) dagegen gibt es zwischen Çomak Tepe und Çakmak Tepe zahlreiche Karstformen, wie Spaltenkarren, Dolinen und Uvalas. Die Breite der in Taşkale und Umgebung vorkommenden Spaltenkarren kann 20 bis 30 cm und ihre Länge einige Meter überschreiten. Mit der Erosion der Region im oberen Pliozän und dem Entfernen der dicken Bodenbedeckung im späten Pleistozän wurden solche Spaltenkarren in einem weiten Gebiet freigelegt. Uvalas, die durch die Fusion von Dolinen im Karstgebiet entstanden sind, befinden sich auf dem Ibrala-Plateau vor allem südlich von Taşkale beim Elmadağ und Jurte Tepesi und werden dort als Ackerflächen verwendet. Auf dem İbrala-Plateau verlaufen zudem zahlreiche kleinere Täler saisonaler Bäche, die mit der Mündung in das Haupttal des İbrala Çayı einen breiteren Talboden bis hin zum İbrala-Damm gebildet haben. mini|Der 2011 in Betrieb genommene İbrala Damm sammelt die Gewässer des İbrala Çayı und seines Einzugsbereichs. Der İbrala Çayı selbst mit einer Länge von 69 km und einem Einzugsbereich von 225 km² sowie einer durchschnittlichen Durchflussrate von 826 l/sec. bezieht seine Haupt-Ressourcen vom östlich gelegenen Meyir Dağı. Der İbrala Çayı beginnt als saisonal fließendes Gewässer als Aksuvat Suyu. Er erreicht mit mehrfachem Richtungswechsel bei Taşkale den engsten Teil des Yeşildere-Canyons, der bei den historischen Getreidespeichern von Tașkale am Nordhang eine Stufenstruktur aufweist, nimmt dort die große Karstquelle von Gürlevik auf und setzt seinen Weg in einem engen Tal fort. Die Karstquelle entspringt 100 m über dem südlichen Talhang (s. u.). Im weiteren Verlauf verschwindet vor allem im Süden von Taşkale der Canyon-Charakter des Tales, und es wird zu einem Sohlental mit einer 500 m breiten Talaue. 15 km östlich von Karaman bei Ağılönü sammelt der 2011 in Betrieb genommene İbrala-Damm die Gewässer des İbrala Çayı und seines Einzugsbereichs. links|mini|Die Erosion hat in den ausgedehnten Ablagerungen von Kalkstein, Mergeln, Kalksandsteinen und kieseligen Sedimenten aus der Kreidezeit und dem Tertiär in den rot schimmernden Felsformationen auf der Straße zum Dorf Taşkale zur Entwicklung von Höhlen und Ausbildung auffälliger Felsnadeln geführt. Auf dem Plateau zwischen Yeşildere und Taşkale bilden unter anderem junge tertiäre Vulkanformationen, die bis ins Holozän reichten, dicke Deckschichten in horizontaler Lagerung. Darüber hinaus hat die Erosion in den ausgedehnten Ablagerungen von neritischem Marno-Kalkstein (Flachwasser-Sedimente), Mergeln, Kalksandsteinen und kieseligen alten Ablagerungen aus der Kreidezeit und dem Tertiär zur Entwicklung von Höhlen sowie zur Bildung auffälliger Felsnadeln etc. geführt. In diese „Kıraman-Formation“ wurden seit der Antike höhlenartige Getreidespeicher gegraben, für die Taşkale bekannt ist. Diese Formation, die von Gedik et al. als Mut-Formation bezeichnet wird, ein großes Gebiet abdeckt und im Allgemeinen aus Carbonaten und Kalksteinen mit Riffcharakter besteht, ist deutlich u. a. um die Dörfer Taşkale und Yeşildere zu sehen. Darin wurden rund um Taşkale auch zahlreiche weitere Höhlensysteme angelegt. Die auffälligsten dieser Höhlen sind die Manazan-Höhlen, die Incesu-Höhle und die Asarini-Höhle.
Ortsgeschichte Forschungsergebnissen zufolge reicht die Geschichte von Taşkale (ehemals Kızıllar = die Roten) bis in das 2. und 3. Jahrhundert n. Chr. zurück. Funde in historischen Ruinen und alten Siedlungen rund um Taşkale, insbesondere in den Manazan-Höhlen, lieferten Spuren einer phrygischen, spätrömischen, frühchristlichen und byzantinischen Besiedlung in Höhlenwohnungen. Die älteste Siedlung am Platz von Taşkale entstand vermutlich im Norden des Ortes in Form von Höhlenwohnungen, die bis heute noch partiell als Getreidelager genutzt werden. Taşkale hieß früher Kızıllar nach dem Namen eines turkmenischen Nomadenstammes sibirisch-türkischer Hakas- und Abakan-Tataren bzw. der im Osten des Kaspischen Meeres lebenden Yamuts, die mit der mongolischen Invasion nach Anatolien auswanderten und sich in 16 Dörfern und Städten in 13 Provinzen (u. a. in Kayseri, Sivas, Adana, Maraş, Bolu, Tarsus, Mersin, Afyon, Bolvadin, Dinar, Şarkıkaraağaç und Çerkeş) niederließen und gemäß der Siedlungspolitik des Osmanischen Reiches auch in der Region Karaman angesiedelt wurden, demnach wohl auch im später Taşkale genannten Ort Kızıllar. Die meisten Kızıllar- und Sofular-Stämme, die sich in Karaman niederließen, lebten in den Orten Taşkale (Kızıllar) und Yeşildere (İbrala) und umliegenden Weilern. Insgesamt geht man bei beiden Orten von kontinuierlich bewohnten Plätzen auch unter dem seldschukisch-karamanidischen Karamanoğulları-Fürstentum (Beylik) und auch während der osmanischen Zeit aus. Das dortige Siedlungsgebiet von Taşkale dehnte sich damals zum Talhang hin aus. Kultstätten verschiedener Religionen in der Umgebung machen zudem deutlich, dass Bewohner verschiedener Glaubensrichtungen dort zusammenlebten. Während dieser Zeit hatte der Ort verwaltungsmäßig eher einen dörflichen Status und erhielt erst in der Republikzeit vorübergehend den Rang einer Stadt. Von Semavi Eyice wissen wir, dass Bertrandon de la Brocquière (La Brosiere) 1432 von Südanatolien nach Istanbul reiste und dabei auf dem Weg von Ereğli (Aradie) nach Larende (Karaman) Höhlensiedlungen der frühchristlichen Zeit erwähnte und dort in einem Dorf (vermutlich Taşkale) unweit der Manazan-Höhlen übernachtete. Brosiere vermerkte, dass dieser Ort eine historische Siedlung ist, die in die Felsen gehauen ist, und dass Menschen auch in der Manazan-Höhle lebten. Laut İbrahim Konyalı war Manazan auch während der osmanischen Zeit eine Siedlung. Allerdings existieren seiner Erfahrung nach keine Quellen mit einem exakten Datum oder bestimmbare Überreste hinsichtlich Taşkale, abgesehen von der sogenannten „Taş Camii“, die in frühchristlicher Zeit eine Kapelle war. Er datiert aber die Taşkale-Höhlenlager, die anderen historischen Siedlungen ähnlich sind, in die anatolische frühchristliche Zeit.
In den detaillierten Registerbüchern des Jahres 1500 ist der Name Kızıllar noch nicht verzeichnet, aber es gibt spätere Hinweise aus dem 16. Jahrhundert auf Siedlungen bei Manizan/Manazan, die „Kızıllar“ benachbart liegen („Mufassal Tahrir“, Notizbücher der Jahre 1500, 1541 und 1584 n. Chr.). 1530 wird Kızıllar im „Muhâsebe-i Vilâyet-i Karaman“ (Steuerregister des Vilayet Karaman) und im „Rûm Defteri“ (Buch des Eyalets Rum) als „Kızıllar Yurdu“ (Wohnplatz der Roten) im Liva Larende (Karaman) erwähnt, was zeigt, dass sich die Kızıl Oğuz Yürüken (Rote Oghusen Yürüken) dort niedergelassen hatten. Osman Gümüşçü (historischer Geograph der Çankırı-Universität), der die Siedlung und Bevölkerung im Bezirk Larende (Karaman) im 16. Jahrhundert erforschte und auf einer Karte dokumentierte, platzierte einen Ortspunkt mit dem Namen „Kızılcalar“ anstelle von „Kızıllar“ in der Verwaltungsverteilungskarte des „Bezirks Larende“ für das Jahr H 992 (1584). İbrahim Hakkı Konyalı (türkischer Geschichtsforscher aus Konya), der die Geschichte Karamans erforschte und veröffentlichte, vermerkte aufgrund eines Ilam (richterlicher Bescheid) von Nasuh Bey 1652 die damalige Existenz von Manazan und berichtete, dass dieser Ort später zerfiel und die Bewohner nach İbrala (Yeşildere) abwanderten. Darüber hinaus wurde erklärt, dass 1652 der Steuerbetrag des Karye-i Kızıllar (Dorf Kızıllar) 300 Münzen betrug. Im November 1763 erscheint Kızıllar unter der Nummer 288 des Gerichts-Registers von Karaman als eines der 29 Dörfer des Karaman-Distrikts. Sapancalı Muallim Hüsnü Bey (1893–1958), Pädagoge und Schriftsteller aus Sapanca (Provinz Sakarya), der über das soziale Leben, die Geschichte und die Geographie von Karaman schrieb, erwähnt 1922 in seinem Buch „Karaman Ahval-i İçtimâiyye Coğrafiyye ve Tarihiyyesi“ (Karamans gesellschaftliche Zustände, Geographie und seine Geschichte) die Existenz einer „Kızıllar-Medresse“, die allerdings in den Aufzeichnungen des 18. Jahrhunderts sonst nirgendwo auftaucht. 1844 wurde Kızıllar im Jahres-Dividendenbuch als Ort mit 4 Stadtteilen (Mahalle) um die Kızıllar-Moschee und andere Moscheen bezeichnet:
1. Ali Ağa Mescidi Mahallesi: Anzahl der Hane 37 (Hane=Familien), 2. Câmi-i Şerîf Mahallesi (Hauptmoschee): Die Anzahl der Hane 27, 3. Taş Mescid Mahallesi Die Anzahl der Hane 19, 4. Kasım Mescidi Mahallesi Die Anzahl der Hane 27.
Demnach lebten 1844 in Kızıllar 110 Familien – in etwa also 550 Personen bei 5 Personen je Haushalt. Das ist in etwa auch vergleichbar mit den Werten von 1873 und 1897 (siehe unten Abschnitt Bevölkerungsentwicklung). 1922 wird Kızıllar in der Veröffentlichung von Nazmi Selcen „Türkiyenin Sıhhi-i İçtimai Coğrafyası (Konya Vilâyeti)“ (Gesundheits- und Sozialgeographie des Vilayet Konya) über die Provinz Konya unter 14 Dörfern aufgeführt und ist dann 1928 in dem auf Osmanisch verfassten Buch „Son Teşkilat-ı Mülkiyede Köylerimizin Adları“ (Namen unserer Dörfer in der letzten Erfassung) unter den 10 Dörfern in der Gemeinde İbrala (Yeşildere) im Bezirk Karaman der Provinz Konya erwähnt. Am 15. Juni 1989 wurde der Bezirk Yeşildere dem Zentralbezirk von Karaman angegliedert (Amtsblatt vom 21. Juni 1989, Nr. 20202).
Im Rahmen einer Peuplierungspolitik des Osmanischen Reiches war ein Teil dieser Kızıllar-Bevölkerung bereits im 15. Jahrhundert nach Rumelien (Balkan) geschickt und dort in Komotini, Dimetoka, Kavala, Skopje, Vardar, Thessaloniki, Silistra, Monastir in Dörfern angesiedelt worden.