mini|hochkant=1.3|St.-Moritz-Kirche zu Taucha mini|Kirchen-Portal mit Jesus-Mosaik, den Jahreszahlen 1774 (links), 1911 (rechts) und Schlussstein (Mitte) mit Christusmonogramm ΧΡ
Die Kirche St. Moritz – Eigenschreibweise laut Kirchgemeinde: Sankt-Moritz Kirche zu Taucha – ist das evangelisch-lutherische Gotteshaus in Taucha im sächsischen Landkreis Nordsachsen. Die Saalkirche der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens ist ein Kulturdenkmalhttps://denkmalliste.denkmalpflege.sachsen.de/CardoMap/Denkmalliste_Report.aspx?HIDA_Nr=09257024, abgerufen am 27. Januar 2021 im Freistaat Sachsen und gehört mit seinem markanten Kirchturm zum Stadtbild. Namenspatron ist der Heilige Mauritius.
Geschichte mini|Kirchensaal mit Kanzelaltar (April 2021) mini|Kanzelaltar-Krone mini|Kirchturm-Spitze
Zwischen 1220 und 1250 wurde in direkter Nähe zum Markt die erste steinerne Stadtkirche errichtet. Sie wurde dem Heiligen Mauricius, dem Schutzheiligen von Stadt und Erzstift Magdeburg, geweiht und trägt seitdem den Namen St.-Moritz-Kirche. Beim ursprünglichen Baustil gibt es Hinweise auf Romanik und Gotik.
Der Sakralbau wurde bald zu klein für die Kirchgemeinde. Als der Tauchaer Bürger Amandus Küster 1594 der Kirche ein Stück Feld hinter dem Eilenburger Tor schenkte, wurde diese Fläche als Friedhof genutzt. So ergab sich zwischen 1600 und 1603 die Möglichkeit, das Kirchenbauwerk zu vergrößern. Erhalten blieben die inneren Pfeiler und der Turm; Kirchendach, äußere Pfeiler, hölzerne Decke und Umfassungsmauern entstanden neu.
Beim Stadtbrand am 12. Juli 1682 blieb die Kirche nahezu verschont, jedoch wurde sie beim „Großen Stadtbrand“ am 9. Juli 1768 fast vollständig zerstört. Der Wiederaufbau begann im Oktober 1772 unter Leitung der Stadt Leipzig als Stadtherrin und Kirchenpatronin. Am 2. Dezember 1772 erfolgte die Grundsteinlegung mit Leipzigs Bürgermeister Heinrich Born und Senatoren aus Leipzig.
Finanziert wurde der Bau mittels einer vom Kurfürsten genehmigten Sammlung in den Kirchenbezirken Leipzig, Chemnitz, Freiberg und Plauen, die 2.000 Taler einbrachte. Auch spendeten die „Glieder der Parochie Taucha“ nennenswerte Beträge. Der Transport des Bauholzes war laut kurfürstlicher Anordnung frei von Abgaben, dieser erfolgte kostenfrei von Landwirten aus Taucha und Umgebung.
Die Einweihung war am 25. September 1774. Die Kirche war nunmehr eine große barocke Hallenkirche mit zweigeschossigen Empore, zwei Herrschaftsstuben neben dem Altar, Sakristeien sowie einem Kanzelaufbau über dem Altar.
Am 10. Dezember 1911 wurde die nach den Plänen des Architekten Baurat Julius Zeißig im Innern neugestaltete Kirche neu geweiht. Zwischen 1980 und 1983 wurden das Dach der Kirche neu gedeckt, in den Folgejahren der Innenraum renoviert und später die Fassade saniert.Klaus Gilardon: Zur Geschichte, abgerufen am 18. März 2021
Aktuell (Stand: Januar 2021) plant die Kirchgemeinde die umfangreiche Innensanierung der Kirche, deren Kosten auf rund 600.000 Euro geschätzt werden.
Orgeln Geschichte 1580: Johann Nicolaus Sergius erhielt für sein Orgelspiel 7 Gulden und 9 Groschen Jahreslohn, der Calcant (Blasebalgtreter) 1 Gulden 9 Groschen – damit ist das Vorhandensein einer Orgel, über die nichts weiter überliefert ist, belegt. 1583: Orgelbauer Bartel Zenker aus Eilenburg reparierte eine Orgel mit 13 Registern, die schon längere Zeit vorhanden war. 1679: Umbau dieser Orgel für 200 Gulden und mit neuem Gehäuse von Orgelbauer Donat, Leipzig. 1768: die Kirche fiel dem Stadtbrand zum Opfer, von der Orgel konnten nur 15 Zinnpfeifen gerettet werden; danach fanden die Gottesdienste im Saal des Schlosses mit musikalischer Umrahmung eines Orgelpositivs statt. 1772/1774: Neubau der St. Moritz-Kirche, Einweihungsgottesdienst am 25. September 1774 mit dem Orgelpositiv des Schlosssaales. 1796: Einbau des Haupt- und Brustwerkes der Orgel aus der Leipziger Nikolaikirche durch Johann Gottfried Trampeli, einem Werk von Zacharias Thayßner von 1593/1594 mit 2 Manualen und 22 Registern, die Kosten trug der Rat der Stadt Leipzig. 1859: Umbau der Thayßner/Trampeli-Orgel von Orgelbauer Nicolaus Schrickel, Eilenburg, der einem “inneren Neuaufbau” entsprach, auf 2 Manuale, 18 Register. Preis: 975 Taler. 1911: Neubau durch die Orgelbaufirma Beyer, Magdeburg, nach einem Dispositionsentwurf des damaligen Thomasorganisten Karl Straube, 2 Manuale, 34 Register, Preis 12.805 Mark. 1964: aus dem noch verwendungsfähigen Material baute Tauchas Kantor und Orgelbauer Hans Schuricht ein Interimsinstrument, das bis zur Erstellung einer neuen Orgel verwendet werden sollte, 1 Manual, 6 Register.
Jetzige Hauptorgel 1996 konnte dank zahlreicher Spenden vieler Gemeindemitglieder und mit der Gemeinde verbundener Personen eine zweimanualige Orgel mit 18 Registern und 1.200 Pfeifen eingebaut werden. Sie war 1975 von Günter Ismayr (Bernried) für die Kirche St. Nikolaus und Ulrich in Nürnberg-Mögeldorf für 150.000 D-Mark gebaut worden.https://www.outdooractive.com/de/poi/region-leipzig/st.-moritz-kirche-taucha/22962154/, abgerufen am 26. Januar 2021http://www.moegeldorf.de/archiv/02_2005/archiv_02_2005.html, abgerufen am 26. Januar 2021 Orgelbau Eule baute das Gehäuse dafür um und passte die Intonation an die Situation in der St. Moritz-Kirche an. Diese Arbeiten kosteten 200.000 D-Mark.Klaus Gilardon: Die Orgeln, abgerufen am 27. Januar 2021
Disposition I Hauptwerk C–g3 Prinzipal 8′ Rohrflöte 8′ Oktave 4´ Waldflöte 2´ Mixtur IV ′ Spanische Trompete 8′ Tremolo II Brustwerk (schwellbar) C–g3 Holzgedackt 8´ Blockflöte 4´ Quinte ’ Oktave 2´ Terzian ’ + ’ Zimbel III ’ Rohrschalmei 8´ Tremolo Pedal C–f1 Subbass 16′ Oktavbass 8′ Choralbass 4´ Rauschbass III Posaune 16´ Koppeln: II/I, I/P, II/P Zimbelstern c-e-g-b-a-g-f-d mechanische Spiel- und Registertraktur Stimmung: gleichstufig, a1=440 Hz / 18 °Chttps://web.archive.org/web/20170401123151/http://www.st-moritz-taucha.de/Orgel-Disposition.pdf, archivierte Webseite, abgerufen am 17. Juni 2021
Positiv Seit 31. Oktober 2012 steht auf der zweiten Empore ein Positiv der Firma Wilhelm Rühle & Sohn aus Moritzburg. Das Instrument aus dem Jahr 1965 stammt aus der Matthäusgemeinde Leipzig-Nordost aus deren Gemeindesaal in Thekla. Es ermöglicht dank seiner speziellen Stimmung die authentische Aufführung der Musik der Renaissance.https://web.archive.org/web/20200217135314/http://www.st-moritz-taucha.de/orgeltaucha.php, archivierte Webseite, abgerufen am 17. Juni 2021
Glocken Das Geläut besteht aktuell (Stand: Januar 2021) aus drei Bronze-Kirchenglocken mit den Tönen d' +8 (Kunst- und Glockengießerei Lauchhammer, 1926), fis’ +10 (Glockengießerfamilie Schilling, 1964) und a’ +1 (Kunst- und Glockengießerei Lauchhammer, 1926).Rainer Thümmel in: Glocken in Sachsen – Klang zwischen Himmel und Erde. Leipzig 2015, ISBN 978-3-374-02871-9, S. 363.
Glockengeschichte Beim Stadtbrand im Juli 1768 wurden mit der Kirche auch die Glocken zerstört. Im selben Jahr schuf Leipzigs Glockengießer Andreas Berger eine kleine Glocke, die „Viertelglocke“. Sie hing in einem Holzgestell auf dem Markt und rief die Gläubigen zum Gottesdienst in den Festsaal des Schlosses. 1780 erhielt die Kirche zwei neue Glocken, ebenfalls gegossen von Glockengießer Andreas Berger nach mehreren Fehlversuchen. Die „Viertelglocke“ gelangte 1795 in den Kirchturm.
1874 ersetzte man die zwei großen Glocken mit einem Geläut aus drei neu gegossenen Glocken. Am 8. Juli 1917 läuteten die große und die kleine Glocke dieses Geläutes zum letzten Mal, sie mussten für den Ersten Weltkrieg als „Metallspende“ abgegeben werden.
Um die Anschaffung neuer Glocken finanzieren zu können, entstand nach dem Ersten Weltkrieg der „Tauchaer Glockenfonds“, in den sowohl Spenden als auch Einnahmen des Freiwilligen Kirchenchores flossen. 1926 wurden drei Bronzeglocken in Lauchhammer gegossen, in Taucha geweiht und in den Kirchturm eingehängt. Damit gehörte die Kirchgemeinde Taucha damals zu den wenigen, die sich Glocken aus kostbarer Bronze leisten konnten.
Am 13. März 1942 mussten zwei dieser Glocken für den Zweiten Weltkrieg als „Metallspende“Ein entsprechendes Dekret an die Reichsminister war bereits am 23. Februar 1940 ergangen. In diesem Dekret von Generalfeldmarschall Hermann Göring heißt es: „Im letzten Weltkrieg ist die Erfassung von Metallgegenständen so spät eingeleitet worden, dass das Sammlungsergebnis nicht in dem erforderlichen Umfange für die Zwecke der Kriegsführung eingesetzt werden konnte. Ich ordne deshalb an, dass bereits jetzt beschleunigt alle Gegenstände aus Kupfer, Zinn, Nickel, Blei und deren Legierungen, die sich in Verwaltungs- und Unterrichtsgebäuden, Bibliotheken, staatlichen Krankenhäusern, Erholungsheimen usw. der öffentlichen Hand als deren Eigentum befinden (...), auszusondern und (...) zur unentgeltlichen Ablieferung an die vom Reichswirtschaftsminister zu benennenden Stellen bereitzuhalten sind.“ – Zitiert aus: David Waechtler: Was uns die Glocken erzählen. In: Jutta Heller, Fanny Wuttke: Die Geschichte der Pfarrkirche St. Wenceslai zu Wurzen. Herausgeber: Förderverein zur Erhaltung der Wurzner Stadtkirche. Wurzen 1999, S. 25–38. Zitat von Seite 33. (Die Dokumentation ist im Archiv der Evangelisch-Lutherischen Kirchgemeinde Wurzen verfügbar.) abgegeben werden.
Diese Glocken wurden auf den Glockenfriedhof nach Hamburg gebracht. Ob sie nach Kriegsende noch dort vorhanden waren und den Weg zurück nach Taucha nahmen, ist bis jetzt noch nicht ganz geklärt.Mit Bezug auf das aktuelle Geläut (Stand: Januar 2021, siehe Anfang des Glocken-Abschnitts) liegt es nahe, dass die beiden Glocken auf dem Glockenfriedhof in Hamburg identifiziert und nach Taucha zurückgebracht wurden. Dokumente, Daten und Fakten, die dies belegen, stehen aus. Jedenfalls zogen in der zweiten Hälfte der 1950er Jahre die Tauchaer Handwerksmeister Lischetzke und Aßmann mit einem privaten Flaschenzug zwei Glocken am Turm hoch, wo sie bis heute ihren Platz haben.Klaus Gilardon: Die Glocken, abgerufen am 27. Januar 2021
Geistliche der Kirchgemeinde Die Internetseite pfarrerbuch.de listet für Taucha seit 1527 die 1. Stellen (Pfarrer), die 2. Stellen (Diakone) und die 3. Stellen (Diakone) auf.https://pfarrerbuch.de/sachsen/ort/3349, abgerufen am 26. Januar 2021. 1. Pfarrer 1527: Frießner, Aegidius 1540: Hoffrichter, Erasmus 1557: Kämmerer, Johannes 1583: Franke, Gregorius 1589: Franke, Nikolaus 1622: Bucher, Christoph 1630: Blötner, Johann 1638: Deuerlin, Christian 1675: Schmidt, Friedrich 1683: Wittig, Georg 1702: Hoffmann, Johann Gottlieb 1743: Bauer, Christian Gabriel 1746: Voigt, Heinrich Christian 1750: Hofmann, Christoph Gabriel 1769: Fritzsche, Paul Christoph 1770: Weiß, Christian Samuel 1775: Oernster, Friedrich Christian 1803: Köhler, Johann Friedrich 1820: Seyfart, Johann August 1858: Blüher, Maximilian 1861: Platz, Gustav Eduard 1869: Korn, Heinrich Wilhelm Hermann 1873: Wetzel, Paul Friedrich 1890: Ackermann, Guido Richard 1891: Kuhn, Oswald 1901: Sykora, Max Richard 1909: Schwäbe, Richard Oskar 1928: Loth, Friedrich Johannes 1935: Meinel, Max *Gottfried 1938: Hoffmann-Probst, *Walter Friedrich 1940: Meyer, *Johannes Gottlieb Heinrich Adam 1948: Rübner, Karl *Rudolf 1949: Winkler, Hermann Gotthold * Otto 1949: Winkler, Otto 1950: Knauf, Gerhard 1956: Bock, Hartmut 1956: Krusche, Günter 1958: Mendt, Dietrich 1959: Urbig, Joachim 1963: Török, Gudrun 1972: Petzoldt, Michaelhttps://pfarrerbuch.de/sachsen/stelle/1642, abgerufen am 26. Januar 2021. 1975: Michael Gehre (bis 1. Juni 2008)Information von Pfarrer i. R. Reinhard Freier, Kirche Panitzsch, 29. Januar 2021; er war ab 1978 in St. Moritz 3. Stelle (Diakon) in Taucha, ab 1999 in St. Moritz 2. Stelle (Diakon) in Taucha (Quelle: https://pfarrerbuch.de/sachsen/person/2055798408, abgerufen am 29. Januar 2021) 2008: Dorothea Arndt (interim von Juni bis November 2008) 2008: Christian Gottfried Edelmann (bis 2017) abgerufen am 26. Januar 2021