Die Hofbrauhaus Wolters GmbH ist eine regionale Großbrauerei in Braunschweig und die größte Privatbrauerei Niedersachsens, sie hat eine Tradition, die bis ins Jahr 1627 zurückgeht. Die Auszeichnung „Herzogliches Hofbrauhaus“ wurde der Brauerei 1882 verliehen, woraus bis heute die Berechtigung für die weitere Nutzung des Präfixes Hof abgeleitet wird. Zu den bekanntesten Biermarken gehören Wolters Pilsener und der Schwarze Herzog. Die fast 400 Jahre alte Brauerei wird ihren Produktionsstandort in Braunschweig zum 31. Dezember 2026 endgültig schließen.Wolters Brauerei in Braunschweig schließt - Kritik von NGG bei ndr.de vom 29. September 2026
Geschichte mini|Haus zur Hanse um 1900
Stammhaus Am 19. Juni 1627 heiratete der damalige Braunschweiger Bürgermeister Zacharias Boiling die Witwe Haberland (Haverland) und wurde Mitbesitzer des „Hauses zur Hanse“ in der Güldenstraße. Mit dem Erwerb des Braurechts konnte Boiling erstmals Bier brauen und verkaufen. Somit wurde das „Haus zur Hanse“ zum Stammhaus des späteren Hofbrauhauses Wolters. Nach dem Tod Boilings übernahm Peter Warnecke das Brauhaus und vererbte es später seinem Sohn.
1734 heiratete Heinrich Levin Wolters in die Familie ein und gab der Brauerei seinen Namen. In diesem Jahr wurde das Brauhaus Wolters erstmals in der Stadtgeschichte erwähnt. Sein Sohn Johann Heinrich Wolters gründete 1763 die Wolters & Co.
Unter der Führung seines Enkels Carl Wolters wuchs die Brauerei stetig. In den 1870er Jahren stieg der Umsatz auf ca. 30.000 Hektoliter, und die Brauerei stieß im Stammhaus an der Güldenstraße an ihre Grenzen.
Nach dem Bezug des Neubaus wurde die alte Brauerei in eine Gaststätte umgewandelt. Das „Haus zur Hanse“ wechselte mehrmals den Besitzer. So wurde es mehrfach von Wolters verkauft und wenig später wieder zurückgekauft. Heute wird das „Haus zur Hanse“ als gehobenes Hotel mit Restaurant genutzt.
Aufstieg mini|Carl Christian Julius Wolters
Carl Christian Julius Wolters kaufte ein großes Areal am Südrand der Stadt und ließ dort eine moderne Brauerei errichten. 1876 zog das Unternehmen in die neuen Geschäfts- und Brauereigebäude auf dem Grundstück Wolfenbütteler Straße 39 ein.
Am 3. April 1876 verlieh Herzog Wilhelm zu Braunschweig ihm den Titel „Hofbierbrauer“. 1882 wurde die Brauerei mit dem Prädikat „Herzogliches Hofbrauhaus“ ausgezeichnet.
Nach Carl Christian Julius Wolters’ Tod 1886 führten seine Söhne gemeinsam das Unternehmen. Als 1894 Carl Alwin Wolters starb, wurde Carl August Wolters Alleininhaber der Gesellschaft. 1903/1904 wurden erstmals über 100.000 Hektoliter Bier produziert und das Hofbrauhaus galt als Großbrauerei.
1920 schlossen sich die Gesellschaft Herzogliches Hofbrauhaus Carl Wolters & Co. und die Balhornsche Bierbrauerei AG zur Hofbrauhaus Wolters und Balhorn AG zusammen. Die Brauerei Balhorn wurde erstmals 1692 schriftlich erwähnt, 1830 erhielt der damalige Inhaber August Balhorn den Titel „Hofbierbrauer“.
Seit 1940 firmiert die Gesellschaft unter Hofbrauhaus Wolters AG. Mit dem Tod von Carl August Wolters im Jahre 1943 endete die Ära des Familienunternehmens Wolters. Sechs Generationen bzw. über 200 Jahre lang war die Brauerei in Familienbesitz.
Brauherren von 1627 bis 1943 mini|Werbeanzeige, Braunschweigisches Adreß-Buch für das Jahr 1894
Eine Übersicht der Lebensdaten der Eigentümer der Brauerei Wolters: 1597–1664: Zacharias Boiling 1624–1687: Peter Warnecke 1665–1727: Hans Heinrich Warnecke 1700–1762: Heinrich Levin Wolters 1736–1808: Johann Heinrich Wolters 1778–1835: Johann Friedrich Martin Wolters 1817–1886: Carl Christian Julius Wolters 1859–1894: Carl Alwin August Reinhard Wolters 1860–1943: Carl August Jacob Willi Wolters
Nachkriegszeit und Übernahme mini|„Haus zur Hanse“
Im Zweiten Weltkrieg wurde die Brauerei durch Luftangriffe zu mehr als einem Drittel zerstört. 1947 übernahm die Erbengemeinschaft Dr. Wolters die Geschäftsführung der Hofbrauhaus Wolters AG. In der Nachkriegszeit mussten der Wiederaufbau der teilweise zerstörten Brauerei und der Wegfall des mittel- bzw. ostdeutschen Marktes bewältigt werden.
Mit dem Neuaufbau kam auch der Aufschwung. 1976 wurde die Brauerei erweitert und mit der damals leisesten Flaschenabfüllanlage der Welt modernisiert.
Im Jahre 1985 übernahm die Gilde Brauerei aus Hannover mit 83,28 % die Aktienmehrheit an der Hofbrauhaus Wolters AG. Ab 1989 bestand ein Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag. Die Gilde-Gruppe wurde ihrerseits 2003 vom belgischen InterBrew-Konzern übernommen. InterBrew erwarb weitere 6,68 % der Aktien der Hofbrauhaus Wolters AG.
Abwendung der Schließung mini|Wirtshausschild des Ratskellers in Wolfenbüttel mit Sachsenross und Brauereiwerbung
Am 2. Dezember 2005 verkündete InBev Deutschland die Schließung der Brauerei und Liquidation der Aktiengesellschaft mit der Begründung, dass die Brauerei innerhalb des weltweiten Brauerei-Netzes des Konzerns nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben sei. Allerdings schrieb Wolters im vorhergehenden Geschäftsjahr schwarze Zahlen.
Mit der Schließung des Betriebs wären über hundert Arbeitsplätze gefährdet gewesen. Zudem ist die Traditionsbrauerei in der Stadt und der Region verankert und leistet Sponsoring im kulturellen und sportlichen Bereich.
In der ganzen Region wurden zahlreiche Aktionen für die Rettung von Wolters gestartet. So organisierten sich Gruppen in Internetforen, um Unterschriftenaktionen zu starten. Unter dem Motto „Rettet Wolters“ gab es Sonderpreis-Aktionen des Handels und in zahlreichen Braunschweiger Diskotheken und Kneipen „Rettet-Wolters-Partys“. Einmal mehr zeigte sich die starke Markentreue und regionale Verbundenheit der Biertrinker in der Region Braunschweig.
Nach schwierigen, zuletzt geheim geführten Verhandlungen schlossen am 26. Mai 2006 die Hofbrauhaus Wolters AG und eine Investorengruppe einen Vertrag über den Verkauf des Brauereibetriebs. Die Erwerbergemeinschaft aus vier ehemaligen Managern (Thomas Renneke, Wilhelm Koch, Hans-Peter Lehna und Hanns-Bernd de Wall) übernahm die Brauerei für netto 7 Millionen Euro. Nach der Übergabeabwicklung firmierte die Gesellschaft als Hofbrauhaus Wolters GmbH mit Sitz in Braunschweig.
Die Stadt Braunschweig kaufte das Brauereigelände für 3 Millionen Euro von InBev und verpachtete es an die Hofbrauhaus Wolters GmbH auf dem Wege des Erbbaurechts. InBev stellte den Verkaufserlös als Startkapital zur Verfügung.Der Neustart ist bei Wolters gelungen. In: Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 16. August 2008, S. 11. Der gesamte Kaufpreis von 8,3 Millionen Euro war in monatlichen Raten von 110.000 Euro (Zinssatz 4 % pro Jahr) abzuzahlen.
Erneute Eigenständigkeit und endgültige Schließung Der Geschäftsbetrieb ging am 1. Oktober 2006 an die neue Geschäftsführung über, einschließlich der Markennamen „Wolters“ und „Schwarzer Herzog“, sowie des Gaststätten-Netzes.
Nach über einem Jahr Fortbestand der nun selbständigen Brauerei konnte 2007 der 380. Geburtstag der Traditionsbrauerei gefeiert werden. Trotz des Abwärtstrends auf dem deutschen Biermarkt konnte Wolters seine Absatzmengen halten. Das erste Geschäftsjahr der größten Privatbrauerei Niedersachsens war so erfolgreich, dass zum August 2008 bereits ein Viertel des Kaufpreises zurückgezahlt wurde. Der Erfolg des Unternehmens gründet auf den gemeinsamen Anstrengungen der Stadt Braunschweig, der Wolters-Belegschaft, der neuen Geschäftsführung und der Konsumenten. So wurden alle Mitarbeiter weiterbeschäftigt, eine frühere Wolters-Marke wieder eingeführt, Modernisierungen vorgenommen und eine neue Werbekampagne gestartet.
Seit den 1980er Jahren braute Wolters zur Herbstzeit Oktoberfestbier bzw. seit Mitte der 1990er Jahre Oktoberbier. Aufgrund einer Klage des Vereins Münchner Brauereien gegen die Verwendung des Namens Oktoberbier wurde 2009 Wolters die Nutzung dieses Namens verboten. Die dem Verein Münchner Brauereien angehörigen Brauereien Augustiner, Hacker-Pschorr, Spaten-Franziskaner, Löwenbräu, Paulaner und Hofbräuhaus haben den Begriff Oktoberfestbier als Kollektivmarke schützen lassen. Wegen der für Wolters schlechten Erfolgsaussichten stimmte das Unternehmen dem vom Gericht vorgelegten Vergleich zu, um weitere Abmahnungen und Schadensersatzforderungen zu vermeiden.
Mit Wirkung zum 1. September 2013 übernahm Wolters die Colbitzer Heide-Brauerei. 3 Millionen Euro wurden unter anderem in ein neues Sudhaus investiert.
Im Jahr 2020 (das von der COVID-19-Pandemie und Lockdowns geprägt war) stieg die Volksbank BRAWO eG als Gesellschafter bei Wolters ein. Im Juni 2021 wurde bekanntgegeben, dass der Bank 100 % der Anteile gehörten.
Am 19. Juni 2026 hat die Hofbrauhaus Wolters GmbH beim Amtsgericht Braunschweig einen Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung gestellt. Als Gründe werden ein seit längerem sinkender Bierabsatz sowie deutlich gestiegene Produktions- und Energiekosten genannt. Der Geschäftsbetrieb soll nach eigenen Angaben zunächst uneingeschränkt fortgeführt werden. Ziel des Insolvenzverfahrens ist eine strategische Neuausrichtung, insbesondere eine stärkere Fokussierung auf den regionalen Markt sowie die Erweiterung des Sortiments um alkoholfreie Getränke.
Am 28. September 2026 erklärte Kimon Phillip Kantis, Fachanwalt für Insolvenz- und Sanierungsrecht, der Braunschweiger Zeitung, dass der Restrukturierungsprozess nicht die Wendung genommen hat, die sich alle Beteiligten gewünscht haben. Für den Produktionsstandort in Braunschweig konnte schlussendlich keine zukunftsfähige Lösung gefunden werden, sodass dieser zum 31. Dezember geschlossen werden muss.
Produkte Anfangs wurde obergäriges Bier gebraut. Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts wechselte Wolters die Brauart und produzierte von nun an untergäriges Bier. Der Fassbieranteil liegt bei 10 % (gegenüber ca. 30 % zur Jahrtausendwende). Die Produkte lassen sich mehreren Märkten zuordnen. Biere der Marke „Wolters“ werden hauptsächlich in der Region Braunschweig getrunken. „Auftragsproduktionen“ erfolgen für Kunden wie zum Beispiel Getränke Ahlers (Hemelinger) und für das niederländische Vertriebsunternehmen United Dutch Breweries (UDB). UDB gehörte früher ebenfalls zu InBev und vermarktet bei Wolters hergestellte Produkte in Südamerika, Asien und Afrika. Aber auch Wolters selbst exportiert Biere, so zum Beispiel im Januar 2008 der erste Export nach China: über 45.000 Flaschen Wolters Pilsener Premium wurden per Container über den Hamburger Hafen verschifft. Wolters exportierte Bier und Malztrunk nach Albanien, Benin, Brasilien, Burkina Faso, Kolumbien, Elfenbeinküste, China, Chile, Gabun, Ghana, Irak, Iran, Island, Israel, Litauen, Paraguay, Peru, Russland, Saudi-Arabien, Singapur, in den Tschad, Ukraine, in die Vereinigten Arabischen Emirate und die USA.
Produkte der Hauptmarke Wolters sind unter anderem Schwarzer Herzog und Prinzen Sud. mini|Wolters Pilsener in früherer Einwegflasche
Sponsoring und Werbung