mini|Wappen der Breisgauer Landstände gezeichnet von Felizian Geissinger Joseph Felizian Geissingerauch Geisinger oder Geißinger (* 14. Dezember 1740 in Freiburg im Breisgau; † 22. Februar 1806 in Waldkirch-Buchholz) war ein deutscher römisch-katholischer Landpfarrer und Lokalhistoriker.Einzelnachweis

Leben mini|Das Priesterseminar in Meersburg um 1739 Geissingers Vater, der Schneider Karl Joseph Geissinger, war aus SiebenbürgenBei Albert S. 39 wird ein Ort Gecse genannt, wobei es sich mutmaßlich um Gyeke handelt. nach Freiburg zugewandert. Felizian Geissinger war der einzige Sohn und besuchte in Freiburg das akademische Gymnasium der Jesuiten. Nach Aufenthalten bei seinem Onkel, der Pfarrer in Herbolzheim war, und im Elsass, wo Geissinger als Hofmeister bei einer Adelsfamilie wirkte, wurde er im Herbst 1772 in das Priesterseminar in Meersburg aufgenommen und am 4. Juni 1773 empfing er dort die Priesterweihe. Vikarstellen in Bleichheim und Kappel und eine Vielzahl kurzzeitiger Vertretungen wechselten mit Zeiten, die er ohne Beschäftigung in Freiburg verbrachte und dabei wohl seine Studien über das Freiburger Münster begann. 1783 erhielt er eine seelsorgerische Stelle in Buchholz, die Ende 1784 zu einer Lokalkaplanei aufgewertet wurde. Am 24. September 1788 erhielt Buchholz eine eigene Pfarrei, die Geissinger übernahm und wo er bis zu seinem Tode 1806 als Pfarrer wirkte.Siehe Albert S. 40 Geissinger war auch für das örtliche Schulwesen zuständig und eröffnete 1784 dort eine josephinische Normalschule, die erste Schule am Ort.

Neben seiner seelsorgerischen Tätigkeit verwendete Geissinger seine Fähigkeiten zum Zeichnen und Aufzeichnen im Zusammenhang mit (lokal-)geschichtlichen Themen. In Buchholz begann er sogleich mit der Führung einer Dorfchronik, die er bis zu seinem Tode fortführte. Diese Arbeit mit dem Titel „JahrsBuch der Kapplaney Buchholz von BayerischerHier ist nicht Bayern gemeint, sondern der örtliche Grundherr Franz Anton von Beyer. Herrschaft“ ist auszugsweise bei August Münzer abgedruckt.Siehe Literaturverzeichnis. Albert spricht von „bunt zusammengestellten und treuherzigen Aufzeichnungen“.Siehe Albert S. 40

Seine wahrscheinlich schon in seiner Freiburger Zeit begonnene Sammlung von Abschriften der Epitaphe im Freiburger Münster stellte er als Konzept für eine Ausarbeitung der Sammlung zusammen. Dieses „Konzept“ befindet sich heute als Handschrift 499Siehe Literatur Hs. 499 in der Universitätsbibliothek Freiburg, die Reinschrift als Handschrift 498 ebenso. Diese zeigt keine „große Gelehrsamkeit oder Kunstfertigkeit“Siehe Albert S. 41 die Bedeutung der Sammlung besteht einfach darin, „dass sie zu einer Zeit entstanden ist, da der Barock- und klassizistische Stil noch nicht aus dem Münster verbannt war.“ Das Werk zeigt also einen verlorenen Zustand des Münsters.

1793 erstellte Geissinger eine Abschrift von Franz Kreutters Geschichte der k. k. Vorderösterreichischen Staaten „mit unwesentlichen Änderungen, Zusätzen und Kürzungen“ und ohne Illustrationen. 1801 folgte eine von ihm selbst illustrierte Ausgabe unter dem Titel „Wollstand des ganzen Heütigen Breysgaues …“, die jedoch unvollständig oder unvollendet als Handschrift erhalten ist.Siehe Albert S. 44

Ein weiteres Projekt Geissingers befasste sich mit der Geschichte der Stadt Freiburg und damit zusammenhängenden Themen, wie den hier herrschenden Geschlechtern. Um 1798 fertigte er eine Abschrift der Zähringer ChronikZur Zähringer Chronik des David Wolleber siehe Peter Paul Albert: Die Geschichtsschreibung der Stadt Freiburg in alter und neuer Zeit. In: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins NF 16 (1901), S. 493–578, hier S. 543–552 Internet Archive des David Wolleber an, die er um eine Chronik des Hauses Habsburg ergänzte.

Schließlich befasste sich Geissinger mit den Siegeln einer Reihe von Universitäten, die er in einer weiteren Handschrift abbildete und beschrieb.Orbis Litteratus Academicus Germanico Europaeus Praecipuas Musarum Sedes Fundationes Privilegia Sigilla Prototypis Conformia.

Werke Epitaphien oder Grabschriften des Freiburger Münsters, Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., Hs. 498 Digitalisat der UB Freiburg Epitaphien oder Grabschriften des Freiburger Münsters, Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., Hs. 499 Digitalisat der UB Freiburg

Franz Kreutter: Geschichte der K. K. Vorderösterreichischen Staaten, bearbeitet und fortgesetzt von Joseph Felizian Geissinger. Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., Hs. 496 Digitalisat der UB Freiburg Franz Kreutter, Joseph Felizian Geissinger (Illustrator): Wollstand des ganzen Heütigen Breysgaues als der Städten, Flecken, Dörfferen, Schlössern, und wohnsizen. Auch under wenn dieselbige gehören, Von wem sie geherschet werden, wie auch die Klöster, Kirchen und Kapellen derselben in etwas beygetragen, 1801, Handschrift Erzbischöfliches Ordinariat Freiburg, Frei 164: ALT - 1049-1 Digitalisat der UB Freiburg

Chroniken der Habsburger, der Zähringer und der Stadt Freiburg i. Br. mit Materialsammlung, Waldkirch-Buchholz, 1799–1800 Band 1: Chronik des Hauses Habsburg. Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., Hs. 497-1 Digitalisat der UB Freiburg — Handschriften-Original: Geissinger, Joseph Felizian, 1740–1806 : Cronick Des Uralten, und Vorträfflichen Hauses Habsburgs Graffen, Margraffen, und Herzogen …. Band 2: David Wolleber, Joseph Felizian Geissinger (Abschrift mit leichten Abweichungen): Chronik der Herzöge von Zähringen, der Grafen von Freiburg und Fürstenberg und der Herzöge von Teck. Universitätsbibliothek Freiburg i. Br.: Hs. 497-2 Digitalisat der UB Freiburg Band 3: Chronik der Herzöge von Zähringen, der Grafen von Freiburg und Fürstenberg und der Herzöge von Teck. Universitätsbibliothek Freiburg i. Br.: Hs. 497-3 Digitalisat der UB Freiburg Band 4: Materialsammlung zu Band 1–3. Universitätsbibliothek Freiburg i. Br.: Hs. 497-4 Digitalisat der UB Freiburg

Orbis Litteratus Academicus Germanico Europaeus Praecipuas Musarum Sedes Fundationes Privilegia Sigilla Prototypis Conformia, 1799 Digitalisat der UB Freiburg

Dorfchronik von Buchholz, teilweise abgedruckt auf S. 71–75 bei August Münzer: Buchholz. In: Schau-ins-Land, Band 10 (1883) S. 63–75 Digitalisat der UB Freiburg

Literatur Peter Paul Albert: Felizian Geißinger und seine Inschriftensammlung vom Freiburger Münster. In: Freiburger Münsterblätter: Halbjahrsschrift für die Geschichte und Kunst des Freiburger Münsters, 13. Jahrgang (1917), S. 39–45 Digitalisat der UB Heidelberg Wissenschaftliche Beschreibung der Handschriften Hs. 496 und Hs. 497 Band 1–3 der Universitätsbibliothek Freiburg PDF-Datei der UB Freiburg

Weblinks

Illustrierte Handschriften für die Erzbischöfliche Bibliothek

Einzelnachweise

Kategorie:Römisch-katholischer Geistlicher (18. Jahrhundert) Kategorie:Heimatforscher (Deutschland) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1740 Kategorie:Gestorben 1806 Kategorie:Mann