Čermná () ist ein Ort in der Gemeinde Libouchec im Ústecký kraj in Tschechien.

Geographie

Lage Das Straßendorf liegt ca. 9,5 km nordöstlich des Stadtzentrums von Ústí nad Labem (Aussig) am Fuße des Výrovny (540 m). Die Nachbarorte sind nördlich Modrá (Riegersdorf), nordwestlich Libouchec (Königswald), nordöstlich Jílové (Eulau), östlich Stará Bohyně (Alt Bohmen), westlich Malé Chvojno (Klein Kahn), südwestlich Velké Chvojno (Böhmisch Kahn) und südlich Mnichov (München) und Lipová (Spansdorf).

Geschichte

Gründung

Ob die ersten Siedler des Ortes Deutschböhmen oder Slawen waren, ist nicht geklärt. Die Anlage des Dorfes als Waldhufendorf im Zuge der Rodung des Grenzwaldes wird der Zeit zwischen 1250 und 1300 zugeschrieben.Nach den Angaben zur Geschichte des Ortes auf der Internetseite zum Ort (cermna.estranky.cz) wurde der Ort nach deutschem Recht in den Jahren 1200 bis 1250 gegründet. Gegen eine ältere Ansiedlung spricht nach Franz Josef Umlauft, dass die auf die Gegend bezogene Johanniterurkunde von 1169 – die älteste einschlägige Quelle – an dieser Stelle lediglich einen Grenzpunkt rufus puteus (roter Brunnen), nicht aber die sonst übliche Bezeichnung villa (Dorf) nenne; die Zuordnung dieses Grenzpunktes zu Leukersdorf ist allerdings umstritten (siehe unten). Die Gegend dürfte zu jener Zeit noch weitgehend unerschlossener Wald gewesen sein. Franz Josef Umlauft ordnete Leukersdorf zusammen mit Spansdorf (slawisch Lipowe) und Arnsdorf (slawisch Komonin) den deutschrechtlichen Neugründungen zu, die auf die Ansiedlung von Bauern aus Thüringen, Franken oder Niedersachsen zurückgingen.Emil Richter: Dorf und Gut Johnsdorf. In: Arbeitsgemeinschaft für Heimatforschung in Aussig (Hrsg.): Beiträge zur Heimatkunde des Aussig-Karbitzer Bezirkes. 1. Jahrgang, 1921, 1. Heft. Selbstverlag, 1921, S. 18 ff., hier S. 19. Für das Jahr 1352 ist ein eigener Pfarrer der Gemeinde bezeugt.

Mit der Urkunde von 1169 schenkte König Wladislaw II. dem Ritterorden des heiligen Johannes zu Jerusalem ein Landstück um Herbitz aus dem Krongut und fügte diesem auf Bitten seines Bruders Heinrich aus dessen Besitz ein Waldgebiet hinzu; im selben Jahr überließ er dem Orden den Landumfang Lieben bei Aussig. Die Grenzbeschreibung dieses Waldes nennt nacheinander die Olesnice, den Berg Hwogen, den Wasserlauf Luhpuhce, die Orte Camic und Procetin, sodann Tesk und den rufus puteus. Emil Richter setzte die Luhpuhce mit dem Königswalder Bach gleich, den Berg Hwogen mit dem Gebirgsland bei den Kahner Dörfern, Camic mit Kamitz bei Johnsdorf und Procetin mit Prosseln; umstritten blieben unter den heimatkundlichen Forschern dagegen die Angaben Olesnice, Tesk und rufus puteus.

Für die Gleichsetzung des rufus puteus mit Leukersdorf traten Anton Tschernen, E. Jahnel und Franz Josef Umlauft ein; sie stützten sich auf den vordeutschen Ortsnamen Čermná und auf die dortige, einen rötlichen Niederschlag hinterlassende Quelle „rote Rinne“. Richter widersprach dieser Deutung 1935. Er verstand unter Tesk das Dorf Tyssa, setzte die Olesnice mit dem Wildbach Losche gleich und lokalisierte den rufus puteus in dem Roten Graben zwischen den Tyssaer Felsen, der bei Raiza in das Tal der Losche mündet. Nach seiner Rekonstruktion verlief die Waldgrenze vom Luhpuhcetal bei Königswald bachaufwärts nach Tyssa, senkte sich dort in den Roten Graben und führte entlang der Losche zurück zur Quelle der Luhpuhce.

Leukersdorf lag nach Richters Rekonstruktion nicht an der Grenze, sondern innerhalb des östlichen Ausläufers des Johanniterwaldes, dessen Breite die Feldmarken der Orte München, Leukersdorf, Spansdorf und Leißen umfasst haben dürfte. Den Namen des Nachbarortes München bezog Richter auf die Ordensbrüder und vermutete dort einen Wirtschaftshof, von dem aus die Urbarmachung und Besiedlung des Waldes geleitet wurde.

Herrensitz und Lehensträger im 14. und 15. Jahrhundert

Wann der Johanniterwald aus den Händen des Ordens kam, ist mangels Quellen nicht bekannt; wahrscheinlich fiel er wie der Ordensbesitz im Elbtal wieder an die Krone zurück und gelangte durch spätere Vergabe – möglicherweise schon unter König Johann – an das Geschlecht der Wartenberg, das seit der Mitte des 14. Jahrhunderts als Patron der umliegenden Kirchdörfer erscheint und seit dem ausgehenden 14. Jahrhundert auch den östlichen Waldteil um Blankenstein besaß; 1400 errichtete Johann von Wartenberg dort die Burg als Trotzburg gegen das Vordringen der Meißner Fürsten. Von der Schenkung des Jahres 1169 verblieben dem Orden zuletzt nur die Dörfer Lieben, Gratschen, Bohna und Johnsdorf, die er 1547 verkaufte.

Im 14. Jahrhundert war Leukersdorf ein Afterlehen der Herren von Wartenberg auf Tetschen und nach Ausweis der Prager Pfarrbesetzungsbücher Sitz eines Geschlechts, das sich offenbar in den niederen Adel aufschwang.Franz Josef Umlauft: Alte Herrensitze im Aussiger Bezirke. In: Arbeitsgemeinschaft für Heimatforschung in Aussig (Hrsg.): Beiträge zur Heimatkunde des Aussig-Karbitzer Bezirkes. 12. Jahrgang, 1932. Selbstverlag, 1932, S. 134 ff., hier S. 138 f. Die erste schriftliche Nennung des Ortes fällt in das Jahr 1364 und steht im Zusammenhang mit der hiesigen Feste, deren Besitzer ein Bernard von Čermná war; er hielt sie vermutlich bis 1377.

In den Jahren 1376 und 1377 teilte sich Bernard den Besitz mit dem Priester Petr sowie mit Ota, Jan und Bernard dem Jüngeren; für die Jahre 1383 bis 1399 ist Ota bezeugt, von 1405 bis 1409 Buda Brach und von 1418 bis 1427 Jan Puškař von Kozojedy. Otto „von Leukersdorf“, der sich 1376 auch „von Spansdorf“ schrieb, war seit 1392 Lehensinhaber für beide Orte; unter ihm wurden 1395 die Pfarreien Leukersdorf und Spansdorf zu einem Pfarrbenefizium vereinigt. Seine Besitznachfolger scheinen nicht mehr im Ort selbst gewohnt zu haben; Umlauft vermutete, dass das spätere Richtergut Nr. 1 der Wohnsitz dieser Edlen gewesen sei. Als Herrensitz hörte Leukersdorf um das Jahr 1427 auf zu bestehen.

Seit 1526 oder 1527 gehörte der Ort zur Herrschaft der Burg Blankenstein. Deren Verzeichnis von 1544 enthält die einzige weitere Erwähnung der Leukersdorfer Feste.

Grund- und Gerichtsherrschaft

Grund- und Gerichtsherren des Dorfes waren im 16. Jahrhundert die auf Schloss Blankenstein sitzenden Ritter von Bünau.Franz Josef Umlauft: Geschichte eines Bauernhofes (Bauernhaus in München Nr. 2). In: Arbeitsgemeinschaft für Heimatforschung in Aussig (Hrsg.): Beiträge zur Heimatkunde des Aussig-Karbitzer Bezirkes. 1. Jahrgang, 1921, 1. Heft. Selbstverlag, 1921, S. 33 ff. Die Nachbardörfer München und Kokisch (Neubohmen) galten als zu Leukersdorf gehörig und hatten entweder keinen eigenen Richter oder unterstanden dem Leukersdorfer, der deshalb auch Oberrichter genannt wurde.Wenzel Plaschke: Geschichte des Richtergutes in Leukersdorf (Bauerngut Nr. 1). Eine Haus- und Familiengeschichte. In: Arbeitsgemeinschaft für Heimatforschung in Aussig (Hrsg.): Beiträge zur Heimatkunde des Aussig-Karbitzer Bezirkes. 2. Jahrgang, 1922, 2. Heft. Selbstverlag, 1922, S. 75 ff. Noch die Gemeinderuge des 17. Jahrhunderts verpflichtete die Münchner Nachbarn, ihre Festlichkeiten in der Leukersdorfer Schenke abzuhalten.Franz Josef Umlauft (Mitteilung), Wenzel Plaschke (Erläuterungen): Die Leukersdorfer Gemeinde-Ruge nach der Abschrift vom Jahre 1671. In: Arbeitsgemeinschaft für Heimatforschung in Aussig (Hrsg.): Beiträge zur Heimatkunde des Aussig-Karbitzer Bezirkes. 8. Jahrgang, 1928, 2. Heft. Selbstverlag, 1928, S. 64 ff. Gerichtstage wurden als sogenannte Ehedinge abgehalten, die für Leukersdorf 1585 auf Schloss Blankenstein bezeugt sind.Wenzel Plaschke: Ein Erb- und Ehevertrag vom Jahre 1585. Wortgetreue Abschrift aus dem 1. Leukersdorfer Grundbuche. In: Arbeitsgemeinschaft für Heimatforschung in Aussig (Hrsg.): Beiträge zur Heimatkunde des Aussig-Karbitzer Bezirkes. 4. Jahrgang, 1924, 3. Heft. Selbstverlag, 1924, S. 138. Nach der Gemeinderuge stand der Herrschaft im Ort das freie peinliche Halsgericht sowie die Ober- und Niedergerichtsbarkeit „über Hals und Hand, Mord und Brand“ zu – ein Recht, das unter den überlieferten Rugen der Umgebung allein für Leukersdorf ausdrücklich festgehalten ist.Franz Josef Umlauft: Altes Dorfrecht. Die Gemeinderugen von Deutschkahn, München, Leukersdorf, Spansdorf und Mörkau. In: Arbeitsgemeinschaft für Heimatforschung in Aussig (Hrsg.): Beiträge zur Heimatkunde des Aussig-Karbitzer Bezirkes. 8. Jahrgang, 1928, 1. Heft. Selbstverlag, 1928, S. 3 ff.

Leukersdorf gehörte bis zur Revolution von 1848/1849 im Kaisertum Österreich zur Allodialherrschaft Prießnitz (später Schönpriesen), zu der auch die Dörfer Prießnitz, Nestomitz, Mosern, Wesseln, Nestersitz, Pömmerle, Doppitz, Leinisch, Seesitz, Soblitz, Reindlitz, Mörkau, Blankenstein, Leissen, Spansdorf, München, Neubohmen (Kokisch), Arnsdorf und Schlabisch gehörten. Erbherr war 1758 Graf Ludwig Cavriani.Franz Josef Umlauft: Das Leukersdorfer Zunftwesen. In: Arbeitsgemeinschaft für Heimatforschung in Aussig (Hrsg.): Beiträge zur Heimatkunde des Aussig-Karbitzer Bezirkes. 5. Jahrgang, 1925, 4. Heft. Selbstverlag, 1925, S. 171 ff.

Ortsrichter und Gemeindevorsteher

Der erste namentlich bekannte Ortsrichter ist Nickel Püschel, der um 1520 im Aussiger Testamentenbuch erscheint; 1573 nennt das Grundbuch Benedix (Benes) Pieschel als Besitzer des Gutes Nr. 1.Wenzel Plaschke: Die Ortsrichter von Leukersdorf. In: Arbeitsgemeinschaft für Heimatforschung in Aussig (Hrsg.): Beiträge zur Heimatkunde des Aussig-Karbitzer Bezirkes. 5. Jahrgang, 1925, 1. Heft. Selbstverlag, 1925, S. 36 f. Das Richteramt war anfangs nicht dauerhaft an ein Gut gebunden: Zwischen 1574 und 1590 wechselte es mehrfach auf die Güter Nr. 35, 22 und 44, ehe von 1591 an durchgehend der jeweilige Besitzer des Hauses Nr. 1 auch das Richteramt innehatte. Über längere Zeiträume blieb es in einzelnen Familien, so von 1591 bis 1707 nahezu durchgehend bei den Löbel und von 1707 bis 1846 bei den Güttler; zuletzt amtierte von 1846 bis 1848 Anton Deutsch. An die Stelle des Richteramtes trat das Amt des Gemeindevorstehers, das zunächst Ferdinand König (Nr. 20) bekleidete; von 1898 bis mindestens 1925 stand Franz Josef Güttler (Nr. 2) der Gemeinde vor.Wenzel Plaschke: Die Schmiede in Leukersdorf. Eine Haus- und Familiengeschichte. In: Arbeitsgemeinschaft für Heimatforschung in Aussig (Hrsg.): Beiträge zur Heimatkunde des Aussig-Karbitzer Bezirkes. 3. Jahrgang, 1923, 3. Heft. Selbstverlag, 1923, S. 121 ff.Die beiden Aufsätze Plaschkes weichen hier voneinander ab: Die Haus- und Familiengeschichte des Richtergutes von 1922 datiert die Ablösung der Richter durch die Vorsteher auf 1849/50, während das Ortsrichterverzeichnis von 1925 den letzten Richter Anton Deutsch bis 1848 und den ersten Gemeindevorsteher Ferdinand König ab 1848 führt.

Dorfrecht und Gemeinderuge

Für Leukersdorf ist eine Gemeinderuge überliefert, eine schriftliche Aufzeichnung der gewohnheitsmäßigen Rechte und Pflichten der Dorfbewohner. Solche Rugen wurden nach Umlauft überwiegend um die Mitte des 16. Jahrhunderts niedergeschrieben und bei den öffentlichen Gerichtstagen verlesen; sie dienten der gütlichen Schlichtung von Streitigkeiten und verloren nach dem Dreißigjährigen Krieg an Bedeutung, als herrschaftliche Anordnungen an ihre Stelle traten. Die erhaltene Leukersdorfer Abschrift trägt den Titel „Ruhe der gemeine zu Leuckersdorf“ und wurde am 26. Juli 1671 unter Richter Michel Löbel erneuert, wobei die Namen der verstorbenen Wirte durch die der jeweils gegenwärtigen ersetzt wurden; eine zweite Erneuerung erfolgte am 28. Februar 1768 unter Richter Johann Wenzel Güttler und kostete laut Gemeinderechnung 49 Kreuzer.