mini|Forsthaus Hainholz, Ausflugsgaststätte am Rande der Stadt Pritzwalk im Naturpark Hainholz Der Hainholz (historisch auch Heynholt für Hegeholz, also einen eingehegten Wald) ist ein städtischer Waldpark und gilt als Pritzwalks „Grüne Lunge“. Das Waldgebiet liegt im Nordosten der Stadt und ist seit 200 Jahren ein beliebtes Ausflugsziel. Das Areal besteht aus geschützten Biotopen, Kulturwald- aber auch forstwirtschaftlich genutzten Waldflächen. Der Waldpark besteht vor allem aus altem Laubmischwald. Als Naturraum spielt der Wald eine wichtige Rolle für die Biodiversität in der Stadt. Der Wald wird durch den Klimawandel und Forstschädlinge bedroht.

Als Standort für das städtische Ferienlager in der heutigen Waldschule verbrachte die Jugend Pritzwalks Zeit im Hainholz. Bis heute dauern die vielschichtigen Beziehungen zwischen den Pritzwalkern und ihrem Hainholz fort. mini|Haltepunkt Hainholz der Bahnstrecke Neustadt–Meyenburg, etwa 500 Meter zu Fuß vom Waldbad entfernt Geschichte mini|Pritzwalker-Schützengilde Schießhalle im Hainholz, Postkarte Anfang 20. Jahrhundert mini|Hainholz Försterhaus Postkarte um 1900 Mittelalter und Frühe Neuzeit In slawischer Zeit wies die spätere Terra Pritzwalk nur eine geringe Bevölkerungsdichte auf. Nur um Pritzwalk selbst lag eine kleinere Siedlungskammer. Die übrigen Teile der Geschiebelehmplatte, die sich von Meyenburg aus in einer Breite von 15 bis 20 Kilometern bis in die Gegend südlich von Pritzwalk erstreckt, waren dicht bewaldet. Die guten Böden dieser Hochfläche, schwach bis mäßig gebleichte braune Waldböden, wurden wahrscheinlich am Ende des 12. und zu Beginn des 13. Jahrhunderts unter den Pflug genommen. Ob und in welchem Ausmaß der Landesausbau im Raum Pritzwalk um 1230 eingesetzt hatte, ist nur näherungsweise bestimmbar. Die Reihe der »hagen«-Dörfer von Meyenburg bis Pritzwalk deuten auf umfangreiche Rodungen hin. Das Grundwort -hagen bedeutet gleichermaßen Rodung, Grenze und Grenzschutz. Die Ortsbezeichnungsendung findet sich in einer geschlossenen Gruppe nördlich von Pritzwalk (Schönhagen, Steffenshagen, Giesenhagen, Falkenhagen, Rapshagen und die Wüstungen Ellershagen und Gerdshagen). Im Ergebnis des Landausbaus wurde der Waldgürtel im Norden Pritzwalks im 13. Jahrhundert zurückgedrängt.Jahrbuch für die Geschichte Mittel- und Ostdeutschlands, Band 28, Freie Universität Berlin. Friedrich-Meinecke-Institut, M. Niemeyer, 1979, S. 87

Haine wie der Pritzwalker Hainholz waren zur Zeit der slawischen Besiedlung heilige Orte. Slawische Namensbezeichnungen von Orten wie etwa Pritzwalk selbst, setzten sich häufig in der Zone zwischen Oder und Elbe fort und auch im Fall des Hainholzes ist eine namentliche Anknüpfung an vormalige slawische Namensbedeutungen nicht ausgeschlossen.

1325 kaufte der Pritzwalker Rat von Markgraf Ludwig das Dorf Groß-Streckenthin mit den Mühlen. Diese befanden sich 0,5 Kilometer südwestlich von Streckenthin. 1258, kurze Zeit nach Gründung der Stadt Pritzwalk, hatte der Rat bereits den nordwestlich vom Hainholz gelegenen Waldforst „Kammermark“ vom Markgrafen Otto und Johann für 200 Silbermark erworben.F. Wilhelm Riehl: Berlin und die Mark Brandenburg mit dem Markgrafthum Nieder-Lausitz in ihrer Geschichte und in ihrem gegenwärtigen Bestande: Nach amtl. u. anderen Mittheilungen, 1861, S. 221 Dezidierte Kaufurkunden für den Hainholz als solches sind nicht vorhanden. Ob die Kammermark und der Hainholz schon im 13. Jahrhundert in Folge der intensivierten Rodungstätigkeiten getrennte Forste waren, ist nicht nachgewiesen. Auch ist unklar, ob das städtische Flurstück Groß Streckenthin soweit südwestlich reichte, das es den Hainholz zumindest partiell umschloss. Der „Heynholz“ wird in einer Urkunde von Bischof Otto von Havelberg zur Bestätigung der Stiftung einer Kapelle zu Prignitz im Jahr 1420 als Besitztum der Stadt namentlich erwähnt.

Stadtwälder nahmen eine Sonderstellung im staatlichen Forstgefüge ein. In Brandenburg waren eher adeliger Waldbesitz (vor allem Rittergüter) prägend. Städtische Wälder wurden zuvor in der Regel von Landesherren oder adeligen Grundbesitzern durch die Städte erworben. Hintergrund solcher Käufe waren oftmals das der Landes- oder Grundherr wegen Verschuldung zunächst als Pfand veräußern musste und danach den Pfand nicht mehr auslösen konnte. Die Amts- und Dienstbezeichnungen der Stadtforste unterschieden sich, zumeist war aber von einem Stadtforstmeister oder Stadtförster die Rede, der von der Stadt Ernennung und Gehalt erhielt. Da sich der kurfürstliche Landesherr in Brandenburg seit dem Interregnum im Spätmittelalter in eine schwächere Position gegenüber den Grundbesitzern befand, waren brandenburgische nicht landesherrliche Forste von der Beförsterung durch landesherrliche ernannte Amtspersonen ausgenommen. Der Kurfürst hatte es folglich schwer, in der Auseinandersetzung mit den einflussreichen märkischen Adelsfamilien, auf diesem Aufgabenfeld die eigenen Strukturen zu übertragen. In Brandenburg galt im 16. und 17. Jahrhundert eine weit reichende Form der kommunalen Selbstverwaltung im Rahmen der Ständegesellschaft, die landesherrlichen Strukturen waren lange Zeit in der Mark Brandenburg schwach entwickelt und nur auf die landesherrlichen Domänengüter und Ämter beschränkt. Der jeweilige Grundherr von Ländereien oder Gebieten hatte folglich weit reichende Kompetenzen, etwa der einfachen Rechtsprechung auf dem eigenen Gebiet. Dieses Prinzip wurde erst mit der Zeit des Hochabsolutismus ab Ende des 17. Jahrhunderts erfolgreicher von der Zentralgewalt, dem brandenburgischen Kurfürsten und preußischen König untergraben. mini|Schmettauisches Kartenwerk, Ansicht des Hainholzes, nordwestlich davon liegt der in den 1820ern abgeholzte zweite Pritzwalker Forst Kammermark. Der kommunale Wald Pritzwalks setzte sich aus der Kammermark und dem Hainholz zusammen und lag in einem gemeinsame Gemengelage zwischen Bürgerschaft und der städtischen Kämmerei. Dieses umfasst um 1800 1150 Morgen oder 287,5 Hektar.F. W. A. Bratring: Statistisch-topographische Beschreibung der gesammten Mark Brandenburg, Walter de Gruyter, Berlin 1968, (Nachdruck), S. 461 Holznutzungsrechte waren seit Jahrhunderten Streitobjekte zwischen Rat und Bürgerschaft. Im Hainholz gehörten Grund und Boden sowie „Mastung“ (Sammelbezeichnung für Eicheln, Bucheckern u. ä. als Schweinefutter im Wald) der Bürgerschaft, das Holz der Kämmerei der Stadt. Einen Teil davon aber beanspruchte wiederum die Bürgerschaft als ein Zubehör der ihr unstreitig gehörigen Feldmark „Groß Streckenthin“.Lieselott Enders: Die Prignitz: Geschichte einer kurmärkischen Landschaft vom 12. bis zum 18. Jahrhundert, Verlag für Berlin-Brandenburg, 2000, Seite 1074 Der kommunale Wald Pritzwalks diente den Bürgern als Forst- und Weiderevier und der Stadt als Hypothekensicherheit, um für unterschiedliche Vorhaben einen Kredit aufnehmen zu können.Märkische Allgemeine Zeitung, 15. Oktober 2002, Prignitz Kurier, S. 15

Die Einnahmen aus der Bewirtschaftung des Gemeindewaldes nahmen vielerorts eine sehr große Bedeutung im Rahmen der gemeindlichen Gesamteinnahmen ein.Thorsten Franz: Geschichte der deutschen Forstverwaltung, Springer-Verlag, 2020, S. 174f Aus der Prignitz standen Korn und Holz an erster Stelle zu Verkauf und Ausfuhr an. Holz wurde mittels Flößens über Kanäle zur Havel und Elbe nach Hamburg gebracht und war, gegen Zoll, frei verkäuflich. Dort gab es einen preußischen Holzmarkt. In Havelberg kurz vor der Elbe befand sich eine Nutzholzniederlage, wo der regionale Holzabsatz der nördlichen und westlichen Kurmark als Zwischenhandel vollzogen wurde. Für Pritzwalk ist der Zwischenhandel über das Flussabwärts gelegene nördlichere Wittenberge anzunehmen, das über Perleberg erreicht wurde. Die in Hamburg veräußerten Holzwaren gingen weiter in den Fernhandel nach Holland oder England und wurden unter anderen für den Schiffbau genutzt.Lieselott Enders: Die Prignitz: Geschichte einer kurmärkischen Landschaft vom 12. bis zum 18. Jahrhundert, Verlag für Berlin-Brandenburg, 2000, S. 479 Grundsätzlich bildete die ausreichende Versorgung mit Holz für unterschiedliche Zwecke (z. B. Baustoff, Brennstoffe) eine wichtige Voraussetzung für die wirtschaftliche und bauliche Entwicklung Pritzwalks über die Jahrhunderte hinweg.

Eine geregelte Forstwirtschaft setzten allgemein erst ab dem 18. Jahrhundert ein. Holzeinschläge im Pritzwalker Umland erfolgten folglich ungeregelt und nicht nachhaltig und führten vielerorts im 17. Jahrhundert zu Versorgungskrisenerscheinungen nach Holz. Dies erforderte eine Wandlung der Wirtschaftsweisen hin zu mehr Nachhaltigkeit beim Holzeinschlag. Kriegsfolgen führten ebenso zu erheblichen Waldverlusten um Pritzwalk. Kontributionsforderungen der französischen Besatzungsmacht in Folge des Vierten Koalitionskriegs führten zu Holzeinschlägen in der Kammermark, einst ein größeres Waldgebiet im Norden des Hainholzes und dem Hainholz selbst. In Folge des Stadtbrandes von 1821 musste ein Großteil des Hartholzbestandes der Kammermark für den Wiederaufbau geerntet werden.

Neuzeit Ein Stadtförster für den Stadtwald Hainholz wurde durch den Magistrat erstmals im Jahr 1837 bestellt. Davor beschäftigte die Stadt Pritzwalk nur „Holzwärter“. Aufzeichnungen im Stadtarchiv sind zum Hainholz und die Bewirtschaftung des Stadtwaldes bis etwa 1800 zurück zu verfolgen. Der erste in den Magistratsakten erwähnte Holzwärter der Stadt Pritzwalk ist der 1809 eingestellte Gottfried Braun. Braun war bis zu seinem Tode 1837 in dieser Funktion tätig. Der Magistrat bestellte als ersten Stadtförster 1837 Carl Friedrich Jenisch, der bis zu seiner Pensionierung 1880 dieses Amt ausübte. Der Stadtförster war dem Magistrat der Stadt unterstellt und wurde von der Stadt Pritzwalk bezahlt. Ein weiteres Unterstellungsverhältnis bestand mit dem königlichen Forstamt in Potsdam, das aber immer über den Magistrat der Stadt und die zuständigen Ratsherren wirksam wurde. Der Stadtförster hatte die Aufgabe den Stadtwald zu bewirtschaften und dort die forstwirtschaftlichen Belange wir Holzschlag, Holzverkauf und Aufforstungen mit Hilfe der Holzwärter zu besorgen. Durch den Stadtförster oder Familienangehörige wurde der Ausschank im Forsthaus betrieben, dessen Erlös dem Stadtförster zukam. Er hatte freie Wohnung im Forsthaus und bewirtschaftete einen kleinen Acker und hatte Weidefläche auf das an den Wald angrenzende Stadtland. Dem Stadtförster stand ein Deputat an Holz zu, das im Laufe der Dienstzeit mehrmals neu verhandelt wurde. Mit Beendigung der Dienstzeit bekam der Stadtförster ein Ruhestandsgehalt, Deputat und freie Wohnung.

mini|Plankarte für das Hainholt für 1904, Stadtforstamt Pritzwalk Der Nutzungscharakter des Hainholzes als reiner Wirtschaftswald wandelte sich ab Mitte des 19. Jahrhunderts. Es traten weitere Nutzungsfunktionen hinzu, die zunehmend die Forstwirtschaft in den Hintergrund drängte. 1866 zog die Pritzwalker Schützengilde in das Hainholz und bekam dort von der Stadt ein Grundstück für Schießübungen zur Verfügung gestellt. Im gleichen Jahr errichtete der Verein einen Ziegelbau mit Schießbahnen im Hainholz. Das damals abgelegene Waldstück wurde als ideales Übungsgelände für die lärmenden Schusswaffen betrachtet. Von dem einstigen Schützenhaus sind heute keine Spuren mehr erhalten. Hinter dem Parkplatz befinden sich lediglich die Rudimente des Kugelfangs. Das Königsschießen im Hainholz bildete eines der beiden jährlichen Höhepunkte des Vereinslebens.Rolf Rehberg, Wolfgang Simon: Illustrierte Geschichte Pritzwalks, Verlag Stadtverwaltung Pritzwalk, 2., erw. Auflage, ISBN 3-00-018900-9, S. 101 Die Bahnstrecke von Pritzwalk nach Meyenburg wurde 1887 eröffnet und durchschnitt den Wald.