Kostjantyniwka (; ) ist eine Stadt in der Oblast Donezk in der Ukraine mit 2025 noch etwa 8.000 Einwohnern.

Die Ortschaft am Ufer des Krywyj Torez, eines Nebenflusses des Dons, war bis Juli 2020 das administrative Zentrum des gleichnamigen Rajons Kostjantyniwka und ein industrielles Zentrum im Donezbecken, in dem es vor allem metall- und glasverarbeitende sowie chemische Industrie gab. Das Oblastzentrum Donezk liegt in 68 Kilometer Entfernung. mini|links|Stadtrats-Gebäude von Kostjantyniwka (2009)

Geschichte Kostjantyniwka entstand 1870 aus einer kleinen Siedlung, die von dem Großgrundbesitzer Nomikossow gegründet und zu Ehren seines ältesten Sohnes Kostjantyn benannt wurde. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelte sich der Ort zu einer Industriesiedlung, die 1926 in den Rang einer Siedlung städtischen Typs erhoben wurde. 1932 erhielt Kostjantyniwka Stadtrechte.

Am 22. Juni 1941 begann die Wehrmacht den deutsch-sowjetischen Krieg. Sie besetzte Kostjantyniwka am 28. Oktober 1941. Am 6. September 1943 eroberte die Rote Armee die Stadt.

Bei den Präsidentschaftswahlen im Jahr 2019 stimmte die Stadtbevölkerung überwiegend für den parteilosen, als russlandfreundlich beschriebenen Jurij Bojko.

Am 2. April 2023 kam es im Zuge des Russischen Überfalls auf die Ukraine zur Bombardierung der Stadt durch russische Streitkräfte, wobei sechs Zivilisten getötet und acht weitere verletzt wurden.

mini|links|Marktplatz am 6. September 2023 Durch einen nach ukrainischen Angaben russischen Luftangriff wurden am 6. September 2023 auf einem Marktplatz 16 Menschen getötet und 33 verletzt. Einem Bericht der New York Times zufolge deuten hingegen Zeugenaussagen und eine Analyse von Videoaufnahmen, Satellitenbildern, Waffenteilen und Beiträgen in sozialen Medien stark darauf hin, dass es sich um eine fehlgeleitete ukrainische Luftabwehrrakete handelte, die von einem Buk-Raketensystem abgefeuert wurde.Evidence Suggests Ukrainian Missile Caused Market Tragedy. In: New York Times, 18. September 2023. Die Ukraine wies den Bericht zurück und erklärte, es handele sich um eine russische S-300-Rakete; dies sei durch am Einschlagsort gefundene Raketentrümmer belegt. Ermittlungen seien eingeleitet worden.„Fördert Verschwörungstheorien“ – Ukraine weist „New York Times“-Bericht zurück. In: Die Welt. 19. September 2023.

Im Sommer 2025 begann die russische Armee bei ihrem langsamen Vormarsch im Donbas, die Stadt täglich mit FPV-Drohnen, Fliegerbomben und/oder Artillerie zu attackieren und von drei Seiten – aus südlicher Richtung von Torezk, aus östlicher Richtung von Tschassiw Jar und aus südwestlicher Richtung – zu umzingeln. Spätestens im Juli 2025 war die Wasserversorgung auf wenige Stunden pro Tag begrenzt. Im Februar 2026 sprengte Russland mit einer 3-t-Bombe einen Zufahrtsdamm.https://ukranews.com/en/news/1136847-occupants-blow-up-dam-in-osykove-with-three-ton-bomb-and-flood-road-to-kostiantynivka-deepstate Zivile Fahrzeuge konnten die mehreren tausend Zivilisten in der Stadt für rund zehn Tage nicht mehr versorgen.https://novayagazeta.eu/articles/2026/02/26/proryv-pod-konstantinovkoi

Stand April 2026 steht Kostjantyniwka im Mittelpunkt der Kampfhandlungen, russische Infiltrations- und Sabotagegruppen sind in den nordöstlichen Außenbezirken aktiv, während der Hauptteil der Stadt unter ukrainischer Kontrolle steht. Russische Drohnen kontrollieren die Zufahrtswege zur Stadt, die Versorgung der Zivilisten sowie der zur Verteidigung eingesetzten Soldaten erfolgt größtenteils über unbemannte Bodendrohnen.

Häufige Gleitbomben-Einsätze von russischer Seite mittels FAB-3000-Bomben haben große Teile der Hochhaussiedlungen am westlichen Stadtrand zerstört oder schwer beschädigt.

Verwaltungsgliederung Am 12. Juni 2020 wurde die Stadt zum Zentrum der neugegründeten Stadtgemeinde Kostjantyniwka (Костянтинівська міська громада/Kostjantyniwska miska hromada). Zu dieser zählen auch die 18 in der untenstehenden Tabelle aufgelisteten Dörfer sowie die Ansiedlungen Besimjane, Molotscharka, Nowodmytriwka, Stinky und Tscherwone,Кабінет Міністрів України Розпорядження від 12 червня 2020 р. № 710-р "Про визначення адміністративних центрів та затвердження територій територіальних громад Донецької області" bis dahin bildete sie die gleichnamige Stadtratsgemeinde Kostjantyniwka (Костянтинівська міська рада/Kostjantyniwska miska rada) im Zentrum des Rajons Kostjantyniwka.

Am 17. Juli 2020 wurde der Ort ein Teil des Rajons Kramatorsk.Верховна Рада України; Постанова від 17.07.2020 № 807-IX "Про утворення та ліквідацію районів"

Folgende Orte sind neben dem Hauptorte Kostjantyniwka Teil der Gemeinde: Name ukrainisch transkribiert ukrainisch russisch Besimjane Безім'яне Безымянное (Besymjanoje) Bila Hora Біла Гора Белая Гора (Belaja Gora) Bilokusmyniwka Білокузьминівка Белокузьминовка (Belokusminowka) Dylijiwka Диліївка Дылеевка (Dylejewka) Fedoriwka Федорівка Фёдоровка (Fjodorowka) Ischewka Іжевка Ижевка Iwanopillja Іванопілля Иванополье (Iwanopolje) Klynowe Клинове Клиновое (Klinowoje) Majske Майське Майское (Maiskoje) Markowe Маркове Марково (Markowo) Molotscharka Молочарка Молочарка Mykolajiwka Миколаївка Николаевка (Nikolajewka) Nelipiwka Неліпівка Нелеповка (Nelepowka) Nowodmytriwka Новодмитрівка Новодмитровка (Nowodmitrowka) Nowomarkowe Новомаркове Новомарково (Nowomarkowo) Oleksandro-Schultyne Олександро-Шультине Александро-Шультино (Alexandro-Schultino) Podilske Подільське Подольское (Podolskoje) Popasne Попасне Попасное (Popasnoje) Predtetschyne Предтечине Предтечино (Predtetschino) Stinky Стінки Стенки (Stenki) Stupotschky Ступочки Ступочки (Stupotschki) Tscherwone Червоне Червоное (Tscherwonoje) Wiroljubiwka Віролюбівка Веролюбовка (Weroljubowka)

Bevölkerung Die nachstehende Tabelle zeigt die Bevölkerungsentwicklung zwischen 1979 und 2021:

Bevölkerungsentwicklung 1979 1989 2001 2005 2016 2019202120242025 112.020 107.562 95.111 88.833 73.839 70.84168.79225.000<8.000

Im Jahre 2001 waren laut der damaligen Volkszählung 59,3 % der Bevölkerung ethnische Ukrainer und 37,7 % ethnische Russen:

Ethnische Zusammensetzung der Bevölkerung und Muttersprachen Ethnie Zahl Anteilin % davon sprechen … % als Muttersprache die Sprache dereigenen Nationalität Ukrainisch Russisch andere alle 94.886 100 x x x x Ukrainer 56.226 59,3 34,5 34.5 65,5 0 Russen 35.762 37,7 98,7 1,2 98,7 0,1 Armenier 906 1,0 52,6 0,6 46,7 0,1 Weißrussen 485 0,5 10,1 3,1 86,6 0,2 Aserbaidschaner 248 0,3 50,8 0,4 48,4 0,4 Juden 186 0,2 2,2 4,3 93,5 -

Persönlichkeiten

Nonna Mordjukowa (1925–2008), russische Filmschauspielerin Alexander Sergejewitsch Parfenjuk (1947–2017), Wissenschaftler und Hochschullehrer Oleksandra Kuschel (* 1953), Politikerin Witalij Sachartschenko (* 1963), Politiker Lilia Usik (* 1989), deutsche Politikerin

Weblinks

Eintrag zum Ort in der Enzyklopädie der modernen Ukraine (ukrainisch) Seite über die Stadt (russisch)

Siehe auch

Liste beschädigter und zerstörter Kulturstätten in der Ukraine infolge des russischen Angriffskrieges seit 2022

Einzelnachweise

Kategorie:Ort in der Oblast Donezk Kategorie:Gemeindegründung 1870 Kategorie:Stadtrechtsverleihung 1932 Kategorie:Rajon Kramatorsk