Die Endrunde der Fußball-Weltmeisterschaft 2014 der Männer (, ) war die 20. Austragung des bedeutendsten Turniers für Fußballnationalmannschaften und fand vom 12. Juni bis zum 13. Juli 2014 zum zweiten Mal – nach 1950 – in Brasilien statt.

Weltmeister wurde zum vierten Mal Deutschland, das im Endspiel Argentinien besiegte. Mit dem Sieg der deutschen Nationalmannschaft ging der WM-Titel zum dritten Mal in Folge an eine europäische Mannschaft; zum ersten Mal gewann eine europäische Mannschaft auf dem amerikanischen Doppelkontinent. Gastgeber Brasilien verlor im Halbfinale hoch gegen die deutsche Mannschaft und belegte nach dem Spiel um Platz 3 gegen die Niederlande den vierten Platz. Titelverteidiger Spanien schied bereits nach der Gruppenphase aus. Die Schweiz schied im Achtelfinale aus; Österreich scheiterte bereits in der Qualifikation.

Mit 171 Toren wurde bei dieser WM der damalige Torrekord bei Endrunden mit 32 Mannschaften aus dem Jahr 1998 eingestellt. Die meisten Tore erzielte Deutschland (18).

Vergabe mini|links|Ricardo Teixeira (links), Präsident des CBF, und Staatspräsident Lula da Silva mit dem Logo zur Bewerbung (2007) mini|FIFA-Präsident Sepp Blatter bei der WM-Vergabe in Zürich

Die südamerikanische Fußball-Konföderation CONMEBOL hatte sich auf Brasilien als einzigen Bewerber um die WM 2014 verständigt, u. a. weil in diesem Jahr der brasilianische Fußballverband Confederação Brasileira de Futebol (CBF) sein 100-jähriges Bestehen feierte. Zwar erklärte im Dezember 2006 zunächst auch Kolumbien seine Absicht, eine Bewerbung abzugeben, zog sie aber am 11. April 2007 zurück.

Brasilien übergab schließlich am 13. April 2007 in der FIFA-Zentrale in Zürich als einziger Kandidat die so genannte Bewerbungsvereinbarung. Am 31. Juli 2007 wurde fristgerecht das vollständige, 900-seitige Kandidaturdossier vom Präsidenten der CBF, Ricardo Teixeira, an Sepp Blatter übergeben, das alle notwendigen Regierungsgarantien umfasste. Damit erhielt Brasilien den Zuschlag jedoch nicht automatisch. Das weitere Verfahren sah nun eine Prüfung der Kandidatur durch die FIFA vor, die auch einen Inspektionsbesuch in Brasilien im August 2007 beinhaltete. Dabei wurden fünf der 18 möglichen Spielorte besucht, in Rio de Janeiro präsentierten sich zudem die übrigen möglichen Austragungsorte. Nach der Abschlusspräsentation des brasilianischen Fußballverbandes am 29. Oktober wurde Brasilien am 30. Oktober 2007 in Zürich endgültig als Gastgeber durch das FIFA-Exekutivkomitee bestätigt. Das letzte große Fußballturnier in Brasilien vor der Vergabe war die Copa América 1989. Mit dem Zuschlag für die WM wurde Brasilien auch Austragungsland des als Generalprobe für das WM-Turnier geltenden Konföderationen-Pokals 2013.

Spielorte Am 31. Mai 2009 gab die FIFA die zwölf Städte bekannt, die aus insgesamt 17 Bewerbern für die Austragung der Spiele der Fußball-Weltmeisterschaft 2014 ausgewählt wurden. Das Eröffnungsspiel fand in São Paulo statt, das Finale wurde in Rio de Janeiro ausgetragen. Nicht berücksichtigt wurden die Kandidaturen der Städte Belém, Campo Grande, Florianópolis, Goiânia und Rio Branco.

Die folgenden Angaben zur Kapazität beziehen sich auf die Angaben der FIFA, die durch die strengeren Auflagen bei einer WM unter der maximalen Kapazität der Stadien liegen können. 200px|Estádio Governador Magalhães Pinto (Mineirão)200px|Estádio Nacional200px|Arena Pantanal200px|Arena da BaixadaBelo HorizonteBrasíliaCuiabáCuritibaMineirãoEstádio NacionalArena PantanalArena da BaixadaKapazität: 58.170(Umbau)Kapazität: 69.349(Neubau)Kapazität: 41.112(Neubau)Kapazität: 39.631(Umbau)Spiele: 6 Spiele: 7 Spiele: 4 Spiele: 4 Gesamtzuschauerzahl: 345.350 Gesamtzuschauerzahl: 478.218 Gesamtzuschauerzahl: 158.717 Gesamtzuschauerzahl: 156.991 Schnitt: 57.558 Schnitt: 68.317 Schnitt: 39.679 Schnitt: 39.248200px|Castelão200px|Arena da AmazôniaFortalezaManaus Castelão Arena da Amazônia Kapazität: 60.342(Umbau) Kapazität: 40.549(Neubau) Spiele: 6 Spiele: 4 Gesamtzuschauerzahl: 356.896 Gesamtzuschauerzahl: 160.227 Schnitt: 59.483 Schnitt: 40.057 200px|Arena das Dunas 200px|Estádio Beira-RioNatalPorto Alegre Arena das Dunas Estádio Beira-Rio Kapazität: 39.971(Neubau) Kapazität: 43.394(Umbau) Spiele: 4 Spiele: 5 Gesamtzuschauerzahl: 158.167 Gesamtzuschauerzahl: 214.969 Schnitt: 39.542 Schnitt: 42.994 200px|Arena Pernambuco 200px|Maracanã 200px|Arena Fonte Nova 200px|Arena de São PauloRecifeDas Stadion befindet sich im Vorort São Lourenço da Mata.Rio de JaneiroSalvadorSão Paulo Arena Pernambuco Maracanã Arena Fonte Nova Arena de São Paulo Kapazität: 42.610(Neubau) Kapazität: 74.738(Umbau) Kapazität: 51.900(Neubau) Kapazität: 62.601(Neubau) Spiele: 5 Spiele: 7 Spiele: 6 Spiele: 6 Gesamtzuschauerzahl: 204.882 Gesamtzuschauerzahl: 519.189 Gesamtzuschauerzahl: 300.674 Gesamtzuschauerzahl: 375.593 Schnitt: 40.976 Schnitt: 74.170 Schnitt: 50.112 Schnitt: 62.559 Anmerkungen

Qualifikation

Die Verteilung der Startplätze wurde auf der Sitzung des FIFA-Exekutivkomitees am 2. und 3. März 2011 in Zürich festgelegt. Die Auslosung der Qualifikationsgruppen erfolgte am 30. Juli 2011 in Rio de Janeiro.

Die Plätze für die Endrunde wurden wie folgt vergeben: UEFA (Europa): 13 Teilnehmer CONMEBOL (Südamerika): Gastgeber Brasilien und weitere 4 oder 5 Teilnehmer CAF (Afrika): 5 Teilnehmer AFC (Asien und Australien): 4 oder 5 Teilnehmer CONCACAF (Nord- und Mittelamerika und Karibik): 3 oder 4 Teilnehmer OFC (Ozeanien): 0 oder 1 Teilnehmer

Zwei der Teilnehmer wurden in interkontinentalen Play-offs zwischen einem Asienvertreter und einem Südamerikavertreter sowie zwischen Vertretern aus Ozeanien und des CONCACAF bestimmt.

Teilnehmer Das Gastgeberland Brasilien war als Teilnehmer gesetzt. Die Mannschaft aus Bosnien und Herzegowina nahm zum ersten Mal an der Endrunde einer Fußball-WM teil. Folgende 32 Nationalmannschaften waren qualifiziert:

13 UEFA (Europa) 6 CONMEBOL (Südamerika)inklusive Gastgeber: 5 CAF (Afrika) 4 CONCACAF (Nord-, Mittelamerika und Karibik) 4 AFC (Asien) mini|links|600px|Weltkarte der Teilnehmer und deren Platzierungen

Auslosung Die Auslosung der Gruppenphase der Endrunde fand am 6. Dezember 2013 um 17:00 Uhr (MEZ) in Costa do Sauípe statt. Die Organisationskommission hatte drei Tage zuvor die Lostöpfe festgelegt. Als Köpfe der acht Gruppen wurden der Gastgeber und die sieben Führenden der FIFA-Weltrangliste vom Oktober 2013 gesetzt. Sie bildeten Lostopf 1, die Töpfe 2 bis 4 wurden nach regionalen Kriterien besetzt.

Topf 1 (gesetzte Mannschaften): Brasilien, Spanien, Deutschland, Argentinien, Kolumbien, Belgien, Uruguay, Schweiz

Topf 2 (Afrika und Südamerika): Algerien, Elfenbeinküste, Ghana, Kamerun, Nigeria, Chile, Ecuador

Topf 3 (Asien, Nord- und Mittelamerika): Australien, Iran, Japan, Südkorea, Costa Rica, Honduras, Mexiko, USA

Topf 4 (Europa): Bosnien-Herzegowina, England, Frankreich, Griechenland, Italien (per Los in Topf 2 verschoben), Kroatien, Niederlande, Portugal, Russland

Brasilien war als Kopf der Gruppe A gesetzt, die anderen gesetzten Mannschaften wurden als Köpfe der Gruppen B bis H gelost. Die Mannschaften aus den Töpfen 2, 3 und 4 wurden nun der Reihe nach den Gruppen zugelost, aufsteigend von Gruppe A bis H. Damit in jede Gruppe höchstens zwei europäische Mannschaften kamen, wurde eine der neun europäischen Mannschaften aus Topf 4 vorher per Losverfahren in Topf 2 verschoben und dann einer der vier südamerikanischen Mannschaften aus Topf 1 zugelost. Italien wurde so in Topf 2 und dann in die Gruppe von Uruguay gelost. Außerdem wurde berücksichtigt, dass die beiden südamerikanischen Mannschaften in Topf 2 keinem südamerikanischen Gruppenkopf zugeordnet werden sollten. Im Ergebnis kamen mit Uruguay, Italien und England erstmals drei ehemalige Weltmeister in eine Gruppe.

Gruppe A Gruppe B Gruppe C Gruppe D Gruppe E Gruppe F Gruppe G Gruppe H Informationen zu den einzelnen WM-Gruppen und Mannschaften bei Klick auf den jeweiligen Link.

Von den acht gesetzten Mannschaften der Gruppenphase erreichten schließlich sieben die Finalrunde, davon fünf als Gruppenerste.

Regelwerk und Modus Turnierform In der Gruppenphase gab es acht Gruppen mit je vier Teilnehmern. Innerhalb der Gruppen spielte jede Mannschaft gegen jede, also sechs Partien pro Gruppe. Der Sieger jeder Begegnung erhielt drei Punkte, der Verlierer keinen, bei einem Unentschieden erhielt jeder einen Punkt. Die Rangfolge wurde danach nach folgenden Kriterien bestimmt:

Punkte aus allen Gruppenspielen Tordifferenz aus allen Gruppenspielen Anzahl der in allen Gruppenspielen erzielten Tore Anzahl Punkte aus den Direktbegegnungen der punktgleichen Mannschaften in den Gruppenspielen Tordifferenz in den Direktbegegnungen der punktgleichen Mannschaften in den Gruppenspielen Anzahl der in den Direktbegegnungen der punktgleichen Mannschaften in den Gruppenspielen erzielten Tore Losentscheid

Erster und Zweiter jeder Gruppe waren für das Achtelfinale qualifiziert, die anderen schieden aus. Achtel-, Viertel-, Halbfinale und Finale wurden im K.-o.-System gespielt, d. h. der Verlierer der Partie schied aus dem Turnier aus. (Ausnahme: Die Verlierer der Halbfinalspiele spielten noch um Platz 3.) Stand ein Spiel nach 90 Minuten unentschieden, wurden 2 × 15 Minuten Verlängerung gespielt. Stand danach noch kein Sieger fest, entschied ein Elfmeterschießen die Partie.

Die für das Achtelfinale qualifizierten Mannschaften aus den Gruppen A, B, C, D konnten frühestens im Halbfinale auf Mannschaften der Gruppen E, F, G, H treffen. Mannschaften aus derselben Gruppe hätten frühestens im Finale oder im Spiel um Platz 3 erneut aufeinandertreffen können.

Technische Hilfsmittel mini|Das Freistoßspray im Einsatz beim Spiel Schweiz gegen Ecuador am15. Juni 2014 Am 19. Februar 2013 gab die FIFA bekannt, bei der Endrunde 2014 in Brasilien erstmals eine Torlinientechnologie einzusetzen. Die Entscheidung fiel auf die kamerabasierte Torlinientechnologie GoalControl-4-D. Das in Deutschland entwickelte System besteht aus sieben Hochgeschwindigkeitskameras pro Tor und sendet, wenn ein Tor gefallen ist, ein Signal auf die Uhr des Schiedsrichters, welche durch Vibration und optisches Signal anzeigt, ob ein Tor erzielt wurde. Mit dieser Torlinientechnologie sollen die Schiedsrichter in der Entscheidung unterstützt werden, ob der Ball die Torlinie vollständig überquert hat, damit Fehlentscheidungen vermieden werden.

Die erste umstrittene Szene, bei der die neue Torlinientechnik ausschlaggebend war, war der Treffer zum 2:0 für Frankreich gegen Honduras, bei dem der honduranische Torhüter Noel Valladares den Ball nach einem Schuss von Karim Benzema über die Torlinie lenkte.

Bei Freistößen wurde erstmals ein Spray eingesetzt, um Positionsgrenzen für Spielball und Abwehrmauer auf dem Rasen zu markieren. Damit sollte verhindert werden, dass die verteidigenden Spieler sich unbemerkt näher zum Ball aufstellen als erlaubt, oder dass der Freistoß von einer günstigeren Position ausgeführt wird als vorgesehen. Da sich das Spray während der WM als hilfreich erwiesen hat, kommt es seitdem auch in zahlreichen europäischen Ligen wie auch der Bundesliga zum Einsatz.

Trinkpausen Erstmals wurden bei einer Weltmeisterschaft, aufgrund einer Entscheidung eines brasilianischen Arbeitsgerichts, Trinkpausen eingeführt. Nach jeweils 30 Minuten konnte der Schiedsrichter das Spiel für 3 Minuten unterbrechen, wenn die Temperatur 32 °C überschritt.

Die erste Trinkpause wurde von Schiedsrichter Pedro Proença aus Portugal im Achtelfinale zwischen den Niederlanden und Mexiko in Fortaleza in der 32. und 76. Minute bei 34 °C angeordnet.

Anti-Doping