Ein Palast für Putin (, deutsch „Ein Palast für Putin. Die Geschichte der größten Bestechung“) ist ein investigativer Dokumentarfilm von Alexei Nawalny über den russischen Präsidenten Wladimir Putin und dessen angebliche Besitztümer am Schwarzen Meer; darunter die Residenz am Kap Idokopas („die teuerste Residenz der Welt“), deren Grundstück etwa 39-mal so groß ist wie das Fürstentum Monaco und einem Staat im Staate ähnele. Mit einem Gesamtinvestitionsvolumen in Höhe von 100 Milliarden Rubel, etwa 1,1 Milliarden Euro, bezahlt aus der Staatskasse, soll es „der größte Raub in der Geschichte Russlands“ sein.

Der Film wurde am 19. Januar 2021 – einen Tag nach der Verhaftung Nawalnys nach seiner Rückkehr nach Russland (siehe: Giftanschlag auf Alexei Nawalny) – auf YouTube veröffentlicht und bereits nach einer halben Stunde eine halbe Million Mal aufgerufen, zwei Tage später über 20 Millionen Mal und mit Stand Februar 2024 knapp 130 Millionen Mal.

Der Film wurde international medial rezipiert und gilt als einer der Auslöser für die Proteste in Russland 2021. Putin dementierte, die Residenz zu besitzen.

Inhalt des Films Der Film ist in siebenundzwanzig KapitelAnzahl nach YouTube-Kapitelmarken, der Artikel auf navalny.com ist folgendermaßen gegliedert: Kapitel 1: Geschichte, Dresden, Petersburg, Nikolai Jegorow, Gennady Timtschenko, Pjotr Kolbin, Alexei Miller, Juri Kowaltschuk, Moskau – Kapitel 2: Palast, Zu Gast bei Putin, Hochparterre, Souterrain, Erdgeschoss, Obergeschoss – Kapitel 3: Woher kommt das alles?, Weinberg ''Lasurnaja Jagida'', Weingut ''Stary Prowans'', Auftragnehmer, Assja Borisowa, Wem gehört das?, Natalja Tichomirowa, Alexander Samosjuk, Michail Schelomow, Wer finanziert das?, Alexander Plechow – Kapitel 4: Putins Frauen, Swetlana Kriwonogich, Alina Kabajewa – Ergebnisse: Wie wir gewinnen untergliedert, deren jeweiliger Titel am Anfang nach der Kapitelanzahl angegeben ist (Kapiteltitel teils in Majuskeln nach Schreibweise im Film); die darauffolgende Angabe in eckigen Klammern ist die Länge dieses Kapitels; Worte oder Sätze in Anführungszeichen sind wörtliche Zitate im Film von Nawalny; kursiv gesetzte Worte oder Sätze sind Eigennamen oder den dahinterstehenden Einzelnachweisen entnommen. Kapitel: Beginn [27 Sekunden]. Es wird erzählt, dass Wladimir Putin im August 2020 angeordnet habe, Nawalny zu vergiften, dass dieser das Attentat überlebt habe und bei der Rückkehr nach Russland sofort am Flughafen verhaftet und widerrechtlich ins Gefängnis „Matrosenruhe“ gesteckt worden sei. Kapitel: Nawalny in Dresden [4 Minuten und 33 Sekunden] Nawalny erzählt auf einer Bank in Dresden sitzend, dass ihm die Idee zu diesem Dokumentarfilm kam, als er auf der Intensivstation lag, sich aber alle Beteiligten einig waren, den Film erst zu veröffentlichen, wenn er wieder zu Hause in Russland sei. Man wolle nicht, dass die Hauptfigur dieses Films denke, man habe Angst vor ihm. „Dieser Film sei nicht nur eine Recherche, sondern, in gewissem Sinne, ein psychologisches Porträt, denn ich möchte wirklich verstehen, wie ein gewöhnlicher sowjetischer Offizier sich in einen Irren verwandeln konnte, der besessen ist nach Geld und Luxus und buchstäblich bereit ist, um seiner Goldkiste willen, zu töten und das Land zu zerstören.“ In diesem Film wolle man zeigen, wie und mit wessen Geld Putins Luxus finanziert wird, wie über die letzten Jahre das größte Bestechungsgeld gezahlt und der teuerste Palastrussisch der Welt gebaut wurde. Kapitel: KGB-Bälle, Tänze und erste Freunde [3 Minuten und 6 Sekunden] Erzählt wird Putins Zeit als „gewöhnlicher“ KGB-Offizier ab 1985 in Dresden und wie Putin, im Beisein seiner damaligen Frau Ljudmila Alexandrowna Putina, am 21. November 1987 mit einem Glas sowjetischen Kognaks auf dem Ball der Waffenbrüderschaft anläßlich des 70. Jahrestages der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution mit der Ehrennadel der Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft ausgezeichnet wurde. In Dresden wurde Putin nicht reich oder machte eine große Karriere, jedoch traf er Menschen, die später seine größten Geldgeber wurden, wie zum Beispiel Sergei Wiktorowitsch Tschemesow, der heutige CEO von Rostec, der heute, 30 Jahre nach Dresden, ein milliardenschwerer Regierungsbeamter ist, oder Nikolai Petrowitsch Tokarew, der heute Präsident von Transneft ist. Laut Unterlagen im Stasi-Archiv in Dresden saßen beide im selben Büro, obwohl Tokarew, im Gegensatz zu Tschemesow, bis heute leugnet, KGB-Mitglied gewesen zu sein. Kapitel: PETERSBURG [1 Minute und 39 Sekunden] Erzählt wird Putins Rückkehr und dass sein ehemaliger Kommilitone und Freund Nikolai Jegorow ihm vorschlug, im Büro des Bürgermeisters Anatoli Alexandrowitsch Sobtschak, „einem radikalen Kritiker der UdSSR“ zu arbeiten. Jegorow ist, neben den beiden anderen Kommilitonen und Freunden Ilgam Ragimow und Wiktor Chmarin, eine in der Öffentlichkeit wenig bekannte, aber sehr eng mit dem Diktator verbundene Person aus dem Umfeld Putins. Kapitel: Der junge Putin, Bandit Leningrad und die ersten großen Bestechungsgelder [3 Minuten 56 Sekunden] Erzählt wird, wie Putin, zuständig für die Vergabe von Exportlizenzen an Unternehmen für den Tausch von Öl, Holz, Aluminium, Kupfer, Baumwolle o. Ä. für Nahrung, diese Lizenzen jedoch an Scheinfirmen vergab, die mit ihm und seinen Freunden in Verbindung standen und das Geld veruntreuten, sprich: die Nahrung nie lieferten. Die Häfen der Stadt, deren Generaldirektor Alexander Walerjewitsch Djukow war, der Putin für dessen Hilfe und Unterstützung dankte, waren Hauptumschlagplatz für diesen Tauschhandel; das Öl wurde von Gennadi Nikolajewitsch Timtschenko geliefert, einem engen Freund Putins, dessen äußerst lukrative Geschäfte im Ölhandel hier ihren Anfang nahmen. Als Putin Staatspräsident war, wurde der Auslandshandel mit Öl von 4 der 5 größten Ölfirmen Russlands über die in der Schweiz ansässige Firma von Timtschenko namens Gunvor abgewickelt, wodurch Timtschenko sehr reich wurde. Putin soll laut US Treasury Anteile an Gunvor besitzen; vermutlich indirekt über seinen Freund aus Kindheitstagen, Pjotr Wiktorowitsch Kolbin, der die Aktien für Putin halten soll. Kapitel: Wie Ljosha Miller Umschläge mit Geld akzeptierte [3 Minuten und 18 Sekunden] Laut Maxim Robertowitsch Freidson, einem damaligen Beteiligten, ging man, wollte man ein Geschäft offiziell machen, in Putins Büro, hörte sich eine „zeremonielle Rede über die Wichtigkeit der ökonomischen Partnerschaft“ an, und nachdem Putin damit fertig war, schrieb er die Summe der benötigten Bestechung, zum Beispiel 10 bis 20 tausend Dollar zusätzlich zum eigentlichen Betrag, auf einem Zettel, der dann an seinen Assistenten Alexei Borissowitsch Miller weitergeleitet wurde; heute ist Miller Vorstandsvorsitzender von Gazprom. Weiter wird Juri Walentinowitsch Kowaltschuk genannt, heute Hauptaktionär und Vorsitzender der aus Sankt Petersburg stammenden Bank Rossija, zu dessen Aufstieg Putin beitrug und der heute sein persönliches Vermögen verwaltet und auch das seiner „Gang“, die damals das Geld unter sich aufteilte: Neben Alexei Borissowitsch Miller (heute Gasprom) selbst waren das Dmitri Anatoljewitsch Medwedew (war Ministerpräsident und Präsident), Wiktor Alexejewitsch Subkow (war Ministerpräsident, heute Gasprom), Igor Iwanowitsch Setschin (war stellvertretender Ministerpräsident, heute Vorstandsvorsitzender von Rosneft), Wladimir Jewgenjewitsch Tschurow (Vorsitzender der Zentralen Wahlkommission), Jentalzewa Marina Walentinowna (Leiterin für das Diplomatische Protokoll) und Herman Oskarowitsch Gref (Vorstandsvorsitzender der Sberbank), Alexei Leonidowitsch Kudrin (Leiter der Rechenkammer der Sberbank), Dmitri Nikolajewitsch Kosak (ehemals Vize-Minister der Regierung, heute in der Präsidialverwaltung), Witali Leontjewitsch Mutko (ehemals Vizebürgermeister Sankt Petersburg und Sportminister). Nawalny: „Seit mehr als 30 Jahren sind sie Beamte und an der Macht und sie erzählen uns gerne, wie sie gegen die verdammten 90er sind. Sie sind die Personifikation von all dem Schlimmen, das in den 90er Jahren passiert ist.“ Kapitel: MOSKAU [2 Minuten und 25 Sekunden] Bereits im Jahr 1996, also während der Zeit im Bürgermeisterbüro, hätte Putin aufgrund von Skandalen, parlamentarischen Untersuchungen und Berichten über Korruption verhaftet werden müssen. Pawel Pawlowitsch Borodin, ehemaliger Immobilienverwalter von Boris Jelzin, und Anatoli Borissowitsch Tschubais holten Putin in den Kreml und machten ihn zum Leiter der Kreml-Liegenschaftsverwaltung und später zum Leiter der Aufsichtsbehörde unter Jelzin. Kapitel: Briefe von Ljudmila Putina [2 Minuten und 55 Sekunden] Nawalny erzählt, dass von Putins Privatleben zu der Anfangszeit in Moskau wenig bekannt sei, doch Briefe zwischen Ljudmila Putina und ihrer Brieffreundin Irene Pietsch aus Hamburg zwischen 1996 und 1999 erzählen davon, worüber Pietsch später ein Buch veröffentlichte. Erwähnt wird auch Matthias Warnig, Banker und ehemaliges Stasi-Mitglied, der zusammen mit Putin in der DDR arbeitete, später nach Sankt Petersburg zog und Leiter der dortigen Filiale der Dresdner Bank wurde und für die Reisekosten Ljudmilas und Hotelbuchungen für die Familie Putin im Ausland aufkam; heute ist Warnig bei der Nord Stream AG sowie Aufsichtsratsmitglied bei Rosneft, Transneft, Bank Rossija, Rusal, VTB und Swiss Gazprom. Er ist auch Aufsichtsratsmitglied von Schalke 04 (bis Februar 2022). Kapitel: Wie Wladimir Wladimirowitsch und Igor Iwanowisch sich stritten [2 Minuten und 21 Sekunden] Hier wird erzählt, wie sich Putin und Setschin über die Größe der für die beiden gestellten Wohnungen in Moskau stritten: Setschins war 317, Putins 276 m² groß. Weiter wird erzählt, dass Putin, anders als in der offiziellen Biografie beschrieben, nicht am Baltischen Meer gewesen war, bevor er neben Sergei Wladilenowitsch Kirijenko sitzend braungebrannt zum Leiter des FSB ernannt wurde, sondern sechs Wochen Urlaub in Cannes verbracht hatte. Kapitel: Putin rettet die Familie Jelzin [1 Minute und 10 Sekunden] Als neuernannter FSB-Leiter begann Putin dann genau das zu tun, wofür er eingestellt wurde: den korrupten Beamten zu helfen, nicht belangt zu werden. Als der Generalstaatsanwalt Juri Iljitsch Skuratow die Familie Jelzin wegen des Verdachts auf Diebstahl und der Bestechung anklagen wollte, strahlte der FSB auf dem staatlichen Kanal RTR Planeta ein Video aus, auf dem Skuratow mit zwei Frauen zu sehen sein soll. Skuratow bestritt die Vorwürfe. Putin und Jelzin forderten öffentlich seinen Rücktritt, bis er diesem Ansinnen schließlich nachgab und die Familie Jelzin „gerettet war“ (siehe: Juri Iljitsch Skuratow#Probleme mit Jelzin und Video-Affäre). Als Dank sollen Jelzins Tochter, Tatjana Borissowna Jumaschewa, wichtige Person in seinem Beraterstab, und Walentin Borissowitsch Jumaschew sich dafür eingesetzt haben, Putin zum Ministerpräsidenten zu machen.