mini|Gemeindestand bis zur Fusion am 6. April 2025 Astano ist ein Dorf in der Gemeinde Lema im Schweizer Kanton Tessin. Es liegt im mittleren Malcantone und gilt als Klimakurort. Bis zum 6. April 2025 bildete es eine eigenständige Gemeinde.

Geographie Astano liegt zwischen dem Luganersee und dem Lago Maggiore auf einer rund gelegenen Südhangterrasse, am Fuss des wasserreichen Rogöriahanges, unterhalb des Monte Lema, an der schweizerisch-italienischen Grenze.Helmut Fritz Etter: Das Malcantone. Ein Beitrag zur Landeskunde des Sottoceneri. In: Geographica Helvetica. Band 18, 1963, (Digitalisat), S. 128, 189–191. Der höchste Punkt der Gemeinde ist mit der Monte Rogoria (auch Monte Rogorio oder Motto Croce genannt), der tiefste liegt auf rund in der Lisoraschlucht, unterhalb des Weilers La Costa.

Astano grenzt an die Gemeinden Tresa, Novaggio, Dumenza (IT-VA) sowie an Exklaven der ehemaligen Gemeinden Curio (Bombinasco) und Bedigliora (Alpe di Monte, Prati di Campo). Das Gemeindegebiet nimmt eine Fläche von 3,8 km² ein, wovon 82,2 % bewaldet und 8,9 % besiedelt sind. Weitere 8,6 % werden landwirtschaftlich genutzt. Astano ist Ausgangspunkt zahlreicher Wanderwege durch das Malcantone und verfügt mit dem Laghetto über einen kleinen See, in dem gebadet und geangelt werden kann.

Geschichte Der heutige Gemeindename geht auf die historischen Namensformen «Stano» beziehungsweise «Astanum» zurück.Celestino Trezzini: Astano. In: Historisch-Biographisches Lexikon der Schweiz, Band 1, Ardutius – Basel, Neuenburg 1921, Band 1, S. 460 (PDF, Digitalisat). Es wird vermutet, dass diese wiederum auf das italienische Wort «stagno» zurückzuführen sind, was auf Deutsch «Weiher» oder «Teich» bedeutet und die frühere Bezeichnung des heutigen Laghetto war.Teodoro Amadò: Appunti su Astano. 2. Teil, in: Almanacco Malcantonese e Valle del Vedeggio. Edizioni Bernasconi, Agno 2003, S. 81.Santino Trezzini: Cronistoria di Astano. Consiglio Parrocchiale Astano, Astano 2010, S. 108.

Die Abtei San Pietro in Ciel d’Oro aus Pavia muss in Astano bereits vor 1244 über Besitzungen verfügt haben. Ab dem 13. Jahrhundert bestand im Ort ein Humiliatenkloster, das 1272 mit der Propstei Sant’Antonio von Lugano vereinigt wurde. Es wurde in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts aufgegeben, worauf sein Besitz an das Humiliatenkloster Santa Caterina in Lugano übertragen wurde. Auch die Mönche von Astano mussten damals nach Lugano ziehen. 1848 hob die Tessiner Regierung auch das Kloster in Lugano auf.

Nachdem Astano 1612 zur selbständigen Pfarrei geworden war, wurde 1636–1654 die Pfarrkirche Santi Pietro e Paolo (San Pietro genannt) errichtet. Der Bau erfolgte auf den Fragmenten einer 1444 erstmals erwähnten Kapelle. Im 17. Jahrhundert war die Gemeinde stark von der Pest betroffen, der ein beträchtlicher Teil der Bevölkerung zum Opfer fiel. Zur Erinnerung an diese Zeit wurde 1687 im Friedhof der Kirche eine bis heute erhaltene Pestsäule errichtet.Paul Imhof: Ein Denkmal in schwarz-weiss, ein Hotel und la gioconda. In: GEO Schweiz. Heft 7, 2014, S. 6.

Im Ortsteil Erbágn wurde im 19. Jahrhundert gewerbsmässig Torf gestochen. Dieser wurde zu Torfkoks veredelt, zunächst nach Luino und dann auf dem Wasserweg weiter nach Mailand transportiert.Teodoro Amadò: Appunti su Astano. 2. Teil, in: Almanacco Malcantonese e Valle del Vedeggio. Edizioni Bernasconi, Agno 2003, S. 80–81. Heute steht das frühere Abbaugebiet als Hochmoor von nationaler Bedeutung unter dem Schutz der Bundesverfassung.Bundesamt für Umwelt: Bundesinventar der Hoch- und Übergangsmoore von nationaler Bedeutung. Objekt 458. Bern 2017 (Moore und Moorschutz in der Schweiz.) In: www.bafu.admin.ch Website des Bundesamtes für Umwelt. Abgerufen am 13. September 2024. Das unmittelbar neben Erbágn liegende Gebiet Rivasoo wurde während des Zweiten Weltkriegs von internierten polnischen Soldaten gerodet und entsumpft.Paul Imhof: Ein Denkmal in schwarz-weiss, ein Hotel und la gioconda. In: GEO Schweiz. Heft 7, 2014, S. 9.

Um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert begann sich im Malcantone der Tourismus zu entwickeln. Dabei spielte der Deutsche Rudolf Fastenrath eine wichtige Rolle. Er eröffnete in Magliaso ein Verkehrsbüro und machte das Tessin im deutschsprachigen Raum mit reich bebilderten touristischen Publikationen bekannt.Rudolf Fastenrath: Fröhliches Volk im Tessin. Verlagsbuchhandlung Ceresio, Magliaso 1906. Viele der darin enthaltenen Fotografien zeigen Dorfszenen aus Astano und gelten heute als wichtige historische Quellen. Die Aufnahmen wurden fast ausschliesslich von Eugen Schmidhauser gemacht, einem gebürtigen Aargauer und Kollegen Fastenraths, der 1920 mit seiner Frau das Hotel Albergo della Posta in Astano von seinem Schwiegervater übernahm. Von 1932 bis 1949 war er Gemeindepräsident von Astano.

Wie viele Tessiner Grenzdörfer war auch Astano ein Transitort für den Schmuggel. Da bis zu Beginn der 1940er-Jahre primär Waren aus der Schweiz nach Italien geschmuggelt wurden, errichtete der italienische Staat auf seinem Territorium ab den 1890er-Jahren eine ausgedehnte Grenzsperranlage, die im Volksmund «la Ramina» genannt wird.Rolf Amgarten: Von guten und schlechten Schmugglern. In: Tessiner Zeitung, 13. Mai 2011, S. 5.Peter Jankovsky: Mussolinis Maschendrahtzaun. In: Neue Zürcher Zeitung, 11. Juni 2013, S. 11. Bei Astano verlief sie rund 100 Meter hinter der eigentlichen Grenze und bestand aus vier hintereinander gezogenen zwei Meter hohen Stacheldrahtzäunen, die mit Drahtspiralen miteinander verbunden waren, an denen kleine Glocken hingen. Der Fussweg nach Dumenza war mit einem Tor und einem Wachhaus gesichert. Die Überreste der Grenzsperranlage sind bis heute gut zu erkennen.Santino Trezzini: Cronistoria di Astano. Consiglio Parrocchiale Astano, Astano 2010, S. 123.Horst Hachmann: Malcantone – schlechte Ecke und Paradies. Geheimtip unter Kennern. In: Die Zeit, 27. Mai 1966.Jakob Hess: Die gefährliche Grenze. In: Am häuslichen Herd. Schweizerische Illustrierte Halbmonatszeitschrift. 55. Jahrgang, Heft 9, 1953, S. 171. Der Faschist der ersten Stunde Dino Alfieri flieht in der Nacht vom 23. Oktober 1943 bei Astano in die Schweiz. Er meldet sich frühmorgens bei der Polizei in Lugano.Der Fall Dino Alfieri: Wie die Schweiz Mussolinis ehemaligen Propagandaminister aufnahm auf nzz.ch

In der Gemeinde wurde zeitweise Gold abgebaut. Erste Versuche eine kommerzielle Goldmine zu betreiben scheiterten im 19. Jahrhundert. Im Jahr 1937 wurde der Betrieb der Goldminen von Astano durch die Firma Costano AG wieder aufgenommen. Dabei wurden die Anlagen und Stollen deutlich erweitert und ausgebaut. Ab dem Zweiten Weltkrieg wurde der Betrieb jedoch nur noch stark eingeschränkt und unregelmässig aufrechterhalten und im Jahr 1961 endgültig eingestellt.Pascal Arthur Gonet: Goldsucher in der Schweiz. Ein heute noch mögliches Abenteuer. Benteli Verlag, Bern 1978, ISBN 3-7165-0266-9, S. 45–46. Der verschlossene Eingang des Stollens «Alle Bolle» und ein dazugehöriges Betriebsgebäude sind als Ruinen nach wie vor vorhanden und liegen rund 300 Meter südwestlich des heutigen Campingplatzes Parco d’oro.Hans Krähenbühl: Der frühere Erzabbau im Malcantone. In: Bergknappe. 5. Jahrgang, Nummer 15, 1981, S. 4–5, 7 (PDF; 3,7 MB). auf der Website des Museo del Malcantone. Abgerufen am 31. März 2018. Ein weiterer, etwas grösserer Stollen des früheren Unternehmens liegt beim Weiler La Costa auf dem Gebiet der Gemeinde Sessa und ist im Rahmen von touristischen Führungen zugänglich.Website der Associazione Miniera d’Oro (mit Fotos und Video). Abgerufen am 12. Juni 2019. (italienisch) auf minieradoro.ch

Im Jahr 2004 lehnten es die stimmberechtigten Einwohner von Astano, Bedigliora, Curio, Miglieglia und Novaggio mit 56,5 Prozent Nein-Stimmen ab, sich zur neuen Gemeinde Medio Malcantone zusammenzuschliessen.Gemeindefusionen im Tessin. In: Neue Zürcher Zeitung, 9. Februar 2004, S. 11.

Am 26. November 2023 wurde in einer konsultativen Volksabstimmung der Vorschlag angenommen, mit den Nachbargemeinden Bedigliora, Curio, Miglieglia und Novaggio zur neuen Gemeinde Lema zu fusionieren und damit die rund 20 Jahre zuvor abgelehnte Idee wieder aufzugreifen.Medio Malcantone Lema, «i cittadini ci hanno dato fiducia» auf cdt.ch (italienisch) Die Fusion von Astano in die neue Gemeinde Lema wurde am 6. April 2025 vollzogen.

Astano bildet nach wie vor eine eigenständige Bürgergemeinde.Patriziato di Astano (mit Fotos). In. patriziatoastano.ch

Bevölkerung

Wirtschaft Die überwiegende Mehrheit der erwerbstätigen Einwohner Astanos arbeitet ausserhalb der Gemeinde – darunter insbesondere in Lugano und Umgebung. In Astano selber stellen der Tourismus beziehungsweise die Gastronomie die wichtigsten Arbeitgeber dar.Amt für Statistik des Kantons Tessin: Astano. (PDF; 941 kB) Neben zwei Campingplätzen, einer Badeanstalt und den damit verbundenen Infrastrukturen existieren in Astano noch die Osteria Mena, das Ristorante Elvezia mit eigener Bocciabahn und das seit dem 18. Jahrhundert bestehende Hotel Albergo della Posta, das Mitglied bei Swiss Historic Hotels ist.Paul Imhof: Ein Denkmal in schwarz-weiss, ein Hotel und la Gioconda. In: GEO Schweiz. Heft 7, 2014, S. 6–9, 14. Zudem bieten mehrere Privatpersonen Bed and Breakfast an.Bed and Breakfast Vecchia Dogana Guesthouse (mit Foto) auf der ticino.ch/de/bbs Daneben sind im Dorf diverse weitere kleinere Gewerbe ansässig, darunter ein Coiffeur- und ein Malergeschäft. Die Versorgung mit Postdienstleistungen wird durch eine Agentur der Post im Gemeindehaus sichergestellt.local.ch der Swisscom Directories AG. Abgerufen am 2. März 2018. In beschränktem Rahmen wird in Astano auch Weinbau betrieben. In diesem Zusammenhang besteht im Dorf eine kleine, genossenschaftlich betriebene Brennerei, in der unter anderem Grappa hergestellt wird.

Verkehr Astano kann auf dem Strassenweg entweder über Magliaso, Pura und Novaggio oder über Sessa erreicht werden. Die rund 17 Kilometer lange Fahrt von Lugano nach Astano dauert mit dem Auto ungefähr eine halbe Stunde. Ab dem Flughafen Lugano dauert die Fahrt rund 20 Minuten. Eine ursprünglich geplante Strasse, die von Astano nach Dumenza in Italien führen sollte, endet an der Staatsgrenze und wurde auf italienischer Seite wegen des steilen Geländes nie vollendet.Paul Imhof: Ein Denkmal in schwarz-weiss, ein Hotel und la Gioconda. In: GEO Schweiz. Heft 7, 2014, S. 1. Mit dem Postautokurs 426 von Novaggio über Astano nach Sessa ist das Dorf an den öffentlichen Verkehr angebunden. Die Fahrt von Lugano nach Astano mit öffentlichen Verkehrsmitteln beinhaltet zweimaliges Umsteigen in Magliaso und Novaggio.

Sehenswürdigkeiten Das Dorfbild ist im Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (ISOS) als schützenswertes Ortsbild der Schweiz von nationaler Bedeutung eingestuft.

Die Pfarrkirche Santi Pietro e Paolo aus dem Jahr 1654 thront östlich über dem Dorfrand. Sie ist von der Via Crucis, einem Kapellenkranz aus den Jahren 1806–1815 umgeben. Vor dem Kirchenportal steht ein 1721 errichtetes Beinhaus mit einem von toskanischen Säulen getragenen Portikus und Fresken aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte (Hrsg.): Kunstführer durch die Schweiz. Band 2: Glarus, Graubünden, Nidwalden, Obwalden, Schwyz, Tessin, Uri. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Bern 2005, ISBN 3-906131-96-3, S. 804–805.