mini|Titelseite zum Tod Marilyn Monroes in der New York Mirror Der Tod der US-amerikanischen Schauspielerin Marilyn Monroe ereignete sich in der Nacht vom 4. auf den 5. August 1962 in ihrem Haus in Brentwood, einem Stadtteil von Los Angeles, 12305 Fifth Helena Drive. Monroe litt an chronischer Depression, Angst- und Schlafstörung, die eine Abhängigkeit von psychoaktiven Substanzen verursachte. Unter diesen Umständen arbeitete sie ab den 1960er Jahren nur noch an wenigen Filmproduktionen mit. Ihr letzter öffentlicher Auftritt war am 19. Mai 1962 auf der Geburtstagsgala des US-Präsidenten John F. Kennedy, wo sie Happy Birthday, Mr. President sang.
Am 4. August wurde Monroe von ihrer Agentin Patricia Newcomb, ihrer Haushälterin Eunice Murray und ihrem Psychiater Ralph Greenson begleitet. Murray verbrachte die Nacht im Haus der Schauspielerin und sah nach ihren Angaben gegen 3:30 Uhr (Ortszeit) Licht unter der Tür zu ihrem Schlafzimmer. Als Monroe nicht antwortete, rief die Haushälterin laut ihrer Aussage nach Greenson, der mit ihr das Fenster zum Schlafzimmer aufbrach und Monroe auf dem Bett vorfand. Der Hausarzt Hyman Engelberg erklärte sie um 3:50 Uhr offiziell für tot.
Um 4:15 Uhr wurde das Los Angeles Police Department informiert, dessen Beamter Jack Clemmons als erster Polizist eintraf. Nach Befragungen von Murray, Greenson und Engelberg wurde Monroes Leichnam in den frühen Morgenstunden zur Obduktion freigegeben. Durchgeführt vom Gerichtsmediziner Thomas Noguchi ergab die Autopsie, dass die Todesursache „wahrscheinlich Suizid“ war. In den folgenden Jahrzehnten entstanden jedoch Verschwörungstheorien, die neben dem Mafiaboss Sam Giancana und dem Gewerkschaftsführer Jimmy Hoffa häufig die Kennedy-Familie für Monroes Tod verantwortlich machten.
Vorgeschichte Marilyn Monroe war ab 1956 aufgrund ihrer Verbindung zu beschuldigten Kommunisten unter Beobachtung des FBI und in ihren letzten Lebensjahren in ständiger ärztlicher und psychoanalytischer Behandlung. Sie nahm vermehrt Psychopharmaka, darunter Amphetamine für Energieschübe, und Barbiturate wie Pentobarbital und Secobarbital gegen ihre Angststörung und chronische Schlaflosigkeit. Ihrem Schauspielfreund Delos Smith zufolge brauchte sie fünf Tabletten, um einzuschlafen. Aufgrund ihrer Tablettenabhängigkeit entwickelte sie auch Allergien und litt häufiger unter depressiven Episoden. Aufgrund einer Fehleinweisung ihrer Psychoanalytikerin Marianne Kris verbrachte sie vier Tage in einer Weichzelle in der Payne Whitney Clinic, einer psychiatrischen Einrichtung des NewYork-Presbyterian Hospital. Danach war sie weitere 23 Tage zum Medikamentenentzug im Columbia University Medical Center. Nachdem sie jahrelang kontrolliert mit alkoholischen Getränken umgegangen war, fing sie auf Empfehlung ihrer Gynäkologin an, gelegentlich Wodka zur Behandlung ihrer Menstruationskrämpfe zu trinken, und entwickelte eine Alkoholabhängigkeit. Ihre gesundheitlichen Beschwerden beeinflussten ihre Karriere stark. Ab 1961 war sie an keiner Filmproduktion mehr beteiligt und hatte nach öffentlicher Kritik ihrer Kollaborateure Tony Curtis und Billy Wilder den Ruf erlangt, Filmproduktionen an ihrer Arbeit zu hindern und nicht zu Dreharbeiten zu erscheinen. Für die Hauptrolle im Film Frühstück bei Tiffany, eine Verfilmung des gleichnamigen Romans von Truman Capote, wurde sie von Paramount Pictures abgelehnt, obwohl sie Capotes Favoritin war.
Monroes letzte vollendeten Filme waren Machen wir’s in Liebe und Misfits – Nicht gesellschaftsfähig.Marilyn Monroe’s Final Years. Abgerufen am 18. Juni 2012 (englisch). Das Drehbuch für letzteren Streifen wurde von ihrem letzten Ehemann, dem Schriftsteller Arthur Miller, geschrieben, von dem sie sich im November 1960 offiziell trennte. Ihre vorherigen Ehen mit dem Polizisten James Dougherty und dem Baseballstar Joe DiMaggio waren ebenfalls gescheitert und Monroes sehnlicher Kinderwunsch blieb durch ihre Endometriose unerfüllt. Insgesamt erlitt sie drei Fehlgeburten, zuletzt von Miller während der Dreharbeiten zu Manche mögens heiß. Ihre offizielle Scheidung von Miller erfolgte am 24. Januar 1961 in Mexiko. Der Gerichtstermin wurde absichtlich auf den Tag der Vereidigung John F. Kennedys als 35. US-amerikanischer Präsident gelegt, um die Aufmerksamkeit der Presse zu umgehen. Danach verbrachte sie im Frühsommer mehrere Tage zusammen mit Joe DiMaggio in FloridaDonald Spoto: Marilyn Monroe. Die Biographie. Wilhelm Heyne Verlag, München 1993, ISBN 3-453-06919-6. und litt unter starken Verdauungsstörungen, weshalb sie im Juni in der Manhattan Polyclinic untergebracht wurde. Dies war ihr fünfter Krankenhausaufenthalt binnen weniger Monate. Man fand Gallensteine bei Monroe und behandelte sie mit einer Gallenblasenentfernung. Nachdem DiMaggio sie des Öfteren im Krankenhaus besucht hatte, verließ sie im Juli die Einrichtung. Ihr Bedarf an Psychotherapie stieg bis zum Herbst und ab Oktober befand sie sich bei ihrem Therapeuten Doktor Ralph Greenson in regelmäßiger Behandlung. Ab November war sie seiner Familie vertraut und verbrachte Zeit in deren Haus, dinierte drei- bis viermal die Woche mit ihnen. Hildegard Greenson zufolge war Monroe als Patientin „Teil seiner Familie“ geworden.
Letztes Lebensjahr mini|258x258px|Monroe in Mexiko, im Februar 1962, unter anderem mit José Baviera|links
Januar – März: Reise nach Mexiko und Golden Globes Im Januar 1962 kaufte Monroe die 12305 Fifth Helena Drive in Brentwood für 77.500 Dollar. Aufgrund ihres bevorstehenden Umzugs veranlasste ihr Anwalt Milton Rudin, dass sie anstatt von MCA Artists fortan von seiner eigenen Firma vertreten würde. Am 5. Februar reiste sie nach New York, um mit ihrer Schauspiel-Coachin Paula Strasberg über die ersten Fassungen des Drehbuchs ihres nächsten Filmes, Something’s Got to Give (einer Neuverfilmung des Streifens Meine Lieblingsfrau), zu sprechen. Zudem besuchte sie mehrfach das Actors Studio und führte ein Gespräch mit Alan Levy, welches später in der Frauenzeitschrift Redbook veröffentlicht wurde. Am 17. Februar flog sie nach Miami, wo sie ihre Publizistin Patricia Newcomb wieder traf. Am 20. Februar reiste sie mit Newcomb weiter nach Mexiko. Dort nahm Monroe elf Tage lang öffentliche Auftritte wahr, nachdem sie sich im Vorjahr aus den Medien zurückgezogen hatte. Auf einer Pressekonferenz in Mexiko-Stadt posierte sie mit den Schauspielern des Filmes Der Würgeengel. Dort trug Monroe erstmals das grüne Kleid des Modedesigners Emilio Pucci, in dem sie später beigesetzt wurde. Zudem kaufte sie Möbel für ihr neues Haus. Newcomb stellte sie in Mexiko auch dem Filmemacher José Bolaños vor. Am 2. März kehrte sie zurück in die Vereinigten Staaten und gewann am 5. März in der Begleitung von Bolaños den Henrietta Award bei den Golden Globe Awards. Danach verbrachte sie mit Joe DiMaggio einige Tage im Doheny Drive in Beverly Hills und erkrankte am 15. März mit Fieber. Trotzdem nahm sie an den Verhandlungen vom Filmstudio 20th Century Fox für Something's Got To Give teil und erfuhr, dass dessen Produktion auf Ende April verschoben worden war und insgesamt 47 Drehtage umfassen sollte. In den Verhandlungen wurde Monroe auch die Erlaubnis erteilt, im Mai die Dreharbeiten zu unterbrechen, um nach New York City zu reisen und dort auf der Geburtstagsgala des US-Präsidenten John F. Kennedy aufzutreten.
April – Mai: Something's Got To Give und Geburtstagsgala von John F. Kennedy mini|Monroe auf der Geburtsgala mit dem US-Präsidenten John F. Kennedy und dem Justizminister Robert F. Kennedy, im Mai 1962|318x318px
Am 10. April begannen die Kostüm- und Make-up-Proben für Something's Got To Give. Am ersten Drehtag, dem 23. April, meldete Monroe sich bei Produzent Henry T. Weinstein aufgrund einer Nasennebenhöhlenentzündung krank. Am 30. April nahm sie erstmals an den Dreharbeiten teil, doch erkrankte daraufhin wieder stark und war erneut vom 1. bis 4. Mai abwesend. Am Morgen des 7. Mai erschien sie zwar zur Produktion, wurde jedoch aufgrund ihrer Krankheit wieder nach Hause geschickt. Insgesamt erschien sie nur zu 13 der 30 Drehtage und „driftete durch ihre Szenen in einem depressiven und drogenbedingten Dunst.“ Am 10. Mai reiste ihr Therapeut Doktor Greenson für fünf Wochen ins Ausland und hinterließ Monroe das Kombinationspräparat Dexamyl, eine Mischung aus Dexedrin und Amobarbital. Nachdem sie zwischen dem 14. und 16. Mai zu den Dreharbeiten erschienen war, sollte sie ab dem 18. Mai von der Produktion befreit sein, um nach New York zu reisen. Das Studio versuchte, die Erlaubnis für Monroes Auftritt bei der Präsidentengala zurückzuziehen, um die Unterbrechung der Produktion zu verhindern. Dennoch flog sie am 19. Mai nach New York und probte mit Richard Adler, dem Produzenten und Komponisten der Gala, in einem Appartement stundenlang ihren Auftritt. Am Abend führte sie im Madison Square Garden, in Begleitung ihres ehemaligen Schwiegervaters Isidore Miller und ihrer Publizistin Patricia Newcomb, das Geburtstagsständchen Happy Birthday, Mr. President auf. Am 20. Mai reiste sie zurück nach Los Angeles und befand sich am Folgetag wieder in der Produktion von Something's Got To Give. Am 23. Mai drehte sie Szenen im Pool, für die sie sich vollständig auszog. Zu diesem Anlass wurde sie kurzfristig von mehreren Fotografen, darunter Lawrence Schiller, am Pool abgelichtet.
Juni – Juli: Klage wegen Vertragsbruchs und The Last Sitting mini|Monroe in ihrem letzten Fotoshooting mit George Barris, im Juli 1962 |links
Am 1. Juni feierte die Produktion am Filmset Monroes 36. Geburtstag. George Cukor erlaubte die Zelebration erst, nachdem die Dreharbeiten an diesem Tag vollendet worden waren. Die Schauspielerin litt am 2. Juni unter einer mutmaßlichen Dexamyl-Überdosis, weshalb sie mehrere Tage zu Hause verbrachte. Ralph Greenson kehrte am 5. Juni zurück und sagte seinen anderen Patienten ab, um sich auf Monroe zu konzentrieren. Ihre Rückkehr zu den Dreharbeiten in der nächsten Woche war ungewiss. Am 7. Juni erschien sie mit Doktor Greenson im Büro ihres plastischen Chirurgen Michael Gurdin, nachdem sie sich unter der Dusche verletzt hatte: