Die Schlacht von Gembloux war eine Schlacht zwischen französischen und deutschen Heereseinheiten während des Westfeldzuges im Rahmen des Zweiten Weltkriegs, die am 14. und 15. Mai 1940 bei Gembloux im zentralen Teil Belgiens, ca. 40 km südöstlich von Brüssel stattfand.

Die Armée de terre erzielte einen taktischen Erfolg, da der Vormarsch der Wehrmachtsverbände verzögert werden konnte. Operativ handelte es sich gleichwohl um einen Sieg der deutschen Truppen.

Vorgeschichte Der am 10. Mai begonnene Angriff der Heeresgruppe A durch die Ardennen war planmäßig verlaufen.

Das XVI. Panzerkorps der Heeresgruppe B unter Erich Hoepner hatte die Maas und ganz in der Nähe des belgischen Forts Eben-Emael auch den Albert-Kanal überquert.

Die Alliierten versuchten, vorgeschobene Positionen entlang dem Fluss Dijle einzunehmen und dort den Vormarsch der Wehrmacht aufzuhalten. Eine Schwachstelle – weil ohne natürliche Hindernisse – bildete die ungefähr 33 km lange, sogenannte Gembloux-Lücke.

Hier wurden starke französische Einheiten zusammengezogen; eine vorgelagerte Panzersperre verstärkte die Stellung. Das französische Kavalleriekorps Prioux unter General René Prioux war noch weiter vorgerückt und hatte bei Hannut den deutschen Aufmarsch verzögert, um genügend Zeit für den Ausbau der Dyle-Stellung zu sichern. Es musste sich am 13. Mai auf Gembloux zurückziehen, da die Deutschen mit Panzerspitzen durchgebrochen waren. (Hauptartikel → Schlacht bei Hannut)

Die deutschen Kräfte setzten nach. Bei Gembloux, 35 km im Südwesten, gingen die Kämpfe am 14. Mai in die nächste Runde. Bei dem schnellen Vorstoß blieben die Infanteriedivisionen zunächst hinter den motorisierten Verbänden zurück. mini|Französischer Panzer Typ Somua S-35 Bei Hannut hatte sich deutlich gezeigt, dass die französischen Panzer (vor allem die Somua S-35) den deutschen Panzern der Typen I bis III überlegen waren – nur die Panzer IV konnten gegen die starke Panzerung des Somua etwas ausrichten.

Kräfte Armée de terre Auf französischer Seite wurde die Schlacht durch die 1. Armee unter General Georges Blanchard geführt.

Ein Kavallerie-Korps, geführt von General René Prioux, wurde aus der 2e Division Légère Mécanique (2e DLM) und 3e Division Légère Mécanique (3e DLM) zusammengestellt. Es verfügte insgesamt über 266 kampfstarke Panzer Somua S-35 und 379 Hotchkiss H-35 leichte Panzer.

Die Angaben über beteiligte Armee-Korps sind unterschiedlich. Sicher waren vor Ort:

3e corps d'armée (3. Armeekorps)

2e division d'infanterie nord-africaine (2e DINA; 2. Nordafrikanische Infanterie-Division), général Pierre Dame

mit 2 Schützenregimentern (RTA; régiment de tirailleurs algériens) und einem Zuaven-Regiment

1re division d'infanterie motorisée (1re DIM; 1. motorisierte Infanterie-Division), général Malivoire-Filhol de Camas

mit 4 Infanterie-Regimentern und zwei Artillerie-Regimentern

4e corps d'armée (4. Armeekorps)

1re division marocaine (1re DM; 1. Marokkanische Division), général Mellier

mit 3 Schützenregimentern (RTM; régiment de tirailleurs marocains) und einem Artillerie-Regiment

15e division d'infanterie motorisée (15e DIM; motorisierte Infanterie), général Alphonse Juin

mini|Renault R-35 Französische Infanterie-Divisionen hatten 3 Regimenter, dazu zwei Artillerie-Regimenter und Unterstützungsverbände. Die Bewaffnung bestand aus modernen Granatwerfern, 52 Hotchkiss Pak Kaliber 2,5 cm (Canon léger de 25 antichar SA-L mle 1937) und sechs 47 mm APX Pak (Canon antichar de 47 mm modèle 1937). Die Artillerie verfügte über Geschütze Canon 75 M(montagne) modele 1928 und Canon de 155mm GPF Feldartillerie aus dem Ersten Weltkrieg. Motorisierte Infanterie-Divisionen hatten ein Bataillon Panzerkampfwagen mit 45 Renault R-35: Langsam, Besatzung zwei Reservisten, ohne Funkgerät und bewaffnet mit AC 37 Pak mit langsamer Schussfolge und geringer Wirkung; der Renault war jedoch gut gepanzert und bildete ein kleines Ziel.

Eine entscheidende Schwäche der Franzosen war der Mangel an Luftunterstützung. Die 1. Armee hatte gerade noch 26 Jagdflugzeuge zur Verfügung.

Wehrmacht mini|Deutscher Panzer I (hier in Norwegen gezeigt)

Auf Seiten der Wehrmacht waren folgende Einheiten im Raum Gembloux eingesetzt:

Das XVI. Armeekorps, General der Kavallerie Erich Hoepner

3. Panzer-Division, Generalleutnant Horst Stumpff

mit der 3. Panzer-Brigade (343 Kampfwagen), der 3. Schützen-Brigade (motorisiert), einem Artillerie-Regiment und einem Geschwader Aufklärungsflugzeuge, dazu unterstützende Pionier- und Versorgungseinheiten. Unter den 343 Panzerkampfwagen waren nur 42 mittlere des Typs III und 26 schwerere des Typs IV.

4. Panzer-Division, Generalleutnant Johann Joachim Stever

mit der 5. Panzer-Brigade (331 Kampfwagen), der 4. Schützen-Brigade (motorisiert), zwei Artillerie-Regimenter und Unterstützungsverbande wie bei der 3. Panzer-Division. Unter den 331 Panzerkampfwagen waren nur 20 mittlere des Typs III und 24 schwerere des Typs IV.

20. Infanterie-Division (motorisiert), Generalleutnant Mauritz von Wiktorin

mit 3 Infanterie-Regimentern und 2 Artillerie-Regimentern sowie Unterstützungseinheiten.

35. Infanterie-Division, General der Infanterie Hans Wolfgang Reinhard

mit 3 Infanterie-Regimentern und 2 Artillerie-Regimentern sowie Unterstützungseinheiten.

Vom IV. Armeekorps, General Viktor von Schwedler

31. Infanterie-Division, Generalleutnant Rudolf Kaempfe

mit 3 Infanterie-Regimentern und einem Artillerie-Regimentern sowie Unterstützungseinheiten.

7. Infanterie-Division, Generalleutnant Eccard Freiherr von Gablenz

mit 3 Infanterie-Regimentern und 2 Artillerie-Regimentern sowie Unterstützungseinheiten.

18. Infanterie-Division, Generalleutnant Friedrich-Carl Cranz

mit 3 Infanterie-Regimentern und einem Artillerie-Regimentern sowie Unterstützungseinheiten. mini|Junkers Ju 87 Die deutsche Luftwaffe hatte die Lufthoheit über Belgien. Die Luftflotte 2 unterstützte die Heeresgruppe B; sie verfügte am 10. Mai über rund 170 mittlere Bomber und rund 550 einmotorige Jagdflugzeuge, wovon jedoch nicht alle Maschinen in der Anfangsphase des Westfeldzugs einsatzbereit waren. Das Oberkommando der Luftwaffe (OKL) verstärkte die Luftflotte 2 am Morgen des 15. Mai mit dem I. Fliegerkorps der Luftflotte 3 (rund 300 mittlere Bomber). Vor allem war es das VIII. Fliegerkorps, das rund 300 Junkers Ju 87 Stukas hatte, das mit gezielten Einsätzen gegen Ziele am Boden eingreifen konnte.

Verlauf 14. Mai mini|hochkant|General Erich Hoepner (rechts)

Die deutschen Panzer traten am 14. Mai an, um die Dyle-Stellung zu überrennen. Zumindest bis 09:20 Uhr meldete die Luftaufklärung, dass die Stellung unbesetzt war. General Hoepner befand sich bei der 4. Panzer-Division und drängte auf schnellen Durchbruch beiderseits von Ernage (5 km nordnordwestlich von Gembloux), ohne auf die 3. Panzer-Division zu warten. Die 35. Infanterie-Division und die 20. Infanterie-Division (mot.) befanden sich beide hinter den Panzerverbänden, jeweils an deren rechter und linker Flanke. Die 4. Panzer-Division leitete den Vorstoß, bei dem Panzer- und Schützenbrigade gemeinsam operierten, ein. Die linke Flanke der Division sollte durch das Aufklärungsbataillon, ein Maschinengewehrbataillon und den größten Teil eines Panzerabwehrbataillons gedeckt werden. Um 11:30 Uhr griff die 8. Kompanie des 35. Panzerregiments mit etwa 30 Panzern von Baudeset (5 km nördlich von Gembloux) aus in Richtung der Bahnlinie südlich von Ernage an, wurde aber mit Verlust von neun Panzern durch feindliches Artilleriefeuer aufgehalten und zog sich zurück. Die 6. Kompanie konnte ihr wegen schwerem Abwehrfeuer nicht zu Hilfe kommen.

Um 13:30 Uhr stieß die 4. Panzer-Division zwischen der Bahnlinie und der Landstraße von Wavre nach Gembloux auf feindliche Stellungen. Die Stellung an der Dyle wurde also – entgegen den Aufklärungen des Vormittags – verteidigt.

Das Vorgehen der 3. Panzer-Division am 14. Mai ist weit weniger klar. An Morgen rückte sie hinter der 4. Panzerdivision vor und griff in die Kämpfe bei Ernage und auf der Straße Wavre-Gembloux ein, wobei die Panzer unter lebhaftes Artillerie- und Panzerabwehrfeuer kamen. Der Kommandeur beschloss, auf die Ankunft von Infanterieunterstützung zu warten.

Eilige deutsche Angriffe General von Schwedlers IV. Armeekorps (7., 31. und 18. Infanterie-Division) sollte die rechte Flanke der Panzer decken. Die Infanterie machte am frühen Morgen des 14. Mai gute Fortschritte, ohne auf nennenswerten Widerstand zu stoßen. Die Spitzen der Infanterie-Divisionen erreichten am späten Nachmittag die Dyle-Stellung. Gegen 22:00 Uhr wurde die 18. Infanterie-Division zur Unterstützung für die 3. Panzer-Division in ihren schweren Kämpfen bei Walhain und Ernage angefordert.

Am Ende des 14. Mai meldeten die Divisionen, dass die Dyle-Stellung besetzt sei. Das Korps stieß auf zerstörte Abschnitte und Minensperren der Zufahrtswege, die schwer zu überwinden waren. Die sich zurückziehenden Franzosen verzögerten den deutschen Vorstoß nördlich von Ernage (nahe den Stellungen der 3e DLM) und um Grand Leez (nahe der 2e DLM). Währenddessen gelangen deutsche Geländegewinne weiter im Süden.

Am Abend des 14. Mai erachtete man es im Hauptquartier der französischen 1. Armee für wahrscheinlich, dass ein weiterer Rückzug unvermeidlich sei; es unterblieb jedoch, die unterstellten Einheiten von dieser Annahme in Kenntnis zu setzen. Die 1ere DIM geriet durch den Rückzug der Panzer, der belgischen Infanterie und durch die Flüchtlingsströme am Nachmittag des 14. Mai in Schwierigkeiten. Ein erster deutscher Stuka-Angriff hinterließ einen tiefen Eindruck bei der Truppe, der gleichsam eine erste Feuertaufe wurde. Falsche Gerüchte über vorhandene feindliche Fallschirmjäger führten zu Zwischenfällen mit Eigenbeschuss (friendly fire), bei denen mehrere Artilleristen getötet wurden. Am Abend kam es an der Dyle-Stellung und bei Namur zu Kontakt mit deutschen Patrouillen. mini|Taktische Karte Raum Gembloux 14. Mai 1940 Trotz der Erkenntnis, dass die Dyle-Stellung verteidigt wurde, drängte die Heeresgruppe darauf, den vermeintlich besiegten Feind weiter zu verfolgen.

Um 14:00 Uhr befahl das XVI. Korps der 35. Infanterie-Division, sich in Richtung Dyle-Stellung zu entwickeln, während die 20. Division (mot.) an der anderen Flanke des Korps vorrücken sollte. Um 14:05 Uhr wurde der 5. Panzerbrigade, unterstützt von einem Schützenbataillon, befohlen, in einer Bresche südlich von Ernage anzugreifen, um die Hügel östlich von St. Gery (5 km westlich Ernage-Grembloux) zu erreichen. Die Divisionsartillerie sollte das Flankenfeuer aus Ernage und Gembloux neutralisieren. Um 16:00 Uhr wurde der Angriff verzögert, damit die 3. Panzer-Division sich vorbereiten konnte. Um 16:50 Uhr begann der Angriff im Raum Ernage. Nach 18:00 Uhr drängte das XVI. Korps seine Divisionen erneut zum Angriff, aber die französischen Abwehrriegel waren standhaft. Um 20:50 Uhr gab General Hoepner seinen Divisionskommandeuren Befehl, ihre Angriffe bis zum nächsten Morgen einzustellen.

15. Mai