Xpectation (ausgesprochen wie „expectation“, für Erwartung) ist das 26. Studioalbum des US-amerikanischen Musikers Prince, der alle Songs arrangierte, komponierte und produzierte. Das Album trägt den Untertitel „New Directions in Music from Prince“ („Neue Wege in der Musik von Prince“) und erschien am 1. Januar 2003 über sein Label NPG Records ausschließlich als Download für registrierte Nutzer seiner damaligen Website. Xpectation ist Prince’ erstes Instrumentalalbum und gilt als Konzeptalbum, da alle Titel mit dem Buchstaben „X“ beginnen.

Die Musik ist den Genres Contemporary R&B, Funk, Jazz und Rock zuzuordnen; als Gastmusikerinnen wirken Candy Dulfer und Vanessa-Mae mit. Prince betrieb keine nennenswerte Musikpromotion für Xpectation, das zudem in keinen internationalen Musikcharts geführt wurde und daher keinen Gold- oder Platinstatus erreichen konnte. Musikkritiker bewerteten das Album überwiegend negativ.

Entstehung mini|links|John Blackwell, 2009 Alle Stücke spielte Prince im Herbst 2001 in seinem Paisley Park Studio in Chanhassen (Minnesota) auf Gitarre und Keyboard mit Schlagzeuger John Blackwell (* 9. September 1973; † 4. Juli 2017) und Bassistin Rhonda Smith ein. Candy Dulfer und Vanessa-Mae ergänzten ihre Beiträge Anfang Dezember 2001 ebenfalls im Paisley Park Studio. Vor den Aufnahmen bat Prince Mae, sich Alben der Jazz- und Fusionband Weather Report sowie Head Hunters (1973) von Herbie Hancock anzuhören; mit ihr arbeitete er weder zuvor noch später zusammen. Am 19. Februar 2002 ließ Prince alle Songs von Xpectation offiziell urheberrechtlich schützen.Uptown (2004), S. 445.

Während sieben Konzerten vom 21. bis 28. Juni 2002 im Paisley Park Studio kündigte Prince ein neues Album mit dem Titel Xenophobia an, das ausschließlich registrierten Mitgliedern seiner damaligen Website NPG Music Club.com zum Download angeboten werden sollte. Kurz vor der Veröffentlichung am 1. Januar 2003 strich er jedoch das Titelstück von der Tracklist und benannte das Album in Xpectation um. Als möglicher Grund gilt, dass er das Stück Xenophobia bereits fünf Wochen zuvor, im November 2002, auf dem Album One Nite Alone … Live! veröffentlicht hatte.

In Prince’ Karriere fällt auf, dass er nach dem Tod seines Vaters John L. Nelson am 25. August 2001 – mit Ausnahme von One Nite Alone … Live! – ausschließlich Alben veröffentlichte, die stilistisch vom Jazz geprägt sind und starkes Klavierspiel aufweisen.Lizie (2020), S. 203. Dazu zählen The Rainbow Children (Oktober 2001), One Nite Alone (Mai 2002), Xpectation (Januar 2003), N.E.W.S (Juni 2003) und C-Note (März 2004). John L. Nelson trat in seiner Freizeit mit seiner Band The Prince Rogers Trio in Minneapolis als Jazzpianist auf. Das Verhältnis zwischen ihm und Prince galt jedoch als schwierig; zeitweise hatten beide keinen Kontakt, und Prince nahm nicht an der Beerdigung seines Vaters am 31. August 2001 in Minneapolis teil.Uptown (2004), S. 267.

Prince vermarktete Xpectation nicht und ließ dem Album auch keine Tournee folgen. Generell spielte er auf seinen Livekonzerten lediglich das Titelstück oder Xemplify, was in seiner Karriere aber äußerst selten der Fall war.Lizie (2020), S. 208.

Gestaltung des Covers Zwei Wochen nach der Veröffentlichung von Xpectation stellte Prince auf seiner damaligen Website NPG Music Club.com ein Albumcover online zur Verfügung,Lizie (2020), S. 207. das von Sam Jennings entworfen wurde. Jennings arbeitete von 1998 bis 2007 mit Prince zusammen, zunächst als Webmaster seiner Websites und später als Artdirector für Albumcover wie Musicology (2004), 3121 (2006) und Planet Earth (2007).Azhar (2016), S. 108.

Das Albumcover zeigt Fotografien von Prince und seinen Bandmitgliedern, eingebettet in eine Wortcollage mit Definitionen der Songtitel, die laut Jennings den Freeform-Jazz-Stil der Musik widerspiegeln soll. Auf dem Frontcover finden sich unter anderem in orangefarbener Schrift formulierte Begriffsdefinitionen wie „1. The act or an instance of xhaling“ („1. Die Handlung oder der Vorgang des Ausatmens“), „2. Something, such as air or vapor that is xhaled“ („2. Etwas, wie Luft oder Dampf, das ausgeatmet wird“), „The feeling that something is about to happen“ („Das Gefühl, dass etwas bald passieren wird“), „The xpected value of a random variable“ („Der Erwartungswert einer Zufallsvariablen“) oder „wishing with confidence of fulfillment“ („Wünsche mit Vertrauen auf Erfüllung“).

Neben Fotos von Prince, Candy Dulfer, John Blackwell, Rhonda Smith und Vanessa-Mae ist auch eines des Keyboarders Renato Neto enthalten, obwohl er an Xpectation nicht mitwirkte und erst nach den Aufnahmen von Prince in dessen Begleitband The New Power Generation aufgenommen wurde. Laut Jennings bat Prince dennoch darum, ein Foto Netos „im gleichen Stil“ anzufertigen, damit es „zu den anderen“ passe.

Musik mini|Vanessa-Mae, 2004 Die Musik verbindet Contemporary R&B, Jazz und Funk mit Einflüssen aus der Rockmusik; dabei kombiniert Prince straff strukturierte Stücke stellenweise mit Jamsession-artigen Passagen. Funkorientiert sind Xpand und Xpectation, bluesbasiert Xemplify, während Xcogitate, Xhalation und Xogenous langsam, atmosphärisch und verträumt angelegt sind; Xosphere und Xotica wirken opulent und romantisch. Das abschließende Stück Xpedition ist der am stärksten vom Jazz geprägte Song des Albums. In vielen Stücken wechseln scharf gespielte Saxophonriffs mit Instrumentalsoli; die Beiträge von Vanessa-Mae erscheinen dabei überwiegend dekorativ und nur begrenzt in die Musik integriert.

Die Produktion ist konventionell gehalten; die Arrangements sind überwiegend live eingespielt, einschließlich akustischem Schlagzeug. Prince’ harsch verzerrter Gitarrensound steht dabei häufig im Kontrast zu den übrigen Instrumenten. Xhalation Der Opener ist ein verträumtes, von New Age beeinflusstes Stück, in dem das Violinspiel von Mae im Vordergrund steht. Ein sanft pulsierendes E-Piano begleitet ihre hoch gestimmte Violine mit melancholisch wirkender Melodie. Mit einer Länge von 2:03 Minuten wirkt das Stück eher wie eine Ouvertüre denn wie eine vollständig ausgearbeitete Komposition. Xcogitate Das Stück führt die ruhige, gelassene Stimmung des Openers mit demselben Keyboard-Klang fort, wird jedoch von Bass, Saxophon und sanften Brush-Drums begleitet. Bass und Saxophon greifen ein absteigendes Motiv auf, das als Grundlage für die Soli dient. Xemplify Der Song eröffnet mit einem schnellen, beinahe fröhlich wirkenden Saxophon-Riff, E-Piano und Violine. Dieses riffbasierte Segment wechselt mit einem bluesigen Abschnitt, der von einer eindringlichen, treibenden Bassfigur geprägt ist.Uptown (2004), S. 446. Xpectation Das Titelstück schlägt eine funkigere Richtung ein und ist stark auf das aktive Schlagzeugspiel von John Blackwell ausgerichtet. Der Song weist stellenweise einen unstrukturierten Jam-Charakter auf, in dem Prince improvisierend zur Gitarre greift. Mit dem Saxophon in zentraler Rolle entwickelt sich Xpectation im Mittelteil zu einer stark synkopierten Passage, wobei Spontaneität und jamartiges Ambiente erhalten bleiben. Xotica Der Track kehrt zum hallenden E-Piano und zur entspannten Atmosphäre der beiden Eröffnungsstücke zurück und vermittelt den Eindruck einer romantisch-wehmütigen Ballade. Trotz des Titels „Exotik“ weist das Stück keine ungewöhnlichen harmonischen oder klanglichen Elemente auf, sondern ist dem Genre Easy Listening zuzuordnen; Candy Dulfer steuert dazu ein sanftes, beruhigend wirkendes Saxophonspiel bei. Xogenous mini|Rhonda Smith, 2009 Die Nummer wirkt ebenso entspannt und erinnert an eine Fortsetzung des Openers Xhalation; Vanessa Maes Violinspiel wird von hallendem E-Piano begleitet. Mit dem Einsatz von Bass und Schlagzeug entwickelt sich der Song zu einem schnellen, fließenden Stück, in dem Dulfer ein weiteres Saxophonriff beisteuert und Prince jazzige Rhythmusgitarren-Einlagen spielt. Wie zu Beginn endet der Song ausschließlich mit Keyboard und Violine. Xpand Das Stück beginnt mit dem Knistern einer Schallplattennadel und ist der funkigste Track des Albums; sein rhythmischer Groove erinnert stellenweise an Head (1980) aus Dirty Mind. Xpand erzeugt eine düstere, eindringliche Atmosphäre, die den übrigen Stücken weitgehend fehlt. Wie Xpectation weist auch der Song einen dynamischen Jam-Charakter auf, bei dem die Musiker improvisierend miteinander interagieren. Xosphere Der Track knüpft an die entspannte Atmosphäre von Xotica an. Im Zentrum steht Prince’ Rhythmusgitarre, die Melodieläufe und Gitarren-Licks vor einem üppigen Synthesizer-Teppich spielt; auch das hallende Keyboard ist erneut präsent. Xpedition Der Song ist das komplexeste und jazzorientierteste Stück des Albums und mit über acht Minuten zugleich das längste. Er beginnt mit einem Schlagzeugbeat von John Blackwell, zu dem Rhonda Smith eine schnelle, repetitive Bassfigur beisteuert. Hinzutretende Keyboard-Elemente und eine metallisch-unharmonische Gitarrenphrase von Prince übernehmen anschließend die Führung. Das Stück durchläuft mehrere Tempowechsel und enthält zahlreiche Soli, darunter Violine, Saxophon, E-Piano, Orgel und Bass. Es entwickelt sich zu einer hektischen, stellenweise chaotischen Dramaturgie mit furiosem Schlagzeugspiel und einem Gitarrensolo von Prince. Wie kein anderer Titel des Albums wird Xpedition seinem Namen „Expedition“ gerecht, da es eine Abfolge teils disparater musikalischer Elemente vereint. Das Album endet mit dem Schreien eines Babys.

Titelliste und Veröffentlichungen #TitelDauer1Xhalation2:032Xcogitate3:333Xemplify5:534Xpectation4:015Xotica3:056Xogenous4:127Xpand6:108Xosphere3:349Xpedition8:23Spieldauer: 40:54 min.Autor aller Songs ist Prince Die Veröffentlichung von Xpectation am 1. Januar 2003 kam überraschend, da Prince im Vorfeld keine Musikpromotion betrieb und das Album ausschließlich als Download für registrierte Mitglieder seiner damaligen Website NPG Music Club.com anbot, die im Juli 2006 geschlossen wurde. Seit dem 3. Dezember 2015 ist Xpectation bei Tidal kostenpflichtig erhältlich, seit 2018 auch über weitere Musikstreaming-Dienste. Eine Veröffentlichung auf CD oder LP erfolgte bis heute (2026) nicht; Singles oder Musikvideos wurden ebenfalls nicht produziert.

Mitwirkende Musiker mini|Prince, 2008 Alle Songs wurden von Prince arrangiert, komponiert und produziert. Er spielte zudem alle Musikinstrumente selbst, ergänzt durch folgende Musiker: Candy Dulfer – Saxophon in Xcogitate, Xemplify, Xogenous, Xosphere, Xotica, Xpand, Xpectation und Xpedition John Blackwell – Schlagzeug in Xcogitate, Xemplify, Xogenous, Xosphere, Xotica, Xpand, Xpectation und Xpedition Rhonda Smith – E-Bass in Xcogitate, Xemplify, Xogenous, Xosphere, Xotica, Xpand, Xpectation und Xpedition Vanessa-Mae – Elektrische Geige in Xcogitate, Xemplify, Xhalation, Xogenous, Xosphere, Xpectation und Xpedition „Silence – itself“

Technisches Personal Prince – Mixing und Toningenieur Sam Jennings – Artdirector

Rezensionen Professionelle Bewertungen Kritiken Quelle Bewertung The Guardian Wilson & Alroy’s Record Reviews Rock NYC.com C mini|links|Candy Dulfer, 2009 Im Jahr 2003 war das Interesse von Massenmedien und Musikkritiker an Xpectation äußerst gering, weil das Album nicht in den freien Verkauf gelangte. Deswegen sind nur sehr wenige Rezensionen zu finden. Erst nach Prince’ Tod im April 2016 wurde es vereinzelt beurteilt und erhielt überwiegend negative Bewertungen.

Simon Price vom The Guardian setzte Xpectation in seiner Rangliste von 37 Prince-Alben auf Platz 32 und vergab drei von fünf Sternen. Er bezeichnete das Album als Sammlung „neun sanfter Instrumental-Jazzstücke“, die Prince in einer „‚eigentlich mag ich das Internet‘-Stimmung“ (2010 sagte er in einem Interview, das Internet sei „vollständig vorbei“) veröffentlicht habe; deshalb sei es „viel cooler, als es sein dürfe“.