mini|Mauritiuskirche Altbulach Chor Die evangelische Mauritiuskirche in Altbulach, einem Teil der Gemeinde Neubulach, im Kreis Calw in Baden-Württemberg ist romanischen Ursprungs. Die Kirchengemeinde gehört zum Kirchenbezirk Calw-Nagold der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Die mittelalterliche Wehrkirche wurde gotisch überformt und geht auf ein Beginen Kloster zurück.
Geschichte Die Gründung der Mauritiuskirche liegt vermutlich im 11. Jahrhundert. Der untere massive Teil des Turms und das Kirchenschiff gehören zum romanischen Bau. Ein Altartisch (bis 1966) und zwei schmale Fensteröffnungen sind aus dem ursprünglichen Bau erhalten. Romanische Rundbögen sind an der Süd- und Nordwand sichtbar, 1445 ersterwähnt. Das Patrozinium St. Mauritius erhielt die Kirche 1508. In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts wurde der gotische Chor dem alten Kirchenschiff angefügt – vermutlich vom Kloster Hirsau ausgehend. Schlusssteine zeigen Maria mit dem Kind, das dornengekrönte Antlitz Christi und die Marterwerkzeuge der Passion, Dornenkrone und Kreuznägel. Farbige Blumenranken geben dem Gewölbe etwas Heiteres. Blumen der Schöpfung als Symbole der Glaubenswelt finden Verwendung: Lilien als Zeichen der Reinheit und auch der Fürsorge Gottes. Dornen symbolisieren den Sündenfall.
Ausstattung Eine Kirchenrenovierung im Jahre 1966 wirkte sich auf die Ausstattung aus: aufgefundene gotische Butzenscheiben von 1493 zieren seitdem das Kirchenschiff, vom örtlichen Bildhauer Albert Volz wurde ein neuer Altar geschaffen, auf dem das Geschehen der Schöpfung nach den Berichten der Bibel in eindrucksvoller Bildhauerarbeit dargestellt ist, und der Stuttgarter Glaskünstler Wolf-Dieter Kohler entwarf ein ungegenständliches Chorfenster, das in der Stuttgarter Glaswerkstatt Saile gefertigt wurde. Im Jahre 2004 erhielt die Mauritiuskirche eine neue Orgel aus der Orgelbauwerkstatt Rohlf in Neubulach.
Beginenkonvent Ein Beginenkonvent, eine klosterähnlichen Gemeinschaft von Frauen, die seit dem 14. Jahrhundert bis zur Reformation in Altbulach lebten, kamen in der Kirche zusammen. 1489 ist eine Klause mit Beginen erstmals erwähnt.Datenbank Klöster in Baden-Württemberg des Landesarchivs Baden-Württemberg In einigen Orten der Umgebung, wie in Wildberg, Effringen und Herrenberg, bildeten sich ebenfalls Schwesternschaften. Etwa zwölf ledige Frauen und Wittfrauen lebten in Altbulach. Sie trugen ein graues Gewand und bewohnten ihr gemeinsames Haus, das Klösterle, auf der Nordseite der Kirche. Dieses war nach der Überlieferung durch einen überdachten Gang mit der Kirche verbunden. So konnten sie durch das Nonnentörle, welches jetzt Eingangstür zur Empore höher gesetzt ist, an ihre gemeinsamen Plätze in der Kirche kommen. Beginen konnten Güter verpachten und einen eigenen Garten bewirtschaften. Die Bezeichnung Nonnengärten nördlich der Kirchhofmauer weist darauf hin. An der südlichen Außenwand der Kirche befindet sich eine Grabplatte, auf dem der Name Irmingardis mit dem Todesjahr 1393 eingehauen ist. Die Platte lag bis 1850 im Inneren der Kirche vor dem Altar. An solch hervorgehobener Stelle wurden im Mittelalter nur Persönlichkeiten bestattet, die sich durch ein heilig gemäßes Leben ausgezeichnet oder große Verdienste für die Allgemeinheit erworben haben. Es wird angenommen, dass Irmingardis eine besonders wichtige Priorin, vielleicht sogar die Stifterin des Beginenhauses war.
Literatur Die Kunst- und Altertums-Denkmale im Königreich Württemberg: Im Auftrag des K. Ministeriums des Kirchen- und Schulwesens. Neff Verlag (M. Schreiber), 1897. S. 41 Kirchenbezirk Calw-Nagold (Hg.): Die Evangelischen Kirchen im Kirchenbezirk Calw-Nagold. Neulingen 2022, S. 55
Einzelnachweise
Weblinks
Website der Kirchengemeinde Altbulach bei LEO-BW Grabplatte der Inkluse Irmengardis Inschriften
Altbulach Kategorie:Bauwerk der Romanik in Baden-Württemberg Altbulach Altbulach Altbulach Altbulach Altbulach Altbulach Kategorie:Organisation (Landkreis Calw) Kategorie:Geschichte (Landkreis Calw) Kategorie:Kulturdenkmal in Neubulach