In dieser Liste werden Schriftstellerinnen aus allen Epochen aufgeführt, deren dramatische Arbeiten einen signifikanten Teil ihres Werks ausmachen. Sie kann naturgemäß keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben.

Überblick

Antike Die Erfindung des Dramas wird gemeinhin dem Dichter und Schauspieler Thespis (6. Jahrhundert v. Chr.) zugeschrieben. Er stellte dem Chor der Dionysien einen Schauspieler gegenüber und ließ beide in einen Wechselgesang treten. Manche Wissenschaftler vermuten, dass die antike Lyrikerin Sappho (7. Jahrhundert v. Chr.) bereits ähnliche dramatische Formen ausprobierte, indem sie beispielsweise einen Mädchenchor einer Solo-Sängerin (in der Rolle Aphrodites) gegenüberstellte. Diese Aufführungen fanden jedoch nur im kleinen Kreis, für ein aristokratisches Publikum statt.

Für das antike Theater der Griechen und Römer sind keine Autorinnen überliefert. Frauen waren in der Antike generell von der Theaterproduktion ausgeschlossen. Die einzige Ausnahme stellt das volkstümliche Genre der römischen Mimen dar, in der Frauen als Schauspielerinnen und möglicherweise als (Co-)Autorinnen tätig waren.

Mittelalter Die erste Schriftstellerin, von der dramatische Texte überliefert sind, ist die Kanonisse Hrotsvit von Gandersheim (modernisiert: Roswitha von Gandersheim, um 935–nach 973). Sie verfasste geistliche Schriften, historische Dichtungen und die ersten Dramen seit der Antike. Ob ihre Texte schon zu ihren Lebzeiten aufgeführt wurden, ist umstritten. Als erste englische Dramatikerin gilt die Äbtissin Katherine of Sutton (1358–1376), die liturgische Dramen neu arrangierte und bearbeitete. Diese Dramen wurden von Nonnen des Klosters Barking gespielt.

Renaissance Im Elisabethanischen Theater traten Frauen zwar nicht als Schauspielerinnen auf, waren aber in anderen Bereichen des Theaters tätig. Theaterstücke von Frauen sind aus den Anfangsjahren des 17. Jahrhunderts überliefert. Mary Sidney brachte 1595 eine englische Übersetzung des französischen Stück Marc-Antoine (1578) von Robert Garnier heraus. Die Shakespeare-Kennerin Robin P. Williams stellte in ihrem Buch Sweet Swan of Avon: Did a Woman Write Shakespeare? die These auf, dass Sidney die Autorin der Stücke sei, die Shakespeare zugeschrieben werden. Die erste Autorin, die nachweislich ein eigenes Drama schrieb und veröffentlichte (The Tragedy of Mariam, 1613), war Elizabeth Cary (1585/86–1639). Ihr Stück war jedoch als Lesedrama konzipiert, Aufführungen sind erst ab den 1990er-Jahren belegt. Die erste Berufsschriftstellerin war Aphra Behn (1640–1689), deren erste Komödie 1670 publiziert und aufgeführt wurde.

Im spanischen Theater Ende des 16. Jahrhunderts führten kulturelle und soziale Veränderungen dazu, dass Frauen sowohl als Schauspielerinnen wie als Autorinnen in Erscheinung treten konnten. Bekannte Dramatikerinnen waren u. a. Ana Caro de Mallén oder Feliciana Enriquez de Guzmán.

Aufklärung Im Zuge der Aufklärung erlangten einige Frauen Autonomie im Bereich Wissenschaft und Kunst. Die erste Dramatikerin des 18. Jahrhunderts war Friederike Caroline Neuber (1697–1760), die als Prinzipalin einer Theatertruppe in Leipzig den Grundstein zu einem Nationaltheater legte. Im Jahr 1737 verbannte Neuber symbolisch den Hanswurst als Sinnbild für das alte Stegreiftheater von der Bühne.

Die Literaturwissenschaftlerin Susanne Kord konnte für das 18. und 19. Jahrhundert 315 Dramatikerinnen ausmachen. Sie waren fast ausnahmslos Angehörige des Adels und des Bürgertums. Etwa die Hälfte von ihnen publizierte unter Pseudonym: „Solange die gesellschaftliche Konvention die Frau in Küche und Schlafzimmer verbannte, begab sich eine Schriftstellerin auf soziales Glatteis und setzte sich der öffentlichen Kritik aus: Kritik nicht etwa an der Qualität des Geschriebenen, sondern allein an der Tatsache, daß sie schrieb - Kritik an ihrer sogenannten 'Weiblichkeit'.“

Moderne Im 19. und frühen 20. Jahrhundert wurde es für Frauen leichter Stücke zu veröffentlichen und auf die Bühne zu bringen. Trotzdem blieb es schwierig, als Dramatikerin anerkannt zu werden. Das Drama galt als männliche Gattung, Frauen konnten zunächst vor allem in den Gattungen Volksstück, Komödie oder Lustspiel reüssieren. Autorinnen, die als Dramatikerinnen erfolgreich gespielt wurden, waren beispielsweise Githa Sowerby (1876–1970) in England, Gabriela Zapolska (1857–1921) in Polen (ihre Stücke wurden in ganz Europa gespielt) oder Marie Eugenie Delle Grazie (1864–1931) in Österreich.

Zeitstücke der Zwischenkriegszeit „Nach dem Ersten Weltkrieg, als Sinn und Wert einer monarchisch-patriarchalischen Ordnung zerstört waren und sich dementsprechend der festgefügte Kanon ästhetischer Formen in der Kunst und Literatur, im Drama und Theater aufzulösen begannen, traten bedeutende Dramatikerinnen hervor“. Für die Zeit der Weimarer Republik recherchierte die Literaturwissenschaftlerin Anne Stürzer rund 150 Dramatikerinnen. Sie arbeiteten in allen Genres. Besonders konnten sie sich jedoch in der Gattung der politisch engagierten Zeitstücke durchsetzen. Wichtige Autorinnen waren hier u. a. Anna Gmeyner (1902–1991), Gina Kaus (1893–1985) oder Marieluise Fleißer (1901–1974).

Afroamerikanische Dramatikerinnen Durch die Bewegung der Harlem Renaissance verschafften sich in den 1920er-Jahren afroamerikanische Autorinnen zunehmend Gehör. Angelina Weld Grimkés (1880–1958) Theaterstück Rachel (1916) gilt als erstes Stück einer afroamerikanischen Dramatikerin, das öffentlich aufgeführt wurde. Andere Dramatikerinnen der Harlem Renaissance waren Zora Neale Hurston (1891–1960), Georgia Douglas Johnson (1877/86–1966), Eloise Bibb Thompson (1878–1928) oder Marita Bonner (1899–1971). Mit dem Stück A Raisin in the Sun (1950) gelang es Lorraine Hansberry (1930–1965) als erste afroamerikanische Autorin am Broadway gespielt zu werden. Weitere bekannte afroamerikanische Dramatikerinnen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts waren u. a. Ntozake Shange (1948–2018), Alice Childress (1920–1994) oder Suzan-Lori Parks (* 1963).

Nach dem Zweiten Weltkrieg

Im deutschsprachigen Theater „Der Nationalsozialismus zerstörte die literarische Avantgarde. Sein ideologisches Verdikt betraf aber besonders Frauen, die in den Bereich der Familie, der häuslichen Reproduktion zurückverwiesen wurden. Das Scheitern einer beginnen politischen und künstlerischen Emanzipation in der Weimarer Republik, und die Reduktion der Frau auf die Rolle der Hausfrau und Mutter musste überwunden und aufgeholt werden. Das dauerte bis in die fünfziger Jahre hinein.“ Die Theaterwissenschaftlerin Anke Roeder schreibt, dass erst in der Mitte der 1970er-Jahre Stücke von Autorinnen wahrgenommen wurden. Hierzu gehörten vor allem Ursula Krechel (* 1947) und Gerlind Reinshagen (1926–2019). Ab den 1980er-Jahren treten Autorinnen wie Ginka Steinwachs (* 1942), Elfriede Jelinek (* 1946), Friederike Roth (* 1948) oder Dea Loher (* 1964) unübersehbar hervor.

Im angloamerikanischen Theater In den 1970er- und 80er-Jahren erscheinen die ersten historischen Anthologien mit Theaterstücken von Dramatikerinnen. Der literarische Kanon wird von Literaturwissenschaftlerinnen einer feministischen Kritik unterzogen. Stücke von Aphra Behn (1640–1689), Mary Pix (1666–1709) oder Githa Sowerby (1876–1970) werden wiederentdeckt und aufgeführt.

Liste (alphabetisch)

A mini|218x218px|Zoë Akins Nora Abdel-Maksoud (* 1983), deutsche Schauspielerin, Dramatikerin und Regisseurin Catherine Acholonu (1951–2014), nigerianischer Schriftstellerin und Dozentin Judith Adong (* 1977), ugandische Dramatikerin und Filmemacherin Ama Ata Aidoo (1942–2023), ghanaische Schriftstellerin und Politikerin Adalet Ağaoğlu (1929–2020), türkische Schriftstellerin Isidora Aguirre (1919–2011), chilenische Dramatikerin Ahlam (o.A.), Pseudonym einer ägyptischen Dramatikerin und Preisträgerin des Women's Prize for Playwriting 2020 María Luisa Algarra (1916–1957), spanisch-mexikanische Dramatikerin Dora Alonso (1910–2001), kubanische Journalistin und Schriftstellerin Amalie von Sachsen [Pseud. Amalie Heiter] (1794–1870), deutsche Schriftstellerin, Komponistin und Librettistin sowie Mitglied des sächsischen Königshauses Loula Anagnostaki (1928–2017), griechische Schriftstellerin Isabella Andreini (1562–1604), italienische Schauspielerin und Autorin Christine Angot (* 1959), französische Schriftstellerin Trey Anthony (* 1983), kanadische Dramatikerin, Schauspielerin und Produzentin Zoë Akins (1886–1958), US-amerikanische Schriftstellerin, Pulitzer-Preisträgerin Sophie Albrecht (1756–1840), deutsche Schauspielerin und Schriftstellerin Marie Alvarez (* 1988), argentinische Dramatikerin Lidia Amejko (* 1955), polnische Dramatikerin und Romanautorin Olena Aptschel (* 1986), ukrainische Regisseurin, Wissenschaftlerin und Dramatikerin Maya Arad Yasur (* 1971), israelische Dramatikerin Millicent Armstrong (1888–1973), australische Dramatikerin Gisela von Arnim (1827–1889), deutsche Schriftstellerin Theresa von Artner (1772–1829), ungarndeutsche Schriftstellerin Aspazija (1865–1943), lettische Schriftstellerin Elsie Attenhofer (1909–1999), Schweizer Kabarettistin, Schauspielerin, Schriftstellerin und Diseuse

B mini|202x202px|Charlotte Birch-Pfeiffer Jalila Baccar (* 1952), tunesische Dramatikerin und Schauspielerin Olga Bach (* 1990), deutsche Dramatikerin Enid Bagnold (1889–1981), britische Schriftstellerin und Dramatikerin Joanna Baillie (1762–1851), britische Dichterin der Romantik Elizabeth Baker (1876–1962), britische Dramatikerin Djuna Barnes (1892–1982), US-amerikanische Schriftstellerin Clare Barron (o.A.), US-amerikanische Dramatikerin und Schauspielerin Antonie Baumberg (1857–1902), österreichische Schriftstellerin Elisabeth Baumgartner (1889–1957), Schweizer Bäuerin und Verfasserin von Theaterstücken und Hörspielen in Berndeutsch Emmanuelle Bayamack-Tam (* 1966), französische Schriftstellerin und Dramatikerin Natalie Beer (1903–1987), österreichische Schriftstellerin Aphra Behn (1640–1689), die erste öffentlich auftretende Berufsschriftstellerin Englands Loleh Bellon (1925–1999), französische Schauspielerin und Dramatikerin Ewelina Benbenek (* 1985), deutsche Dramatikerin und Literaturwissenschaftlerin Simone Benmussa (1932–2001), in Algerien geborene französische Autorin Sivan Ben Yishai (* 1978), in Israel geborene, in Deutschland lebende Autorin und Regisseurin Elsa Bernstein [Pseud. Ernst Rosmer] (1866–1949), deutsch-österreichische Schriftstellerin und Bühnenautorin Sibylle Berg (* 1962), deutsch-schweizerische Schriftstellerin und Dramatikerin Olga Fjodorowna Bergholz (1910–1975), russische Schriftstellerin Aimée Daniell Beringer [Pseud. Mrs. Oscar Beringer] (1856–1936), in den USA geborene englische Dramatikerin Catherine Bernard (1662–1712), französische Dramatikerin Maja Beutler (1936–2021), Schweizer Schriftstellerin und Dramatikerin Sonali Bhattacharyya (* 1978), afghanisch-englische Dramatikerin Eloise Bibb Thompson (1878–1928), afroamerikanische Dramatikerin, Dichterin und Journalistin Alice Birch (* 1986), britische Theaterautorin Charlotte Birch-Pfeiffer (1800–1868), deutsche Schauspielerin, Theaterleiterin und Schriftstellerin Lola Blasco (* 1983), spanische Dramatikerin, Schauspielerin und Dozentin Natalia Blok (* 1980), ukrainische Dramatikerin und Regisseurin Frances Boothby (bl. 1669–1670), englische Schriftstellerin, gilt als erste Autorin, von der ein Theaterstück in London auf die Bühne kam (1669) Marita Bonner (1899–1971), afroamerikanische Schriftstellerin, Essayistin und Dramatikerin Carmen Boullosa (* 1954), mexikanische Schriftstellerin, Lyrikerin und Theaterautorin Mona Brand (1915–2007), australische Dramatikerin Anna Alexejewna Brenko (1848–1934), russisch-sowjetische Schauspielerin, Regisseurin, Dramatikerin und Unternehmerin Anna Brigadere (1861–1933), lettische Schriftstellerin Anna Bro (* 1980), dänische Dramatikerin