mini|hochkant|Atelierhaus des Bundes Bildender Künstlerinnen Württembergs, Stuttgart, Eugenstraße 17
Der Bund Bildender Künstlerinnen Württembergs e. V. (BBK/W) wurde 1945 gegründet und ist ein gemeinnütziger Verein zur Förderung von Künstlerinnen in Stuttgart und Umgebung. Er ist die Nachfolgeorganisation des 1893 gegründeten Württembergischen Malerinnenvereins.
Geschichte
Gründung und frühe Jahre (1893–1933) Am 25. Februar 1893 wurde der Württembergische Malerinnenverein gegründet. Es war ein großer Schritt der Selbstbehauptung und lief dem damaligen Frauenbild konträr, dass sich Künstlerinnen selbst organisierten und ihr berufliches Geschick in die eigenen Hände nahmen. Bereits im selben Jahr fand die erste Ausstellung im Museum der bildenden Künste (heute Staatsgalerie Stuttgart) statt und wurde als großer Erfolg gefeiert. 1894 folgte das erste Vereinsstatut, 1900 der Eintrag ins Vereinsregister. 1907 erwarb der Verein ein eigenes Atelierhaus in der Eugenstraße, das 1914 erweitert wurde. Nach dem Ersten Weltkrieg legte Königin Charlotte 1919 ihr Protektorat nieder. 1925 fand eine Tagung des Bundes deutscher Künstlerinnenvereine im Malerinnenhaus statt, 1929 wurde ein Sommerhaus in Anhausen, Lautertal, erworben.
Zeit des Nationalsozialismus (1933–1945) Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde der Verein am 28. Juli 1933 gleichgeschaltet. Der Vereinsvorstand trat geschlossen zurück. Die Vereinssatzung wurde außer Kraft gesetzt, jüdische Mitglieder wurden ausgeschlossen. Ihre Bilder wurden aus Sammlungen beschlagnahmt, im Krieg zerstört oder gingen bis Kriegsende verloren. Alice Harburger, Käthe Loewenthal und Clara Neuburger wurden vom nationalsozialistischen Regime verfolgt und ermordet. Die künstlerische Freiheit und Vielfalt des Vereins wurden massiv eingeschränkt.
Neuanfang und Öffnung zur Moderne (1945–1983) 1945 nahm der Verein seine Tätigkeit wieder auf und nannte sich fortan Bund Bildender Künstlerinnen Württembergs e. V. 1954 musste das Sommerhaus verkauft werden. 1966 fand eine Mitglieder- und Gedächtnisausstellung im Württembergischen Kunstverein statt. In den 1970er Jahren öffnete sich der Verein der zeitgenössischen Kunst – konkrete und abstrakte Malerei prägten das Bild. 1983 wurde das 100-jährige Bestehen des Malerinnenhauses gefeiert. Ein Jubiläumskatalog zog Bilanz: Künstlerinnen waren nun selbstverständlich Teil des öffentlichen Kunstlebens.
Wandel, Vielfalt und neue Formate (1993–2013) 1993 feierte der Verein sein 100-jähriges Bestehen mit Ausstellungen in mehreren Städten. Die Jahrtausendwende brachte neue Impulse: regelmäßige Teilnahme an der Langen Nacht der Museen, neue Ausstellungsreihen wie xhoch², Performances, Videoprojekte und Kooperationen mit anderen Institutionen. 2013 wurde das Jubiläum mit acht Themenausstellungen gefeiert.
Digitale Transformation und aktuelle Entwicklungen (2015–heute) Seit 2015 bereichern neue Formate wie der „Tag der offenen Tür“ und die Kunstmesse „Kauf dir Kunst“ das Programm. Die Corona-Pandemie 2020 stellte den Verein vor große Herausforderungen – Ausstellungen mussten schließen, doch digitale Formate wie Ausstellungsfilme, eine neue Website und Social Media stärkten die Sichtbarkeit des Vereins. Einigen historisch bedeutsamen Mitgliedern wurde ein Platz auf der Homepage eingeräumt. 2022 präsentierten über 40 Mitglieder ihre Werke auf einer Kunstmesse im Regierungspräsidium Karlsruhe. Es gab und gibt Kooperationen mit anderen Kunstorganisationen wie der GEDOK sowie regelmäßige Ausstellungen auch außerhalb des Atelierhauses, etwa im Torturm Markgröningen, in der Zehntscheuer Münsingen und an weiteren Orten.
Leitung Das Führungsteam des BBK/W besteht aus einem vierköpfigen Vorstand und einem künstlerischen Beirat von etwa neun Mitgliedern. Vorstand und Beirat werden alle drei Jahre von den Mitgliedern gewählt und arbeiten ehrenamtlich. Vorsitzende seit der Umbenennung in Bund Bildender Künstlerinnen Württembergs e. V.:
1945–1946: Franziska Sarwey (provisorisch) 1946–1948: Elisabeth Hahn 1948–1956: Franziska Sarwey 1956–1972: Herta Rössle 1972–1993: Anneliese Höschele 1995–1996: Gisela Cichy 1996–2014: Ulli Heyd 2014–2023: Birgit Herzberg-Jochum und Yvonne Rudisch 2023 bildete sich ein neues Vorstandsteam, bestehend aus Claudia Fuchs, Monika Plattner, Sabine Sulz und Annette Trefz.
Atelierhaus mini|hochkant|Eingang zum Atelierhaus Das Atelierhaus, 1883 vom Stararchitekten Christian von Leins konzipiert und gebaut, kam 1907 in Vereinsbesitz. Der Malerinnenverein erfüllte sich damit den Wunsch nach Unabhängigkeit. Der Kaufpreis von 4200 Goldmark wurde durch persönliche Einlagen der Mitglieder und durch Einkünfte aus Veranstaltungen, wie der stadtbekannten Damenbälle, zusammengetragen.
Bis heute ist das Haus der Mittelpunkt des Vereinslebens, mit eigener Galerie, 11 Ateliers, einem Salon für kleine Veranstaltungen und der historischen Bilder- und Dokumentensammlung des Vereins. Das Atelierhaus wurde 1907 Eigentum des Württembergischen Malerinnenvereins und ging 1945 in das Eigentum des umbenannten Vereins über. Die Ateliers werden an Mitglieder vermietet.
Das Atelierhaus war nach Ende des Zweiten Weltkriegs durch Bomben geschädigt, aber dennoch zunächst das einzige erhaltene Ausstellungsgebäude in der Stuttgarter Innenstadt. Im August 1945 wurde schon die erste Ausstellung durchgeführt. Das Haus wurde auch rasch vom Städtischen Wohnungsamt beansprucht. Deshalb versuchte man, so schnell wie möglich, den Verein neu zu organisieren.
1980 wurde das Atelierhaus mit Hilfe der Stadt Stuttgart renoviert. Seit 1992 gibt es einen Ausstellungsraum im Erdgeschoss des Hauses, sodass seitdem pro Jahr mehrere Ausstellungen dort stattfinden können, in denen die Mitglieder ihre aktuellen künstlerischen Positionen darstellen. 2001 wurden der Ausstellungssaal und das Treppenhaus renoviert.
Vereinsleben Der Verein besitzt ein eigenes Atelierhaus in Stuttgart an der Eugenstaffel. Rund hundert zeitgenössische Künstlerinnen sind im Verein zusammengeschlossen. Malerei, Grafik, Installation, Fotografie, Plastik – alle Sparten sind vertreten. Im eigenen Atelierhaus zeigen die Mitglieder in jährlich ca. acht bis zehn jurierten Ausstellungen Auszüge ihrer aktuellen künstlerischen Positionen. Durch Kunstgespräche, offene Atelier-Tage sowie Kooperationen mit anderen Institutionen bilden Künstlerinnen ein aktives Netzwerk, in dem sie sich lebendig und aktuell austauschen können.
Finanzierung Finanziert wird der Verein durch Mitgliedsbeiträge, Spenden und die regelmäßige finanzielle Förderung durch die Stadt Stuttgart und das Land Baden-Württemberg. 1954 wurde das Sommerhaus des Vereins in Anhausen aus finanziellen Gründen verkauft. 2005 spendete Diane Herzogin von Württemberg ihr Preisgeld für den Montblanc de la Culture Arts Patronage Award in Höhe von 15.000 Euro an den Verein.
Ehemalige Mitglieder (Auswahl) Die bekannteren der ehemaligen Mitglieder im Bund Bildender Künstlerinnen Württembergs sind:
Agathe Baumann (1921–2013) – Mitglied 1962–2013 Emma Bechtle-Kappis (1875–1957) – Mitglied 1928–1957 Gerlinde Beck (1930–2006) – Mitglied 1961–1968 Hilde Böklen (1897–1987) – Mitglied 1928–1987 Clara Brigel (1872–1955) – Mitglied 1913–1955 Grete Csaki-Copony (1883–1990) – Mitglied 1937–1990 Elise Daimler (1875–1956) – Mitglied 1907–1956 Els Daniel-Stroh (1885–1990) – Mitglied 1960–1968 Luise Deicher (1891–1973) – Mitglied 1960–1968 Ursula Dethleffs (1933–1994) – Mitglied 1960–1994 Friedel Dethleffs-Edelmann (1899–1982) – Mitglied 1936–1982 Lore Doerr-Niessner (1920–1983) – Mitglied 1945–1960 Ruth Dolmetsch (1918–2000) – Mitglied 1942–2000 Helma von Feldmann (1903–1989) – Mitglied 1970–1989 Elisabeth Hahn (1883–1967) – Mitglied 1928–1958 Clara Harnack (1877–1962) – Mitglied 1910–1968 Julia Hauff (1900–1989) – Mitglied 1945–1989 Margot Jolanthe Hemberger (1921–2016) – Mitglied 1950–2016 Romane Holderried-Kaesdorf (1922–2007) – Mitglied 1949–1954 Grete Huchler (1916–1993) – Mitglied 1943–1993 Ilse Beate Jäkel (1907–1982) – Mitglied 1937–1982 Lilli Kerzinger-Werth (1897–1971) – Mitglied 1931–1971 Johanna Koch (1866–1951) – Mitglied 1894–1951 Eleonore Kötter (1932–2017) – Mitglied 1960–1981 Maria Krauskopf (1875–1958) – Mitglied 1945–1958 Ulla Renner-Albrecht (1933–2014) – Mitglied 1971–2014 Herta Rössle (1906–1991) – Mitglied 1932–1991 Ulla Schenkel (* 1939) – Mitglied 1970–1976 Elisabeth Schönleber (1877–1960) – Mitglied 1928–1956 Hanne Schorp-Pflumm (1921–1990) – Mitglied 1960–1990 Mares Schultz (1920–2013) – Mitglied 1950–2013 Maria Schwab-Hasse (1909–1988) – Mitglied 1934–1988 Marie Sieger–Polack (1886–1970) – Mitglied 1928–1970 Gudrun Irene Widmann (1919–2011) – Mitglied 1938–1970, 1980
Die aktuellen Künstler-Mitglieder sind auf der Website des Vereins einsehbar.
Ausstellungen (Auswahl außerhalb des Atelierhauses) 1966: Bund Bildender Künstlerinnen Württembergs e. V., Württembergischer Kunstverein, 7.–29. Mai 1966 seit 1978: Jährlich im Rathaus Stuttgart 2001: Die Kunst bleibt im Dorf, Freilichtmuseum Beuren, Esslingen 2007: deLight, KUNSTBEZIRK, Galerie im Gustav-Siegle-Haus 2015 – heute: NEW – Neue Mitglieder stellen sich vor, jährlich im Atelierhaus 2015: Klasse der Damen, Städtische Galerie Esslingen, Leihgaben aus den historischen Beständen des BBK/W 2016: Verortung, Kunstbezirk Stuttgart 2017 – heute: Kauf Dir Kunst, jährliche Kunstmesse im Atelierhaus 2018: Tutti, Wasserschloss Bad Rappenau 2019: Netzwerkerinnen der Moderne, Zehntscheuer Böblingen 2019: QUERSCHNITT, Landratsamt Esslingen, 125 Jahre BBK Württemberg 2022: ECHT JETZT!, Ausstellungskatalog, Regierungspräsidium Karlsruhe 2022: Inside-Out, Kunstbezirk Stuttgart 2024: Irritationen, Kunstbezirk 2024: Schwäbische Impressionistinnen, mit historischen Beständen des BBK/W, Schloss Achberg, Städtische Galerie Bietigheim 2024: Think big, Orgelfabrik Durlach 2025: Torturm Markgröningen
Publikationen
Literatur
Edith Neumann: “Mög' Euch Apollon Führer sein!”: das Künstlerinnenhaus in Stuttgart. In: Schwäbischer Heimatbund (Hrsg.): Schwäbische Heimat, Stuttgart 2007, S. 435–438 (Digitalisat).
Weblinks
Internetauftritt des Bundes Bildender Künstlerinnen Württembergs Ausstellungsfilme 2020-heute BKK Tür auf! 2016, Video vom Tag des offenen Ateliers
Einzelnachweise
Kategorie:Kunstverein (Stuttgart) Kategorie:Vereinsgründung 1945 Kategorie:Bildende Kunst (Baden-Württemberg) Kategorie:Württemberg Kategorie:Stuttgart-Mitte