Die Cyclocross-Weltmeisterschaften 2022 fanden am 29. und 30. Januar in Fayetteville statt. Die Weltmeisterschaften wurden damit das zweite Mal nach 2013 in den Vereinigten Staaten ausgetragen.
Ablauf
Die Leitung des Radsport-Weltverbands UCI vergab Anfang 2019 die Ausrichtung der WM an das im Nordwesten von Arkansas gelegene Fayetteville. Die Veranstaltung wurde dort von der Vereinigung Bike NWA organisiert, die durch eine Stiftung der Familie Walton unterstützt wurde, den Gründern des in jener Region ansässigen Konzerns Walmart. In diesem Zuge war ab 2018 am Westrand von Fayetteville der Centennial Park mit Anlagen für Mountainbikesport und Cyclocross eingerichtet worden, wo die Weltmeisterschaften dann auch stattfanden. Drei Monate zuvor wurde im Rahmen des Weltcups ebenfalls ein Rennen in Fayetteville abgehalten, das Quinten Hermans bzw. Lucinda Brand gewannen. Der Parcours war relativ breit angelegt mit wenigen technischen Schwierigkeiten, aber einigen Kunstbauten wie Brücken und einer langen Treppe. Pro Runde waren 3,1 km Strecke und 53 Höhenmeter Steigungen zurückzulegen.
Die Weltmeisterschaften standen im Zeichen der weiter anhaltenden weltweiten Corona-Krise. Zwar wurde im Gegensatz zur Vorjahr wieder das volle Programm durchgeführt, doch gab es auch viele Absagen. Der dreifache Weltmeister Wout van Aert verzichtete wegen seiner Vorbereitungen auf die Frühjahrsklassiker, während der vierfache Weltmeister und Titelverteidiger Mathieu van der Poel verletzungsbedingt passen musste. Von den übrigen Favoriten mussten Denise Betsema wegen eines Fiebers und Quinten Hermans sowie Annemarie Worst wegen positiver Corona-Tests auf den Flug in die USA verzichten. Auch die italienische Mannschaft verzeichnete zahlreiche coronabedingte Ausfälle, während andere Verbände auch wegen logistischer Probleme von vornherein ihr Aufgebot reduzierten; so meldete die mitfavorisierte niederländische Mannschaft nur zwei Teilnehmer zum Elite-Rennen der Männer. Die gemeldeten Aufgebote umfassten 219 Athleten aus 21 Nationen, darunter erstmals Mexiko und Costa Rica. Allerdings sorgten Infektionen vor Ort für weitere Ausfälle, etwa von Judith Krahl, so dass letztlich nur 188 Fahrer in die endgültigen Startlisten aufgenommen wurden.
Es wurden sechs Wettbewerbe durchgeführt, in den Kategorien Elite, U23 und Junioren jeweils für Männer und Frauen. Dazu gab es erstmals eine Mixed-Staffel, allerdings als Demonstrations-Wettbewerb am Tag vor den eigentlichen Wettkämpfen. Es fand eine Siegerehrung statt, aber ohne Vergabe von Medaillen oder Regenbogentrikots. Die Mannschaften bestanden aus je zwei Männern und zwei Frauen mit höchstens einem Elite-Athleten pro Geschlecht. Jeder Teilnehmer fuhr dabei genau eine Runde des Parcours. Insgesamt gingen sieben Mannschaften an den Start, davon je zwei Teams aus den USA und Kanada. Es gewann Italien vor den USA und Belgien. Der Zeitplan der eigentlichen Titelkämpfe war wie folgt (Angaben in Ortszeit, CST):
29. Januar: Juniorinnen (11:00), Männer U23 (13:00), Frauen Elite (14:30) 30. Januar: Junioren (11:00), Frauen U23 (13:00), Männer Elite (14:30)
Die Dauer der Rennen in den weiblichen Kategorien wurde neu geregelt, nachdem dort in den Jahren zuvor die Kategorien der Juniorinnen und U23 eingerichtet worden waren. Die Richtzeit betrug nunmehr 40 Minuten für Juniorinnen, 45 Minuten für die U23 und 50 Minuten für die Elite. Bei den Männern blieben die Richtzeiten bei 40, 50 bzw. 60 Minuten.
Ergebnisse
Juniorinnen
mini|Siegerehrung der Juniorinnen
Platz Name Zeit (min) 1 41:16 2 + 0:32 3 + 0:57 4 + 1:06 5 + 1:09 6 Lilou Fabrègue gl. Zeit 7 + 1:38 8 + 1:49 9 Alma Johansson + 1:57 10 + 2:03
Es gingen 24 Fahrerinnen aus 9 Nationen an den Start des aus fünf Runden bestehenden Parcours. Der Rennverlauf bestätigte die Ergebnisse des Weltcups; Favoritin Zoe Bäckstedt setzte sich gleich in der ersten Runde ab und fuhr einen ungefährdeten Sieg heraus, während Leonie Bentveld einen ebenso ungefährdeten zweiten Platz belegte. Lauren Molengraaf setzte sich ihrerseits in der dritten Runde von den übrigen Verfolgerinnen ab und vervollständigte das Podium.
Männer U23
Platz Name Zeit (min) 1 49:21 2 + 0:13 3 + 0:33 4 Mees Hendrikx gl. Zeit 5 gl. Zeit 6 + 0:38 7 + 0:40 8 + 1:15 9 + 1:32 10 + 1:37
41 Fahrer aus 15 Nationen beteiligten sich am U23-Rennen über sieben Runden, das ganz vom Duell zwischen den Teams aus Belgien und den Niederlanden geprägt war; außer diesen konnte sich nur der Brite Cameron Mason im Verfolgerfeld halten. Mitte der zweiten Runde lancierte Joran Wyseure eine Attacke und setzte sich allmählich ab. Die Niederländer, die man wiederholt untereinander gestikulieren sah, konnten sich zunächst nicht auf eine effektive Nachführarbeit verständigen; als sie es doch taten, konnten sie den Vorsprung Wyseures nur bei konstant 15 Sekunden halten. Ausgangs der vorletzten Runde setzte sich Emiel Verstrynge seinerseits vom Verfolgerfeld ab, und Thibau Nys komplettierte im Zielsprint den totalen belgischen Erfolg.
Frauen
mini|hochkant|Marianne Vos
Platz Name Zeit (min) 1 55:00 2 + 0:01 3 + 0:51 4 + 1:04 5 + 1:05 6 gl. Zeit 7 + 1:39 8 + 1:59 9 gl. Zeit 10 + 2:12
Das Rennen über sieben Runden wurde von 30 Fahrerinnen aus 11 Nationen bestritten. Gleich zu Beginn setzte sich Lucinda Brand an die Spitze und sorgte für hohes Tempo; allein Silvia Persico konnte noch zu der Führungsgruppe mit drei Niederländerinnen aufschließen. Zum Ende der zweiten Runde musste Ceylin del Carmen Alvarado ebenso wie Persico abreißen lassen, und es kam zum erwarteten Duell zwischen Titelverteidigerin Brand und Altmeisterin Marianne Vos. Die beiden ließen einander nie aus den Augen und vermochten die andere auch nicht abzuschütteln. Auf der Zielgeraden hatte Vos den stärkeren Sprint und gewann ihren achten Titel – acht Jahre nach ihrem letzten WM-Gewinn und 16 Jahre nach ihrem ersten. Im Kampf um Platz 3 nutzte Persico einen Fehler von Alvarado auf der Schlussrunde und gewann Bronze.
Junioren
Platz Name Zeit (min) 1 43:11 2 Aaron Dockx + 0:01 3 Nathan Smith gl. Zeit 4 Corentin Lequet + 0:20 5 gl. Zeit 6 Viktor Vandenberghe + 0:33 7 Wies Nuyens + 0:35 8 Ian Ackert + 0:39 9 David Haverdings + 0:41 10 Daniel Nielsen + 0:49
Zu Beginn des zweiten Tags gingen 33 der 34 gemeldeten Fahrer aus 15 Nationen an den Start des Rennens, es wurden sechs Runden gefahren. Der Niederländer David Haverdings, der den Weltcup dominiert hatte, stürzte anfangs der zweiten Runde in der Abfahrt und fiel weit zurück. Die Führungsgruppe dünnte sich langsam aus, bis nach vier Runden ein Trio bestehend aus dem Schweizer Jan Christen, dem belgischen Europameister Aaron Dockx und dem Briten Nathan Smith übrig war, die auch den Zielsprint bestritten. Christen übersprintete Dockx und gewann den ersten WM-Titel für die Schweiz seit 1998.
Frauen U23
mini|hochkant|Puck Pieterse
Platz Name Zeit (min) 1 46:27 2 gl. Zeit 3 + 0:12 4 Line Burquier + 0:39 5 + 1:26 6 + 1:49 7 Kristýna Zemanová + 2:15 8 Madigan Munro + 2:16 9 Katie Clouse + 3:03 10 Harriet Harnden + 3:34
Das Rennen über sechs Runden wurde von 23 Fahrerinnen aus 12 Nationen bestritten. Nicht am Start war die Dritte des Vorjahrs, Kata Blanka Vas, die freiwillig zwei Jahre vor der Zeit in die Elite aufgerückt war.
In der zweiten Runde lancierte Shirin van Anrooij eine Attacke, die zunächst nur Puck Pieterse mitgehen konnte; Fem van Empel schloss in der vierten Runde wieder auf. Hinter dem Führungstrio blieb Line Burquier stets in Schlagweite; auch die anderen Top-10-Positionen waren zu diesem Zeitpunkt weitgehend vergeben, mit der Luxemburgerin Marie Schreiber an sechster Stelle. In der fünften und sechsten Runde attackierte Pieterse zweimal, zunächst ohne Erfolg. Als van Empel an einem steilen Hügel auf Pieterses Hinterrad auffuhr, sprang ihre Kette ab. Van Anrooij wurde ebenfalls aufgehalten, kam aber nochmal zurück. Auf der Zielgeraden konnte Pieterse van Anrooijs Sprint gerade noch abhalten.
Männer
mini|Tom Pidcock
Platz Name Zeit (h) 1 1:00:36 2 + 0:30 3 + 0:32 4 + 0:52 5 + 0:57 — + 1:02 6 + 1:06 7 + 1:16 8 + 1:36 9 + 1:44 10 + 1:46
Nachdem Mathieu van der Poel und Wout van Aert abgesagt hatten, hatte keiner der anwesenden Fahrer zuvor die WM gewonnen. Thomas Pidcock nutzte seine Chance, griff in der vierten von neun Runden an und vergrößerte kontinuierlich seine Führung. In der siebten Runde setzte sich Lars van der Haar vom Rest ab, nur Eli Iserbyt blieb hartnäckig an seinem Hinterrad; auf der Zielgeraden hatte van der Haar mehr Reserven und gewann Silber hinter Pidcock, der sich zum ersten britischen Weltmeister in der Elite krönte.
Insgesamt beteiligten sich 36 Fahrer aus 14 Ländern. Toon Aerts, der das Rennen ursprünglich auf dem sechsten Platz beendet hatte, wurde später wegen einer bereits vor der WM erfolgten Dopingprobe aus dem Ergebnis gestrichen.
Aufgebote
Die Vertreter der deutschsprachigen Verbände erzielten folgende Ergebnisse:
Bund Deutscher Radfahrer
Männer Elite: Marcel Meisen (17.) Frauen Elite: Elisabeth Brandau (12.) Männer U23: Pascal Tömke (33.) Frauen U23: Clea Seidel (21.) Junioren: Silas Kuschla (22.)
Swiss Cycling
Männer Elite: Kevin Kuhn (8.), Gilles Mottiez (22.) Männer U23: Dario Lillo (12.), Loris Rouiller (19.), Jan Sommer (26.), Lars Sommer (27.) Junioren: Jan Christen (1.)
Fédération du Sport Cycliste Luxembourgeois
Frauen U23: Marie Schreiber (6.)
Weblinks
Cyclocross-WM 2022 auf der UCI-Website Berichte und Ergebnisse bei CyclingNews Aufzeichnung des Frauenrennens im Youtube-Kanal der UCI Offizielle Resultate bei ChronoRace
Cyclocross-Weltmeisterschaften 2022 in der Datenbank von ProCyclingStats
Einzelnachweise
#2022 Kategorie:Radsportwettbewerb in den Vereinigten Staaten Kategorie:Sportveranstaltung in Arkansas Kategorie:Sport (Fayetteville, Arkansas) Kategorie:Radsportveranstaltung 2022